Anlässlich dieser Bilderserie, möchte ich euch auch von ein paar "Hintergrundinformationen" profitieren lassen :
(Vielleicht wird die eine o. andere Hintergrundinformation euch erstaunlich erscheinen)
Erstens, ist m.E. etwas zu den Bonsaischalen erwähnenswert : in
Japan haben neu Bonsaischalen grundsätzlich einen geringeren Wert als gebrauchte Bonsaischalen mit Patina die eine Geschichte haben. Und wertvolle Bonsaischalen werden oft gemietet.
Zum Beispiel werden neue Schalen (z.B. von Tokoname) in
Japan ohne Holzschatullen verkauft. Bonsaischalen (wie z.B. die auf dem Bild Nr. 28), die in einer schönen Holzschatulle verkauft werden, sind fast alle gebrauchte Bonsaischalen die schon eine Patina haben. Bonsaischalen die eine Geschichte haben sind in
Japan viel begehrter als neue Schalen.
Für Ausstellungen mietet man oft eine sehr wertvolle u. gebrauchte Bonsaischale. Dies ist in Europa nicht üblich : eine Bonsaischale für eine Ausstellung zu mieten. Wenn man aber den sehr hohen Standard der Ausstellungen in
Japan betrachtet, und man weiß, daß eine wertvolle alte Bonsaischale oft eine 4-stellige Summe erreichen kann, ist das Mieten einfacher zu verstehen.
Vielleicht kann uns dazu (wertvolle gebrauchte Bonsaischalen mit Patina und die eine Geschichte haben u. Mieten von Bonsaischalen für Ausstellungen) Peter Krebs noch mehr Informationen geben.

- Kokufu_Green_Club_028.jpg (24.31 KiB) 2560 mal betrachtet
Zweitens ist m.E. auch erwähnenswert, daß sehr wertvolle Bonsai, die auf Ausstellungen wie die Kokufu-Ten ausgestellt u.prämiert wurden, regelmässig den Besitzer wechseln (und z.B. an solchen Ort wie der Green Club verkauft werden).
Dies mag uns Europäer vielleicht auch etwas erstaunlich erscheinen, beruht aber vermutlich auf ein falsches Bild, daß wir von Bonsai in
Japan haben.
In
Japan gehören diese wertvollen "Kokufu-Bonsai" sowohl reichen u. sehr wohlhabenden Sammler, als auch bescheideneren Sammler.
Reiche Sammler denen solche "Masterpieces" gehören, kaufen beispielsweise vielversprechende Bäume bei Kato, Sudo, usw. und lassen sie dann durch einen Gestalter wie Kimura, Kobayashi, usw. vorbereiten.
Bescheidenere Sammler, die ihre Bäume selbst sehr lange kultivieren und pflegen, und bei große Events wie die Kokufu ausstellen, verschulden sich teilweise bis über den Kopf um für die Zeit der Ausstellung eine wertvolle Bonsaischale (o. ein Tablett) zu mieten.
Es passiert auch immer öfters (da Bonsai in
Japan hauptsächlich von alten Männern betrieben wird), daß ein Sammler stirbt und seine Kinder alle Bäume verkaufen weil es sie nicht interessiert... Oder, daß ein bescheidener Sammler das Geld benötigt um sich ein neues Fahrzeug zu kaufen oder einfach um seine Miete zu bezahlen... So ist das Leben...
Erwähnenswert ist auch, daß es in
Japan regelmässig passiert, daß ein Sammler nach einer Ausstellung wie die Kokufu ein Bonsai aus seiner Sammlung mit einem Gewinn von über 200% verkauft weil der Baum einen Preis bei dieser Ausstellung bekommen hat. Wieder andere Sammler verkaufen ihre Bäume mit einem Gewinn nur wegen der Tatsache, daß der Baum dort ausgestellt wurde, auch wenn er nicht prämiert wurde.
Was wir daher, beim betrachten solchen fabelhaften Bonsaibilder, nicht aus dem Auge verlieren sollten ist, daß Bonsai in
Japan nicht "nur" eine jahrtausend alte Tradition ist (ein Weg zur Meditation, usw.), sondern auch ein Geschäft.
Viele Grüße,
Thierry