Birken ohne Äste als Yamadori?

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hwolf
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Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von hwolf »

Hallo liebe Leute,

ich habe da mal eineinhalb Fragen zum Ausgraben von Birken.

Ein guter Freund besitzt einen nicht kleinen Wald mit Eschen, Eichen, Fichten und eben Birken.
Diese letzteren sind für ihn nichts als Unkraut. Immer wenn wir durch seinen Wald spazieren kippt er ein paar Birken auf dem Weg um. Dabei fällt mir regelmäßig auf, wie fein verwurzelt die direkt um den Stammansatz sind und wie locker sie in der oberen Humusschicht gewurzelt haben. Es scheint, als könne man dort Birken mit Stämmen um die 15cm Durchmesser einfach aus dem Boden ziehen wie Mohrrüben. Pfahlwurzeln? Fehlanzeige. Vielleicht liegt es an der ca. 20 cm tiefen Humusschicht, in der die Birken wachsen. Darunter kommt nur feuchter, fast schwarzer Sand.
Im Sommer nun soll der Waldweg, auf dem die bereits zahlreichen umgekippten Birken liegen, komplett mit einem Trecker gerodet werden, da mein Freund sich ein Baumhaus in den Wald baut und er eine Zufahrt braucht . . . . . . . . man ahnt es . . . . .

Nun ist in mir freilich der Yamadori-Jäger geweckt worden. Die Halbe Frage ist, ob der jetzige Zeitpunkt ein guter ist. Die Recherche sagt mir ja, wenn auch vielleicht schon etwas spät. Die interessanten Birken haben bereits leicht ausgetrieben, es sind aber auch noch Knospen geschlossen. Das vorhandene Laub ist noch sehr hell und weich. Der Wald ist in den letzten Jahren regelrecht durch Eber-Eschen zugewuchert worden. Es ist am Standort also ziemlich feucht, dunkel und kühl, dazu immer fast windstill. Das kann man doch jetzt noch angehen, nicht wahr?

Die nächste Frage ist aber die interessantere..
Die für mich interessanten Birken haben allesamt auf den unteren 1,5m keinerlei Äste. Der erste halbe Meter ist mit Natursharis und Brotkrumenborke verziert, danach kommt nur Stamm mit weißer Rinde. Die ersten Äste setzen auf etwa 1,5 bis 2m Höhe an und schießen dann unverzweigt bis auf bestimmt 3 Meter in die Höhe, bevor das erste Laub kommt. Hier sieht man den Konkurrenzdruck, unter dem sich die Birken das Licht erkämpfen.
Die interessanten Stämme haben Durchmesser von 8 bis 16cm und schon ganz gute Nebari-Anlagen (habe vorsichtig mit den Händen die Blätter und Humus zur Seite genommen).
Kann ich diese Birken auf etwa 1m Höhe kürzen und dann sehr vorsichtig ausgraben und in große Kübel pflanzen?
Als Substrat würde ich 50% des wunderbar pilzigen Humus vom Standort gemischt mit 40% Lavasubstrat in grober Körnung und 10% des Sandes vom Standort wählen. Gut?
Zeit ist kein Thema, meinetwegen könnten die dann gewonnenen Kandidaten 5 Jahre vor sich hin wachsen, bevor ich an eine Gestaltung denke, mir wäre nur eine Einschätzung wichtig, ob die Bäume das überleben würden, da ja keine Knospen, Blätter, Äste vorhanden wären und ein Neuaustrieb nötig wäre.

Mein Plan wäre, die ausgegrabenen Bäume zu pflegen, bis sie wieder ordentlich Äste getrieben haben und dann den Stamm auf eine passende Höhe abzusetzen, um mit dem Kronenaufbau zu beginnen. Mir schweben Bäume vor, die später mal zwischen 50 und 100cm hoch sind und deren Krone ab dem oberen Drittel beginnt.

Man ließt ja viel über Birken - von unproblematisch bis "schlimmer als Eichen beim Anwachsen" habe ich schon alles gesehen.
Ich würde, anders als mein Freund, der der Sohn von Landwirten alter Schule ist, ungern zum Baummörder wegen Unwissenheit und Sammelfieber, auch wenn natürlich immer etwas scheif gehen kann und ein Baum nicht mitspielt. Die Vorgehensweise sollte dennoch vorher überlegt und möglichst optimal sein.

Über Ratschläge und Tipps freue ich mich sehr!

Lieben Gruß
Heinrich
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Norbert_S
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von Norbert_S »

Hallo Heinrich

Birken können viel, aber eines machen sie ungern und dadurch fast nie - aus dem alten Stock ausschlagen.
Deshalb wird zu offen halten von Mooren und Feuchtwiesen gerne zu dieser einfachen Methode gegriffen. Stamm unten absägen - Birke kaputt- fertig.

Besser weitersuchen, es gibt immer die eine, die aus der Reihe tanzt und doch unten einen Ast hat.
Norbert

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Sullivan, 1924
Kanna
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von Kanna »

Birken können viel, aber eines machen sie ungern und dadurch fast nie - aus dem alten Stock ausschlagen.
Kann ich jetzt so nicht unterschreiben. Ich habe u. a. im letzten Jahr einige alte Birken ausgegraben an denen nichts dran war.

Die haben alle aus dem alten Holz getrieben - selbst dort wo die Borke schon zentimeter dick war.

Wichtig dabei ist, das man das im zeitigen Frühjahr macht. Also bloß nicht im Jahr davor kürzen, sondern alles erst während der Bergung.
Dann die übliche Prozedur: Viel düngen und gießen.

Da der Stress hier sehr enorm ist, ist das Wachstum im ersten Jahr auch entsprechend. Die Triebe bleiben alle relativ dünn und vl maximal 20 cm lang.
Jede Knospe die hier entfernt wird oder Ast der abgeschnitten wird ist dann natürlich wieder tödlich. Am besten Finger weg.

Als Beispiel mal ein "Holzstumpf". Da war letztes Jahr gar nichts dran. Dieses Jahr warte ich mal ab was noch so kommt bzw. passiert.

Grundsätzlich ist mir aufgefallen das Birken sehr gerne am Wurzelansatz austreiben - dann aber wie doof. Je höher der Baum ist, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit das da noch mal was Neues kommt. Es wird eher so sein das ganze Bereich absterben.

Eine andere Pflanze hat das leider so gemacht. Die habe ich auch etwas zu spät geborgen. Die oberen 15 cm sind mir komplett abgestorben - der Rest ist aber ganz normal aus dem Winter gekommen.

Wie gesagt ich beobachte das dieses Jahr mal weiter.

Grüße
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MarionS
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von MarionS »

Grundsätzlich: wenn da eh gerodet wird, hat jeder Baum, den man von da mitnimmt, eine Chance mehr zu überleben, als wenn man es lässt.
Von da her brauchst du dir darum eigentich keinen Kopf zu machen.
Trotzdem ist es natürlich unschön, wenn man da großzügig zugreift und nachher alle möglichen Kandidaten, die nicht vernünftig austreiben wollen, aus dem Rennen kippt.
Gruß,
MarionS

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hwolf
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von hwolf »

Ja gut, es wird eh gerodet.
Dennoch ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens interessant. Warum soll ich Zeit, Substrat usw investieren, wenn ich die Dinger eh im Herbst entsorgen muss? Wenn eine realistische Chance besteht, kann man es ja versuchen, wenns es aber von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist, warum die Mühe? Und die Frage ist ja auch unabhängig von dem besagten Waldweg für die Zukunft interessant.

Daher eine Nachfrage: Ich habe nun auch gelesen, dass man Birken, so es sein muss, auch noch im Hochsommer ausgraben kann. Habe ich vielleicht eine Chance, die Birken davon zu überzeugen, noch bis Ende Juli/August frische Triebe weiter unten zu produzieren und sie dann erst auszugraben? Dass Birken aus dem alten Holz treiben können, sieht man ja an vielen Dokus hier im Forum. Wichtig scheint, dass von Oben für Saftzug gesorgt wird.. Mögliche Überlegungen wären das Einkürzen der interessanten Bäume direkt oberhalb des ersten jetzt vorhandenen Astes ("Rückknospung" anregen); Einschneiden der Rinde zur Provokation von Saftstau; Rindenpropfung weiter unten am Stamm, um bis Sommer einen provisorischen Saftzug weiter unten zu schaffen...
Alles Humbuk?
Grundsätzlich ist mir aufgefallen das Birken sehr gerne am Wurzelansatz austreiben - dann aber wie doof. Je höher der Baum ist, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit das da noch mal was Neues kommt. Es wird eher so sein das ganze Bereich absterben.
Sollte ich also wenn ich es versuche lieber auf 30cm einkürzen, anstatt erst noch einen Meter stehen zu lassen? Ich dachte, um so mehr Holz ich übrig lasse (Zucker im Stamm etc.), desto besser?
Kanna
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von Kanna »

Du kannst auch einen Meter stehen lassen. Du wirst ja dann sehen was passiert und ob Du den oberen Teil irgendwann wegnehmen musst oder nicht. Das ist auch von Baum zu Baum verschieden.

Versuch macht kluch..

Ich denke aber das Du weniger Chancen haben wirst, wenn Du die Pflanze bis zum Sommer dort belässt und auf wurzelnahen Austrieb hoffst - ich denke den Gefallen wird die die Birke nicht machen, da fehlt ihr vor Ort die entsprechende Pflege bzw. das entsprechende Futter und Substrat.

Wenn die Birke zu dem noch dunkel steht, also wenig Licht hinkommt ist es noch unwahrscheinlicher das sich was regt.

Ich schließe mich hier Marion ganz klar an. Wenn die weg sollen dann raus damit, eher heute als morgen. Da ich aber noch keine Birken nach dem Austrieb ausgegraben habe, weiß ich auch nicht wie die sich danach weiter verhalten.

Du kannst uns ja auf dem Laufenden halten.
Dennoch ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Unterfangens interessant. Warum soll ich Zeit, Substrat usw investieren, wenn ich die Dinger eh im Herbst entsorgen muss? Wenn eine realistische Chance besteht, kann man es ja versuchen, wenns es aber von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist, warum die Mühe? Und die Frage ist ja auch unabhängig von dem besagten Waldweg für die Zukunft interessant.
Anders kann man aber keine Erfahrungen sammeln. Da gehören evtl. auch mal gescheiterte Projekte dazu.


Grüße
tamandua
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von tamandua »

hwolf hat geschrieben:Dass Birken aus dem alten Holz treiben können, sieht man ja an vielen Dokus hier im Forum. Wichtig scheint, dass von Oben für Saftzug gesorgt wird.. Mögliche Überlegungen wären das Einkürzen der interessanten Bäume direkt oberhalb des ersten jetzt vorhandenen Astes ("Rückknospung" anregen); Einschneiden der Rinde zur Provokation von Saftstau; Rindenpropfung weiter unten am Stamm, um bis Sommer einen provisorischen Saftzug weiter unten zu schaffen...
Alles Humbuk?
Hallo Heinrich

Da die Birken ja nun ohnehin bald dem Harvester zum Opfer fallen, mache doch aus der Not eine Tugend und teste die diversen Möglichkeiten.
Je zwei, drei Bäume mit der entsprechenden Methode behandeln und abwarten, was passiert. Im schlechtesten Fall passiert gar nichts, die Birken treiben nicht aus und werden planmäßig gerodet. Im besten Fall findest du eine Methode, die das Bergen von Birken-Yamadoris einfacher macht. In jedem Fall wäre es ein Erkenntnisgewinn und zu verlieren hast du nichts.

Beste Grüße
Thomas
hwolf
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Re: Birken ohne Äste als Yamadori?

Beitrag von hwolf »

Tja und wo ich grad dabei bin, mir die Beichte abnehmen zu lassen... :roll:

Also ich konnte nicht mehr viel tun, der Weg wurde sehr viel rabiater und früher angelegt, als mir erst erzählt wurde. Ich hatte aber angeregt durch den Faden hier 3 Birken direkt entnommen. Die hab ich auf etwa 1m gekappt und ausgegraben, wie gesagt, keinerlei Aste. Zwei von denen haben nun jede Menge Wurzelschösse (heißt das so?) gebildet, die tw. einen halben Meter messen. Ich denke aber nicht, dass ich mit denen was anfangen kann (wollte ja dicke Birkenstämme.. Die sind aber abgestorben und stehen in der Mitte der frischen Triebe rum) und werde sie im Herbst an meine Grundstücksgrenze pflanzen um sie dort als Sichtschutzbüsche zu kultivieren.

Erkenntnis: Birkenyamadoris ohne Äste mögen vielleicht überleben, aber nicht wenn sie nach/während dem Austrieb entnommen werden. Und: Bagger sind doof.

LG
Heinrich
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