Hallo,
letztes Jahr hatte ich mir u.a. eine Wildbine gekauft die ich hier schon in einem anderen Thread gezeigt hatte. Ich denke es ist sinnvoll die Entwicklung zukünftig in einzelne Themen aufzugliedern, was ich hiermit tue.
Vor Kurzem habe ich die Birne umgetopft und das scheint sie gut weg gesteckt zu haben, denn die Knospen schwellen weiterhin an, entsprechend sollte ich langsam einen Rückschnitt vornehmen...
Zur Orientierung habe ich schonmal ein Virtual erstellt, wie ich mir die Birne zukünftig vorstellen könnte. Entsprechend werde ich zeitnah die Äste selektieren bzw. zurück schneiden. Bei dem Opferast am Stammansatz bin ich weiterhin noch etwas unschlüssig, ob ich ihn nicht noch ein Jahr dran lasse, um eine dickere Basis zu erzielen? Barbara merkte dabei aber schon richtig an, das die Wunde so immer größer wird. Gibt es dazu weiter Meinungen?
Außerdem möchte ich die große Schnittwunde am Stamm überarbeitet, damit sie besser überwallt.
Ansonsten sehen die Wurzeln, die Stellung der Äste sowie die Stammverjüngung relativ gut aus. Ich denke da kann ein richtig schöner Bonsai drauß werden.
Meinungen, Kritik und Anregungen sind wie immer erwünscht!
Grüße
Marcus
Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
ja, die richtung bietet der baum an.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hallo Marcus,
mit diesem Wildbirnen-Rohling hasst Du sicherlich einen guten Kauf getan.
Gestatte mir dennoch den Hinweis, dass auch hier Dein Virtual etwas "beschönend" geraten ist. Finde ich an sich nicht schlimm, wenn es Dich motiviert, doch leider auch irritierend. Birnen werden diese Verzweigung nicht erzeugen können und müssen daher etwas "grobstrukturiger" und somit vielleicht auch größer aufgebaut werden.
a) Barbara hat völlig Recht, dass die Wunde mit den Jahren des Abwartens nur größer ausfallen wird.
b) Okay, dieser "Opferast/Seitenstamm" wird sicherlich den Stammansatz verdicken, jedoch kaum messbar in einem Jahr. Was er aber auf jeden Fall tut, ist die Entwicklung der zukünftigen Krone unterdrücken und zwar massiv. Seine Blattmasse ist jetzt schon deutlich mehr als doppelt so groß wie die der geplanten, zukünftigen Stammverlängerung. Die Birne wird daher die zukünftige Krone stark zugunsten dieses "Opferastes" vernachlässigen.
Auch hier meine Anmerkung: So lange der "Opferast" fast alle Energie saugt wird hier kaum eine Wundheilung zu erreichen sein. Ohne den "Opferast" sieht das schon anders aus.
Zum Wie vielleicht nicht einfach nur dran rumfräsen/schnitzen. Gezielt analysiertes Vorgehen wäre wohl hilfreicher.
Nochmals "Opferast".
Wenn, dann nach meinen Ausführungen nun nicht einfach abschneiden und schon gar nicht glatt bzw. konkav am Stamm.
a) Ende April halte ich für einen besseren Zeitpunkt für solch einen Schnitt. Jetzt ist der Saftdruck schon etwas zu hoch.
b) Meine Vorgehensweise wäre ein Schnitt an der eingezeichneten Stelle mit kompletter Entfernung der Rinde im gekennzeichneten Bereich. Schnittkante zum Hauptstamm wäre der in der Rinde schön erkennbare "Astkragen". Entlang dieser Schnittkante würde ich einen Streifen Jap. Wundknete aufbringen und das restliche blanke Holz mit Vaseline einreiben. Sodann zwei Jahre warten, um dann weiter zu sehen wie mit dem "Rest-Holzstummel" zu verfahren.
mit diesem Wildbirnen-Rohling hasst Du sicherlich einen guten Kauf getan.
M.E. völlig okay.DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Zur Orientierung habe ich schonmal ein Virtual erstellt, wie ich mir die Birne zukünftig vorstellen könnte. Entsprechend werde ich zeitnah die Äste selektieren bzw. zurück schneiden.
Gestatte mir dennoch den Hinweis, dass auch hier Dein Virtual etwas "beschönend" geraten ist. Finde ich an sich nicht schlimm, wenn es Dich motiviert, doch leider auch irritierend. Birnen werden diese Verzweigung nicht erzeugen können und müssen daher etwas "grobstrukturiger" und somit vielleicht auch größer aufgebaut werden.
Ja, ich meine Du sitzt hier einem Denkfehler auf.DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Bei dem Opferast am Stammansatz bin ich weiterhin noch etwas unschlüssig, ob ich ihn nicht noch ein Jahr dran lasse, um eine dickere Basis zu erzielen? Barbara merkte dabei aber schon richtig an, das die Wunde so immer größer wird. Gibt es dazu weiter Meinungen?
a) Barbara hat völlig Recht, dass die Wunde mit den Jahren des Abwartens nur größer ausfallen wird.
b) Okay, dieser "Opferast/Seitenstamm" wird sicherlich den Stammansatz verdicken, jedoch kaum messbar in einem Jahr. Was er aber auf jeden Fall tut, ist die Entwicklung der zukünftigen Krone unterdrücken und zwar massiv. Seine Blattmasse ist jetzt schon deutlich mehr als doppelt so groß wie die der geplanten, zukünftigen Stammverlängerung. Die Birne wird daher die zukünftige Krone stark zugunsten dieses "Opferastes" vernachlässigen.
Ja, das kann und sollte man jetzt angehen. Wie?DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Außerdem möchte ich die große Schnittwunde am Stamm überarbeitet, damit sie besser überwallt.
Auch hier meine Anmerkung: So lange der "Opferast" fast alle Energie saugt wird hier kaum eine Wundheilung zu erreichen sein. Ohne den "Opferast" sieht das schon anders aus.
Zum Wie vielleicht nicht einfach nur dran rumfräsen/schnitzen. Gezielt analysiertes Vorgehen wäre wohl hilfreicher.
Nochmals "Opferast".
Wenn, dann nach meinen Ausführungen nun nicht einfach abschneiden und schon gar nicht glatt bzw. konkav am Stamm.
a) Ende April halte ich für einen besseren Zeitpunkt für solch einen Schnitt. Jetzt ist der Saftdruck schon etwas zu hoch.
b) Meine Vorgehensweise wäre ein Schnitt an der eingezeichneten Stelle mit kompletter Entfernung der Rinde im gekennzeichneten Bereich. Schnittkante zum Hauptstamm wäre der in der Rinde schön erkennbare "Astkragen". Entlang dieser Schnittkante würde ich einen Streifen Jap. Wundknete aufbringen und das restliche blanke Holz mit Vaseline einreiben. Sodann zwei Jahre warten, um dann weiter zu sehen wie mit dem "Rest-Holzstummel" zu verfahren.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hallo Gary,
ertmal herzlichen Dank für deinen hilfreichen und ausführlichen Beitrag! Solche Kommentare sind sehr wertvoll für mich!
Also auf alle Fälle entfernen, das ist doch schonmal eine ganz klare und begründete Aussage!
Wäre schön wenn du darauf nochmal eingehen könntest.
Ansonsten nochmals vielen Dank für deinen sehr wertvollen Beitrag!
Grüße
und ein schönes Wochenende!
Marcus
ertmal herzlichen Dank für deinen hilfreichen und ausführlichen Beitrag! Solche Kommentare sind sehr wertvoll für mich!
Da ich noch wenig Erfahrung habe ist mir das nicht bewusst das eine Feinverweigung in der Form nicht möglich ist. Ich hatte das aber trotzdem schon im Hinterkopf das ich alles ggf. etwas größer dimensonieren muss. Gut das vorab zu wissen und dann nicht erst wärend der Gestaltung festzustellen!Gary hat geschrieben: 17.03.2024, 11:55 Hallo Marcus,
mit diesem Wildbirnen-Rohling hasst Du sicherlich einen guten Kauf getan.
M.E. völlig okay.DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Zur Orientierung habe ich schonmal ein Virtual erstellt, wie ich mir die Birne zukünftig vorstellen könnte. Entsprechend werde ich zeitnah die Äste selektieren bzw. zurück schneiden.
Gestatte mir dennoch den Hinweis, dass auch hier Dein Virtual etwas "beschönend" geraten ist. Finde ich an sich nicht schlimm, wenn es Dich motiviert, doch leider auch irritierend. Birnen werden diese Verzweigung nicht erzeugen können und müssen daher etwas "grobstrukturiger" und somit vielleicht auch größer aufgebaut werden.
Das klingt alles sehr logisch und ist extrem hilfreich! Es gibt bei der Gestaltung so viele Punkte gleichzeitig zu beachten, da entgeht mir immer mal wieder etwas...Gary hat geschrieben: 17.03.2024, 11:55Ja, ich meine Du sitzt hier einem Denkfehler auf.DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Bei dem Opferast am Stammansatz bin ich weiterhin noch etwas unschlüssig, ob ich ihn nicht noch ein Jahr dran lasse, um eine dickere Basis zu erzielen? Barbara merkte dabei aber schon richtig an, das die Wunde so immer größer wird. Gibt es dazu weiter Meinungen?
a) Barbara hat völlig Recht, dass die Wunde mit den Jahren des Abwartens nur größer ausfallen wird.
b) Okay, dieser "Opferast/Seitenstamm" wird sicherlich den Stammansatz verdicken, jedoch kaum messbar in einem Jahr. Was er aber auf jeden Fall tut, ist die Entwicklung der zukünftigen Krone unterdrücken und zwar massiv. Seine Blattmasse ist jetzt schon deutlich mehr als doppelt so groß wie die der geplanten, zukünftigen Stammverlängerung. Die Birne wird daher die zukünftige Krone stark zugunsten dieses "Opferastes" vernachlässigen.
Ja, das kann und sollte man jetzt angehen. Wie?DHG hat geschrieben: 16.03.2024, 10:34 ... Außerdem möchte ich die große Schnittwunde am Stamm überarbeitet, damit sie besser überwallt.
Auch hier meine Anmerkung: So lange der "Opferast" fast alle Energie saugt wird hier kaum eine Wundheilung zu erreichen sein. Ohne den "Opferast" sieht das schon anders aus.
Zum Wie vielleicht nicht einfach nur dran rumfräsen/schnitzen. Gezielt analysiertes Vorgehen wäre wohl hilfreicher.
Also auf alle Fälle entfernen, das ist doch schonmal eine ganz klare und begründete Aussage!
Toll das du dir die Mühe gemacht hast, dein Vorgehen mit einem Bild zu verdeutlichen, sehr anschaulich! Dennoch bleiben für mich Fragen offen. Wozu dient die Vaseline? Was wäre deiner Meinung nach möglich aus dem Rest-Holzstummel zu machen? Jin habe ich an Läubbäumen bisher kaum gesehen bzw. wird das bevorzugt an Nadelbäumen gemacht oder nicht? Was spricht gegen konkav abschneiden? Ich vermute zu große Wunde die sich nicht oder erst in vielen Jahren verschließt?Gary hat geschrieben: 17.03.2024, 11:55 Nochmals "Opferast".
Wenn, dann nach meinen Ausführungen nun nicht einfach abschneiden und schon gar nicht glatt bzw. konkav am Stamm.
a) Ende April halte ich für einen besseren Zeitpunkt für solch einen Schnitt. Jetzt ist der Saftdruck schon etwas zu hoch.
b) Meine Vorgehensweise wäre ein Schnitt an der eingezeichneten Stelle mit kompletter Entfernung der Rinde im gekennzeichneten Bereich. Schnittkante zum Hauptstamm wäre der in der Rinde schön erkennbare "Astkragen". Entlang dieser Schnittkante würde ich einen Streifen Jap. Wundknete aufbringen und das restliche blanke Holz mit Vaseline einreiben. Sodann zwei Jahre warten, um dann weiter zu sehen wie mit dem "Rest-Holzstummel" zu verfahren.
DHG_Wildbirne4.jpg
Wäre schön wenn du darauf nochmal eingehen könntest.
Ansonsten nochmals vielen Dank für deinen sehr wertvollen Beitrag!
Grüße
und ein schönes Wochenende!
Marcus
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Gern geschehen, Marcus.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Hallo Gary,
ertmal herzlichen Dank für deinen hilfreichen und ausführlichen Beitrag! Solche Kommentare sind sehr wertvoll für mich!
Marcus, ich finde es ganz wichtig das Du nachfragst.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Toll das du dir die Mühe gemacht hast, dein Vorgehen mit einem Bild zu verdeutlichen, sehr anschaulich! Dennoch bleiben für mich Fragen offen.
Du erlaubst, dass ich von hinten her anfange.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Wozu dient die Vaseline? Was wäre deiner Meinung nach möglich aus dem Rest-Holzstummel zu machen? Jin habe ich an Läubbäumen bisher kaum gesehen bzw. wird das bevorzugt an Nadelbäumen gemacht oder nicht? Was spricht gegen konkav abschneiden? Ich vermute zu große Wunde die sich nicht oder erst in vielen Jahren verschließt?
Okay, der "Opferast" soll aus den aufgeführten Gründen ab. Klar wird jetzt meist die Konkavzange gezückt und tief abgeschnitten oder gar nachgefräst. Dies erzeugt in meine Augen eine hässliche Wunde, die auch in 20 Jahren in der Schale nicht verheilt und dann immer noch eine groteske Erscheinung abgibt. Mein persönliches Erwartungsbild ist da zwischenzeitlich ein deutlich anderes.
Klarer Hinweis: Dem muss man nicht folgen.
Jetzt meine Alternative zum Konkavschnitt.
Erst mal einen Stummel stehen lassen, auch wenn Jin an Laubbäumen nicht so üblich sind. Alte Birnen weisen durchaus Totholz auf, nur sieht dieses bei Laubbäumen eben anders aus als an Nadelbäumen.
1. Schritt - Mit einer Zange/Säge einkürzen. (Kann auch gerne nur ein halb so großes Stück stehenbleiben wie von mir gelb eingezeichnet.)
2. Schritt - Mit einem Cutter/scharfen Messer entlang des Astrings die Borke durchtrennen und vom Stummel abziehen. Bei Deiner Stammstärke darf da auch gerne noch 1-2 mm Holzschicht mit weg.
(Der Schälprozess ist analog wie beim Abmoosen.)
3. Schritt - Dünnes "Würstchen" aus Jap. Wundknete machen und ringsum am Astringschnitt aufbringen damit sich Wundkallus bilden kann.
4. Schritt - Vaseline auf den blanken Holzstummel auftragen. Zweck ist es damit das Austrocknen und auch eine Rücktrocknung zu verhindern. Vaseline ist einfach das effektivste, kostengünstigste und am leichtesten verfügbare was man dazu nehmen kann. Die Vaseline wird binnen eines Jahres verschwinden und das Holz dennoch austrocknen aber alles so zeitverzögert das keine unerwünschten Begleiterscheinungen auftreten.
5. Schritt - Warten. Je nach Wundheilung/Kalluswachstum jährlich den Holzstummeldurchmesser durch abtragen von Holzspänen rundum verkleinern. Dann vielleicht in 3-4 Jahren den Reststummel komplett spanweise abtragen und nur einen zerklüftete 2-4 mm großen Rest stehen lassen. Den Rest macht die Zeit und die Natur. Ergebnis wird das Abbild einer "natürlich geheilten" Wunde sein. => Mein persönlich erstrebenswertes Ziel.
Die Entscheidung ob du das nun genau so machst, eventuell nur Teilaspekte davon anwendest oder ganz anders vorgehst, liegt absolut bei Dir und kann Dir auch niemand abnehmen.
Ich wünsche Dir jedenfalls Erfolg und weiterhin Freude an Deinen Bonsai.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Vielen Dank Gary! Jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt. Das liest sich alles sehr schlüssig und gut durchdacht! Ich denke ich werde es einfach mal so probieren wie von dir vorgeschlagen.Gary hat geschrieben: 26.03.2024, 18:58Gern geschehen, Marcus.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Hallo Gary,
ertmal herzlichen Dank für deinen hilfreichen und ausführlichen Beitrag! Solche Kommentare sind sehr wertvoll für mich!
Marcus, ich finde es ganz wichtig das Du nachfragst.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Toll das du dir die Mühe gemacht hast, dein Vorgehen mit einem Bild zu verdeutlichen, sehr anschaulich! Dennoch bleiben für mich Fragen offen.
Ganz egal wer hier welchen Vorschlag auch immer macht - nie einfach nachmachen ohne für sich den beabsichtigten Zweck zu hinterfragen und die Umsetzung bzw. Wirkweise verstanden zu haben.
Du erlaubst, dass ich von hinten her anfange.DHG hat geschrieben: 22.03.2024, 18:54 Wozu dient die Vaseline? Was wäre deiner Meinung nach möglich aus dem Rest-Holzstummel zu machen? Jin habe ich an Läubbäumen bisher kaum gesehen bzw. wird das bevorzugt an Nadelbäumen gemacht oder nicht? Was spricht gegen konkav abschneiden? Ich vermute zu große Wunde die sich nicht oder erst in vielen Jahren verschließt?
Okay, der "Opferast" soll aus den aufgeführten Gründen ab. Klar wird jetzt meist die Konkavzange gezückt und tief abgeschnitten oder gar nachgefräst. Dies erzeugt in meine Augen eine hässliche Wunde, die auch in 20 Jahren in der Schale nicht verheilt und dann immer noch eine groteske Erscheinung abgibt. Mein persönliches Erwartungsbild ist da zwischenzeitlich ein deutlich anderes.
Klarer Hinweis: Dem muss man nicht folgen.
Jetzt meine Alternative zum Konkavschnitt.
Erst mal einen Stummel stehen lassen, auch wenn Jin an Laubbäumen nicht so üblich sind. Alte Birnen weisen durchaus Totholz auf, nur sieht dieses bei Laubbäumen eben anders aus als an Nadelbäumen.
1. Schritt - Mit einer Zange/Säge einkürzen. (Kann auch gerne nur ein halb so großes Stück stehenbleiben wie von mir gelb eingezeichnet.)
2. Schritt - Mit einem Cutter/scharfen Messer entlang des Astrings die Borke durchtrennen und vom Stummel abziehen. Bei Deiner Stammstärke darf da auch gerne noch 1-2 mm Holzschicht mit weg.
(Der Schälprozess ist analog wie beim Abmoosen.)
3. Schritt - Dünnes "Würstchen" aus Jap. Wundknete machen und ringsum am Astringschnitt aufbringen damit sich Wundkallus bilden kann.
4. Schritt - Vaseline auf den blanken Holzstummel auftragen. Zweck ist es damit das Austrocknen und auch eine Rücktrocknung zu verhindern. Vaseline ist einfach das effektivste, kostengünstigste und am leichtesten verfügbare was man dazu nehmen kann. Die Vaseline wird binnen eines Jahres verschwinden und das Holz dennoch austrocknen aber alles so zeitverzögert das keine unerwünschten Begleiterscheinungen auftreten.
5. Schritt - Warten. Je nach Wundheilung/Kalluswachstum jährlich den Holzstummeldurchmesser durch abtragen von Holzspänen rundum verkleinern. Dann vielleicht in 3-4 Jahren den Reststummel komplett spanweise abtragen und nur einen zerklüftete 2-4 mm großen Rest stehen lassen. Den Rest macht die Zeit und die Natur. Ergebnis wird das Abbild einer "natürlich geheilten" Wunde sein. => Mein persönlich erstrebenswertes Ziel.
Die Entscheidung ob du das nun genau so machst, eventuell nur Teilaspekte davon anwendest oder ganz anders vorgehst, liegt absolut bei Dir und kann Dir auch niemand abnehmen.
Ich wünsche Dir jedenfalls Erfolg und weiterhin Freude an Deinen Bonsai.
Toll wie viel man hier von so manchem User lernen kann! Danke nochmal das du dir die Zeit nimmst, auch Anfängern weiterzuhelfen!
Grüße
Marcus
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hallo,
die Birne hat das Umtopfen besten überstanden. Leider habe ich die Triebe beim Rückschnitt viel zu lang gelassen. Beim nächsten Scnitt muss ich entsprechend weiter zurück schneiden damit er sich kompakter verzweigt aber dieses Jahr werde ich wahrscheinlich nicht noch einmal schneiden, um den Baum zu schonen. Nach Garys Ausführungen bin ich überrascht wie schnell sich die Wunde am Opferast schließt. ringsum hat sich schon circa 4 mm Kallus gebildet.
Grüße
Marcus
die Birne hat das Umtopfen besten überstanden. Leider habe ich die Triebe beim Rückschnitt viel zu lang gelassen. Beim nächsten Scnitt muss ich entsprechend weiter zurück schneiden damit er sich kompakter verzweigt aber dieses Jahr werde ich wahrscheinlich nicht noch einmal schneiden, um den Baum zu schonen. Nach Garys Ausführungen bin ich überrascht wie schnell sich die Wunde am Opferast schließt. ringsum hat sich schon circa 4 mm Kallus gebildet.
Grüße
Marcus
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hallo,
vorgestern habe ich meine Birne geschnitten. Den geschälten Opferast habe ich letztes Jahr dann doch noch entfernt, da ich ihn ständig dünner schnitzen musste, weil sich so schnell Kallus drum herum bildete. Dabei habe ich immerwieder die Rinde beschädigt. So riesig war die Wunde dann nicht mehr, weshalb ich dachte: dann gleich ab damit.
Die Birne hat noch eine weitere, sehr große Schnittwunde am Stamm die ich letztes Jahr in meinem Übermut völlig versaut habe...
Dennoch hatte ich Hoffnungen das sich wenigstens irgendwo ein wenig Kallus gebildet hat aber Fehlanzeige. Stattdessen ist das Holz noch weiter zurück getrocknet. In der Verzweiflung habe ich versucht vorsichtig Totholz abzutragen bis etwas Grünes zum Vorschein kommt aber da war nicht mehr viel grün...
Ich weiss, mein Vorgehen war ziemlich unüberlegt aber nun ist es wie es ist. Jetzt bin ich völlig planlos wie ich damit weiter umgehen soll. Die Silouette ist durch das viele Abtragen auch nicht mehr stimmig da der Stamm an der Wundstelle viel zu dünn ist. Zulegen wird er dort auch nicht mehr, es sei denn es bildet sich doch noch Kallus vom rechten Rand aus. Gibt es noch irgendetwas, um den Baum zu retten bzw. auf lange Sicht noch eine annehmbare Gestaltung zu erreichen? Kann ich vielleicht noch irgendwie eine Kallusbildung anregen? Noch mehr abtragen? Hat jemand generelle Ideen? Grüße
Marcus
vorgestern habe ich meine Birne geschnitten. Den geschälten Opferast habe ich letztes Jahr dann doch noch entfernt, da ich ihn ständig dünner schnitzen musste, weil sich so schnell Kallus drum herum bildete. Dabei habe ich immerwieder die Rinde beschädigt. So riesig war die Wunde dann nicht mehr, weshalb ich dachte: dann gleich ab damit.
Die Birne hat noch eine weitere, sehr große Schnittwunde am Stamm die ich letztes Jahr in meinem Übermut völlig versaut habe...
Dennoch hatte ich Hoffnungen das sich wenigstens irgendwo ein wenig Kallus gebildet hat aber Fehlanzeige. Stattdessen ist das Holz noch weiter zurück getrocknet. In der Verzweiflung habe ich versucht vorsichtig Totholz abzutragen bis etwas Grünes zum Vorschein kommt aber da war nicht mehr viel grün...
Ich weiss, mein Vorgehen war ziemlich unüberlegt aber nun ist es wie es ist. Jetzt bin ich völlig planlos wie ich damit weiter umgehen soll. Die Silouette ist durch das viele Abtragen auch nicht mehr stimmig da der Stamm an der Wundstelle viel zu dünn ist. Zulegen wird er dort auch nicht mehr, es sei denn es bildet sich doch noch Kallus vom rechten Rand aus. Gibt es noch irgendetwas, um den Baum zu retten bzw. auf lange Sicht noch eine annehmbare Gestaltung zu erreichen? Kann ich vielleicht noch irgendwie eine Kallusbildung anregen? Noch mehr abtragen? Hat jemand generelle Ideen? Grüße
Marcus
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hi, der Baum braucht viel Energie um Kallus zu bilden und die Wunde zu verschließen. Du nimmst im die Energie weg wenn du so viele Blätter entfernst.
Grüße Andreas
Grüße Andreas
Re: Wildbirne - von der Ballenware zum Bonsai
Hallo Andreas,AndreasK hat geschrieben: 28.05.2025, 12:33 Hi, der Baum braucht viel Energie um Kallus zu bilden und die Wunde zu verschließen. Du nimmst im die Energie weg wenn du so viele Blätter entfernst.
Grüße Andreas
da hast du sicher grundsätzlich Recht. Ich wollte ihn nur einmal schneiden damit er auch ein wenig an Verzweigung zulegt und die Triebe nicht zu lang und unhandlich werden. Nun darf er wieder ungehindert wachsen. Dennoch finde ich es komisch das sich innerhalb eines reichlich halben Jahres gar nichts getan hat...
Naja ich hoffe einfach Mal das das Abtragen des alten Holzes die Kallusbildung anregt.
Grüße
Marcus
