Ethikdiskussion zum Thema Yamadori

Alles andere was zu Bonsai passt.
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Andreas Ludwig
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Re: Anfängerfragen zum Ahorn schneiden + gestalten

Beitrag von Andreas Ludwig »

rana hat geschrieben:Was für Bonsailer ein wertvolles Stück ist, ist wirtschaftlich gesehen für einen Waldbesitzer genau das Gegenteil und er legt keinen explizieten Wert drauf, ob der bleibt. Ich kann mir gut vorstellen, das dem ein oder anderen hier der Kamm schwillt, aber ich sag was ich denk. Rechtlich streit ich nicht ab, das sowas Folgen haben könnte, aber mal ehrlich, welcher Waldbesitzer würde jemanden verklagen wegen etwas was er eh nicht braucht.
Machen wir erst vorsichtshalber was ab, rana (und andere, die mittun wollen): Bleiben wir anständig bei diesem blöden Thema, ok? :wink:

Zum Thema: Deine Auffassung lässt mir keinen Kamm schwellen, aber ich finde sie falsch. Zum einen als grundsätzliche Rechtsauffassung. Es ist nicht Sache jedes Einzelnen, nach Lust und Laune zu beurteilen, ob etwas gebraucht wird oder nicht und ob er sich erlauben kann, es mal eben mitzunehmen. Dem sagt man «Anstand» und den finde ich nach wie vor wünschenswert.

Zum andern ist der Wert eines Baumes bei weitem nicht nur durch das Verwertbare gegeben. Ein Baum, und sei es noch so ein Krüppel, kann eine Menge anderer Funktionen erfüllen, er kann Nahrungsquelle, Aufenthalts- und Brutort sein, er kann das Mikroklima günstig beeinflussen. Auch da finde ich es vermessen, wenn das jeder so Handgelenk mal Pi selbst im Vorbeigehen beurteilt.

Ich weiss schon, dass es in Deutschland offenbar zum Marathon werden kann, sich eine Bewilligung zu holen. Auch in der Schweiz ist manchmal nicht so ganz klar, wer jetzt wirklich das Sagen hat. Trotzdem: Fragen kostet gewöhnlich nichts und man sollte diese Gewohnheit ganz sicher in «Kulturräumen» (was so etwa 90% von Deutschland und gut 60 % der Schweiz nunmal sind) beibehalten, schon nur zum eigenen Schutz. Alleine ist man da selten. Meine Erfahrung ist genau die, die Nick Lenz im Buch «Bonsai from the wild» schildert: Der «Gegner» ist nicht etwa der Förster, sondern der Besserwisser, der seinen Hund spazieren führt. Da bin ich manchmal durchaus froh, dem entgegnen zu können, der Herr Sowieso habe seine Einwilligung gegeben.

Etwas anders sieht es in Gebieten aus, wie sie Peter Thali etwa durchstreift, Geröllhalden im Alpenraum. Es gibt gute Gründe, diese unwirtlichen, nicht nutzbaren und allein aufgrund ihrer Grösse ganz anders zu beurteilenden Gelände «lockerer anzugehen». Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte vielleicht mal dahin gehen und sich das anschauen, am besten vor einem Unwetter und danach nochmal...

Bloss - ich frage sogar da. Und wenn es nur ist, damit die Bonsaiszene nicht mit der Zeit als Bande von skrupellosen Pünderern in Verruf gerät. So ähnlich habe ich es im Jura mit den Pilzsuchern erlebt - die haben sich in der Wahrnehmung Einheimischer an manchen Orten von nicht unbeliebten Naturfreunden zu höchst ungern gesehenen Vandalen entwickelt. In den gleichen Zusammenhang gehört, dass Naturfreunde für Naturschützer oft ein gefürchteter Faktor sind: Um eine Orchidee zu fotografieren, trampeln sie einen Quadratmeter andere Sachen platt. Zäune sind die Folge, Bussandrohungen etc. Ich denke, auch wenn man den Aufwand einer Bewilligung verständlicherweise scheut, sollte man diesen Zusammenhang nicht ganz vergessen, umso mehr, je dichter besiedelt das fragliche Gebiet ist.

Indiskutabel finde ich übrigens, ein unrichtiges Verhalten mit noch viel unrichtigerem Verhalten anderer legitimieren zu wollen. Das ist ein rhethorischer Trick, aber kein Argument.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
rana
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Re: Ethikdiskussion zum Thema Yamadori

Beitrag von rana »

hallo Andreas,

mit deinem letzten Satz hast du nicht ganz unrecht, generell, ich weiß aber auch für mich wie ichs mein, was andere daraus machen, dafür kann ich nichts. Ich find Wolfgangs Seite interessant, nicht der Anregung zum Ausgraben wegen, in der Art eh nicht meins, sonder von der Seite, was die Natur selbst für geniales schafft. Das sollte bleiben wos ist, aus den verschiedensten Gründen.
Ich bin nicht annähern in der Materie wie wohl viele hier, möcht ich auch gar nicht, weil wie man auch hier sieht, es in fanatismus ausarten kann. Ein Baum reicht nicht, noch einer und nocht einer und auf jedem Weg. Ich hab mich für das Thema Bonsai interessiert, weil es etwas ist, was über viele Jahre reift und die Zeit bringsts. Meine Beweggründe sind die, einen Baum von anfang an im Wuchs zu beeinflußen und somit die Natur willkürlich zu imitieren. Ich finde es für mich nicht ok, ein von der Natur geschaffenes Prunkstück, wie sie so in den Bergen wachsen, auszugraben, evtl zu verändern und mein "Eigen" zu nennen. Ich hab aber kein Problem damit, Jährlinge in öffentlichen Anlagen auszugraben, die ohnehin zweimal im Jahr der Heckenschere zum Opfer fallen, und als Wildlinge ohnehin nicht gern gesehen sind. Ich bin jeden Tag beruflich dazu verdonnert sollche Kandidaten der Kompostierung zuzuführen und deshalb seh ich es auch nicht als verwerflich soetwas als Bezugsquelle bekannt zu geben.
Dein Argument, das sollche Bäume für die Natur auch einen Nutzen haben, unterstütz ich voll und ganz. Nur in städten, wo kaum Äswild vorhanden ist, wuchern Wildlinge ins übermaß. Draußen sind sie gerngesehenes Futter von Rehen, die damit den Bestand auslichten. Sollche "vergessenen" Wildlinge, die jedes Jahr bei der Beetpflege immer wieder nur abgerupft werden, entwickeln mit den Jahren einen ganz normal diecken Stamm und irgendwann steht da ein krüpeliger Baum drinn den keiner mehr so leicht raus bringt und doch viele stört, weil er da ja nich reingehört. Ich rede von ganz gewöhnlichen in massen vorhandenem Standardgehölz, (Ahorn, Buchen, Eichen) Jungbäumchen, max 5 Jahre, nicht von Greisen, die einen festen Platz in der Natur haben.
Ich habe keine konkreten Vorstellungen, beim gestalten meiner Bäume und ich halt mich auch an keine Standards und daran was übllich ist. Ich greif immer wieder ein und freu mich an dem was draus wird, so wie es ist. Ich hab bisher noch keinen Bonsai gestaltet, da die Bäume ja schon ein gewisses alter dazu haben müssen und man sie ja bis dahin selbst gebracht hat, ist der Schritt für mich bisher etwas schwierig. Ich hänge an meinen Pflanzen und will keine killen, nur weil ich ihr meinen Gestaltungswunsch aufdrängen möcht. Das nur zum Thema Achtung vor der Natur. Ich hol mir nicht einfach einen Baum aus der Baumschule oder dem Baumarkt und probier dann einfach mal. Den Baum oberirdisch zu beeinflußen, seine Äste, ist das eine, ihm ans Wurzelwerk zu gehen was anderes. Brauch ich euch wohl nicht zu erzählen.

als denn
gruß nela :D
“Ich finde, wer am Ende des Tages keine grünen Knie hat, sollte sein Leben ernsthaft überdenken.”
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