Machen wir erst vorsichtshalber was ab, rana (und andere, die mittun wollen): Bleiben wir anständig bei diesem blöden Thema, ok?rana hat geschrieben:Was für Bonsailer ein wertvolles Stück ist, ist wirtschaftlich gesehen für einen Waldbesitzer genau das Gegenteil und er legt keinen explizieten Wert drauf, ob der bleibt. Ich kann mir gut vorstellen, das dem ein oder anderen hier der Kamm schwillt, aber ich sag was ich denk. Rechtlich streit ich nicht ab, das sowas Folgen haben könnte, aber mal ehrlich, welcher Waldbesitzer würde jemanden verklagen wegen etwas was er eh nicht braucht.
Zum Thema: Deine Auffassung lässt mir keinen Kamm schwellen, aber ich finde sie falsch. Zum einen als grundsätzliche Rechtsauffassung. Es ist nicht Sache jedes Einzelnen, nach Lust und Laune zu beurteilen, ob etwas gebraucht wird oder nicht und ob er sich erlauben kann, es mal eben mitzunehmen. Dem sagt man «Anstand» und den finde ich nach wie vor wünschenswert.
Zum andern ist der Wert eines Baumes bei weitem nicht nur durch das Verwertbare gegeben. Ein Baum, und sei es noch so ein Krüppel, kann eine Menge anderer Funktionen erfüllen, er kann Nahrungsquelle, Aufenthalts- und Brutort sein, er kann das Mikroklima günstig beeinflussen. Auch da finde ich es vermessen, wenn das jeder so Handgelenk mal Pi selbst im Vorbeigehen beurteilt.
Ich weiss schon, dass es in Deutschland offenbar zum Marathon werden kann, sich eine Bewilligung zu holen. Auch in der Schweiz ist manchmal nicht so ganz klar, wer jetzt wirklich das Sagen hat. Trotzdem: Fragen kostet gewöhnlich nichts und man sollte diese Gewohnheit ganz sicher in «Kulturräumen» (was so etwa 90% von Deutschland und gut 60 % der Schweiz nunmal sind) beibehalten, schon nur zum eigenen Schutz. Alleine ist man da selten. Meine Erfahrung ist genau die, die Nick Lenz im Buch «Bonsai from the wild» schildert: Der «Gegner» ist nicht etwa der Förster, sondern der Besserwisser, der seinen Hund spazieren führt. Da bin ich manchmal durchaus froh, dem entgegnen zu können, der Herr Sowieso habe seine Einwilligung gegeben.
Etwas anders sieht es in Gebieten aus, wie sie Peter Thali etwa durchstreift, Geröllhalden im Alpenraum. Es gibt gute Gründe, diese unwirtlichen, nicht nutzbaren und allein aufgrund ihrer Grösse ganz anders zu beurteilenden Gelände «lockerer anzugehen». Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte vielleicht mal dahin gehen und sich das anschauen, am besten vor einem Unwetter und danach nochmal...
Bloss - ich frage sogar da. Und wenn es nur ist, damit die Bonsaiszene nicht mit der Zeit als Bande von skrupellosen Pünderern in Verruf gerät. So ähnlich habe ich es im Jura mit den Pilzsuchern erlebt - die haben sich in der Wahrnehmung Einheimischer an manchen Orten von nicht unbeliebten Naturfreunden zu höchst ungern gesehenen Vandalen entwickelt. In den gleichen Zusammenhang gehört, dass Naturfreunde für Naturschützer oft ein gefürchteter Faktor sind: Um eine Orchidee zu fotografieren, trampeln sie einen Quadratmeter andere Sachen platt. Zäune sind die Folge, Bussandrohungen etc. Ich denke, auch wenn man den Aufwand einer Bewilligung verständlicherweise scheut, sollte man diesen Zusammenhang nicht ganz vergessen, umso mehr, je dichter besiedelt das fragliche Gebiet ist.
Indiskutabel finde ich übrigens, ein unrichtiges Verhalten mit noch viel unrichtigerem Verhalten anderer legitimieren zu wollen. Das ist ein rhethorischer Trick, aber kein Argument.
