Hallo und vielen lieben Dank für das Willkommen heißen im Forum

Und danke für die ganzen Tipps und Gedankenanstöße.
Ich möchte zu Aller erst noch etwas ergänzen bzw. erläutern.
Nämlich die Frage, weshalb ich persönlich Bonsai mag. Ich denke, jeder, der sich ernsthaft damit beschäftigt, hat sich schon mal diese Frage gestellt, oder sollte sie sich stellen. Jeder hat seine Ambitionen, die auch jedem gegönnt seien. Diese Frage habe ich mir dann eben auch gestellt. Ich ging nicht einfach in ein Geschäft, fand eine Pflanze, auf dessen Preisschild stand: "Ich bin ein Bonsai", dachte mir, wie "süß" sie ist und dass sie super auf meine Fensterbank passt.
Nein, mir geht es eher und u.a. um diese imposante Kraft, diese Schönheit und diesen Lebenswillen.
Ich gehe beispielsweise sehr gerne im Wald spazieren. Stehe ich dort vor einem (mächtigen) Baum, staune ich, was dies für ein tolles Lebewesen ist. Ich bewundere die Größe, die Kraft, die in ihm steckt, wie er sich mit seinen Wurzeln im Boden verankert und durch nichts zu erschüttern ist. Wie er Wind und Wetter trotzt, Hitze und Kälte, jedes Jahr neue Blätter sprießen lässt, sozusagen neu erwacht. Ich stehe davor und empfinde mich selbst als unendlich klein und schwach. Ich könnte diesem Baum (ohne Werkzeug, Maschinen etc.) nicht weh tun. Ich könnte ihn schlagen, dagegen treten, ihn gar versuchen umzureißen. Am Ende würde ich diesen "Kampf" verlieren,
demütig zu Boden sinken, mit gebrochenen Knochen. Der Baum hätte nichts davon getragen. Selbst mit einem Auto könnte ich dagegen fahren. Der Baum hätte sicherlich einige Blessuren, ich wäre ziemlich sicher tot.
Nun sehe ich den Baum in der Schale. Er sieht aus wie der große, "verkörpert" und besitzt eine eben so große Kraft, ist genauso alt oder gar älter. Doch er ist klein, wirkt deshalb verletzlich(er). Ich könnte ihn schlagen, ihn treten, ihn durch die Gegend schmeißen, ihn brechen. Voller Demut sitze ich vor diesem Baum, wieder mit dem Bewusstsein, welch wundervolles Lebewesen dies doch ist. Mit dem Wissen, er könnte mich brechen, hätte man ihm die Gelegenheit gegeben, groß und stark zu werden (im Sinne des eben erwähnten "normalen" Wachstums und der Entwicklung in der freien Natur). Mit dem Bewusstsein darüber, dass es nicht nur meine Aufgabe, meine Pflicht ist, sondern auch mein Wunsch, eine Herzensangelegenheit, diesen Baum zu behüten, zu beschützen und ihn bestmöglich zu pflegen, so, wie er es verdient hat. Der Mensch legt gerne und oft Hand an, an Dinge die ihn faszinieren. Er will entdecken, entwickeln, verändern, verschönern, eben eingreifen. Oftmals gelingt das auch gut. Damit entsteht gleichzeitig aber eine große Verantwortung!
Es geht mir also in keiner Weise darum, einen "tollen, teuren" Baume zu kaufen, um ihn dann vorzeigen zu können. Ich habe keinerlei Ausstellungsambitionen oder sonst etwas. Mal ganz abgesehen davon, dass dies ziemlich daneben wäre, wie Moya es passend geschrieben hat:
Moya hat geschrieben: 15.02.2021, 19:25
Ich persönlich kann nur sagen, ich würde mich in Grund und Boden schämen, einen von jemand Anderem zum hochwertigen Bonsai gestalteten Baum (durchaus für teuer Geld) zu kaufen, ihn ausstellen und damit Preise einzuholen, denn ich habe für diese Lorbeeren rein gar nichts getan und schmücke mich so mit eigentlich fremden Federn.
... und Bernd es vollkommen richtig erkannt hat, dass es mir darum gar nicht geht.
Berndbonsai hat geschrieben: 15.02.2021, 18:34
Für mich fühlt es sich an, als ob Du davon ausgehst, dass ein "fertiger" Bonsai automatisch auf diesem Niveau bleibt [...] Übrigens besitze ich nach meinem Verständnis keinen Baum. Ich begleite Sie ein Stück des Weges. Welcher Teil des Weges das ist, ist dem Baum vermutlich ziemlich egal. Also wäre scham in diesem Zusammenhang eine ziemlich anthropozentrische Sicht der Dinge.
Hallo Bernd. Nein, davon gehe ich ganz und gar nicht aus, eher das Gegenteil ist der Fall. Deshalb mache ich mir ja auch überhaupt erst Gedanken darüber und kaufe nicht einfach, um mich dann am Ende (naiv) darüber zu wundern, weshalb der Baum schlechter aussieht oder gar eingeht. Ich möchte einem solchen Baum selbstverständlich gerecht werden und mich in meinem "Können" nicht überschätzen.
Das mit dem "Besitz" hast du im Übrigen wunderbar ausgedrückt. Genauso sehe ich es eben auch. Als ich im Anfangs-Post schrieb, dass "dieser Baum zu einem gehöre", meinte ich damit nicht, dass man ihn besitzt, sondern viel mehr, dass man eine Art Beziehung zu diesem Baum aufbaut, er einem wichtig ist, er einem immer mehr an's Herz wächst.
maexart hat geschrieben: 15.02.2021, 18:37
Um Mal auf deine Preisfrage zu antworten, ja der Preis ist meistens gerechtfertigt. Nichtmal mit Mindestlohn kommt man ansatzweise bei 0 raus wenn man Mal darüber nachdenkt. 1000€ sind nur 100 Stunden mit Mindestlohn. Die hat man ganz schnell beisammen.
Hallo max,
ja, das ist allerdings richtig. So habe ich das bisher gar nicht, oder zu wenig, betrachtet. Danke
bonsaioldie hat geschrieben: 15.02.2021, 19:13
Du schreibst:" Und klar, ich hab mir auch mal den einen und anderen aus dem Baumarkt geholt".
Ja und was ist mit diesen Bäumen geschehen?
Konntest Du sie erfolgreich weiter pflegen?
Hallo Eva,
Das hätte ich sicher weiter ausführen, oder präzisieren sollen, das stimmt.
Ich habe mir ein paar kleinere Pflanzen/Bäumchen im Baumarkt gekauft. Darunter beispielsweise mehrere Ficus-Pflanzen (wie ist der Plural von Ficus?) und eine Ulme. Außerdem eine japanische Zierquitte, die momentan schon austreibt

. Ich war auch mal im Bonsai-Zentrum in Ascheberg. Dort habe ich mir einen Ginkgo gekauft. Außerdem hab ich noch zwei Acer, die ziemlich jung sind. Ich habe zu beinahe all diesen Bäumchen aber ohnehin noch Fragen und stelle gerne mal Bilder ein
Umtopfen in geeignetes Substrat, Wurzelschnitte etc. haben bisher super funktioniert. Dennoch sind viele allgemeine Fragen noch offen und vor allem auch Fragen der Gestaltung betreffend.
Abgesehen davon hatte ich auch mal einen Pfefferbaum und eine Serissa, diese sind mir aber leider eingegangen. Kein Wunder, wie ich im Nachhinein las, ist es doch schwer diese in unseren Breiten zu halten.
Und nein, ich halte keinen Baum in der Wohnung, abgesehen von den Ficus-Pflanzen im Winter. Hoffe, dass sie bald wieder raus können. Das dauert aber wohl noch einige Wochen, auch wenn es hier am Niederrhein oft und schnell ja recht mild ist.
Und danke für die Tipps
Tofufee hat geschrieben: 15.02.2021, 20:03
Hallo Nik,
wie schon meine Vorredner schrieben, ist auch meine Antwort auf deine Frage in der Überschrift ganz klar: Nein!
Aber wenn du noch gar keine praktischen Erfahrung hast, Bäume langjährig zu pflegen (aus deiner Aussage, du hättest dir schon den ein oder anderen aus dem Baumarkt geholt, schließe ich, dass die alle nicht mehr leben - richtig oder falsch?) fehlt dir m.E. die Grundlage, den begehrenswerten, schönen Baum auch dauerhaft schön, ja vielleicht überhaupt am Leben halten zu können.
Hallo Monika,
Danke für deine Gedanken und Tipps.
Ich verweise hier auf die Antwort, die ich Eva geschrieben habe. Ganz so einen "ungrünen" Daumen habe ich dann doch nicht
Die Haltungsbedingungen sind bei mir im Grunde ganz gut. Ich habe eine Ecke im Garten, die ich mitbenutzen kann, dazu einen Balkon.
Baalistic hat geschrieben: 16.02.2021, 13:44
Warum gibst du so viel auf Meinung anderer? Wenn es dich glücklich macht und es dir das wert ist, kauf doch einfach einen geeigneten Solitär.
Hallo Simon,
es geht hier nicht darum, dass/ob ich viel auf "Meinungen anderer gebe" und dadurch
für mich zu einer Kaufentscheidung komme. Meine Meinung habe ich nach wie vor selbst.
Aber selbstverständlich interessieren mich, ganz allgemein, die differenzierten Meinungen von erfahrenen Bonsainern, auch zu dieser Fragestellung und ein Austausch darüber.
Viele liebe Grüße
Nik