Hallo Andreas,
vielen Dank für die Würdigung des „Stöpsels“!
Es wird Dich kaum überraschen: da das alles noch sehr neu ist, fehlt mir eine sehr konkrete Vorstellung. Wenn ich in die „Krone“ schaue, ist da alles voller kleiner Äste und ich bin einfach nur verwirrt. Da muss ich das richtige Auge erst noch entwickeln. Deshalb (und um dem Baum Blätter zu lassen, damit er sich ernähren und seine Wurzel erneuern kann) habe ich oberirdisch erstmal so gut wie nichts gemacht. Ich möchte mit dem Baum beim hiesigen AK vorstellig werden, einfach um mir von den erfahrenen Bonsaianern dort aufzeigen zu lassen, was man machen könnte. Das geht sicher am besten in 3D.
Hier meine Überlegungen für den Fall, dass ich es ganz allein entscheiden müsste:
Unter dem Substrat wird der Stamm deutlich breiter und hat ein paar stärkere Wurzeln, die nicht einfach senkrecht nach unten verschwinden. Eine ist sogar fast waagerecht, so dass ich schon überlege, wie ich die später so abändern oder unterbringen kann, dass sie nicht abrupt am Rand der Schale oder gar mitten im Substrat endet. Es ist jedenfalls nicht nur reines Wunschdenken, dass sich daraus einmal ein recht ansprechendes Nebari ergeben könnten. Nach oben folgt erst ein recht eleganter Schwung (momentan ab Substratoberfläche), dann jedoch beginnt das „lange Elend“. Unterbrochen wird es auch noch von einer unschönen Verdickung, die dort entstand, wo die beiden größten Äste in gleicher Höhe abgingen. Der erste (kleinere) Ast von unten gesehen befindet sich kurz darunter, leider immer noch in einem ziemlich großen Abstand vom späteren Nebari.
Was der Baum m.E. bräuchte, wären deutlich tiefer ansetzende Äste und eine Stammverjüngung vielleicht 15cm über der jetzigen Substratoberkante. Deshalb neige ich dazu, auf die hohe Stockausschlagfähigkeit der Hainbuche zu hoffen und den Stamm in dieser Höhe schräg zu kappen, evtl. auch einen v-förmigen Schnitt anzulegen und zu versuchen, zwei Hauptäste auf zu bauen. Das alles natürlich erst im nächsten Jahr, wenn der Baum wieder eine ordentliche Wurzel entwickelt hat.
Was ich dabei überhaupt nicht einschätzen kann, ist, ob nicht der Größenunterschied zwischen dem Stamm und den neuen Trieben zu krass ist: kann man das über die Jahre angleichen? Soll ja eine Verjüngung werden, keine Stufenpyramide…
Den genauen weiteren Verlauf oberirdisch würde ich aber v.a. davon abhängig machen, was der Baum mir anbietet. Ich habe ihn in der Höhe ja bereits um fast die Hälfte reduziert und meine, erkennen zu können, dass sich im unteren, bisher kahlen Stammbereich, bereits schlafende Augen rühren. Grob würde ich eine Gesamthöhe von ca. 60cm anpeilen (20cm Stamm, 40cm Krone).
Irgendwann müsste man dann auch nochmal radikal an die Wurzeln gehen (pun intended

), denn da habe ich ein 2. UG dran lassen müssen, das von der starken Pfahlwurzel aus geht.
Bei all diesen Überlegungen traue ich mir aber selbst nicht so recht: vielleicht finde ich diese Lösung einfach deshalb attraktiv, weil sie so klar und einfach wirkt und mir ermöglicht, Komplexität aufzubauen, statt die Struktur der vorhandenen Pflanze zu durchdringen und die bestehende Komplexität zu verringern. Handfester Grund ist und bleibt aber die fehlende Stammverjüngung. Da beißt die Maus kein‘ Faden ab…
Schöne Grüße
Tim