Titelbild der neuen Bonsai Art

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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achim73
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Beitrag von achim73 »

also, ich muss auch sagen, das bild des "arbeitszustandes" wirkt auf mich WESENTLICH stimmiger, vor allem, weil die grünbereiche viel dynamischer, zerzauster und damit viel besser zum totholz und dem titel des baumes passend erscheinen. vielleicht handelt es sich hier einfach um ein phänomen, welches sich durchgängig in der japanischen kultur zeigt : die hohe wertschätzung von perfektion bis ins detail, ein gewisser hang zum traditionalistischen, formalistischen, strengen, künstlichen, der bisweilen zu leblos wirkenden ergebnissen führt. das ist wohl, wenn ich das mit meinen zugegebenermassen recht beschränkten kenntnissen recht verstanden habe, aus der historischen entwicklung japans erklärbar.
aber den unterschied sieht man recht gut in dem gegensatz von japanischer bosai- und chinesischer penjing-kultur. dazu gibt es übrigens einen sehr interessanten glaubensfragen-thread im bob.

die diskussion, wer und was und wo die "deutsche bonsai-szene" repräsentiert, sollten wir nicht führen. wir haben alle nur einen blick auf einen ausschnitt des ganzen und auch unsere persönlichen eitelkeiten. solche threads werden dann erfahrungsgemäss irgendwann gesperrt.

edit : monika war schneller... :)
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Mir fällt etwas anderes auf: Nur wenige hier sprechen die feinen Unterschiede in der Anwendung von Techniken an. Also, ob das Totholz dann schneeweiss und eher glatt, grau und eher rissig ist, wie sehr die Rinde «poliert» wurde (statt ob oder ob nicht).

Das fällt mir ehrlich gesagt auch in Workshops und Ausstellungen auf: Während einige Sachen akribisch und im Detail diskutiert werden, ist für andere auf breiter Front kaum ein Gefühl. Totholz scheint mir so ein Thema zu sein. Da behaupte ich jetzt mal frech, dass mehr als die Hälfte der Bonsaigestalter Totholz überhaupt nur von Bonsai her kennt, und das sieht man.

Ich habe den Eindruck, der Kitschvorwurf bezieht sich darauf, nicht (nur) auf die Form (welche - an Karl T. - zwar natürlich gewachsen, aber in Bezug auf Ausschnitt und Ausformung bewusst gewählt ist, was allemal diskutierbar ist - niemand redet von angesetzten Stücken), sondern auf die Summe der Gestaltungsschritte.

Was mich dann wieder an eine Regel für künstlerische Zeichner erinnert: «Früh genug aufhören». Nichts ist schlimmer als eine «totgearbeitete» Zeichnung. Kann niemand genau sagen, was das im Einzelnen bedeutet, aber Leute mit viel Gespür und Erfahrung sind sich da erstaunlich oft absolut einig, dass eine Zeichnung «totgearbeitet» ist. Ebenfalls interessant: Zeichnungen von Laien erkennt man oft u.a. daran, dass sie am Schluss alle Hilfslinien wegradieren (die auch allesamt zu dunkel sind...), Zeichnungen von Kunstschülern erkennt man oft daran, dass sie am Schluss noch ein paar «künstlerische Hifslinien» einziehen, weil sie geschnallt haben, dass das von weitem professionell aussieht. Durchschaut werden beide.

Offenbar braucht auch ein Baum auf irgend einer Ebene etwas «Unfertiges und Rauhes». Unfertig ist natürlich nicht ganz richtig, rauh auch nicht. Aber wer die Diskussion um Patina auf Bronzen kennt, weiss vielleicht, was ich meine...
MerschelMarco
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Beitrag von MerschelMarco »

Andreas Ludwig hat geschrieben: Offenbar braucht auch ein Baum auf irgend einer Ebene etwas «Unfertiges und Rauhes». Unfertig ist natürlich nicht ganz richtig, rauh auch nicht. Aber wer die Diskussion um Patina auf Bronzen kennt, weiss vielleicht, was ich meine...
Auf der vorhergehenden Seite, der Link von hv66 zeigt ein Zwischenstadium des Baumes. An dieser Stelle hätte der Baum noch eine ganz andere Richtung einschlagen können. Man hätte ihn einfach altern lassen können, mit Patina wäre das ein absoluter Hammer in meinen Augen geworden. Die Ausgabe kenne ich und war sehr gespannt damals, was aus dem Baum mal wird. Er hat halt eine ganz andere Richtung eingeschlagen, schade.

PS. Jetzt habe ich mir doch glatt die aktuelle BA gekauft!
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Karl T.
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Beitrag von Karl T. »

Walter Pall hat geschrieben:Karl Du verwechselst Wirkung mit Mittel. Du sprichst über die Mittel. Wir sprechen über die Wirkung. Du kannst einen Baum über viele Jahre völlig ohne Draht und ausschliesslich mit der Schere, also mit "natürlichen" Mitteln bearbeiten udn er sieht ganz künstlich aus: Jede bessere Hecke. Du kannst auch einen Baum mit allen möglchen künstlichen Mitteln bearbeiten, aber man merkt es nicht.
Der Titelbildbaum jedenfalls WIRKT völlig künstlich, eben wie stark angemaltes Porzellan oder gar wie Plastik, leblos eben udn "gemacht". Dabei ist es egal, was genau getan wurde. Nur auf die Wirkung kommt es an. Da wird nicht hineingeheimnist, das kommt eben so rüber.
Walter, es war mir schon klar, dass ihr über die Wirkung des Wacholders sprecht. Möglicher weise könnte der Wacholder auf einige User wie ein Plastikbaum wirken, eben weil man meint alles daran ist unecht und eben konstruiert. Es könnte ja genau dieses Konstrukt dann die Meinung bilden. Ich wollte damit nur klarstellen, dass aus dem Artikel nichts darauf hinweist, dass er ein künstlicher Baum ist.

Holgerb, ich habe schon verstanden, dass dir dieser Baum nicht gefällt, aber bitte lasse mir die Freiheit, dass ich mich trotzdem über manche geschriebene Fantasien amüsiere.

Und egal von welchem Blickwinkel ich diesen Baum betrachte, er gefällt mir ausgezeichnet. Ich habe ihn für mich analysiert und er stellt für mich eine stimmige Baumskulptur dar.

Wenn dieser Wacholder egal wo in Europa auf einer Ausstellung stehen würde, wäre er sicher einer der Hauptpreisträger und Spätziel in Deutschland, da bin ich mir auf jeden Fall sicher. :lol:
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
Math
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Beitrag von Math »

Mal eine Frage, hat irgend jemand schon einmal einen Baum in der freien Natur gesehen, der über Jahre durch Wind und Wetter so geprügelt wurde, so dass sich ein umfangreicher Totholzanteil bilden konnte, der aber gleichzeitig so geschniegelt und gestriegelt in Blattwerk und Rinde ist. Der Eindruck den der Bonsai somit abgibt ist daher unwirtlich und gekünstelt.
Der Bonsai ist handwerklich sicher eine Meisterleistung, zumindest in meinen Augen, als Skulptur ist er für mich auch schön, aber nach meinem Naturempfinden ist es halt kein Baum mehr. Und das, so dachte ich, sollte ein Bonsai doch in erster Linie sein.
Kein Wunder, dass sich da so manchem der Eindruck eines Plastikbaumes aufdrängt.

Matthias
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Satsuki
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Beitrag von Satsuki »

Math hat geschrieben: Der Bonsai ist handwerklich sicher eine Meisterleistung, zumindest in meinen Augen, als Skulptur ist er für mich auch schön, aber nach meinem Naturempfinden ist es halt kein Baum mehr. Und das, so dachte ich, sollte ein Bonsai doch in erster Linie sein.
Kein Wunder, dass sich da so manchem der Eindruck eines Plastikbaumes aufdrängt.

Matthias
Bonsai ist nicht natur! Sie ist das idealbild von dem baum.

Grüsse
Peter
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Und dieses Idealblid ist eine menschliche Erfindung?
Und der menschliche Erfindnungsgeist kommt woher..?

Natur..? Ist was genau?
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Thomas P.
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Beitrag von Thomas P. »

Math hat geschrieben: hat irgend jemand schon einmal einen Baum in der freien Natur gesehen, der über Jahre durch Wind und Wetter so geprügelt wurde, so dass sich ein umfangreicher Totholzanteil bilden konnte,
Wenn man den Artikel in der BonsaiArt lies, sieht man das Ausgangsmaterial. Das Todholz war im Wesentlichen genauso schon an dem Baum vorhanden, wurde so gut wie gar nicht verändert.
Es gibt da in dem Beitrag noch eine andere Gestaltung mit Namen" Geist des Windes", wo das Todholz sehr skuril wirkt , aber auch das hat letztendlich die Natur so geformt.
Math hat geschrieben:
der aber gleichzeitig so geschniegelt und gestriegelt in Blattwerk und Rinde ist. Der Eindruck den der Bonsai somit abgibt ist daher unwirtlich und gekünstelt.
Ja gut , darüber kann man streiten, aber auch hier wurde , wie Karl schon sagte, relativ wenig mit Farbe nachgeholfen.
Durchgestilte Wacholder haben auch meist akkurate Polster.
Der Meister sagt immer mal , " der Baum will kein Bonsai sein",
der hier will es warscheinlich oder besser mit Sicherheit.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

Bonsai-Wandkalender 2019
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Totholz kann man genau so wie Kronen abstrakt oder naturnah gestalten. Totholz alleine sagt noch gar nichts. Echt oder unecht sagt auch noch nichts.
Paradox: das Totholz an meinem Wacholder ist zu 100% künstlich, sieht aber natürlich, sogar ungestaltet aus. Das Totholz and dem Plastikbaum ist echt, sieht aber falsch aus. Verstehe das wer wolle.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Thomas P. hat geschrieben: Der Meister sagt immer mal ...
Thomas, wenn schon dann "Captain".... :wink: 8)


@ Karl T.:

Lieber Karl, ich lasse Dir doch alle Freiheit, die Du haben möchtest, ich versuche sogar andere Sichtweisen zu verstehen und nachzuempfinden.

@ Walter Pall:

Es hat weniger was mit künstlich oder natürlich zu tun. Ich bin sicher, daß auch Koo am Totholz gearbeitet hat.
Die Frage ist, welche Ziele damit verbunden sind.
Bei Deinem Wacholder, keine Frage, der soll natürlich wirken, als hätte man ihn aus der Landschaft in den Pott gesetzt.
Das Totholz an dem "Plastikbaum" soll ja wahrscheinlich gerade künstlich wirken, übertrieben.
Vielleicht ist für den Baum "Karikatur" die richtige Bezeichnung. Das wäre noch sehr ungewohnt, unwirklich und was völlig anderes. Es muss einem ja nicht gefallen, aber irgendwer muss ja mal was anderes machen. Und irgendwann werden die Schüler flügge....
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Walter Pall hat geschrieben:...
Paradox: das Totholz an meinem Wacholder ist zu 100% künstlich, sieht aber natürlich, sogar ungestaltet aus. ...
:?: Wirklich "Tanuki" oder wie meinst du das jetzt?
M
Beste Grüße
Martin

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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Martin_S hat geschrieben:
Walter Pall hat geschrieben: :?: Wirklich "Tanuki" oder wie meinst du das jetzt?
M
Wie man auf diesem Bild sehen kann, haben ALLE Äste noch gelebt, als ich die Arbeit mit diesem Baum begann. Alles, was heute wie natürliches Totholz aussieht, ist in zehn Jahren duch meine Arbeit entstanden; also künstlich; man sieht es nur nicht sofort auf den ersten Blick. Sowas nennt man "künstliches Totholz".
Der besagte Titlebildbaum hat weitestgehend natürliches Totholz, das so lange bearbeitet wurde, bis es völlig künstlich aussieht.
Vielleicht soll es tatsächlich so ausehen.
Dateianhänge
1995
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1997-05-01-Magazin30-Bild08.jpg (61.83 KiB) 1612 mal betrachtet
2005
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2005-08-Dsc_0851g.jpg (61.86 KiB) 1602 mal betrachtet
bonsaiautumn

Beitrag von bonsaiautumn »

Scheiss diskussion.. der Walter hat ja nur seine Meinung kund getan.. kommt mir so vor das einige wartende Schlangen in der Grube frisches Futter gesucht haben,, mir gefällt der Baum und dem Walter halt nicht..ist doch seine Meinung.. *nono*
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bonsaimike
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Beitrag von bonsaimike »

...
Zuletzt geändert von bonsaimike am 24.06.2014, 13:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Walter Pall hat geschrieben:
Martin_S hat geschrieben:
Walter Pall hat geschrieben: :?: Wirklich "Tanuki" oder wie meinst du das jetzt?
M
...
Sowas nennt man "künstliches Totholz".
....

Jetzt habe ich dich verstanden! Ich war schon etwas überrascht...wenn da "künstlich" steht, dann denke ich an Kleber, Bohrmaschine und Anpassen. Das du/man ehemals lebendes Holz als künstliches Totholz bezeichnest hat mich anfangs etwas verwirrt.
M
Beste Grüße
Martin

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