Liebig

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
RoyF.
Beiträge: 538
Registriert: 06.10.2009, 21:01
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von RoyF. »

Hallo Bonsaienthusiasten,
ich denke mir ohne euch zu kennen, das Walter Pall in einer ganz anderen Liga spielt bzw. spielen muss. (nach 100fachem lesen seiner Argumente und natürlich auch seinen Ergebnissen und Erfolg). Immerhin wird er mehr Bäume gestaltet oder gepflegt haben, als die meisten von uns je sehen werden. Er ist den Meisten und seiner Zeit bestimmt weit vorraus. Wenn dann Einige in vielleicht 10 Jahren dort sind wo Walter jetzt ist, ist er denjenigen aber schon wieder 10 Jahre vorraus. Man könnte jetzt noch viel schreiben, aber ich lass das denke ich einfach mal so stehen. Mfg roy
Benutzeravatar
holgerb
BFF-Autor
Beiträge: 5215
Registriert: 22.09.2004, 17:24
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Es ist ganz logisch, daß man bei der Pflege hunderter Bäume etwas anders, vereinfachter agieren muss.

Demnach sollte auch jeder wissen, wo die Grenze der zupflegenden Bäume ist. Bei 500 Bäumen ist das natürlich ein anderer Zeitaufwand als bei 10 Bäumen... ganz klar.
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Liebig

Beitrag von zopf »

Hallo
Um im etwas entspannteren Vitaminbereich zu bleiben,
einfach die Unterteilung in fett- und wasserlösliche Vitamine.
Überdosierung von wasserlöslichen Vitaminen ist recht unproblematisch,
da Sie ausgeschwemmt werden, bei fettlöslichen Vitaminen kann es
aber zu unerwünscht hohen Konzentrationen im Körper kommen,
die auch dementsprechend negative Auswirkungen haben.
Bei Unseren Lieblingen (wasserlöslich) gibt es dann die "beweglichen"
und die "unbeweglichen" Nährstoffe.
Ein Beispiel wäre - In Rindenhumus findet sich oft viel Mangan,
das sich negativ auf die Eisenaufnahme auswirkt.
Mangan ist zwar nicht direkt "unbeweglich" befindet sich aber im Spross
und "verdünnt" seine Konzentration durch Wachstum.
Da aber die Eisenaufnahme (auch bei Blattdüngung) gestört ist,
dauert es recht lange bis sich das Mangan auf vernünftige Mengen
ausgewachsen hat.
Ein anderer Punkt ist das "Verhalten" von Nährstoffen untereinander,
Sie beinflussen sich in positiver oder negativer Hinsicht.
Ein Beispiel wäre Calcium und Magnesium die bis zu einem gewissen Grad
die negativen Auswirkung zu hoher Salzmengen abmildern.

Um zum erweiterten Liebig zurückzukommen,
sollte man für sich überlegen welcher Faktor
der begrenzende Faktor ist.
Bei mir ist es Licht (Sonneneinstrahlung) und Temperatur.
Im Bereich der Temperatur kann man optimieren z.B. Farbe der Deckschicht.

mfG Dieter

ps Es ist kein fertiges Konzept, es sollen einfach nur Hinweise sein
warum manches nicht so klappt und die eventuelle Fehlersuche zu erleichtern.
Im gesamten betrachtet gibt es eigentlich 2 Teile
der erweiterte Liebig (das Aussen) - und die Pflanze (das Innen)
grüsse an die bewohner von melmac
Benutzeravatar
holgerb
BFF-Autor
Beiträge: 5215
Registriert: 22.09.2004, 17:24
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Bei Spurennährstoffen ist es darüberhinaus entscheidend (das hast Du ja schon in etwa geschildert), daß sie weder fehlen noch in zu hoher Konzentration vorliegen dürfen.
Im allgemeinen denke ich aber, daß sowohl organische Düngung als auch mineralische Düngung den Pflanzen die passende Menge an Spurenelementen zukommen lässt.
Nicht unterschätzen speziell bei der Düngung sollte man den pH-Wert, er sorgt dafür, daß Nährsalze verfügbar oder eben nicht verfügbar sind.

Darüberhinaus gibt es eben ganz, ganz viele Stellrädchen, die man sicher alle nicht im Blick haben kann und optimal einstellt.
Wenn man allerdings die passenden und limitierenden Faktoren verbessrn kann, wird sich automatisch ein besseres Ergebnis einstellen.


Ganz wichtig erscheint mir zu erwähnen:

Bonsai und Bonsaischalen und der damit abgegerenzte Raum des "Lebendigen" sind ein sehr feines System. Gerade das Substrat verfügt nicht über die Eigenschaften, wie es ein normaler Boden hat, sondern ist künstlich hergestellt und verfügt im Idealfall über die gewünschten Eigenschaften. Die Gefahr des "aus dem Ruder laufens" einer Eigenschaft ist hier natürlich wesentlich größer, da der "Raum" ein wesentlicher kleinerer ist und veränderte Eigenschaften nur sehr schwer vom Substrat aufgefangen werden können. Sind dann eben äussere Einflüsse auf das Substrat "extrem" kann das schon zu negativen Effekten führen.

Dieter, es erscheint mir leider so, und das ist absolut nicht überheblich gemeint, daß eingie Faktoren nicht erkannt werden können, weil die Sichtweise fehlt.
Aber das versuchen wir ja jetzt zu ändern. Es ist sicher nicht richtig, sich irgendein Faktor herauszusuchen und am Rädchen zu drehen. Viele Symptome werden sogar falsch gedeutet...

Sollten wir uns also heranbegeben, welche Symptome wie zu deuten sind und das aufdröseln? Zumal hier wiederum die Schwierigkeit besteht, daß sich Faktoren auch untereinander bedingen, wie z.B. Temperatur und Wasserangebot....
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Liebig

Beitrag von zopf »

Hallo Holger
Da wir viele Faktoren nicht kennen, viele Zusammenhänge nicht verstehen
und so im Nebenbei der ganze "Kack" viel zu umfangreich ist
um das alles im Nebenbei noch im Kopf zu halten,
kann man sich dem ganzen Thema Bonsai vom Einfachen her nähern.
Einerseits sollte man vom Prinzip her verstehen wie ein Pflanze funktioniert,
andererseits sollte man lernen zu erkennen wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Die Pflege ist das A und O unseres Hobbys,
allerdings nicht als Selbstzweck, sondern als Grundlage der Erschaffung schöner Bäume.
Die Pflege und die dazugehörigen Schritte sollten einem in Fleisch und Blut übergehen,
damit man keine Gedanken darüber verschwenden muss.
Der Spass fängt meist aber erst dann an, wenn man das Bäumchen so beeinflussen kann,
das man seinen "gestalterischen" Zielen näherkommt.

Unser gemeinsames Ziel ist die "Erschaffung" eines "künstlerisch" wertvollen Baumes.
Um zum Ziel zu gelangen, muss man allerdings irgendwo starten.
mfG Dieter

ps Im Moment bin ich sehr von Robert Steven angetan.
grüsse an die bewohner von melmac
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Liebig

Beitrag von zopf »

Leider kann ich den Grundgedanken nicht vermitteln,
vielleicht darf ich Walter zitieren um es etwas zu verdeutlichen.

"Jetzt, wo in Bonsaikreisen plötzlich das Minimumgesetz von Liebig diskutiert wird, kam mir die Erleuchtung. Es gibt eine ganze Menge von Spurenelementen die in herkömmlichen mineralische Düngern nicht enthalten sind, nicht in der geforderten Menge oder nicht in dem gefordertem Zustand. In organischem Dünger sind die verschwindend geringen Mengen dann aber wohl enthalten. Nach dem Gesetz des Minimums bestimmt stets genau genau dieses Minimum aber den Düngeerfolg "

Das meine ich mit verstehen, Walter interssiert es nicht um welches Spurenelement
in welcher Konzentration geht. Vom Grundverständnis der Pflanze ausgehend
wendet er Liebig an, zieht seine Schlussfolgerung und reagiert dementsprechend.
Nix Formel, Nix messen, Nix lernen

mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
Benutzeravatar
Martin_S
Beiträge: 11869
Registriert: 05.01.2004, 20:26
Wohnort: Linker Niederrhein, da wo et geil is'

Re: Liebig

Beitrag von Martin_S »

An der Stelle mache ich mal einen ganz kleinen Einwurf:

welche Dünger verwendet ihr eigentlich, wenn die keine Spurenelemente enthalten? Ich habe mal über das Düngen an sich und im Besonderen einen Artikel für das BCD Heft geschrieben. Dort wurden einige Dünger von mir beschrieben. Da war soweit ich mich errinnern kann, kein einziger dabei der keine Spurenelemente enthielt. Nur eine absolute "Billig-Plörre" für 75 Cent hatte die nicht auf der Flasche aufgeführt. Alle andere sind mit Spurenelementen versorgt gewesen (Aldi's Dünger, die die ich kenne(!), sind alle mit Spurenelementen)

Wem das dann noch nicht reicht, kann eine einfaches Nährsalz (da habe ich auch was von Aldi *engel* ) "hinterher werfen" und dann habt ihr genauso gesunde Bäume wie andere.

Bei den Zaubermittelchen wage ich mal zu behaupten, dass die eben nicht alle (ST mal ausgenommen) Spurenelemente enthalten.

Mein Favorit bei Flüssigdüngern MIT ausgewiesenen Spurenelementen ist im Übrigen Mairol.

M
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Liebig

Beitrag von zopf »

Hallo Martin
Magnesium ist z.B nur in wenigen Düngern enthalten,
in der Gartenabteilung muss man recht lange suchen
um einen Flüssigdünger mit Magnesium zu finden
mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
MerschelMarco
Beiträge: 1621
Registriert: 20.05.2007, 10:43

Re: Liebig

Beitrag von MerschelMarco »

Martin_S hat geschrieben:An der Stelle mache ich mal einen ganz kleinen Einwurf:

welche Dünger verwendet ihr eigentlich, wenn die keine Spurenelemente enthalten? Ich habe mal über das Düngen an sich und im Besonderen einen Artikel für das BCD Heft geschrieben. Dort wurden einige Dünger von mir beschrieben. Da war soweit ich mich errinnern kann, kein einziger dabei der keine Spurenelemente enthielt. Nur eine absolute "Billig-Plörre" für 75 Cent hatte die nicht auf der Flasche aufgeführt. Alle andere sind mit Spurenelementen versorgt gewesen (Aldi's Dünger, die die ich kenne(!), sind alle mit Spurenelementen)

Wem das dann noch nicht reicht, kann eine einfaches Nährsalz (da habe ich auch was von Aldi *engel* ) "hinterher werfen" und dann habt ihr genauso gesunde Bäume wie andere.

Bei den Zaubermittelchen wage ich mal zu behaupten, dass die eben nicht alle (ST mal ausgenommen) Spurenelemente enthalten.

Mein Favorit bei Flüssigdüngern MIT ausgewiesenen Spurenelementen ist im Übrigen Mairol.

M
Hallo Martin,

die Frage ist doch, ob überhaupt alle Spurenelemente und sonstigen Cofaktoren überhaupt bekannt und auch genügend quantifiziert sind.
Wenn du jetzt z.B. Akadama als natürliches Substrat benutzt kann der Baum evtl. fehlende Spurenelemente über das Substrat beziehen oder auch über das Gieswasser. Das mag bei dir gut funktionieren. Bei ziemlich inertem Blähton mags anders aussehen bei anderem Wasser wieder anders.
Die Kombimethode anorganisch/organisch hat für mich die meisten Möglichkeiten zu niedrige Liebigfassdauben im engeren Sinn zu vermeiden.
Gibt es eigentlich handelsüblichen anorganischen Dünger aus organischem Ausgang, z.B. mineralisierter Rückstand aus Biogasanlagen oder ähnliches? Da sollte dann doch alles drin sein.

Grüße,
Marco
Yami
Beiträge: 822
Registriert: 30.09.2005, 22:29
Wohnort: Dudenhofen
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von Yami »

Holger, Martin,

in den meisten organischen Düngern ist die Konzentration an Mg und Fe zu niedrig. Bei Kiefern und Wacholdern siehst du entsprechende Symptome bei Mg-Mangel und bei Azaleen bei Fe-Mangel. Andere Bäume mögen Defizite an anderen Metallen und Spurenelementen haben.
Deshalb gibts bei mir zu einer starken Düngung mit Hanagouko (oder einem anderen org. Dünger) regelmäßig Gaben von Spurenelemente-Düngern (Radigen ist z.B. einer der ausreichend Mg (5%MgO) und sonst auch alles andere enthält). Seit ich das mache habe ich überall ein kräftiges, vitales Grün und guten Zuwachs.
Dazu kommt wie gesagt min. alle zwei Wochen einen Dünger über Kopf.

Für rein mineralischen Dünger kann ich nicht sprechen, da ich diesen nicht verwende. Man kann, wenn man ihn verwendet, ja aber auf die Zusammensetzung schauen oder nach dem "Try and error"-Prinzip vorgehen oder einfach Walter fragen.

Viele Grüße
Martin
Frühlingstage am 06./07.04.13 - bringt eure Bäume mit!
Infos unter: http://www.bonsai-sturm.de
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr Lieben,

der "Compo Blumendünger mit Guano", den ich gerne verwende, ist auch schon eine Kombination aus anorganischen und organischen Bestandteilen. Ein paar Bäume (Ginkgo z.B.) bekommen bei mir aber auch einen anorganischen, sehr stickstoffreichen Grünpflanzendünger, kombiniert mit Biogold.
Biogold verwende ich trotz seines hohen Preises auch immer noch gerne. Vor allem gegen Anfang der Saison, wenn die Ahorne noch dazu neigen, zu lange Internodien zu machen. Nur wenn es lange ausdauernd stark regnet verzichte ich ganz darauf, weil die Pellets dann in wenigen Tagen aufgelöst und weggewaschen werden.

Wo Dieter die Vitamine angesprochen hat, spielen die bei den Bäumen bzw. deren Ernährung eigentlich auch eine praktische Rolle für uns? Oder produzieren die Pflanzen alle benötigten Vitamine selbst?

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Liebig

Beitrag von zopf »

Hallo Heike
Wenn Dein Baum Depressionen hat, würde ich hochdosiert B12 und Folsäure geben,
ansonsten sind Bäume Selbsterzeuger.
mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Dieter,

na ja, ich muss die Bäume wohl mal auf die Couch stellen und befragen, ob sie depressiv sind... :shock: *kopfkratz* *king*
Aber ich glaube, ich nehme die Vitamintabletten dann lieber selbst. Danke! :wink:

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
holgerb
BFF-Autor
Beiträge: 5215
Registriert: 22.09.2004, 17:24
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Also in meinem mineralischen Dünger sind 6% MgO...und natürlich auch Spurenelemente....

Dünger mit Guano verwende ich nicht, weil ich den Abbau der Vogelkacke nicht gut heisse (aber das ist eine gaaanz andere Baustelle).

Der Rest ist in der organischen Masse des Substrates.

Heike, im Gegensatz zum Menschen produziert die Pflanze ihre Vitamine selbst...
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
Benutzeravatar
Martin_S
Beiträge: 11869
Registriert: 05.01.2004, 20:26
Wohnort: Linker Niederrhein, da wo et geil is'

Re: Liebig

Beitrag von Martin_S »

Yami hat geschrieben:...in den meisten organischen Düngern ist die Konzentration an Mg und Fe zu niedrig.
....
Wie hoch sollte die denn sein?
M
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
Antworten