Hehe, tja ganz richtig erkannt, Lehre kommt von oben und das, was ich anfangs schrieb, ist genau das, was ich meinen Studis versuche zu vermitteln. Ich dachte das passt hier ganz gut hin.
Wenn wir jetzt in der Uni wären, müsste ich so etwas sagen wie "Jetzt mal langsam. Das sind viel zu viele Theoreme auf einen Schlag, gehen wir nochmal zurück, und dann schön der Reihe nach." Puh, sind wir aber zum Glück nicht.
Die ungefragte Frage ist das, was ich als Leerstelle im Sinnhorizont einer Äußerung ausmache. Fraglich sind hierbei die Dimensionen von Sinnhorizont und Äußerung.
Der Sinnhorizont ist der Kontext einer Aussage. Hier kann entweder durch kommunikative Mittel gezeigt werden, dass ich die Gepfogenheiten und Begriffe eines Diskurses kenne, manche aber bewusst, trotz Kenntnis, auslasse (Subtext), oder eben deutlich werden, dass mir gewisse Wissensinhalte und Zugänge fehlen. Dieses Fehlen wirft dem Adressaten einer Äußerung Fragen auf, nach denen derjenige, der die Äußerung traf, nicht gefragt hat. In diesem Falle kann die Beantwortung der ungefragten Frage einer Beleidigung oder der Selbstillumination gleichkommen. Auch wenn man die Frage zu beantworten wüsste, ist es nicht immer der würdige und respektvolle Weg, zu antworten. Hier sollte man innehalten und reflektieren, ob eine Antwort Wissen erzeugt oder nur Verletzungen.(Man kann sich auch selbst mit seinen eigenen Worten verletzen)
Die Äußerung ist das Medium, das die Kommunikation überträgt. In ihr wird die informative Bindung zweier Geister ständig reproduziert. Diese Verbindung ist im Besten Falle mehr als die Summe ihrer Teile, indem ein Mehrwert für beide Teilnehmer der Kommunikation (oder alle) entsteht. Wichtig ist jedoch in der Frage nach dem Wesen der ungefragten Frage, wer die Äußerung tätigt und wem sich die Frage daraufhin stellt. Ist es eine innere Frage, . . . .
Ist ja klar worauf das hinaus läuft.
Mein Punkt ist dieser: Die ungefragte Frage kann formallogisch keine sein. Also kann man sie auch nicht beantworten. Der Begriff ist ein Behelfskonstrukt, das uns hilft, darüber nachzudenken, mit welcher Motivation und Blickrichtung eine Unterhaltung (Wissenaustausch) stattfindet. Die einzige Antwort auf diese kann also logischerweise nur ein Verweis auf ihren Kontext sein.
Dieter, das alles ist aber nur meine Perspektive, die ich durch die Beschäftigung damit erlangt habe, was die Ideengeschichte und Kulturphilosophie zu den aufgeworfenen Fragen sagt. Andere Perspektiven sind genauso gut und richtig, sofern sie zum Austausch und zur Überprüfung ihrer Prämissen bereit sind... Können und Handwerklichkeit sind solche Prämissen, und es sollte doch lohnen, sich darüber zu unterhalten, warum die Kunsttheorie sagt, dass diese Prämissen NICHTS mit Kunst zu tun haben, ein Großteil der Kunstkonsumenten das aber GANZ anders sehen, oder?
Zurück zu Toms postmarxistischem Échauffement wider den porschefahrenden Barthguckern: Deine Geschichte beginnt ja bei Kants "Sapere aude!" (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen) und verweist dann auf das Zeitalter des flexiblen Kapitalismus. Ein Problem der Demokratisierung von Wissen (und das war es, was die Aufklärung einleitete [diese Geschichte beginnt eigentlich bei Luther] und die Gründung des ersten deutschen Reiches und des europäischen Völkerbundes weitersponn) ist aber die damit einhergehende Möglichkeit eines Jeden, dieses Wissen für sich zu nutzen. Das klingt erstmal toll. Da aber die Wissenssoziologie demokratisch wurde, die politischen Strukturen dieser Verallgemeinerung aber nicht folgten (der Versailler Vertrag trennt Wissen und Macht endgültig voneinander), wurde Wissen zum Vehikel der Macht. Warum? Weil das Postulat, dass alle wissen sollen eine Nachfrage erzeugt, es dann durch politische Strategien verknappt und damit ein Machtgefälle erzeugt. Dieses will die Demokratie ausgleichen. Das geht aber nur durch Austausch von Macht, die schon seit den ersten Königen (Priestern) in der Form von Geld getauscht wird. Also ist nicht Wissen Macht, sondern Geld.
Hier liegt auch die Antwort auf die Frage, warum sich der besserverdienende Barthgucker die teuren Importbäume in den Garten stellt und dementsprechend über die untypischen, irritierenden, anti-idealen Bäume wettert: Sie sind ein Machtmittel, dessen Notwendigkeit uns die Machtinhaber (die mit dem Geld) allgegenwärtig vermitteln. "Sapere aude!" wirkt da doch wie ein naives, antiquiertes Hirngespinst.
Und nur wenige tragen es noch durch ihr genauso antiquiertes Umfeld in sich.
Oh, ich sehe gerade, wir sind wieder bei Bonsai und Ästhetik. Davon hab ich keine Ahnung
