Für Lindwurm und ThomasP: Wundverschluß

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donaurieder
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Beitrag von donaurieder »

Hallo alle zuammen.
Wieder mal unbedarft :
Weide vom Bieber geköpft!
LacBalsam auf die Wundränder :arrow: schädlich :?:
Grüße
Hermann
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Thomas P.
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Re: Wow!!!!

Beitrag von Thomas P. »

Wolfgang hat geschrieben:
holgerb hat geschrieben:
Thomas P.:
"Mit Generationen von Bonsaifreaks meine ich auch die großen Meister,
und ich kenne keinen, auch keines der großen Standardwerke, wo nicht ein ordentlicher Wundverschluß propagiert und praktiziert wird.
Bei den großen Japanern kann ich nicht mitreden, aber die deutschen Größen sind meines Wissens keine Gartenbauingenieure.
Walter Pall war Unternehmensberater, Udo Fischer war irgend wie Akademiker, Ansorge Psychologe, Busch und Pfisterer sind Biologen,...
Was das Fachforum betrifft, schlage ich Holger vor, seinen Beitrag dort einzustellen und ich bin mir sicher, der wird dort zerrissen. Ich kenne jedenfalls keinen in meiner größeren Bonsaiumgebung, der ohne Wundverschluß arbeitet.
Und was ich für Beiträge poste (Schilling. Vorstandsmitglied im Bonsaiklub Deutschland), lasse ich mir von niemanden vorschreiben.
Es kann ja jeder seine Meinung zum Thema haben und es für sich halten wie er will.
Nur, daß hier Einsteiger dermaßen irritiert werden zu einem Thema, welches eigentlich keines ist, macht mich richtig sauer.
_________________
Viele Grüße
Thomas"
[bonsai-art Forum, Artikel Faulstelle in Buche, Beitrag vom 12. August 2004 22: ]
Thomas, .....

1.) .... weißt du, wie viel Blödsinn von einem Bonsaibuch ins nächst veröffentlichte immer wieder abgeschrieben wird :?: :roll:

2) .... wieso :?: - Ich finde diese Diskussion dringend notwendig :!: - Viel zu viele Schauermärchen krassieren um das Thema Wundverschluss.

3) .... was genau ist deine *größere Bonsaiumgebung* :?: :wink:

4) .... das ist bestimmt keine einsteiger-irritierende Diskussion, sondern wird vielleicht manch einem Bonsaifreund die Augen öffnen.


Aber wie du bereits zurecht angemerkt hast .........
Es kann ja jeder seine Meinung zum Thema haben und es für sich halten wie er will.
:wink:
Das Zitat ist aus dem anderen Forum entnommen und aus dem Zusammenhang gerissen.
Wer die Kontroverse dort nicht verfolgt hat, kann sich wohl kein rechtes Bild machen und es ist schon eine Frechheit das an dieser Stelle hier zu zitieren.
Es ging auch nicht um LacBalsam, wie das hier so rüberkommt, sondern daß Holger auf eine Einsteigeranfrage hin, den Einsatz jeglichen Wundverschlußmittels verteufelt, das mit theoretischen Abhandlungen aus dem Obstbau untermauerte.
Das LacBalsam nicht das ideale ist dürfte wohl jedem klar sein, nur generell jeglichen Wundverschluß in Frage zu stellen, wie das Holger propagiert, halte ich für falsch.
Was meine nähere Bonsaiumgebung betrifft, so ist das die ostdeutsche und tschechische Szene und alle die sich hierher verirren.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

Bonsai-Wandkalender 2019
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Hallo zusammen!

@donaurieder:

Naja, die Weide wird nicht davon kaputtgehen, aber....
Nein, Spaß bei Seite. Wie Du vielleicht gelesen hast, sind hier so ziemlich alle der Meinung, daß LacBAlsam nicht so wirklich der Bringer ist.
Ich würde Dir eine gestalterische Lösung anbieten:
Wie wäre es denn, wenn Du daraus einen Spitzen-Jin (nicht einen spitzen Jin :wink: )machst. Ich glaub, daß würde wesentlich gefälliger aussehen und Du müßtest nicht auf so eine "unnatürliche" Wunde schauen...
Am besten stellst Du das Photo auch mal unter dem Punkt Gestaltung ein, da werden die Herren Pall usw. schon ihre Meinung posten.

@Thomas:

Warum aus dem Zusammenhang gerissen? Ich wollte eigentlich erst nur posten, daß Du mir vorgeschlagen hast hier das Thema Wundverschluß zu posten (was Du ja hier geleugnet hast). Aber ich habe mir gedacht, viel hilft viel und der Zusammenhang ist gegeben. Zum anderen Forum, da haben wir Wundverschluß genauso diskutiert wie hier, nur nicht so sachlich sondern mehr auf einer emotional-sachlichen Schiene. Und ich weiß nicht, was daran eine Frechheit ist, es hier zu zitieren? Ich glaube, Herr Shigo ist auch nicht sauer, daß ich seinen Text (s. o.) "freihändig" übersetzt habe. Oder bist Du nur enttäuscht, weil's nicht so läuft, wie Du es Dir vorgestellt hast???
Und jeder der den Zusammenhang nicht erkennt, der kann ihn ja gerne im anderen Forum nachlesen (aber wiederkommen, sonst kriege ich Ärger wegen Schleichwerbung).
Und für Dich schreibe ich es nochmal ganz groß, damit Du es endlich kapierst:

DAS SIND KEINE THEORETISCHEN ABHANDLUNGEN AUS DEM OBSTBAU, ICH BIN KEIN OBSTBAUER UND HERR SHIGO IST AUCH KEIN OBSTBAUER UND WOLFGANG IST AUCH KEIN OBSTBAUER. DER HERR SHIGO HAT IN DEN LETZTEN 40 JAHREN 15000 BÄUME UMGELEGT UND PRAKTISCH DARAN GEFORSCHT!

Vielleicht solltest Du Dich vorher informieren, bevor die irgendwelche Äußerungen von Dir gibst.

Und jetzt wieder abkühlen, sonst brennt mir gleich wieder 'ne Sicherung durch.....

Ich glaube nicht, daß es hier nur um LacBalsam geht, denn die Überschrift lautet ja Wundverschluß, es wird wohl daran liegen, daß viele das Zeug einfach noch benutzen. außerdem solltest Du die Beiträge richtig lesen, ich habe nicht alles verteufelt, sondern inzwischen auch (im anderen Forum, auf eine Deiner Postings) eingeräumt, daß bei einem Shari daß einkitten mit der Knete sinnvoll sein kann. LacBalsam zu verteufeln halte ich nicht für schändlich. Zuletzt ging es ja bei der besagten Anfängeranfrage ja um eine Faulstelle in einer Buche und da hielt ich es für sinnvoll, mit Druck vom Wundverschluß abzuraten (aus den bekannten, genannten Gründen).
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Ach Mensch!
Ich habe leider im Moment keine Zeit um alles zu lesen und auf das was mir interessant erscheint zu antworten. Nur soviel:

ich gehöre nicht (NICHT!) dem BCD Vorstand an
werde aucxh weiterhin Wundverschluß"mittelchen" verwenden
finde Japankitt immer noch am besten
kann aus den Analysen die hier bei uns durchgeführt wurden nur noch einmal sagen, daß da ausser Olefinen und Kalziumcarbonat nichts anderes nachweisbar ist (Hormone...)

und

mir bei dieser Diskussion auffällt, daß sie mir von zuviel Aggresivität getragen wird.
Gruß
Bis die Tage.
Martin S
PS.: @Holgerb irgendwo hast du was geschrieben von "...nicht so gemeint..." oder so. Laß mich so sagen: vergiss es einfach. Habe da eventuell auch etwas heftig reagiert. Jedem steht eine eigenen Meinung zu und die sollte/kann man auch laut äussern.[/quote]
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Danke, Martin.

Werde versuchen, diue Aggressivität herauszunehmen, es fällt nur manchmal etwas schwer :oops: :oops: :oops: !

Danke auch für die Japankitt - Analyse!

Ich glaube, da haben wir alle jetzt schon viel Wahrheit in die Dunkelheit und Mystik der Wundbehandlung gebracht.

Danke auch, daß ihr so zahlreich gepostet habt, ich bin überwältigt, wie interessiert das Thema hier diskutiert wird!!!
Da kann 'ne Menge für jeden hängenbleiben. Leider habe ich nicht immer so viel Zeit (bin krank geschrieben) um hier rumzustöbern. Schade.

Bis denne

Holger
Lindwurm
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Beitrag von Lindwurm »

@holger
gute besserung!

ich frag mich jetzt gerade wie das mit so faktoren wie regen,feuchtes wetter etc. ist.
ist es von vorteil wenn man eine grössere wunde die "offen" ist vor regen schützt? oder schadet der kontakt zu dem wasser nicht soviel?
ein eher trockenes klima wäre da doch deutlich besser oder?
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Gary
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Beitrag von Gary »

Hallo Leute,

ich will mich garnicht grundsätzlich in diese Diskussion um Wundverschlußmittel reinhängen, finde sie aber sehr interessant und auch notwendig um zu sensibilisieren, doch BITTE weniger missionarisch.
Meiner Meinung nach gibt es da viel zu viele Faktoren und Einflüsse um sie hier aus zu diskutieren, nicht zuletzt bei Bonsai die Ästhetik.

In Summe sollte man lernen, dass bestimmt nicht überall Wundverschluß von Nöten ist - nur eben WO? :roll:
(Als Nicht-Gärtner stelle ich mir diese Frage selbst nach Lektüre von mehreren Büchern des Herr Shigo und anderer auch noch im 26. Bonsai-Jahr.)
Und das nicht alle Mittel die auf dem Markt angeboten werden gleich gut für den Zweck geeignet sind hat jetzt wohl auch jeder mitbekommen. 8)

Doch nun zu Hermann und seiner Weide.
donaurieder hat geschrieben:Weide vom Bieber geköpft!
LacBalsam auf die Wundränder :arrow: schädlich :?:
Ob LacBalsam am Wundrand wirklich schädlich ist sei mal dahingestellt. Tatsache ist vielmehr:
a) Man bekommt das Zeug nicht mehr ab, es sei denn mit Lösungsmittel, schleifen, fräsen oder s p r e n g e n ! :twisted:
b) Bei einer Weide ist das alles auch garnicht nötig und wenn hätte ICH etwas Vaseline hingeschmiert.
c) Weiden sind so wüchsig und treiben überall, die sind erst mal nicht kaputt zu kriegen bei ihrem hohen Regenerationsgrad, es sei denn sie vertrocknen.
d) Und diese starke Regenerationsfähigkeit ist wiederum das Problem. Darum haben Weiden so ein weiches Holz und deshalb versuchen sie erst garnicht es zu schützen. Sie geben den toten Teil einfach auf und der Fäulnis anheim.

Der Vorschlag von Holger mit dem Spitzen-Jin ist also nur für 2-4 Jahre realisierbar.
Selbst bei "täglicher" Pflege mit Jinmittel kannst Du dabei zuschauen wie er wegrottet.
:arrow: Mit Ausnahme des LacBalsam, das verrottet nicht, doch das hatten wir schon. :wink:
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Schau an!

So kann man jeden Tag ein wenig schlauer werden. Danke Gary.

Entnehme ich also daraus richtig:

Einfach ignorieren und solange wie vorhanden in die Gestaltung einbeziehen?!
Oder lieber bis zum nächsten Trieb gerade abschneiden und beim überwallen zuschauen? :wink:

Gruß

Holger
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donaurieder
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Beitrag von donaurieder »

Hallo zusammen.
Danke für die Antworten auf meine Frage :D

@holgerb
so eine "unnatürliche" Wunde
Hab sie doch erst im Frühjahr ausgebuddelt, also drängel mich nicht so :wink:

@Gary
Selbst bei "täglicher" Pflege mit Jinmittel kannst Du dabei zuschauen wie er wegrottet.
Das find ich jetzt aber schon stark übertrieben !!!
Grundsätzlich hast du ja recht - aber doch nicht in diesem Tempo !
Vor 2 1/2 Jahren sah ich die Weide zum erstenmal, da war sie so ca. 2,5m hoch :arrow:
aber das Totholz im unteren Bereich sah aus wie jetzt.
(auch ohne Jinmittel) :wink:

Grüße Hermann.
Michael T.
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Beitrag von Michael T. »

Hi Leute,

hab diese interessante (wenn auch z.T. für meinen Geschmack etwas zu gereizte) Diskussion gerade erst entdeckt und mich durchgekämpft. Dabei sind mir einige Ungereimtheiten aufgefallen, die mir wahrscheinlich entgangen wären wenn ich nicht alles auf einmal gelesen hätte :wink: .

@Holger:
In Deinem ersten Beitrag erwähnst Du, daß es wichtig wäre den Kragen beim Schnitt eines Astes stehen zu lassen, da er für die Bildung der Abschottung im Gewebe zuständig ist. Dein später gebrachtes Beispiel zeigt aber offensichtlich die Abschottung einer Wunde am Stamm -> hier war also kein Kragen direkt beteiligt. Daraus folgere ich, daß ich den Kragen beim Schnitt auch nicht brauche, damit sich das Gewebe abschottet, was bedeutet, daß ich auch nicht so lange warten muß bis ich eine ästetisch ansprechende Wundverheilung erzielt habe. Daß es auf diese Art funktioniert wissen wir ja auch alle, ist also eher eine philosofische Frage.

Viel wichtiger scheint mir da die Versorgung bzw. die Beschaffenheit des Wundrandes zu sein. Ein scharf geschnittener Rand bildet erfahrungsgemäß schneller einen Kallus als ein ausgefranster, außerdem bildet ein z.B. mit Japankitt (mit Vaseline, Kabelkitt und Co. hab ich keine Erfahrungen) behandelter Wundrand den Kallus direkt an der Schnittstelle, wärend eine nicht behandelte Wunde immer ein Stück zurücktrocknet (Ich spreche hier überigens ausschließlich über die Behandlung von Laubbäumen, was die Anwendung von Wundverschluß angeht, Nadelbäume benötigen meiner Meinung nach in den seltensten Fällen eine solche Behandlung). Damit komme ich schon zu einer weiteren Unstimmigkeit: Zweifelsohne sind ausgewachsene Bäume und Bonsai biologisch gleich, dennnoch macht es einen erheblichen Unterschied, ob bei einem Bonsai der Wundrand zunächst um 5mm oder gar 1cm zurücktrocknet, bevor die Kallusbildung einsetzt, oder ob dasselbe an einem Baum mit einem Durchmesser von 1,5m passiert. Die zu überwallende Fläche vergrößert sich dadurch beim Bonsai sagen wir mal um 20% (hängt natürlich mit der Größe der Wunde zusammen), während es beim ausgewachsenen Baum vielleicht nur 1% ausmacht. Dieses 1% rechtfertigt natürlich keine aufwendige Wundrandversorgung.
Ein weiterer Unterschied zwischen Bonsai und ausgewachsenen Bäumen ist das Verhältnis von lebendem zu totem Gewebe. Die meißten baumchirurgischen Unternehmungen, zumindest bei der Behandlung von Wunden, dienen doch hauptsächlich der Vorbeugung einer Zersetzung der toten Baumanteile durch Pilze oder Fiecher um die Statik des Baumes zu erhalten. Dies Problem haben wir bei Bonsai normalerweise nicht, wir müssen nicht befürchten, daß ein Baum mit hohlem Stamm unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht. Dafür müssen wir bei einem Pilzbefall, der auch das lebende Gewebe angreift leider häufig einen Totalverlust befürchten, wärend bei einem ausgewachsenen Baum Selbstschutzmechanismen greifen und es zwar zum absterben einzelner Partien kommt, der Baum aber nicht in seiner Existenz bedroht ist. Das hat dann einfach damit zu tun, daß am ausgewachsenen Baum die Wege viel weiter sind und damit auch die Reaktionszeit des Baumes. Einen Befall mit solchen Pilzen halte ich bei nicht geschützten Wundrändern für wahrscheinlicher, als bei einem mit Knete gegen den direkten Kontakt mit der Luft (und damit den Pilzsporen) abgeschirmten Rand.

Was die Behandlung des toten Gewebes im Bereich der Schnittstelle angeht hängt diese davon ab, was ich mit der Wunde vorhabe.Will ich, daß die Wunde sich möglichst schnell schließt, werde ich sie möglichst glatt bearbeiten, da sich der Kallus auf ebenen Flächen schneller schleißt. Will ich z.B. ein Shari anlegen, könnte es vielleicht von Vorteil sein, wenn ich den Shari noch nicht direkt bearbeite, die Oberfläche zumindest etwas "hollprig" zu machen, damit die Wunde sich nicht so schnell wieder schließt. Die Wunde jedoch komplett zu verschließen halte ich wie wohl die meißten hier für daß schlechteste, was man machen kann. Jinmittel, OK, daß kann bestimmt nicht verkehrt sein, aber verschließen, nein! Wie schon mehrmals erwähnt bildet sich unter jedem (festen) Verschluß, ob nun mit Lac Balsam oder Knete (bei Vaseline o.ä. denke ich nicht) Kondenswasser. Das ist aber genau das, was Fäulnisprozesse in Gang hält, da ist es doch besser, wenn das Holz offen liegt und bei gutem Wetter auch mal trocknet. Im Sommer kommt noch Wärme dazu, da wird die feuchte Atmosphäre unter dem Verschluß auch noch schön warm, ein zweiter fäulnisfördernder Faktor. Nicht umsonst wird Holz luftig gelagert, oder häfig direkt nach dem Einschlag geschählt.

Wie auch immer, mein Fazit:
Wundrandbehandlung: Ja
Kompletter Wundverschluß (außer bei den ganz kleinen): Nein


PS. Einiges von dem oben Geschriebenen hab ich mir natürlich nur aus meinem Halbwissen heraus zusammengereimt und kann nicht wissenschaftlich von mir belegt werden :!:
Viele Grüße aus dem Sauerland,
Michael
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Hallo Michael!

Das ist ja sehr viel Halbwissen und auch noch logisch "zusammengereimt".

Was den von mir als Beispiel angebrachten Schnitt betrifft, so lässt sich das schwer anhand eines Bildes sagen. Es sind allerdings keinerlei Ansätze eines Astes zu sehen, ich gehe aber davon aus, das Shigo mitten durch die Wunde geschnitten hat. Ich denke, daß dies eine Stammverletzung war (wie Du ja auch selbst bemerktest), beispielsweise durch Verbiß oder irgendein Idiot hat da den Baum bis auf's Kambium gepellt. Ist mir aber auch erst jetzt, wo Du darauf hingewiesen hast, aufgefallen. Werde noch versuchen, einen Schnitt mit Ast zu bekommen.
Zum Astkragen:
Mit scharfen Schnitträndern und so hast Du vollkommen recht, scharfes Werkzeug ist das non plus ultra.
Deine Schlußfolgerung aus dem Bild ist demnach nicht ganz richtig (s.o.), Du kannst ja nicht von einer Stammverletzung auf einen Astschnitt schließen :wink: . Mein Fehler. Ich wollte aber auch mehr die Abschottung verdeutlichen...
Was die Ausmaße des Zurücktrocknens angeht, so ist 1cm natürlich schon verdammt viel, habe ich aber beim belassen des Astkragens noch nicht beobachtet, wohl aber beim Abschneiden des Astkragens, da der Schutzmechanismus ja quasi verlorengeht (, den Du dann mit Knete wieder künstlich auflegst).

Deine weiteren Entwicklungen über Unterschied großer Baum / kleiner Baum sind komplett richtig und lassen auch mich erkennen, wie weit man sich manchmal verrennen kann.
Allerdings halte ich auch Deine Schlußfolgerung hier für nicht richtig:
Was an der Wundknete soll denn vor holzzerstörenden Pilzsporen schützen? Du knetest es ja nur auf die Wundränder (wenn ich's richtig verstanden habe), was ist mit der Fläche in der Mitte und außerdem kommen die Pilzsporen nicht erst ca. 1/2 Stunde nachdem Du geschnitten hast. Sie sind sofort da, da müßtest Du schon unter Schutzatmosphäre schneiden...

Also, mein (immer noch) Fazit:

Wundverschluß: Nein
Pflanze kennen, sie stark und gesund halten (mit allem was für einen echten Bonsai dazugehört, Shari, Jin usw.) : Ja

Schönen Gruß

Holger
Michael T.
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Beitrag von Michael T. »

holgerb hat geschrieben:Allerdings halte ich auch Deine Schlußfolgerung hier für nicht richtig:
Was an der Wundknete soll denn vor holzzerstörenden Pilzsporen schützen? Du knetest es ja nur auf die Wundränder (wenn ich's richtig verstanden habe), was ist mit der Fläche in der Mitte und außerdem kommen die Pilzsporen nicht erst ca. 1/2 Stunde nachdem Du geschnitten hast. Sie sind sofort da, da müßtest Du schon unter Schutzatmosphäre schneiden...
Holger
Hi Holger,

ist schon klar, daß direkt beim Schnitt schon Pilzsporen an die Wunde gelangen, aber Fakt ist doch, daß die Wundknete die Kallusbildung (hormonell) günstig beeinflusst und so auch das Eindringen weiterer Sporen ins (lebende) Gewebe schneller unterbindet. Außerdem glaube ich nicht, daß immer überall Sporen aller Pilze in der Luft zu finden sind, die Gefahr, daß der Baum mit einem "bösen" Pilz infiziert wird, sich aber bei fehlendem Wundverschluß erhöht. Nach der Kallusbildung halte ich die Knete auch nur dann für nötig, wenn die Wunde sich möglichst schnell verschließen soll -> Hormone.
Den Pilz am toten Holz halte ich für nicht besonders relevant (siehe Abschottung u. Statik). Zur Not kann man ja ein Loch, das überwallt werden soll z.B. mit Zement füllen. Da wächst der Kallus ja auch drüber.
Auch, wenn der Vergleich hinkt, sieh es mal wie ein Pflaster auf einer Wunde. Durch das Pflaster wird der Blutfluß gestoppt und die Wundheilung setzt früher ein, außerdem ist die Gefahr einer Infektion geringer (mittlerweile gibt es ja auch diese HiTech Pflaster mit desinfizierender Wirkung und Hormonen). Hat die Wundheilung dann eingesetzt (Krustenbildung) ist es häufig besser das Pflaster zu entfernen.

Noch ein Gedanke zur Pilzinfektion:
Bei vielen Virusinfektionen beim Menschen ist es ja so, daß eine einzelne bzw. wenige Viren noch keine Infektion auslössen, es braucht meißt eine relevante Menge um das Immunsystem derart zu schwächen, daß es zum Ausbruch kommt.
Vielleicht ist es ja bei Pilzinfektionen bei Bäumen ähnlich.
Aber, wie gesagt, nur so ein Gedanke.
Viele Grüße aus dem Sauerland,
Michael
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Hallo Michael!

Ich glaube, da eine definitive Antwort zu finden (sporen in der Luft), müsste man mal einen Umwelttechniker (oder sowas) interviewen.

Irgendwo weiter oben hat Martin Schillings glaube ich geschrieben, daß in der Wundknete KEINE Hormone sind (habe ich nämlich auch gedacht).
Watt is denn nu richtich! Hier wird man ja ganz wirr. :lol: Nein, ernst bei Seite, gibt es wundknete mit Hormonen? (ein ich glaube und meine zählt nicht!)
Nimm's nicht böse, aber das mit dem Pflaster kann ich Dir auch umdrehen (meine Frau ist kranke Schw... ähhh Krankenschwester):

Eben weil der Blut- und vor allem der Wundsekretfluß (das was beim Menschen die Wunde verschließt, es lebe der BioLk, lang lang ist's her) gestoppt wird, heilt eine "gepflasterte" Wunde langsamer. Probier's aus, es stimmt. Aber das am Rande, ich will hier nich der Querulant werden (oder bin ich's schon?). Von HiTech-Pflastern habe ich noch nichts gehört (meine Frau aber sicher auch noch nichts von Sciadopitys verticillata :wink:, werd sie mal fragen).

Bis dann

Holger
Joerg

Beitrag von Joerg »

Hallo,

na Holger ich denke bis zu deiner Gesundschreibung wirst du deine Doktorarbeit fertig bekommen. :wink: :lol: :lol: :lol:
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Thomas P.
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Beitrag von Thomas P. »

holgerb hat geschrieben:
Also, mein (immer noch) Fazit:

Wundverschluß: Nein
Pflanze kennen, sie stark und gesund halten (mit allem was für einen echten Bonsai dazugehört, Shari, Jin usw.) : Ja
Doch die Praxis ist, daß ein Bonsai nicht immer stark und gesund sein kann, sondern insbesondere in der Gestaltungsphase immer einem gewissen Streß unterliegt. Grabe ich einen Yamadori aus, habe ich mitunter Mühe, ihn überhaupt am Leben zu halten. Bei der Grundgestaltung, und gerade hier entstehen ja die meisten Schnittwunden, kann es Extremstreß bedeuten, wenn ich an die Grenzen des Machbaren gehe.

Deshalb ist das alles eine rein theoretische Diskussion und ich verlasse mich lieber nicht auf Lehrbuchweisheiten, noch dazu aus dem Obstbau, sondern auf meine eigenen Erfahrungen, auch auf die negativen.

Und ich bleibe dabei, es ist von Art zu Art verschieden.
Schneide ich Kiefern, brauche ich theoretisch keinen Wundverschluß, nur werde ich was draufmachen, schon um den lästigen Harzfluß zu unterbinden.
Schneide ich einen Mandelbaum, werde ich auch den kleinsten Ritz verschließen, denn Monila hat in null komma nichts ganze Äste infiziert, ähnliches kann mir beim Fächerahorn mit der Rotpustelkrankheit (Entschuldige meine unwisenschaftliche Ausdruck!)m pssieren
Bei einer Esche kann man zuschauen, so schnell heilt eine Wunde auch ohne Abdeckung zu, bei einer Forsythie vertrocknen die Wundränder sofort ohne Abdeckung und ist die Wunde groß, alles was darüber ist gleich mit.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

Bonsai-Wandkalender 2019
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