Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

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mydear
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Re: Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

Beitrag von mydear »

Data_Scientist hat geschrieben: 04.12.2024, 23:53 Was derzeit für eine mögliche "Optimierung" auffällt, ist die inverse Verjüngung, bzw. die Verdickung entlang der Kappstelle. Hast Du hier einen Plan?
Hallo Werner,
ich freue mich über dein Interesse, dass du aktiv schreibst. Es gibt so viele passive Mitleser, da bin ich froh über jeden Kommentar. Wird die Technik verstanden? Ist es nachvollziehbar? Wird es kritisch gesehen oder völlig abgelehnt? Was die schweigende Mehrheit denkt erfährt man nicht.

Ich habe mehrfach die Ränder der Schnittstelle mit einem Messer geglättet, Einschnitte sorgsam mit Wundpaste abgedeckt. Die Übergänge stehen dadurch nicht so stark über, fallen weniger auf. Dennoch bleibt ein sichtbar überstehender Wulst. Damit muss ich leben, kann nur den Ansichtswinkel verändern, dass er weniger stark auffällt. Ich denke mit zunehmendem Alter und rauerer Rinde wird das etwas besser aussehen.

Data_Scientist hat geschrieben: 04.12.2024, 23:53 So, wie ich das sehe, kannst Du den Baum in Kombination mit guter Wurzelarbeit mästen, dann kompensiert irgendwann das Tachigari vielleicht. Wenn Du mit Bohrpfropungen Wurzeln einsetzt, wäre es auch denkbar, dass Du die Borlöcher schräger ansetzt, dass sie weiter oben am Stamm austreten und aus den Trieben "Opferäste" machst (aber wahrscheinlich gibt es einen guten Grund, weshalb man das in der Praxis nicht sieht). Denkbar wäre ansonsten noch, bei der Schnittstelle abzumoosen - nur dann fragt sich, ob und was mit dem unteren Teil passiert.
Der Ahorn ist immer noch in der Aufbauphase. Solange die Wurzeln nicht rundum saniert und kräftig eingewachsen sind, braucht der Ahorn weiterhin starken Zuwachs.
Da liegt das Problem begraben: durch den Pilz sind große Teile des Nebaris abgestorben. Die mittigen Wunden sind mittlerweile vollständig überwallt. Doch der überwiegende Saftfluss lief weiterhin nach außen zu den Wurzeln. Die Mitte wurde kaum mit Nährstoffen versorgt.

Ich habe insgesamt dreimal Wurzeln ablaktiert. Die Wurzeln im Seitenbereich sind mittlerweile angewachsen. Dort findet jetzt mehr Saftfluß mit Nährstoffen statt. Nur der Bereich in der Mitte ist noch schwach versorgt. Erst wenn dort die letzten Wurzeln angewachsen sind kann ich von kompletter Nährstoffversorgung aller Bereiche ausgehen. Exkurs: ähnliches ist mir beim Abmoosen aufgefallen - unter einem großen Kalluswulst werden kaum neue Wurzeln gebildet. Wo der Saftfluss unterbrochen war dauert es lange, bis sich der Saftfluss wieder normalisiert.

Insofern sollte ich bei künftigen Ablaktionen den Trieb nach oben durchbohren, dass er maximalen Saftfluss generiert. Das nach unten führen verlangsamt den Saftfluss und begünstigt den Trieben im Substrat neue Wurzeln auszubilden. Logisch, dass das die unten eingesetzten Wurzeln schwächt oder absterben läßt. Da haben wir den gleichen Gedanken. Wenn alle Wurzeln eingewachsen sind wird sich auch das Tachiagari verbessern.

Data_Scientist hat geschrieben: 04.12.2024, 23:53 Ansonsten kann man den Baum vll. auch einfach seinen Charakter lassen...
Genau, dieser Ahorn wird sich nicht in eine elegante Schönheit verwandeln. Der derbe Charakter ist hier aus den Rückschlägen der letzten 10 Jahre vorgegeben. Erst wenn die Aufbauphase abgeschlossen ist, kann die Feinverzweigung aufgebaut werden. Dann wird in eine kleine Schale gesetzt und auf wenig Zuwachs mit kurzen Internodien gesetzt. Das wird noch ein paar Jährchen dauern.

Grüße
Rainer
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Re: Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

Beitrag von Gast »

mydear hat geschrieben:
Hallo Werner,
ich freue mich über dein Interesse, dass du aktiv schreibst. Es gibt so viele passive Mitleser, da bin ich froh über jeden Kommentar. Wird die Technik verstanden? Ist es nachvollziehbar? Wird es kritisch gesehen oder völlig abgelehnt? Was die schweigende Mehrheit denkt erfährt man nicht.
Hallo Rainer,
mich freut es wiederum zu sehen, dass meine Detailfragen nicht zu viel des Guten sind. Da Bäume Lebewesen sind, reagieren sie oft nicht vollkommen so, wie es geplant war, und als Gestalter reagiert man darauf. Daher ist es für mich oft sehr lehrreich, nicht nur die Ergebnisse zu sehen, sondern auch deren Kontext.

mydear hat geschrieben:
Ich habe mehrfach die Ränder der Schnittstelle mit einem Messer geglättet, Einschnitte sorgsam mit Wundpaste abgedeckt. Die Übergänge stehen dadurch nicht so stark über, fallen weniger auf. Dennoch bleibt ein sichtbar überstehender Wulst. Damit muss ich leben, kann nur den Ansichtswinkel verändern, dass er weniger stark auffällt. Ich denke mit zunehmendem Alter und rauerer Rinde wird das etwas besser aussehen.

Der Ahorn ist immer noch in der Aufbauphase. Solange die Wurzeln nicht rundum saniert und kräftig eingewachsen sind, braucht der Ahorn weiterhin starken Zuwachs.
Da liegt das Problem begraben: durch den Pilz sind große Teile des Nebaris abgestorben. Die mittigen Wunden sind mittlerweile vollständig überwallt. Doch der überwiegende Saftfluss lief weiterhin nach außen zu den Wurzeln. Die Mitte wurde kaum mit Nährstoffen versorgt.

Ich habe insgesamt dreimal Wurzeln ablaktiert. Die Wurzeln im Seitenbereich sind mittlerweile angewachsen. Dort findet jetzt mehr Saftfluß mit Nährstoffen statt. Nur der Bereich in der Mitte ist noch schwach versorgt. Erst wenn dort die letzten Wurzeln angewachsen sind kann ich von kompletter Nährstoffversorgung aller Bereiche ausgehen. Exkurs: ähnliches ist mir beim Abmoosen aufgefallen - unter einem großen Kalluswulst werden kaum neue Wurzeln gebildet. Wo der Saftfluss unterbrochen war dauert es lange, bis sich der Saftfluss wieder normalisiert.

Insofern sollte ich bei künftigen Ablaktionen den Trieb nach oben durchbohren, dass er maximalen Saftfluss generiert. Das nach unten führen verlangsamt den Saftfluss und begünstigt den Trieben im Substrat neue Wurzeln auszubilden. Logisch, dass das die unten eingesetzten Wurzeln schwächt oder absterben läßt. Da haben wir den gleichen Gedanken. Wenn alle Wurzeln eingewachsen sind wird sich auch das Tachiagari verbessern.
Bei dem Durchbohren schräg nach oben hatte ich eine etwas andere Idee, und zwar: Wenn ohnehin Jungpflanzen eingesetzt werden, würden ihre oberen Teile am Stamm anwachsen und als Opferast dienen und ggf. die Verjüngung verbessern. Aber vielleicht gibt es auch gute Gründe, warum man i.d.R. keine Opferäste pfropft.

Gleichzeitig teile ich Deine Einschätzung, dass starke Wurzeln dort anzutreffen sind, wo es gesunden Bast gibt (und umgekehrt): Ich sehe das als eine Art positiven Regelkreis, bei dem Assimilate aus der Krone nach unten fließen. Diese versorgen die darunterliegenden Wurzeln, wodurch diese Nährstoffe nach oben transportieren, wodurch mehr Assimilate nach unten wandern, etc. Dort, wo vor kurzem noch Schnittstelle war, kann sich noch kein solcher Regelkreis etabliert haben können. Eine Möglichkeit wäre daher, dass Opferäste auch dazu eingesetzt werden könnten, darunter liegende schwächere Wurzeln zu stärken.
mydear hat geschrieben:
Genau, dieser Ahorn wird sich nicht in eine elegante Schönheit verwandeln. Der derbe Charakter ist hier aus den Rückschlägen der letzten 10 Jahre vorgegeben. Erst wenn die Aufbauphase abgeschlossen ist, kann die Feinverzweigung aufgebaut werden. Dann wird in eine kleine Schale gesetzt und auf wenig Zuwachs mit kurzen Internodien gesetzt. Das wird noch ein paar Jährchen dauern.
Da gebe ich Dir recht: Grundsätzlich finde ich, dass man bei Bonsai manchmal so stark bestimmte ästhetische Ideale verfolgt, dass man das wahre Potenzial des vorliegenden Baumes verkennt. Der Baum wirkt nicht so filigran wie die erste flüchtige Idealvorstellung eines Fächerahorns - das stimmt. Aber mit der Zeit wird er, würde er auch so bleiben, wie er ist, an Reife gewinnen und vieles, was derzeit problematisch wirkt, würd sich von alleine einfügen. Bäume leben einfach auf einer anderen Zeitskala als wir...

Viele Grüße
Werner
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mydear
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Re: Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

Beitrag von mydear »

Data_Scientist hat geschrieben: 05.12.2024, 18:36 Bei dem Durchbohren schräg nach oben hatte ich eine etwas andere Idee, und zwar: Wenn ohnehin Jungpflanzen eingesetzt werden, würden ihre oberen Teile am Stamm anwachsen und als Opferast dienen und ggf. die Verjüngung verbessern. Aber vielleicht gibt es auch gute Gründe, warum man i.d.R. keine Opferäste pfropft.
Deine Absicht ist mir schon bewußt, ich teile sie bei diesem Ahorn nicht.

Mit Opferästen würde ich anders arbeiten:
- einen eigenen Ast stark verdicken
- einen vom gleichen Baum (intern) ablaktierten Trieb deutlich stärken
- in früher Gestaltung um Dicke am Stamm zu erzielen. Wenn überhaupt, dann aber richtig. Also mit 1-2 m Längenwachstum und vollem Wurzelwachstum in großem Anzuchttopf oder besser ausgepflanzt. Es geht dabei um schnelle Entwicklung für Stammdicke. Das Nebari würde in diesem Fall frühestens nach 1-2 Jahren maximalem Wachstum korrigiert bzw. weiterentwickelt.

Bei meinem Ahorn geht es mir um Kräftigung der Wurzeln, um das Nebari aufzubauen. Alle Wurzeln sollen gleichmäßig profitieren. Ein Opferast würde einseitige Dominanz verursachen. Mein erreichtes Nebari wäre gefährdet, schwache Teile könnten zurückbleiben oder ganz absterben. Ich will auch keine großen Bohrlöcher im Stamm haben. Wegen anderer Genetik müßte der (externe) Ast nach starkem Verdicken wieder entfernt werden. Es hinterläßt eine große Schnittstelle. Womöglich erwacht der bisher abgeschottete Pilz zu neuem Leben, infiziert die Saftbahnen.

Ich glaube das Dickenwachstum eines einzelnen Astes auf den Stamm wird oft überschätzt. Bei diversen Rohlingen war ich vom Resultat enttäuscht. Bei Jungpflanzen ist der größte Effekt zu sehen. Hier am Ahorn ist das Dickenwachstum bereits abgeschlossen, es läuft die Nebari- und Primärast-Entwicklung. Als nächstes kommt der Verzweigungs-Aufbau.

Grüße
Rainer
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Re: Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

Beitrag von Gast »

Vielen Dank für die Erklärungen, Rainer!
Ich hätte vermutlich für Dickenwachstum Narben in Kauf genommen, aber wenn man nicht den gesamten Baum unkontrolliert durchtreiben lassen will, kommt man schnell in ein Dilema, das ich nur zu gut kenne und in Zukunft jetzt vielleicht bewusster vermeiden kann.
mydear hat geschrieben: 05.12.2024, 22:35 Ich glaube das Dickenwachstum eines einzelnen Astes auf den Stamm wird oft überschätzt. Bei diversen Rohlingen war ich vom Resultat enttäuscht.
Es ist auch gut, dass Du das explizit ansprichst. Vor allem, wenn der Stamm deutlich dicker als der Opferast ist, ist das Dickenwachstum dieses Astes auf den Stamm verteilt sehr gering.

Viele Grüße
Werner
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mydear
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Re: Fächerahorn (AP04) - von der Abmoosung zum Shohin

Beitrag von mydear »

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Die 3. Serie mit Wurzel-Ablaktionen hat endlich zu den gewünschten Nebari-Ergebnissen geführt. Ich denke die Bilder sind selbsterklärend.

Grüße, Rainer
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die Ausgangsbasis März 2019
die Ausgangsbasis März 2019
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und im Februar 2024 mit 4 frisch gesetzten Ablikationswurzeln
und im Februar 2024 mit 4 frisch gesetzten Ablikationswurzeln
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26.07.2025: ein Trieb links war ein roter Fächerahorn, der nicht so stark gewachsen ist, wie die drei grünen Ahorne. Ich hatte sonst keine geraden Jungpflanzen, da darf man nicht wählerisch sein. Ein Nachteil ist, dass die Triebe das Wachstum des Bonsai einschränken. Dessen Triebe bekommen weniger Licht, werden teilweise verdeckt. Die inneren Knospen drohen abzusterben.
26.07.2025: ein Trieb links war ein roter Fächerahorn, der nicht so stark gewachsen ist, wie die drei grünen Ahorne. Ich hatte sonst keine geraden Jungpflanzen, da darf man nicht wählerisch sein. Ein Nachteil ist, dass die Triebe das Wachstum des Bonsai einschränken. Dessen Triebe bekommen weniger Licht, werden teilweise verdeckt. Die inneren Knospen drohen abzusterben.
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die beiden Triebe rechts wurden knapp oberhalb des Nebaris herausgeführt. Man erkennt, dass die Triebe im Substrat neue Wurzeln bilden. Das schwächt das Verwachsen der ursprünglichen Wurzeln mit dem Bonsai
die beiden Triebe rechts wurden knapp oberhalb des Nebaris herausgeführt. Man erkennt, dass die Triebe im Substrat neue Wurzeln bilden. Das schwächt das Verwachsen der ursprünglichen Wurzeln mit dem Bonsai
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aus Platzgründen (um Bohrkreuzungen zu vermeiden) werden wie anderen beiden Triebe unten durchgeführt
aus Platzgründen (um Bohrkreuzungen zu vermeiden) werden wie anderen beiden Triebe unten durchgeführt
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die beiden unten aus dem Stumpf herausgeführten Ablaktionstriebe
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beide abgeschnitten
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auch die oberen Triebe entfernt
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endlich ein schönes Nebari
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die entfernten Triebe wurden gleich getopft, sind angenehme Beigabe
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Schalenanprobe 1, aus Japan unbekannte Töpferei
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oder 2, Klaus Ellner aus Franken, RIP
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oder 3, Koyo aus Tokoname mit Oribe-Glasur
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26.7.2025: dieses Jahr habe ich aufgrund der Nässeperiode sehr früh umgetopft
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29.10.2025: schöner Herbst
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31.10.2025: nach Rückschnitt der Kröne
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7.11.2025: im Herbst noch der Rückschnitt auf kurze Internodien. Das Grundgerüst ist angelegt. Jetzt geht es an die Verfeinerung. Doch egal was kommt - Aufgegeben wird nicht !!!
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