Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Alles andere was zu Bonsai passt.
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abardo
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von abardo »

Herbert A hat geschrieben:Andre, das ist aber gar nicht meine Absicht den Geschmack anderer zu verändern.
Deine nicht, bei Tom wär ich mir da jetzt nicht so sicher :wink:
Tomsai 92 hat geschrieben: Wie entwickeln sich Kinder?
Indem sie Erfahrungen machen, aber trotzdem Antworten bekommen, wenn es sie 50 Jahre kosten würde, eine Antwort zu finden. Und dadurch, dass sie etwas vorgelebt bekommen ...
Grüße, Frank
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PreOlea
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von PreOlea »

Mal ausserhalb von Bonsairichtlinien u. Regeln, die bei Ausstellungen u.a. sein müssen.

Liebe grossen, kleinen, jungen und alten Bonsaikünstler (-innen)!

Kunst, hier: Bonsaikunst, ist so frei und offen wie es Künstler gibt. Ihr seit alle Künstler!!!!
Und dazu fällt mir folgende Geschichte ein, die ich schon vor einigen Tagen hier einsetzen wollte:

Einfach nur malen! (Bonsai's machen)
Man erzählt sich, dass Paul Cézanne über 35 Jahre lang unbeachtet für sich lebte und Meisterwerke malte.
Diese Werke schenkte er nichtsahnend seinen Nachbarn. Paul Cézanne liebte seine Arbeit so sehr, dass er keinen Gedanken
und keine Zeit darauf verwendete, Anerkennung zu erreichen.
Ihm wäre auch nicht der Gedanke gekommen, einmal als Vater der modernen Malerei zu gelten.
Einfach nur malen wollte er. (Bonsai's machen)
Seinen ersten Ruhm verdankte Paul Cézanne einem Pariser Kunsthändler, der zufällig Bilder von ihm sah und sie in der ersten
Cézanne-Ausstellung der Kunstwelt präsentierte. Die Welt war erstaunt, einen Meister vor sich zu sehen. Und mindestens genauso
erstaunt war der Meister selbst!
Auf den Arm seines Sohnes gestützt, betrat er die Ausstellung und konnte sein Erstaunen nicht verbergen, als er dort seine Bilder sah.
Er wandte sich seinem Sohn zu und sagte:
"Sieh, man hat sie sogar gerahmt."

.............................................................................................................................................................

"Die Welt war erstaunt, einen Meister vor sich zu sehen."
Und wenn ich mich hier im Forum durch die vielen Usergalerien klicke, dann bin ich auch erstaunt
über die vielen BONSAI-MEISTER (weiblich wie männlich).
*daumen_new* *daumen_new* *daumen_new*
Zuletzt geändert von PreOlea am 22.01.2016, 09:43, insgesamt 2-mal geändert.
^^Alle Macht geht dem Volke aus^^
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Tomsai 92
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von Tomsai 92 »

abardo hat geschrieben:
Herbert A hat geschrieben:Andre, das ist aber gar nicht meine Absicht den Geschmack anderer zu verändern.
Deine nicht, bei Tom wär ich mir da jetzt nicht so sicher
Frank, was sollen denn jetzt diese dezenten Anschuldigungen?
Ich mache Bonsai, keine Menschen.
Was ist so schädlich daran, den eigenen Horizont zu erweitern und festzustellen, dass es dort mehr gibt als nach Ruhm lechzende Egozentriker?
Denn ob du es glaubst oder nicht, so einer bin ich nicht.
Ich toleriere jede Haltung. Nur sinnvoll begründen sollte man sie schon können und man sollte sich auch nicht anmaßen über andere öffentlich grundlos wertend zu sprechen.
Deiner Aussage zu folge wären Vorbildbonsaianer wie W.P. dann ja auch anzuzweifeln, da er in seinen Baumbesprechungen auch unverblümt sagt, dass ihm Kiefernlaubbäume suspekt sind.
Traust du dich seine künstlerische Sichtweise argumentativ zu kritisieren?
Und auch die der italienischen Elite, die zu 90% wieder auf dem Siegertreppchen der Noelanders Trophy landen wird?

Ist dir die Geschichte des Dadaismus bekannt?
War das alles falsch und pervers? Hätte das als entartete Kunst in die Gaskammer gehört?
Ich will doch einfach nur ein wenig mehr Freiheit für jene Bäume, die mir in 30 Jahren traurig unter die Augen treten werden und mich anflehen werden sie von ihrer stereotypen Langweiligkeit zu befreien.
Aber das kann ich dann leider nicht mehr, weil dann alle alten Astansätze im gleichen Winkel dem Stamm entspringen, wie es natürlichen alten Bäumen niemals gelingen, geschweige denn in den Sinn kommen würde.

Sag mir doch einfach welcher Baum aus dem Kokufuvideo dich berührt, dann analysieren wir den einfach mal auf sachlicher Ebene.
Gerne auch auf deine Art, wenn du dir sicher bist, dass es die Weiterentwicklung unserer Ansichten unterstützt.
Tomsai 92 hat geschrieben:Und sollte hier eine Antwort doch mal zuträglich sein, dann bitte möglichst verständlich, sachlich, belegbar und ohne persönliche Wertung.



Vielleicht bleiben wir vorerst wirklich lieber beim
zopf hat geschrieben:"Wir haben uns Alle lieb" Prinzip
im Schmuseforum und führen die Diskussion in 10 Jahren (oder 20, oder 30, oder 40, oder...) in der Masterclass unter Ausschluss der freien Zugänglichkeit, und damit der kostbaren Möglichkeit Laien ihre Meinung kundtun zu dürfen.
Vielleicht bin ich bis dahin ein Profi, der dann seine finanzielle Basis bereitwillig auf den Scheiterhaufen legt und auf den zündenden Funken wartet...
...im Namen der Freiheit der Bonsaikunst.


Aber so wie ich die Entwicklung unserer Kultur sehe, sei ohnehin abzuwarten wie lange Meinungsfreiheit noch legal ist. Es setzt sich ja kaum noch einer für sie ein.
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abardo
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von abardo »

Tomsai 92 hat geschrieben:
abardo hat geschrieben:
Herbert A hat geschrieben:Andre, das ist aber gar nicht meine Absicht den Geschmack anderer zu verändern.
Deine nicht, bei Tom wär ich mir da jetzt nicht so sicher
Frank, was sollen denn jetzt diese dezenten Anschuldigungen?
Ich mache Bonsai, keine Menschen.
Was ist so schädlich daran, den eigenen Horizont zu erweitern und festzustellen, dass es dort mehr gibt als nach Ruhm lechzende Egozentriker?
Spring doch nicht gleich an die Decke. War doch nicht beleidigend gemeint.

Es ist dir doch ein Bedürfniss, das Thema zu beleuchten (und offensichtlich geht es ja jetzt "nur noch" darum, das Potenzial eines Baumes zuzulassen, indem man ihn nicht schon in jungen Jahren entsprechend der heutigen "Regeln" beschneidet).

Den Geschmack zu ändern (bzw. zu erweitern), find ich doch gut. Aber jetzt mehr natürliche Bäume zu wollen, ist doch schon durch WP besetzt und deshalb erweitert es unsere Sicht nicht mehr (weil schon geschehen).
Tomsai 92 hat geschrieben: Vielleicht bleiben wir vorerst wirklich lieber beim
zopf hat geschrieben:"Wir haben uns Alle lieb" Prinzip
im Schmuseforum
Heute ist übrigends Weltknuddeltag.
Tomsai 92 hat geschrieben: Sag mir doch einfach welcher Baum aus dem Kokufuvideo dich berührt, dann analysieren wir den einfach mal auf sachlicher Ebene.
Gerne auch auf deine Art, wenn du dir sicher bist, dass es die Weiterentwicklung unserer Ansichten unterstützt.
Gerne:
1) sehr ausdruckstark fand ich den wie ein Drahtbonsai aussehenden Baum ab 0:54. Sehr untypische Aststellung, trotzdem wunderbar ausbalanciert. Würd ich gerne mal mit Laub sehen. Ist bestimmt dann eine geschlossene, halbrunde Krone, was sehr natürlich aussehen wird. Das gibt zusammen mit den gewundenen Stämmen einen starken Kontrast und gerade diese Widersprüchlichkeit fasziniert mich

2) der ab 1:34. Falsche Schale, ist für mich eher eine Landschaft, am Hang, oder hat mich an Bäume in der afrikanischen Savanne erinnert.

3) ab 2:21, noch recht normal, ist aber trotzdem nach meinem Geschmack.

Ansonsten waren die eher "normal". Struppige Flösse, schlanke Laubbäume, Literaten, fette Kiefern, Kaskaden, Besen, Felspflanzungen. 1000x gesehen. Dali konnte man dort kaum finden (höchstens bei 1)
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abardo
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von abardo »

Aber ehrlich gesagt: selbst 1) langweilt mich. Wenn man Harry Potter gesehen hat, ist der auch schon mit dem "Märchenstil" besetzt. Wie will man auch in einem 35-Jahren altem Video Inspiration für die heutige Zeit finden ...
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schmieda
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von schmieda »

abardo hat geschrieben:Aber jetzt mehr natürliche Bäume zu wollen, ist doch schon durch WP besetzt und deshalb erweitert es unsere Sicht nicht mehr (weil schon geschehen).
Hi
Dann lies WP's Aussagen dazu nochmal. Meines Wissens schreibt er jedes mal deutlich, das es eben nicht um natürliche Bäume geht. (natürlicher kontra naturalistischer Stil)
Gruß
Frank :)

++++ Gießen: Hessischer Botaniker findet heraus, wie Pflanzen länger leben ++++
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Tomsai 92
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von Tomsai 92 »

Link: Kokufu Bonsai Ten 80
abardo hat geschrieben:Ansonsten waren die eher "normal".[...]1000x gesehen. Dali konnte man dort kaum finden.
abardo hat geschrieben:[...]langweilt mich. [...]Wie will man auch in einem 35-Jahren altem Video Inspiration für die heutige Zeit finden ...
Frank, jetzt bin ich sprachlos.

Bevor ich weiter auf die Kokufu-Bäume eingehe, wäre es mir an dieser Stelle sehr wichtig zu verstehen, was denn nun konkret deine Ziele und deine Beweggründe bei der Bonsaigestaltung sind. Denn mit jenen Aussagen ist es mir echt ein Rätsel, wonach du konkret suchst. Und vor allem weiß ich auch nicht was dir auf deiner Suche da noch Freude bereitet.





Meine Ziele und Antriebe habe ich in dem Thread ja schon bruchstückhaft angedeutet.
Tatsächlich könnte ich Seiten damit füllen, was mir an Bäumen und an Bonsai Freude bereitet und warum.
Tomsai 92 hat geschrieben:Ich suche jedoch gezielt nach dem was über die bekannten Möglichkeiten hinaus geht. Die wenigsten hochwertigen Bonsai geben mir ein ähnliches Gefühl wie jene realen Baumszenarien, die ich so bewundere. Ich mache Bonsai, weil ich Bäume mag und mag keine Bäume weil ich Bonsai mache! [...]Suchen wir bei Bonsai nicht danach der Seele eines denkwürdigen Baumes Ausdruck zu verleihen? [...]Bei Bonsai liegt für mich der Reiz darin Bäume jenseits des ganzen menschlichen Gedöns zu gestalten. Bäume haben sich ohnehin als dankbarer erwiesen, wenn man ihnen Möglichkeiten aufzeigt sich zu entwickeln...
[...]Unsere Bonsai sagen oft mehr über uns und unsere Hoffnungen aus als wir es aktiv realisieren.
Die Kokufu Bonsai Ten 80 fand übrigens 2006 statt. Zur gleichen Zeit in der Walter Pall teilweise noch der Ketzerei beschuldigt wurde...
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abardo
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von abardo »

Oh, ich suche momentan nur nach neuen Präsentationsmöglichkeiten, z.B. hier viewtopic.php?&p=436420, auch das typische Verhältnis von Baum/Schale/Tisch versuche ich etwas auszuloten, z.B. hier download/file.php?id=200840&t=1. Damit beschäftige ich mich tagsaus/tagein, extrem zufriedenstellend. Auch die Loslösung von der Baumform an sich rumort im Hinterstübchen schon länger, aber um mich geht es hier in dem Thread ja nicht ...

Eine Besprechung der Bäume würd mich jetzt freuen.
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MerschelMarco
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von MerschelMarco »

... aber sollte der künstlerische Aspekt von Bonsai in Europa in den nächsten Jahrzehnten derart zugunsten von Machobäumen degenerieren, werde ich die Profis höchstpersönlich mit ihren bis dahin vor Vernachlässigung eingegangenen Literatenbäumen verdreschen! :P

Wo sind bei den Bäumen im Video die betont Eleganten? Wo bleibt die introvertierte stille Würde? Seit wann sind Verzweigungen natürlicher Bäume so dicht, das man beim besten Willen nicht mehr hindurchblicken kann? Irgendwann ist ein ästhetisches Limit überschritten. Die Konservativen bezeichnen es dann immer noch als Klassisch, während die Realisten (und oft auch die Laien!) es mit Kitsch benennen.

Hallo Tom,

nachdem ich mich früher über genau dieses Thema seitenlang in verschiedenen Foren mit großer Leidenschaft abgearbeitet habe, sehe ich das Thema mittlerweile wesentlich gelassener. Warum?

Einen Fehler, den man auch in dieser Diskussion sehr gut beobachten kann, ist, dass man über eine Sache diskutiert, die gar nicht einheitlich definiert ist, nämlich Bonsai. Man sieht sehr schön, jeder redet über Bonsai, aber jeder meint etwas anderes damit.
Aus deinem obigen Zitat, kann man ableiten, das für dich die Machobäume auf den Spitzenausstellungen überproportional vertreten, stellvertretend für die künstlerische Entwicklung in Europa stehen und siehst entsprechend dein eigenes Bonsaibild den Bach runtergehen.
Die genannten "Spitzenbäume" sind aber doch nicht degeneriert, sondern tatsächlich absolut Spitze. Aber eben nur in ihrer eigenen kleinen Teildisziplin, vergleichbar vielleicht mit der Formel1. Das so ein Baum als "Familienkutsche" durchfällt ist auch klar. Umgekehrt wäre es nahezu widersinnig einen subtil gestalteten Literaten auf große Wettkampftour zu schicken, dass ist einfach überhaupt nicht seine Disziplin. Deswegen sollte man den Profis auch nicht unterstellen, diese Disziplin nicht auch zu beherrschen. Die Wettkampfbäume sind nun mal per Definition die mit dem großen Vorschlaghammer und entsprechend Ihrer Wirkung und der Tatsache das sie oft ausgestellt werden auch deutlich überrepräsentiert.

Du selber hast ein anderes Idealbild, du selber bist keine "Rampensau", logischerweise werden dann aber alle die ähnlich denken wie du, und davon gibt es sicher einige, sich in der öffentlichen Wahrnehmung innerhalb der Bonsaiszene unterrepräsentiert vorkommen. Wenn dem aber so ist, muß man auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen und entweder selber in die Offensive gehen und sich Darstellen oder die Sachlage wie sie ist akzeptieren. Darüber zu motzen ist dann aber nicht konsequent!
Generell sollte man, finde ich, bei einer solchen Diskussion, den Begriff "Bonsai" möglichst weit fassen und man sollte dafür auch eine hohe Toleranz entwickeln. Ansonsten scheitert nämlich die Diskussion, ob ein Bonsai gut oder schlecht ist schon daran, dass er nicht in die eigene kleine und selbst definierte Bonsaiwelt passt und jeder redet am anderen vorbei. Der Vorteil ist außerdem, dass man nicht mehr ins Freund-Feindschema verfällt, sondern tatsächlich auch anerkennen muß, dass man von den "Machobäumen" verdammt viel lernen kann.

Grüße,
Marco
AndreasK

Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von AndreasK »

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Zuletzt geändert von AndreasK am 14.04.2016, 06:02, insgesamt 1-mal geändert.
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holgerb
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von holgerb »

AndreasK hat geschrieben:Machen wir uns doch nichts vor! Man wird nur einen großartigen Bonsai präsentieren können, wenn man in der Bonsaiszene einen großen Namen hat. Da ist, wie überall in der Gesellschaft, ein Automatismus drin.

Ich bin auch Uhrenfan. Ich hab noch nie eine Uhr von einem kleinen Hersteller gesehen, egal wie toll und kompliziert sie auch ist, welche von den namhaften Herstellern auch nur annähernd anerkannt wird. Selten auch vom Puplikum, denn sie trägt keinen großen Namen.

Wir könnten jetzt weiter gehen, zu Autos, Elektronik, Schuhen oder Klamotten, egal. Wenn ein großer Name dahinter steht ist das Produkt automatisch super gut und löst vielleicht einen neuen Trend aus.
Ein Namenloser wird das nie erreichen, egal wie gut, in dem Fall, sein Baum auch ist.
Fatalismus, olé!
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
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Tomsai 92
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von Tomsai 92 »

Eine letzte konstruktive Kritik sei mir noch gestattet, dann verabschiede ich mich vorerst aus der Diskussion.
Macht gerne ohne mich weiter.
Vielen Dank für all die neuen Erkenntnisse, die ich aus der Diskussion mitnehmen durfte.


Hallo Marco,
es geht mir doch genau darum, die von dir thematisierte Toleranz zu untermauern!
MerschelMarco hat geschrieben:Die genannten "Spitzenbäume" sind aber doch nicht degeneriert, sondern tatsächlich absolut Spitze. Aber eben nur in ihrer eigenen kleinen Teildisziplin, vergleichbar vielleicht mit der Formel1. Das so ein Baum als "Familienkutsche" durchfällt ist auch klar. Umgekehrt wäre es nahezu widersinnig einen subtil gestalteten Literaten auf große Wettkampftour zu schicken, dass ist einfach überhaupt nicht seine Disziplin. Deswegen sollte man den Profis auch nicht unterstellen, diese Disziplin nicht auch zu beherrschen. Die Wettkampfbäume sind nun mal per Definition die mit dem großen Vorschlaghammer und entsprechend Ihrer Wirkung und der Tatsache das sie oft ausgestellt werden auch deutlich überrepräsentiert.
Was du hier beschreibst ist ein Sportwettkampf.
Bonsai als Sport? Ok.
Aber Sport hat in dieser Form rein absolut gar nichts mit Kunst zu tun.
Ich verstehe auch nicht, warum Eleganz durch Kargheit nicht eine gleichberechtigte Disziplin neben der schwergewichtigen maximalen Stärke darstellen kann. Seit wann ist Introversion schlechter als Extraversion? Sind die introvertierten bärtigen Lehrmeister Udo Fischer und Werner Busch schlechtere Menschen, weil sie neben den extrovertierten Muskeln Mauro Stembergers weniger auffallen?


Bonsai gilt inzwischen als Kunst. Wird zumindest oft aus Fachkreisen als solches betitelt.
Da ich mich neben Bonsai seit meiner Kindheit gleichermaßen mit Kunst und Kunstgeschichte befasse (auch den asiatischen), bleibt mir anhand der sachlich belegbaren Fakten nur das nüchterne Fazit, dass ein absoluter Großteil der „gehobenen Bonsaiszene Europas und Amerikas“ denken, Bonsai sei eine japanische Kunstform.
Andernfalls würde man sich viel mehr um die Einbindung der eigenen Gartenkultur bemühen.
Linde, Eiche und die europäische Buche, aber ebenso die europäische Stechpalme, der Efeu und die Rose stünden demnach aufgrund ihrer enormen symbolischen Geschichtsrelevanz in Europa ganz oben auf der Liste der für den europäischen Bonsai bevorzugten Arten.
Gewinnen tun aber weiterhin die fetten japanischen Mädchenkiefern, die noch vor 40 Jahren, sowohl in Japan als auch in Europa, als grotesk belächelt wurden, in Japan noch heute nichts besonderes sind, und als Sämlinge in unseren klimatischen Breitengraden sogar noch Kulturprobleme kriegen.
Ok, hmm, aha, naja, meinetwegen.
Dass in Japan Bonsai vor hundert Jahren noch im Sinne der japanischen Kunstauffassung betrieben wurde, in den heutigen Tagen die gesamte Kunst- und Lebensauffassung Japans extrem(!) von der westlichen geprägt ist, muss man dazu allerdings unbedingt wissen und irgendwo auch thematisieren dürfen.
Japan macht inzwischen also Bonsai unter Einbeziehung der westlichen Tendenz alles nach Macht und Stärke zu klassifizieren. Und die europäischen Bonsaimeister kopieren die japanischen Tendenzen ohne die ursprüngliche japanische Kultur gänzlich zu verstehen (verallgemeinernd gesprochen! Natürlich gibt es gänzlich anders geartete „Bonsaikünstler“ unter ihnen).
Ich dachte in einem Fachforum sei der richtige Ort für solche kritischen Randbemerkungen.

Gemotzt habe ich (mit Ausnahme der aus privaten Geschehnissen abgeleiteten theatralischen Gesellschaftskritik auf Seite 3) übrigens in keinster Weise. Meine seltsame, auch teils provokante, Sprache war als rhetorisches Mittel gedacht. Damit bin ich aber augenscheinlich gescheitert. Ich habe früher eben lieber in Biologie, Kunst und Philosophie aufgepasst als in Deutsch, Französisch und Chemie. Zudem habe ich lächerlich oft versucht zu betonen, dass es mir lediglich um konstruktive Fachkritik geht, nicht um Meinungsmanipulation.



Ehe nun also mein Geplänkel einen rechtfertigen Charakter annimmt und ich in Wiederholungen meine Schreibmotivation gänzlich aufbrauche, warte ich es lieber ab, wie in 10 Jahren die „Wettkampfbäume“(trauriger Begriff) aussehen werden, gehe in den (sehr selten gewordenen) naturnahen Wald und suche dort nach Inspiration.


zopf hat geschrieben:[...]aber nach meinem Verständnis sollte auch noch ein kleines Eckchen
für das Fach im Forum bleiben.
Zumindest soviel das ich nicht lieber "DSDS" schaue.
Amen!




https://www.youtube.com/watch?v=MTSitlFXEX8



PS: Ich nerve euch in spätestens 10 Jahren noch mal mit dem Thema, keine Sorge...
MerschelMarco
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von MerschelMarco »

Tomsai 92 hat geschrieben: Was du hier beschreibst ist ein Sportwettkampf.
Bonsai als Sport? Ok.
Aber Sport hat in dieser Form rein absolut gar nichts mit Kunst zu tun.
Ich verstehe auch nicht, warum Eleganz durch Kargheit nicht eine gleichberechtigte Disziplin neben der schwergewichtigen maximalen Stärke darstellen kann. Seit wann ist Introversion schlechter als Extraversion? Sind die introvertierten bärtigen Lehrmeister Udo Fischer und Werner Busch schlechtere Menschen, weil sie neben den extrovertierten Muskeln Mauro Stembergers weniger auffallen?
Hallo Tom,

ja, vielleicht ist Bonsai in dieser speziellen Teildisziplin am ehesten mit einem Sportwettkampf zu vergleichen. Aber wo ist da das Problem? Die Teildisziplin steht doch eben nicht stellvertretend für das gesamte Bonsai.
Wie kommst du überhaupt darauf, dass "Eleganz und Kargheit" nicht gleichberechtigt sind? Das ist doch deiner eigenen subjektiven Wahrnehmung geschuldet, ich kann das Problem überhaupt nicht sehen?. Wie ich schon vorher versucht habe zu erklären liegt es nunmal in der Natur der Sache, dass introvertiertere Stile und Personen sich eben dadurch auszeichnen sich nicht in den Vordergrund zu drängen, das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht da wären. Sie fordern halt auch von denjenigen, die sich damit beschäftigen subtilere Herangehensweisen ab. Also in die große Ausstellung gehen, und sich einmal die große Breitseite abholen ist dann halt nicht!

Allgemein gesehen sehe ich Bonsai in Europa noch in einem hoch aktiven evolutionärem Stadium. Ein unbekanntes Thema trifft im Neuland auf fruchtbaren Boden. Die Folge ist, dass das Thema nun in der möglichen Bandbreite ausgelotet wird, also alle Nischen besetzt werden. Und dann kommt es neben den immer noch existierenden Generalisten zur immer feineren Spezialisierung. Und genau bei diesem Prozess sind wir eben gerade, die Einnischung hat schon ziemlich weit stattgefunden und die Spezialisierung wird soweit auf die Spitze getrieben, bis eine kleine Umweltänderung die absoluten Spezialisten vor riesen Probleme stellt. Dann kommt wieder die Chance der Generalisten, usw..

was Generalisten anbelangt, da finde ich ist z.B. der Udo Fischer so einer. Der kann überall gut mitmischen, wenn er will, wird halt nie der ständige Abräumer (hat in Wahrheit aber schon so gut wie alles mal abgeräumt, allerdings dann auch nicht unbedingt mit introvertierten Bäumen) sein, muß aber ja auch gar nicht. Der hat z.B. sein eigenes Spielfeld, z.B. die Sakka-Ten, wo etwas andere Massstäbe gelten.

Was das Thema westl. Welt kontra Japan anbelangt glaube ich nicht das Bonsai allgemein noch als japanische Kunstform im engeren Sinn angesehen wird, mal davon abgesehen, das ohnehin nicht so gehandelt wird. Bonsai hat seinen Urspung im Japanischen/Chinesischen und ist längst adaptiert und wie oben gesagt den evolutionären Prozessen unterworfen. Und solche Prozesse lassen sich nunmal sehr schwer voraussagen, weil unendlich viele Variable existieren. Das also dann, wie von dir postuliert die Symbolkraft einheimischer Bäume genau jetzt durchschlagen muß ist statistisch halt unwahrscheinlich, kann aber ja noch irgendwann kommen.

Fazit für mich ist: Wann kann sich natürlich trefflich über einzelne Entwicklung aufregen, darf aber nicht vom Speziellen aufs Allgemeine schließen. Das Gesamtproblem sehe ich einfach nicht!

Grüße,
Marco
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von abardo »

AndreasK hat geschrieben:Wenn ein großer Name dahinter steht ist das Produkt automatisch super gut und löst vielleicht einen neuen Trend aus.
Das seh ich heutzutage genau andersrum.
In Zeiten globaler Vernetzung läuft nur die ideenlose Masse stumpf den Trends hinterher, die von grossen Namen vorgegeben werden. Die heutige Jugend drückt ihre Individualität längst dadurch aus, eigene Trends zu kreieren oder NoNames zu folgen. Je weniger Follower, umso besser. Trends gehen an den grossen Marken doch längst vorbei oder werden so spät aufgegriffen, dass sie schon wieder out sind.

Facebook und Twitter sind längst out, Adidas und Nike auch, Cola trinkt doch keiner mehr. Markenhandys ? Quark. Und jeder baut sich seine eigene Homepage, trägt vom Kumpel designte Klammoten und trinkt die selbst kreierten Smoothies.

DSDS gucken ? Ne. Selber machen:
https://www.youtube.com/watch?v=LqsPPtaJANA

Wie sollte es auch anders sein, wenn das Hirn nicht im Massenmatsch versinken soll ?
Jetzt kann man das Eigene zeigen oder auch lassen. Wie man halt gestrickt ist.
Tomsai 92 hat geschrieben:Eine letzte konstruktive Kritik sei mir noch gestattet, dann verabschiede ich mich vorerst aus der Diskussion.
... offensichtlich "lassen". Auch ok.
Grüße, Frank
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AndreasK

Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg

Beitrag von AndreasK »

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Zuletzt geändert von AndreasK am 14.04.2016, 06:03, insgesamt 1-mal geändert.
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