viele von euch kennen sicher Reiners Beitrag Es kommt der Tag, da will die Säge sägen.... Es ging wenn ich mich recht erinnere auch darum wie man Todholzbereiche die ins Substrat reichen am besten konserviert. Reiner hatte damals ein Zwei-Komponentenharz benutzt dessen Name / Hersteller ihm leider nicht bekannt war. Beim x-ten Lesen des Beitrag fiel mir irgendwann mal ein, dass ich den Umgang mit Kunststoffen in meinem ersten Beruf vor einem Vierteljahrhundert mal erlernt hatte. Leider muss ich zugeben dass fast alles an Wissen aus dieser Zeit verschütt gegangen ist. Nichtsdestotrotz hab ich mich mal aufgemacht und ein paar Hersteller angeschrieben und die Eigenschaften eines Kunstharz beschrieben welches für unseren Zweck geeignet sein könnte.
Das gesuchte Harz sollte:
- sehr dünnflüssig sein, um gut vom Holz aufgenommen zu werden
- sollte unter normalen Umgebungstemperaturen verarbeitbar sein
- glasklar sein
- möglichst schnell aushärten und trotzdem lange verarbeitbar sein.
Schneller als ich gehofft hatte bekam ich ein paar Antworten wobei mir das Produkt eines Herstellers am geeignetsten erschien. Ich hab mir ein knappes Kilo davon bestellt und eine "Testkonservierung" durchgeführt von der ich nun hier berichten will.
Als Testobjekt hab ich mir ein Stück Stamm eines Igelwacholders ausgesucht, den ich letztes Jahr fachgerecht gehimmelt hatte.
Wie der Name Zwei-Komponentenharz schon sagt handelt es sich eben um zwei Stoffe, dem Epoxydharz und dem sogenannten Härter die in einem bestimmten Verhältnis gemischt werden müssen. Die Einhaltung dieses vom Hersteller angegebenen Verhältnis ist extrem wichtig. Ist der Harzanteil grösser als angegeben reagiert die Mischung nicht ausreichend, mit dem Resultat, dass man eine auf praktisch ewig anhaltende klebrige Fliegenfalle an seinem Baum hat.
Fällt der Härteranteil zu hoch aus verkürzt dies im besten Fall die Verarbeitungszeit und es kann einem passieren, dass der Pinsel mit dem man das ganze am Baum aufträgt plötzlich festklebt (ergibt dann einen ganz interessanten Pinseljin
ich hatte zum glück eine digitale Briefwaage zur Hand mit der das Abwiegen ein Kinderspiel war.
Was die Verarbeitung angeht empfiehlt sich der Garten oder Balkon, so dass man keine unangenehmen Dämpfe en masse abbekommt. Weiterhin ist die Verwendung einer Schutzbrille anzuraten. Helden die darauf verzichten sollten zumindest eine Augendusche und die Tel-Nr. der nächsten Augenklnik parat haben.
- Angemischt war das Zeug schnell. Man sollte hierbei darauf achten, dass die beiden Komponenten wirklich gut miteinander verrührt werden. Falls nicht bekommt man das Oben beschriebene "Zuviel Harz- - Zuviel Härter"-Problem. (Bild 1)
- Das Harz war wie vom Hersteller beschrieben glasklar und für ein Harz imho auch sehr dünnflüssig. Eine Wärmeentwicklung konnte ich nach dem Zusammenmischen nicht feststellen. Das ist insofern wichtig wenn man an Partien des Baum arbeitet die an lebende Stellen angrenzen.
- Der Testkandidat wies eine von mir vor zwei Jahren angelegte Sharipartie auf (rot gekennzeichneter Bereich in Bild 2). Der Rest war bis zu meinem Versuch noch von Rinde bedeckt die ich erst jetzt entfernt hatte.
- Bild 3 zeigt den frisch eingespinselten Testkandidaten. Glänzt natürlich anfangs wie Sau.
- Um das Aufnahmevermögen einschätzen zu können hab ich das Holz vor der Bearbeitung gewogen.
- Die Verarbeitungszeit war, und das ist nicht unwichtig, relativ lange. In der ersten Stunde konnte ich keine Abnahme der Dünnfüssigkeit feststellen. In diesem Zeitraum sollten sich auch größere Partien an einem Baum bearbeiten lassen ohne dass man in Zeitnot gerät. Selbst in der 2. Stunde würde ich dem Material noch eine Verarbeitbarkeit am Baum zusprechen. danach wurde es zäh, für unsere Zwecke also nicht mehr zu handhaben.
- Nach 4 Stunden war das Harz handtrocken. An den Stelle an das Harz ein wenig dicker aufgetragen war (kommt zwangsläufig vor) klebte das ganze noch ein wenig.
- Nach 24 Stunden (wie von Hersteller angegeben) war das Harz dann komplett durchgehärtet. Bei der optischen Beurteilung fiel mir auf, dass die Partien die ich damals noch am lebenden Baum als Shari angelegt hatte eine matte, natürliche Oberfläche aufwiesen während die vor dem Versuch frisch entrindeten Stellen einen Glanz aufweisen( Bild 3). (Hier muss mit Schleifpapier oder Drahtbürste nachgearbeitet werden um den unnatürlichen Hochglanz zu beseitigen)
- Zu guter letzt habe ich noch einen Wasserufnahmetest durchgeführt. Dazu habe ich das präparierte Stammstück sowie ein unbehandeltes Stück Stamm gleichen Gewichts für zwei Stunden in Wasser getaucht und beide anschliessend wieder gewogen. Während das unbehandelte Stück deutlich durch das aufgesogene Wasser an Gewicht zugenommen hatte war beim behandelten Stück keine Gewichtszunahme messbar.
Fazit: Auch wenn dieser Versuch sicher nicht auf beliebige Holzarten übertragen werden kann, war ich vom Resultat positiv überrascht. Gut getrocknetes Todholz nimmt das Harz so gut auf, dass eine Nachbearbeitung praktisch nicht nötig ist. Aber auch dort wo sich eine unerwünschte Hochglanzoberfläche einstellt kann dies mit überschaubarem Aufwand behoben werden.
Bezogen habe ich das Harz mit dem Produktnamen
Epoxydharz HT 2 + Härter HT 2 bei der Firma R & G Onlineshop zu einem Preis von knapp € 40 inkl. Versandkosten.
