Ich glaube, daß Marco von falschen Vorraussetzungen ausgeht, die für die Tomatenmethode nicht zutreffend ist.
Ich mache jetzt mal ein Gedanken- und Rechenspiel, um das zu verdeutlichen.
Sagen wir mal, daß Wacholder X einen jährlichen Bedarf an Dünger von (was weiß ich) 5 kg hat (rein fiktive Zahl).
Bisher war die Methode so, ich streue irgendeinen Dünger darauf, so nach Gutdünken oder nach Vorschrift, wie es auf der Verpackung steht. Da die meisten von uns Dünger verwenden, die nicht schnell zu Verbrennungen führen können, lasse ich das mal aussen vor. Nehmen wir mal der Einfachheit halber an, Verbrennung gibt's nicht.
Bonsaianer 1: düngt 5kg einmalig, alles druff, von mir aus auch Depot....
Was passiert?
Leben im Überfluss, wachsen, wachsen, wachsedn, was das Zeug hält immer weiter und weiter..... und vor allem viel zu schnell durch das Überangebot...
Bonsaianer 2: düngt in 10 Gaben (ich gehe mal von 10 Düngemonaten aus), also jedesmal 500g Dünger.....
Was passiert:
schon bessere Versorgung, aber immer noch mit Düngespitzen, immer noch schubweise Versorgung
Bonsaianer 3: düngt 30 Gaben, jedesmal also ca. 166,6g.....
Chris düngt wie folgt: Chris düngt jeden Tag, bei 10 Düngemonaten also an 300 Tagen, jedesmal à 16,6g.
Er hat also eine sehr gleichmässige Verteilung der Nährsalze aufs Jahr, keine Gefahr von Versalzung, keine Gefahr von Überdüngung und der damit verbundenen Gefahr von wässrigen Trieben.
Der Grund, warum Tomaten wässrig schmecken liegt nicht an der Düngung, sondern daran, daß Tomaten im Glashaus gezogen werden, es Tomaten somit auch im Winter gibt, die natürlich dann wässrig schmecken und immer größere Tomaten gezüchtet werden. Das hat nichts mit Düngung zu tun.
Bei Tomaten geht mir nichts mehr über meine eigenen kleinen Buschtomaten. Die haben ein ganz fantastisches Aroma und ich bin davon überzeugt, es hat nichts mit dem Dünger zu tun, sondern mit der Größe der Früchte. Und das ist Zucht und nicht Düngung.
Marco, warum ich Deinen Vergleich mit Verfettung auch nicht stehen lassen kann:
Dein Beispiel mit den Sumo-Ahörnern hat wahrscheinlich nur wenig mit dem starken wachstum zu tun. Das müsste man jetzt genauer untersuchen, sich die Pflanzen anschauen, wissen, wie sie versorgt worden sind. Zellgrößen anschauen usw. usw.
Ich habe es mir ebenfalls abgewöhnt, Bäume zu vermenschlichen und dort Parallelen zu ziehen, die nicht vorhanden sind.
Bäume funktionieren komplett anders als Tiere, da wirst Du mir sicher zustimmen. Gerade die bildhaften Vergleiche zwischen Mensch und Baum funktionieren meist nicht.
Sicher können sich Tiere und Pflanzen an Umweltbedingungen anpassen (oder wie man so schön sagt: adaptieren), aber was gibt es denn zu adaptieren?
Daran, daß jeden Tag genug Nährsalze vorhanden sind und der Baum keine "Existenzangst" (da ist schon wieder so eine Vermenschlichung) haben muss?
MerschelMarco hat geschrieben:Warum soll sich eine Pflanze mit der Abwehr von Krankheiten beschäftigen, wenn keine da sind
Weswegen ich nicht viel von sinnloser Rumspritzerei halte, sondern von einer vernünftigen und gleichmässigen Nährstoffversorgung.
Und um doch mal beim Adipositas-Vergleich zu bleiben:
Das Training für den Baum ist der Schnitt, die Gestaltung und damit der "Verlust der Pfunde"....
Daß moderen Substrate nicht an die Natur herankommen (Dein Beispiel mit den Mykhorrizza) ist dagegen verständlich, aber auch das hat nichts mit Überversorgung zu tun.
Wichtig zu wissen ist, wieviel ich jeden Tag geben darf, um eben nicht durch zuviel Stickstoffgabe ein zu großes Wachstum mit wässrigen Trieben zu haben.
Deswegen hatte ich auch nach der Gabe der anderen essentiellen Nährsalze gefragt.
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -