und das Lehrerkollegium posten!
Hier geht es zum offenen Diskussions-Thread zu diesem Thema.
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A)
B)
C)
D)
In dem
Yamadori-Bonsai Forum ist mir dieser Ficus benjamina von Jean-Pierre aufgefallen. Nach kurzem Zureden konnte ich ihn für unsere kleine Bonsaischule gewinnen.Hallo Jean-Pierre,
Das nenne ich mal ein interessantes Material. Dieser Ficus bietet viel zu besprechen. Alles schaffe ich in diesem ersten Posting nicht. Ich konzentriere mich daher zunächst einmal nur auf eine Gesamtbeschreibung und wende mich dann dem Nebari zu. Alles weitere später.
Wie du schreibst ist es eine Pflanze, die du von einem Gemeindegärtner 2006 geschenkt bekommen hast.
An dieser Stelle möchte ich alle Schüler dazu animieren bei der Suche nach gutem Material durchaus einmal Kreativität walten zu lassen. Ob in Behörden, in der Gastronomie, am Arbeitsplatz oder in Privatbesitz (ebay), ob in Nachbars Fenster oder bei Bekannten, immer wieder trifft man auf alte Birkenfeigen, die oft nur mehr schlecht als recht in irgendwelchen Ecken schon seit Jahren ihr Dasein fristen. Das sind oft die aussichtsreichsten Kandidaten zur Bonsaigestaltung. Ihnen hat nicht, wie bei Alpen-Yamadoris, die Unbill unwirtlicher Klimabedingungen und Wildverbiss arg zugesetzt, sondern zumeist die Jahre andauernde Vernachlässigung und mangelnde Aufmerksamkeit ihrer Pfleger.
Oftmals sind solche Birkenfeigen irgendwann einmal im oberen Kronenbereich teilweise abgestorben und unten wieder nach getrieben, so dass sie nun auch im unteren Stammbereich eine Verzweigung aufweisen. Sie bestehen oft aus 3-5 Einzelpflanzen, die aus verkauftaktischen Gründen teils eng beieinander gepflanzt, teils sogar geflochten wurden, um dem Grün mehr Volumen zu verleihen. Die einzelnen Stämme sind dann über die Jahre miteinander verwachsen.
Wer so etwas findet sollte alle Hebel in Bewegung setzen an dieses Material zu gelangen.
Manchmal reicht es schon dem Besitzer im Tausch eine frische und ach so viel gesünder aussehende Pflanze aus dem Fachhandel zu besorgen.
So, nun aber zu dem Material von Jean-Pierre.
Diese Pflanze hat eine aktuelle Höhe von 47 cm und einen Nebari-Durchmesser von 8 cm. Der Stamm setzt sich offenkundig aus drei Einzelstämmen zusammen, die über weite Strecken miteinander verwachsen sind. Dieser Stamm wurde im zitierten Nachbarforum schon kontrovers diskutiert. Nach gängigem Bonsaimuster ist es natürlich ein No-go, dass sich Stämme überkreuzen und dann auch noch miteinander verwachsen. Verschiedene Ideen wurden skizziert, wie man dieses Verwachsungsprodukt optisch aufhübschen könnte. Doch dazu später mehr.
Auffallend ist ferner die ausgeprägte Verzweigung. Der Durchmesser der Zweige ist gut proportioniert und nimmt nach oben hin ab, mit Ausnahme des unteren, rechten Zweiges in Bild A). Die Zweige selbst sind hervorragend wechselständig am Stamm positioniert.
Auffallend ist, dass der Baum in der Vergangenheit wenig fachmännisch zurückgeschnitten wurde. Es zeigen sich viele, inzwischen von Kallusgewebe überwallte, sehr prominente Aststümpfe. Hieran muss gearbeitet werden.
Sehr viel versprechend erscheint mir auch das Nebari. Die Wurzel verlaufen mehr oder weniger strahlenförmig vom Stamm weg. Sich überkreuzende Wurzeln sind kaum vorhanden.
Soweit zur Beschreibung meines ersten Eindruckes.
Der Profi weiß, dass schon die Chronologie meiner Aufzählung, Stamm, Äste, Nebari, eine falsche ist. Bonsaimaterial wird im Allgemeinen von unten nach oben beurteilt und bewertet.
Das heißt man schaut sich eigentlich als erstes das Nebari an, dann die Stammführung und dann erst die Aststellung. Denn wie bei jeder Erstgestaltung geht es zunächst einmal darum, die Vorderseite auszuloten. Diese gibt zumeist das Nebari vor, da es am aufwendigsten zu verbessern ist.
Bei vorliegendem Material hat jedoch der Stamm Priorität. Er gibt uns nur 2 potentielle Vorderseiten vor, nämlich Bild A) oder Bild B). Nur bei diesen Ansichten zeigt sich eine Stammverjüngung. Bei den Bildern C) und D) fehlt diese oder ist sogar invers.
Als nächstes fällt der Blick nun auf das Nebari. Ich hoffe jetzt die passenden Bilder dazu gefunden zu haben:
Nebari zu Bild A)

Nebari zu Bild B)

Das Nebari zu Bild A) hat seine Schwächen, als da wären: die vom rechten Stamm ausgehende, quer nach links herüber ragende Wurzel und die sich kreuzenden Wurzeln am linken Stamm (unterhalb des Drahtes). Diese Wurzelknäuel lässt sich kaum mehr auflösen. Es scheint schon zu sehr verwachsen zu sein. Die große quer nach links herüberlaufende Wurzel hingegen lässt sich beseitigen, was das Nebari auf dieser Ansichtsseite vermutlich schon deutlich verbessern würde. Wie machbar das ist und ob diese Wurzel vielleicht auch schon mit der darunter liegenden vom Nachbarbaum verwachsen ist musst du beurteilen, Jean-Pierre.
Mein Vorschlag wäre, diese Wurzel mit einem Konkavschnitt jetzt zu entfernen.
Das Nebari zu Bild B) ist sehr gut. Wunderbar strahlenförmige Wurzelstellung.
Vielleicht erst einmal nur bis hier her. Stamm und Äste werde im Folgenden besprochen.
Kurze Zusammenfassung meiner Analyse:
- Sehr vielversprechendes Material, dass sich durch ein gutes Nebari, eine gute Stammverjüngung und eine gute Aststellung auszeichnet.
- Unschöne Aststümpfe im Kronenbereich.
- Diskussionswürdig verwachsener Stamm
Konsequenz:
- Überarbeitung des Nebaris
- Vorderseitenauswahl
- Kosmetische Eingriffe an den Aststümpfen
- diskussion über den Stamm



