Verunsicherung komplett: "Wurzeln erfrieren nicht"
- Robert S.
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Verunsicherung komplett: "Wurzeln erfrieren nicht"
Bei meiner heutigen Badewannenlektüre der Zeitschrift "Bonsai", Ausgabe
Nr. 113 las ich auf S. 37 einen Artikel mit dem Titel "Ein Versuch, Bonsai -
von den Wurzeln her - zu verstehen".
Der Autor Günther Kölsch differenziert dabei zwischen sogen. Haltewurzeln,
also Wurzeln die dazu dienen den Baum an seinem Standort im Boden zu
verankern und Saugwurzeln, also den Wurzeln die zur Aufnahme von
Wasser und Nährstoffen zuständig sind. Kölsch schreibt weiter, dass diese
Saugwurzeln vom Frühjahr bis August arbeiten, dann wird eine neue
Garnitur gebildet. Da die Saugwurzeln bei frostfesten heimischen Bäumen
im Winter abgestorben sind, schreibt Kölsch, erübrigt sich der Schutz des
Wurzelwerks vor Frösten. So jetzt bin ich total verunsichert. Ich habe
bislang immer gelesen / gehört, daß die Bäume im Winter mehr oder
weniger vor Frost geschützt werden müssen. Ja, ich weiß dass es hier
im Forum die unterschiedlichesten Arten von Überwinterund propagiert
werden. Aber die Aussage "überhaupt kein Schutz, da nicht notwendig", wie
der Author schreibt, verunsichert mich noch doch sehr. Mich würde
interessieren wie die gärtnerischer erfahrenen unter Euch zu so einer
Aussage stehen.
Nr. 113 las ich auf S. 37 einen Artikel mit dem Titel "Ein Versuch, Bonsai -
von den Wurzeln her - zu verstehen".
Der Autor Günther Kölsch differenziert dabei zwischen sogen. Haltewurzeln,
also Wurzeln die dazu dienen den Baum an seinem Standort im Boden zu
verankern und Saugwurzeln, also den Wurzeln die zur Aufnahme von
Wasser und Nährstoffen zuständig sind. Kölsch schreibt weiter, dass diese
Saugwurzeln vom Frühjahr bis August arbeiten, dann wird eine neue
Garnitur gebildet. Da die Saugwurzeln bei frostfesten heimischen Bäumen
im Winter abgestorben sind, schreibt Kölsch, erübrigt sich der Schutz des
Wurzelwerks vor Frösten. So jetzt bin ich total verunsichert. Ich habe
bislang immer gelesen / gehört, daß die Bäume im Winter mehr oder
weniger vor Frost geschützt werden müssen. Ja, ich weiß dass es hier
im Forum die unterschiedlichesten Arten von Überwinterund propagiert
werden. Aber die Aussage "überhaupt kein Schutz, da nicht notwendig", wie
der Author schreibt, verunsichert mich noch doch sehr. Mich würde
interessieren wie die gärtnerischer erfahrenen unter Euch zu so einer
Aussage stehen.
- MartinRedlich
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Zuletzt geändert von MartinRedlich am 29.03.2026, 13:16, insgesamt 1-mal geändert.
Es wäre schön, wenn die Bonsai im Bild etwas mehr Platz bekämen.
Re: Verunsicherung komplett: "Wurzeln erfrieren nicht&a
Eine sehr eigenwillige Differenzierung, die der Herr Kölsch da vornimmt und die botanisch so nicht haltbar ist.Robert S. hat geschrieben:Der Autor Günther Kölsch differenziert dabei zwischen sogen. Haltewurzeln ... und Saugwurzeln. ...
Eine Wurzel übernimmt immer beide Funktionen, dient also sowohl der Fixierung im Boden als auch der Wasseraufnahme.
Die Wasseraufnahme findet dabei in der Wurzelhaarzone ca. 1 mm hinter der Wurzelspitze statt. Die Wurzelspitzen sterben im Winter nicht zwingend ab, der Baum kann also den ganzen Winter über Wasser aufnehmen, wenn die Temperaturen das zulassen. Gefriert das Bodenwasser besteht die Gefahr des Vertrocknens. Ein gewisser Kälteschutz oder ein Transpirationsschutz (Schutz vor austrocknenden Winden) in Frostperioden ist daher durchaus anzuraten.
Wenn Nichtbiologen biologische Sachverhalte darlegen wollen, dann kommt leider häufig nichts Gutes dabei heraus.



- Martin_S
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- Wohnort: Linker Niederrhein, da wo et geil is'
Habe den Artikel heute morgen auch gelesen. Überzeugt mich aber überhaupt nicht. Ich habe vor Kurzem meine Zwerge umgetopft. Die Ilex beispielsweise ist sowas von voll mit Saugwurzeln gewesen, Dreispitzer springen dir förmlich aus der Schale... nachvollziehen kann ich das nicht. Es sei denn Herr Kölsch meint da anderes. Immergründe Bäume brauchen auch im Winter Wasser. Überhaupt! Wenn das stimmen würde, warum darf der Baum im Winter nicht austrockenen?
Martin S
Martin S
Beste Grüße
Martin
Lieber Querlüften als Querdenken!
Martin
Lieber Querlüften als Querdenken!
Das ist wahrlich immer das gleiche Problem: Will man als interessierter Laie ein wissenschaftliches Thema beschreiben, gehört ellenlanges Quellenstudium dazu. Das hält nicht jeder in der nötigen Tiefe durch, zumal man oft genug auch nicht weiß, welche Quellen man anzapfen muß.
Ich drömmel auf diese Weise auch an 2-3 Themen rum und komm nicht zum Ende.
Ich drömmel auf diese Weise auch an 2-3 Themen rum und komm nicht zum Ende.
73 Anja
Hallo Robert,Robert S. hat geschrieben:Um so mehr haben mich seine Aussagen mehr als stark verwundert.beschäftigt sich seit ungefähr 30 Jahren sehr intensiv mit Bonsai.
wieso erstaunt Dich diese Tatsache so sehr?
Ist dies doch nur ein weiterer Beweis dafür, dass sich Zeitdauer und Wissensstand bei der Beschäftigung mit einem Thema nicht zwingend kongruent verhalten.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Gary
Arbeitskreis Karlsruhe im BCD
Gruß,yamadori hat geschrieben:Das glaube ich einfach nicht so ganz.
Aber es deckt sich mit meiner Erfahrung das mann im Frühjahr diverse Laubbaumarten mit so wenig Wurzeln ausgraben kann dass mann einfach glauben muss diese schaffens nicht .
Und mann wird vom Gegenteil überzeugt.
Auf der anderen Seite habe ich schon so manch einen Wurzelschnitt im Frühling gesehen bei dem ich ein Überleben des Baumes erstmal nicht gesehen habe.
Wieder mit dem Ergebniss das alles gut gegangen ist.
Vielleicht ist da ja irgend ein Zusammenhang zu sehen?
Würde das nicht funktionieren, ginge kein einziger Steckling an...
Winterharte Bäume erfrieren ja eigentlich garnicht.
Sie werden gefriergetrocknet! Indem der Baum den Wasserbedarf durch Verdunstung nicht mehr decken kann.
Die Saugwurzeln sind wenn es so weit gekommen ist dann sowieso so betonhart gefroren dass sie kein Wasser mehr transportiern können.
Wieso können dann einige Bäume nach Schnitt, bei Frost "bluten" (z.B. Juglans regia)?
Aber die Fragestellung finde ich sehr interessant, auch wenn ich sie nicht beantworten kann!
Mfg Martin
Holger
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
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Weil wir in Mitteleuropa keinen Permafrostböden haben.holgerb hat geschrieben:Wieso können dann einige Bäume nach Schnitt, bei Frost "bluten" (z.B. Juglans regia)?
Wenn der Boden bei uns gefriert, dann tut er das allenfalls oberflächlich; es ist in den meisten Fällen auszuschließen, dass der gesamte Wurzelraum durchgefrohren ist.
Phyiologisch aktiv wird die Pflanze erst bei Temperaturen über +5°C. Nur bei solchen Temperaturen im Wurzelbereich ist überhaupt mit Blutungssaft zu rechnen.
Warum das?
Wichtig ist dabei zu wissen, dass im Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb, weniger der Transpirationssog für die Wasseraufnahme verantwortlich ist (woher soll der auch kommen bei fehlender Verdunstungsfläche (Blätter)) sondern der sog. Wurzeldruck. Der Wurzeldruck bezeichnet eine aktive (also über Energieverbrauch gewährleistete) Wasseraufnahme gegen ein Konzentrationsgefälle. Diese aktive Wasseraunahme ist nämlich von Nöten, um die in den Knospen soweit angelegten und voll entwickelten Blätter mit Wasser "aufzupumpen" und zum Austrieb zu bringen.
Das Wachstum der Blätter muss dabei in zwei Phasen unterschieden werden:
1. Zellteilung: Die erste Frühjahrsganitur an Blättern wird schon im Vorjahr angelegt. Die endgültige Gesamtzahl der Zellen pro Blatt, die über Zellteilung entstehen, wird also schon im Herbst erreicht. Embryonal überwintern die Blätter dann in Knospen.
2. Streckungswachstum: Bei der schlussendlichen Entfaltung der Blätter im Frühjahr werden diese nur noch mit Wasser "aufgepumpt". Dabei schwellen die Zentralvakuolen im Inneren der einzelnen Zellen stark an, so dass sich nur noch die Größe der Zellen vervielfacht.
Dieses "Aufpumpen" funktioniert nicht allen über den Transpirationssog sondern wird über die aktive Wasseraufnahme, dem Wurzeldruck, unterstützt. (Ein Grund, warum man drastische Rückschnitte an Bäumen nicht mehr nach Blattaustrieb vornehmen sollte, will man den Baum aufgrund des dann heftigen "blutens" nicht ernsthaft gefährden, Bsp. Birken.) Die Temperatur im Wurzelbereich ist es denn auch, die den letztendlichen Startschuss für den Zeitpunkt des Frühjahrsaustriebs setzt. Denn nur bei Temperatiuren im physiologisch aktivem Bereich, also bei über +5°C kann der Wurzeldruck überhaupt erst aufgebaut werden.



JA Ulf, MIR ist das klar.
Trotzdem müsste das Wasser IM Baum ja nach Martins Aussage gefroren sein, bei starkem Frost, ist es aber nicht.
Aber Ulf, was ich nicht verstanden habe:
Die Wasseraufnahme findet ja sowohl passiv (Transpiration, Kapillarkräfte) als auch aktiv (Wurzeldruck) statt. Wieso sollte dann , ah, *kling* -"Energieverbrauch" ist das Zauberwort- starker Schnitt nach dem Blattaustrieb gefährlich sein. Die Münze ist gefallen. Eigenartig, das es immer wieder auf Energie herausläuft...
Genaugenommen ist starker Rückschnitt immer für einen Baum riskant. Je nach Alter und Größe des Baumes.
Trotzdem müsste das Wasser IM Baum ja nach Martins Aussage gefroren sein, bei starkem Frost, ist es aber nicht.
Aber Ulf, was ich nicht verstanden habe:
Die Wasseraufnahme findet ja sowohl passiv (Transpiration, Kapillarkräfte) als auch aktiv (Wurzeldruck) statt. Wieso sollte dann , ah, *kling* -"Energieverbrauch" ist das Zauberwort- starker Schnitt nach dem Blattaustrieb gefährlich sein. Die Münze ist gefallen. Eigenartig, das es immer wieder auf Energie herausläuft...
Genaugenommen ist starker Rückschnitt immer für einen Baum riskant. Je nach Alter und Größe des Baumes.
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Stimmt, der Gefrierpunkt des Zellsaftes ist vor allem bei Laubbäume, aufgrund einer erhöhten Ionenkonzentration, stark herauf gesetzt. Bis zu gewissen Temperaturen funktioniert das sehr gut. Irgendwann versagt aber auch dieses Frostschutzmittel. Das größte Problem, das dann entsteht, ist das potentielle Auftreten von Luftblasen beim Wiederauftauen des Wassers in den Leitgefäßen und damit das Entstehen von Embolien.holgerb hat geschrieben:JA Ulf, MIR ist das klar.
Trotzdem müsste das Wasser IM Baum ja nach Martins Aussage gefroren sein, bei starkem Frost, ist es aber nicht.
Laubbäume mit ihren großen, toten und durchgehenden Leitgefäßen (Tracheen) können dem nichts entgegensetzen, die Wassersäule reißt ab, Adhäsion und Kohäsion versagen, der Baum vertrocknet.
Nadelbäume haben da einen Trick. Ihre Zellen können problemlos durchfrieren. Nadelbäume habe keine Tracheen sondern nur Tracheiden, also kleine lebende Zellen und keine durchgehenden toten Röhren. Bei z.B. Pinus sind diese Tracheiden mit sog. Hoftüpfeln ausgestattet, also Verbindungen zwischen den Zellen in Form kleiner Ventile. Embolien können so gar nicht erst entstehen.
Das ist einer der Hauptgründe, warum Nadelbäume sowohl bezüglich des Breitengrades als auch bezüglich des Höhengrades fast immer die letzten Arten an der Baumgrenze stellen.



- Martin_S
- Beiträge: 11869
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Alles klar Ulf. Ganz tolle Erklärung! Leuchtet ein.flu hat geschrieben:Weil wir in Mitteleuropa keinen Permafrostböden haben.holgerb hat geschrieben:Wieso können dann einige Bäume nach Schnitt, bei Frost "bluten" (z.B. Juglans regia)?
Wenn der Boden bei uns gefriert, dann tut er das allenfalls oberflächlich; es ist in den meisten Fällen auszuschließen, dass der gesamte Wurzelraum durchgefrohren ist.
Phyiologisch aktiv wird die Pflanze erst bei Temperaturen über +5°C. Nur bei solchen Temperaturen im Wurzelbereich ist überhaupt mit Blutungssaft zu rechnen.
Warum das?
Wichtig ist dabei zu wissen, dass im Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb, weniger der Transpirationssog für die Wasseraufnahme verantwortlich ist (woher soll der auch kommen bei fehlender Verdunstungsfläche (Blätter)) sondern der sog. Wurzeldruck. Der Wurzeldruck bezeichnet eine aktive (also über Energieverbrauch gewährleistete) Wasseraufnahme gegen ein Konzentrationsgefälle. Diese aktive Wasseraunahme ist nämlich von Nöten, um die in den Knospen soweit angelegten und voll entwickelten Blätter mit Wasser "aufzupumpen" und zum Austrieb zu bringen.
Das Wachstum der Blätter muss dabei in zwei Phasen unterschieden werden:
1. Zellteilung: Die erste Frühjahrsganitur an Blättern wird schon im Vorjahr angelegt. Die endgültige Gesamtzahl der Zellen pro Blatt, die über Zellteilung entstehen, wird also schon im Herbst erreicht. Embryonal überwintern die Blätter dann in Knospen.
2. Streckungswachstum: Bei der schlussendlichen Entfaltung der Blätter im Frühjahr werden diese nur noch mit Wasser "aufgepumpt". Dabei schwellen die Zentralvakuolen im Inneren der einzelnen Zellen stark an, so dass sich nur noch die Größe der Zellen vervielfacht.
Dieses "Aufpumpen" funktioniert nicht allen über den Transpirationssog sondern wird über die aktive Wasseraufnahme, dem Wurzeldruck, unterstützt. (Ein Grund, warum man drastische Rückschnitte an Bäumen nicht mehr nach Blattaustrieb vornehmen sollte, will man den Baum aufgrund des dann heftigen "blutens" nicht ernsthaft gefährden, Bsp. Birken.) Die Temperatur im Wurzelbereich ist es denn auch, die den letztendlichen Startschuss für den Zeitpunkt des Frühjahrsaustriebs setzt. Denn nur bei Temperatiuren im physiologisch aktivem Bereich, also bei über +5°C kann der Wurzeldruck überhaupt erst aufgebaut werden.
So, aber jetzt mal was anderes.
"Wir alle" haben viel Geld in deine Ausbildung gesteckt. Jetzt wäre es schön wenn du uns mal erklärst ob der Herr Klönsch, Kölsch (Prost!) oder wie auch immer hier recht hat oder nicht.
M
PS.: du mußt doch über Unmengen an Literatur verfügen, steht da etwas dazu das diese These stüzt oder ist das alles ein "riesen Missvertändnis" weil hier eventuell explizit von der Wurzelspitze gesprochen wird? Du bist der Experte, ergo laß' uns mal an deinem Fachwissen teilhaben. Ich kann mir das so wie in dem Artikell beim besten Willen nicht vorstellen. 30 Jahre hin oder her. Persönlich halte ich diese These für gewagt.
Beste Grüße
Martin
Lieber Querlüften als Querdenken!
Martin
Lieber Querlüften als Querdenken!
Martin, ich hab den Artikel nicht vorliegen und kann daher explizit auch nichts dazu sagen. So wie der Mann hier zitiert wurde ist das mit dem wissenschaftlichen Bild über die Funktionen und Abläufe bei Pflanzenwurzeln nicht in Deckung zu bringen.
Auch wenn (und ich behaupte sogar GERADE wenn) man sich 30 Jahre mit einer Thematik befasst, so eröffnen sich immer neue Blickwinkel auf das Untersuchungsobjekt. Auch ein Herr Klösch kann da noch dazulernen.
Auch wenn (und ich behaupte sogar GERADE wenn) man sich 30 Jahre mit einer Thematik befasst, so eröffnen sich immer neue Blickwinkel auf das Untersuchungsobjekt. Auch ein Herr Klösch kann da noch dazulernen.



