gedrehter Stamm?

Für ungeklärte(!) Fragen zum Bonsai-Einstieg und den Anfangsjahren. SUCHEN, LESEN, DENKEN und nur POSTEN,
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Jarla
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gedrehter Stamm?

Beitrag von Jarla »

Da ich momentan aufgrund der Jahreszeit mit meinen Bonsais nicht viel zu tun habe, blättere ich wieder häufiger durch meine Bücher zum Thema. Dabei bin ich in einem im Kapitel "Stilarten" auf die Form des "gedrehten Stammes" gestoßen. In natura habe ich so etwas ansatzweise auch schon hin und wieder gesehen und frage mich nun: Wie bekommt man eine solche schraubenartige Bewegung hin? Da ich keine Antwort finden konnte, möchte ich die Frage gerne an Euch weiter geben und ergänze noch einige Teilfragen:
Kann man für ein solches Ziel schon reifere Bonsais nehmen oder sollte man mit Steck- bzw. Keimlingen beginnen? Welche Arten eignen sich für eine solche Gestaltung am ehesten?
Gruß
Jarla
Zim
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Beitrag von Zim »

ist doch ganz einfach oder?
Du nimmst nen dicken banbusstock und drahtest ne junge pflanze in einer spirale drum herum. Wenn sie die position behält nimmst du den stock raus und lässt sie auf dicke wachsen.
Ob das die pflanze überlebt und ob das gut aussieht hängt vermutlich von der art ab und wie krass du die drehung machst.
Irgendwann will ich das jedenfalls mal probieren....
Mfg
Simon
ThelastExit
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Beitrag von ThelastExit »

hmmm...
für mich ist das dann aber kein gedrehter stamm sondern eher ein stamm der in eine spirale wächst (ähnlich der tollen S-form) Bild

für mich persönlich ist ein gedrehter stamm ebend sowas:
Bild

und das würde mich auch interessieren ob das "nachempfunden" werden kann

grüße
ThelastExit
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Gary
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Beitrag von Gary »

Hallo Jarla,
die von Dir nachgefragte Stilart "gedrehter Stamm" ist nicht so weit verbreitet. Am häufigsten zu finden sicherlich bei Granatäpfeln und Wacholdern.

Beim Granatapfel z.B. ist dieser Drehwuchs naturbedingt völlig normal und bildet sich auch von allein aus.
Natürlich kann diese Wuchsform aber aufgrund widriger Wachstumsbedingungen bei praktisch jeder Baumart entstehen bzw. bewusst und gezielt "gezogen" werden. Letzteres geschieht eben besonders häufig bei Wacholdern da diese hierbei gut "mitarbeiten". Außerdem kann man bei ihnen später leicht einige vertikale Saftbahnen entfernen und damit die Drehung visuell besonders hervorheben. (s. Shari anlegen)

Will man ganz bewusst einen Drehwuchs erzeugen - man muss ihn wirklich vorher "erzeugen" und kann ihn nicht einfach später "hineinschnitzen" - muss meist sehr früh damit begonnen werden. Einzig Wacholder erlauben auch später, bei bis zu mehreren Zentimeter Stammdurchmesser, noch das erfolgreiche bewusste "nachträgliche verdrehen".
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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Zim
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Beitrag von Zim »

hallo the last exit,
Ja stimmt eigentlich da hast du recht....
gut wenn du die spirale sehr länglich machst und das stämmchen ordentlich auswachsen lässt....
Na ja, vielleicht kann man auch einfach den eingdrahteten Stamm in sich verdrehen???
keine ahnung.... *schulter zuck*
Mfg Simon
Zim
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Beitrag von Zim »

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Gary
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Beitrag von Gary »

Hallo Simon,
Hallo Letzter Ausgang,

letztendlich meint ihr beide fast das gleiche.
Mathematisch gesehen unterscheidet sich nur der Spiralendurchmesser beider Varianten.
Optisch betrachtet sind die Unterschiede für die Ästhetik schon gravierender.
Und botanisch gesehen wird es umso schwieriger je kleiner die seitlichen Abweichungen vom Drehpunkt sind und/oder enger die Drehungen aufeinander folgen.

In der Praxis wird bei der Stilart "gedrehter Stamm" jedoch von ThelastExit´s zweitem Beispiel ausgegangen und nicht gerade der Korkenzieher_geformte_Ficus zum Vorbild genommen. :wink:
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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_momo
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Beitrag von _momo »

Hab jetzt schon fleißig mitgelesen, aber dennoch ist mir nach wie vor unklar, wie man so einen gedrehten Stamm nun hinbekommt. Klar kann man versuchen, ein dünnes Stämmchen etwas zu drehen, aber wie fixiert man das ganze dann?
LG Tine
Sumsi
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Beitrag von Sumsi »

Du drahtest den Baum über mehrere Äste entgegengesetzt der Richtung in die du drehen möchtest, damit du dann auch nachher mit dem Draht Spielraum hast.

Dann verdrehst du ihn.
Das muss halt passieren, wenn er noch recht jung und felexibel ist.

Wenn du in die falsche Richtung gedrahtet hast wirst du merken, dass der Draht zu fest sitzt.
Oder du baust dir eine Halterung die den Baum an dickeren Ästen fixiert und diese jenachdem drücken oder ziehen kann.

Im Bad Orber Kurpark steht eine recht alte Buche mit unglaublich verdrehtem Stamm. WOhn da leider nicht mehr, deshalb keine Bilder.

mfg
Jarla
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Beitrag von Jarla »

Vielen Dank für Eure Antworten. Ich meinte tatsächlich eher eine Drehung wie auf LastExit`s zweitem Bild zu sehen.
Hat vielleicht jemand gerade eine solche Gestaltung laufen und könnte Bilder der "Drehvorrichtung" posten? Das wäre super.

@Gary: Wie funktioniert das mit dem "Entfernen der vertikalen Saftbahnen"? Das kling furchtbar kompliziert.

Falls ich mich im nächsten Jahr an eine solche Gestaltung heranwage, werde ich Euch auf dem Laufenden halten.
Ein schönes Wochenende,
Gruß
Jarla
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Gary
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Beitrag von Gary »

Hallo Sumsi,
entschuldige wenn ich jetzt schreibe: Hier sieht man die Theoretiker.
Sumsi hat geschrieben:Du drahtest den Baum über mehrere Äste entgegengesetzt der Richtung in die du drehen möchtest, damit du dann auch nachher mit dem Draht Spielraum hast.
Dann verdrehst du ihn.
Das muss halt passieren, wenn er noch recht jung und felexibel ist.
Absolut richtig ist, dass das Ganze passieren muss solange der Baum noch flexibel genug dafür ist.
Allerdings muss in die selbe Richtung gedrahtet werden wie auch verdreht wird.
Ja, hat man zu straff gedrahtet schneidet der Draht gleich ein.
Nein, in die entgegengesetzte Richtung drahten bringt nichts, denn wenn man dann verdreht, dreht man die Drahtung ja auf. Hält also nicht. :wink:

Sorry, Sumsi.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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Gary
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Beitrag von Gary »

Jarla hat geschrieben:@Gary: Wie funktioniert das mit dem "Entfernen der vertikalen Saftbahnen"? Das kling furchtbar kompliziert.
Wie man´s nimmt, Jarla.
Das mechanische entfernen der Saftbahnen geht recht leicht. Schaut man die zahlreichen Fotos hier von solchen Aktionen an ist es wohl auch leicht. Da wird entrindet, gejinnt, gefräst, gebohrt und was weiß ich noch was gemacht.
Für mein ästhetisches Empfinden ist das meiste davon recht unansehlich. Desweiteren sieht man oft keine späteren Fotos mehr. Warum? Weil oft ungeplant weitere Baumteile absterben oder gar die ganze Pflanze.
Es ist wie eine Blindoperation am offenen Herzen. Wer ohne ausreichende Kenntnis und Erfahrung ist kann praktisch nur verlieren. Kenntnis und Erfahrung bekommt man nur durch direktes anlernen von einem Erfahrenen da sich das Thema nicht gut für Theorie und Fotos eignet.
Soweit meine Meinung hierzu.
Grüße aus dem sonnigen Baden
Gary

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Jarla
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Beitrag von Jarla »

Hallo Gary und auch ihr anderen,

das mit dem "s. Shari anlegen" habe ich irgendwie überlesen und mir war nicht klar, dass das das gleiche bedeutet... :oops:
Die Sache mit dem Shari entspricht auch nicht meinem persönlichen Geschmack. Aber wenn ich Dich richtig verstanden habe, dient das im Falle des gedrehten Stammes der Hervorhebung und ist nicht zwingend erforderlich.

Ich danke allen Beteiligten (v.a. Gary) für die ausführlichen Erklärungen.
Gruß
Jarla
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