Pinus Sylvestris --> Literat?

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Benutzeravatar
_momo
Beiträge: 467
Registriert: 26.04.2007, 15:42
Wohnort: Stahnsdorf

Pinus Sylvestris --> Literat?

Beitrag von _momo »

Tag schön!

Habe seit letztem Jahr eine Pinus sylvestris hier stehen, aus der ich gern einen schönen Literaten machen würde. Allerdings hab ich mit Nadelbäumen bisher kaum Erfahrungen sammeln können und wollte daher euch fragen, was ich mit diesem Bäumchen als nächstes machen sollte.
Hier ein paar Fotos, um die Stammbewegung zu verdeutlichen:
Bild
Bild
Bild

Und hier seht ihr nochmal die Krone aus der Nähe:
Bild

Mir sind bei dem Bäumchen leider mehrere weiße Stellen am Stamm aufgefallen:
Bild
Ist das ein Parasit oder nur irgendeine symbionte Lebensgemeinschaft? Falls das ein Schädling ist, müsste ich dagegen wohl erst Maßnahmen ergreifen, bevor ich ans Gestalten denke, oder?

LG Tine
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Tine,

die Kiefer ist voller Wollläuse. Du solltest sie mehrmals mit einem Weißöl-Spritzmittel spritzen!

Die Literatengestaltung ist besonders schwierig.
Anhand der Fotos hier kann ich Dir keinen wirklichen Rat geben.

Erst einmal sollte der Baum natürlich gesund sein (d.h. die Wollläuse los sein).
Auch solltest Du darauf hin arbeiten, das Grün nicht immer länger und weiter vom Stamm weg wachsen zu lassen.
Also Kerzen pinzieren, wenn sie sich strecken, den Baum in der vollen Sonne aufstellen, gut düngen und so die Knospenbildung und Verzweigung fördern.

Die Gestaltung solltest Du am besten mit praktischer Hilfe eines erfahrenen Kameraden in Angriff nehmen.

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
_momo
Beiträge: 467
Registriert: 26.04.2007, 15:42
Wohnort: Stahnsdorf

Beitrag von _momo »

Hallo Heike und vielen Dank für deine Antwort! Das hilft mir schon einiges weiter.
Trotzdem wollte ich was das Pinzieren angeht nochmal nachfragen: Nehme ich da die ganze Triebkerze weg, oder lasse ich einen Teil davon stehen?

Dann werde ich mir also schnellstmöglich ein Mittelchen gegen die Läuse besorgen. Befallen die auch andere Baumarten? Hab zumindest bei meinen anderen Pflänzchen nix davon gesehen.

Und im Sommer kommt sie dann dahin, wo ich die Fotos gemacht hab, denn das ist die Südseite vom Haus. Den Winter über stand sie mit meinen anderen Bäumchen zusammen in Laub eingepackt unter einem Fliederbusch. Das war wohl optimal für die Läuse! Tja...

Also danke nochmal!
LG Tine
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Tine,

diese Wollläuse sind auf die Kiefer spezialisiert (es gibt allerdings auch ganz ähnliche Wollläuse an anderen Baumarten).
Du brauchst Dir jetzt also keine Sorgen zu machen, dass die Dinger auch auf andere Baumarten übergehen.

Über die Pflege von Kiefern gibt es viel im BFF zu lesen, da habe ich glaube ich auch schon was über das Pinzieren geschrieben.

Nur in Kürze, wenn mehrere Kerzen an einem Punkt wachsen, wird i.d.R. die stärkste(n) ganz heraus gebrochen, die anderen gekürzt.
Die stärksten Bereiche werden zuerst pinziert, die schwächeren später und geringer. In den schwächsten Bereichen lässt man u.U. die Kerzen ganz in Ruhe.
Das dient dem Wuchskraftausgleich.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
Andre K.
Beiträge: 393
Registriert: 20.11.2006, 22:04
Wohnort: Stralsund

Beitrag von Andre K. »

Hallo Tine,

ich denke auch:
- zuerst Forumsbeiträge zur Kiefernpflege lesen
(in den letzten Ausgaben von BA ist da auch viel beschrieben)
- "Literat" in der Suche eingeben, von Bild 2 ausgehend, solltest du da einige
Vorschläge finden.

LG Andre
mams
Beiträge: 50
Registriert: 13.09.2007, 11:07
Wohnort: Kärnten

Beitrag von mams »

hallo,
ich kann dir nur einen tipp weitergeben indem ich dir hier einen link geben zu diesem thema :arrow: dann einfach weiter auf "two needle pine care basic".

es ist in einem recht verständlichen englisch geschrieben, und sehr hilfreich :)

in diesem sinne,
grüße ausm süden
Benutzeravatar
Dagmar M.
Beiträge: 380
Registriert: 24.02.2005, 19:25
Wohnort: Berlin-Tiergarten
Kontaktdaten:

Beitrag von Dagmar M. »

Heike_vG hat geschrieben:Die stärksten Bereiche werden zuerst pinziert, die schwächeren später
Hi Heike,

m.E. wird es anders herum gemacht - erst die Schwachen und dann die starken Bereiche.
Zuletzt geändert von Dagmar M. am 13.03.2008, 14:42, insgesamt 1-mal geändert.
Grüßle
Dagmar

Bonsai-Junkies Berlin
Benutzeravatar
Stefan K.
Beiträge: 1709
Registriert: 07.01.2004, 13:34
Wohnort: Bayern, im Herzen Tirol

Beitrag von Stefan K. »

Dagmar M. hat geschrieben: m.E. wird es anders herum gemacht - erst die Schwachen und dann die starken Breiche.
Ja glaube ich auch.

hab das mal etwas graphisch dargestellt.

man erreicht dadurch eben einen Ausgleich, indem man die schwachen Treibe für die nächste Wachstumsperiode stärkt.
Dateianhänge
Grafik1.jpg
Grafik1.jpg (51.91 KiB) 3943 mal betrachtet
Ich hab Spass !
grüsse stefan
mams
Beiträge: 50
Registriert: 13.09.2007, 11:07
Wohnort: Kärnten

Beitrag von mams »

hallo nochmal,

nein, im gegenteil, es sollte anders sein,
die erklärung von stefank ist ja wohl richtig, daß man die schwachen triebe/die triebe in der schwachen zone stärkt - indem man die triebe der stärkeren zone eben pinziert/kürzt/schneidet.

der link zu hans van meer liegt da auf der hand :o
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Beitrag von Heike_vG »

Dagmar M. hat geschrieben:m.E. wird es anders herum gemacht - erst die Schwachen und dann die starken Bereiche.
Das ist doch unlogisch! Durch das Kürzen bremst man das Wachstum der Kerzen und damit der starken Bereiche zuerst.
Die neuen Knospen erscheinen auch gar nicht so, wie Stefan es eingezeichnet hat, jedenfalls nicht an meinen Kiefern (P. mugo, P. sylvestris, P. parviflora).
Sie entstehen meist nicht so dicht an der Schnittstelle, sondern weiter unten an den Trieben.

Wenn die zunächst schwachen Kerzen länger wachsen dürfen, stärkt es diese Bereiche. Und je länger die aus den Kerzen entstehenden Triebe schlussendlich bleiben dürfen, desto mehr Grün ist dort, desto mehr Saft fließt und desto mehr Knospen können sich bei guter Sonneneinstrahlung bilden.

Ich habe es seit vielen Jahren so gemacht, wie ich es beschrieben habe, z.B. bei den beiden Kiefern, die ich gerade umgetopft in "Bäumpräsentation" gezeigt habe.

Viele Grüße,

Heike

P.S. Habe gerade bei Hans van Meer nachgelesen. Er empfiehlt, die mittleren Bereiche zuerst, später die starken zu pinzieren und die schwachen gar nicht.
Als ich den Artikel schon mal angeschaut habe, habe ich das überlesen.
Seltsam, diese Vorgehensweise ist mir gar nicht geläufig.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
Dagmar M.
Beiträge: 380
Registriert: 24.02.2005, 19:25
Wohnort: Berlin-Tiergarten
Kontaktdaten:

Beitrag von Dagmar M. »

Heike_vG hat geschrieben:
Dagmar M. hat geschrieben:m.E. wird es anders herum gemacht - erst die Schwachen und dann die starken Bereiche.
Das ist doch unlogisch!
ach so, wenn du meinst.... :roll:
Heike_vG hat geschrieben:Ich habe es seit vielen Jahren so gemacht, wie ich es beschrieben habe, z.B. bei den beiden Kiefern, die ich gerade umgetopft in "Bäumpräsentation" gezeigt habe.
... was nicht heißen muss, dass du es viele Jahre lang richtig gemacht hast :?
Grüßle
Dagmar

Bonsai-Junkies Berlin
Benutzeravatar
Robert S.
Freundeskreis
Beiträge: 9783
Registriert: 28.03.2005, 07:09
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Beitrag von Robert S. »

Hallo,

zu Hans van Meers Praktik, zuerst die mittleren und später erst die starken
Triebe zu pinzieren sollte man vielleicht noch mit anmerken, das Hans dabei
von der Tatsache ausgeht, dass das stärkste Wachtum an den Enden der
Äste stattfindet, also auch dort die größten Kerzen wachsen.
Mein Reim darauf ist, dass das spätere Pinzieren der starken Kerzen darauf
setzt dass noch ein starker Energiefluss in Richtung Astenden stattfindet und
davon die schwachen und mittleren Kerzen ein Stück weit profitieren.

Servus,
Robert
mams
Beiträge: 50
Registriert: 13.09.2007, 11:07
Wohnort: Kärnten

Beitrag von mams »

hallo,
sorry wenn ich da was falsch verstehe, aber ich lese bei van meer, daß "candle pinching" der erste schritt zu einem ausgeglichenen neuen wachstum ist, dafür "pincht" man die kerzen in der starken zone, im frühling.
er meint lediglich, daß man schwache kerzen auch in der stärkeren zone in ruhe lassen soll.
der nächste/zweite schritt ist dann das "candle removing", bei dem zuest die mittleren zonen vorgenommen werden und 14 tage danach die starken. der "richtige" zeitpunkt soll der sein, wenn die nadeln aus den neuen kerzen herauskommen und nicht mehr ganz so weich sind, ein bisschen "härter" schon.

hmmmm … abgesehen davon, daß es wahrscheinlich oftmals auch schwierig ist, eine genaue definition auf seinem eigenen baum zu treffen was schwach/mittel/starke zone ist, blick ich jetzt nicht mehr so ganz durch *confused*

aber ich denke mal, daß sich das schon aufklären lässt
:)

in diesem sinne erstmal
grüße ausm süden
klaus
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Beitrag von Heike_vG »

Dagmar M. hat geschrieben:ach so, wenn du meinst.... :roll:

... was nicht heißen muss, dass du es viele Jahre lang richtig gemacht hast :?
Hallo Dagmar,

ärgern wollte ich Dich sicher nicht! Ich war nur geplättet, etwas zu lesen, was im Gegensatz zu dem steht, was ich seit vielen Jahren mache und wie ich meine, mit Erfolg.

Natürlich kann es trotzdem sein, dass ich es falsch gemacht habe.
Vielleicht wären meine Bäume in Deinen Händen viel besser geworden.

Oder es können auch in diesem Fall verschiedene Wege zum Ziel führen und nicht nur einer.

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
Walter Pall
Botschafter
Beiträge: 8022
Registriert: 05.01.2004, 19:15
Wohnort: Attenham bei München
Kontaktdaten:

Beitrag von Walter Pall »

Ich kümmere mich um so'n Zeugs nicht und knipse bei ALLEN Kiefern immer die Triebe ab, die am länsten sind. Die Stärksten also zuerst und dann die mittleren und erst dann die Schwächeren. Ich will die Triebe dort entscheidend und früh schwächen, wo sie am stärksten sind und dort stärken, wo sie am schwächsten sind. Ich habe nie versatnden, warum das andersrum beschrieben wird.
Meine reifen Kiefern sind recht ausgeglichen im Wachstum Es kann also nicht ganz falsch sein, was ich mache.
Diese Kiefer sieht sehr schwach aus. Man sollte also nur wenig bei den stärksten Trieben abknipsen.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Antworten