Asiatischer Bockkäfer in Deutschland

Wann und wo ist was los? Bekanntmachungen und Termine für Bonsai-Ereignisse aller Art.
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Ingolf
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Asiatischer Bockkäfer in Deutschland

Beitrag von Ingolf »

Hallo Bonsai-Freunde!

Vor längerer Zeit hatte Martin S. schon einmal über diesen gefürchteten Baumschädling berichtet.
@Martin S. - kannst Du Deinen Beitrag von damals wiederbeleben?

Heute bringt die FAZ eine Meldung =
http://www.faz.net/IN/INtemplates/fazne ... DEE95E2848}
dass der Käfer seit Mai 2008 in 2 Bundesländern aufgetaucht ist.
Eingeschleppt wurde er mit Fächerahorn-Pflanzen ( Acer palmatum).
Es wird dringend empfohlen, alle in letzter Zeit gekauften Pflanzen genau zu überprüfen.
Grüße! Ingolf
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camaju +
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Beitrag von camaju + »

Hallo Ingolf, meinst du evtl. das hier

http://www.bonsai-fachforum.de/ftopic17850.html
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Ingolf
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Beitrag von Ingolf »

ja!
Das ist wohl eine andere Quelle zum gleichen Thema
Grüße! Ingolf
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Martin_S
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Beitrag von Martin_S »

Den Artikel kann ich aktivieren, den Käfer aber nicht mehr. Der schaut heute durch eine Glasscheibe aus seinem hübschen Holzrahmen von der Wand eines Sammlers... :wink:

Ohne Bilder!

Besuch aus Japan!


Ja Junge!
Da habe ich aber damals nicht schlecht gestaunt als dieser asiatische Besucher bei mir vorbei schaute! Ich dachte mich trifft der Schlag.
Besuch aus Japan! Bei mir im Garten. Welche hohe Ehre. Jetzt denken sie sicher „Mensch der Schillings und der Herr Kimura!.“
Weit gefehlt. Sehr weit gefehlt. Fast soweit entfernt gefehlt wie die lange Distanz von Krefeld (Germany) nach Omiya (Japan).

Doch Moment! Lieber der Reihe nach. Vor ein paar Jahren kaufte ich einen schönen Dreispitzahorn. Das kennen sie nicht wahr? Da kommt der so lange ersehnt Container mit der Ware aus Japan an. Monate des Wartens sind vorbei. Endlich, die neue Ware. Was ist drin in dem Container? Der lange geträumte Super Bonsai (meiner Erfahrung nach leider kaum zu bezahlen), oder das exzellente Rohmaterial das man schon seit so langer Zeit verzweifelt sucht? Egal! Hauptsache man ist einer der ersten die den Inhalt begutachten können.
Sie können sich sicher vorstellen, dass ich erst einige Tage später davon erfuhr. So mußte ich mich mit den Resten begnügen und hatte doch ein riesen Glück. Offenbar wurde dieser Ahorn mehr oder weniger übersehen und ich konnte ihn erstehen. Freunde! Da wahr ich aber wirklich froh! Dieser Baum ist meiner Meinung nach einfach ein wirklich guter Kandidat für einen stattlichen Bonsai. Die Bewegung des Stammes ist sehr schön und der Wurzelansatz sehr gut ausbaubar. Ein Glücksfall eben.


Bild 1: So sieht mein Dreispitzahorn heute aus. Er stammt aus einem der legendären Japan Import Container. Warum hatte man den nur stehen lassen? Das kann ich bis heute nicht verstehen. Jetzt seien sie mal ehrlich. Hätten SIE den auch stehen lassen?
Ich kaufte, pflegte und Gewann! Gut erinnere mich daran, daß ich in der nächsten Zeit extra später zur Arbeit fuhr, um mir noch ein Stündchen der Besinnung und Entspannung zu gönnen und meine Neuerwerbung auf dem Küchentisch immer wieder von allen Seiten zu betrachten und ertappte mich ständig bei dem Versuch schon einmal den ein oder anderen Ast in eine spätere Position zu biegen (das sollte man nicht im Februar machen, da das Holz der Äste zu dieser Zeit einfach noch viel zu spröde ist). Der Baum entwickelte sich schon in den ersten Monaten hervorragend und der Bursche sah mehr als gesund aus. Mit reichlich Bio Gold und Wasser an einem sonnigen hellen Standort in meinem Garten gedieh er prächtig.

Im Juli dann, an einem Sonntagmorgen, zog es mich wieder einmal zu meinem Baum. Werkzeugkoffer in der Hand fand ich mich selbst schon um 7.00 Uhr im Garten. Jetzt mal Hand aufs Herz ! Welcher Trottel steht sonntags morgen den schon so früh auf, verläßt eiligen Schrittes das Haus, um in den Garten zu gehen und sich dort mit kleinen krüppeligen Bäumchen zu beschäftigen? Das, mein alter Freund, können nur wir! Wir Bonsaibegeisterten. Na gut. Nur die Angler sind im Bezug auf frühes Ausstehen zur Freizeitgestaltung noch verrückter. Ich muß das wissen, war ich doch viele Jahre ein begeisterter Angler und bin es gelegentlich auch heute noch
.
Im Garten angekommen stellte ich den Baum auf den Arbeitstisch und schaute mir die Krone sehr genau an. Dafür verwende ich gerne Eßstäbchen um das Laub auseinander zu schieben um auf die Zweigstruktur im inneren zu schauen. Ich kann die Stäbchen sogar richtig halten und was damit greifen, käme aber nie auf die Idee damit zu essen, sondern stochere lieber damit in der Erde rum oder schiebe die Zweige auseinander oder verwende sie zum Unkrautjäten bei meinen Bonsai. Außerdem ist das Stäbchen für mich unverzichtbar zum einarbeiten der Erde beim Umtopfen.
Ich mußte an die Krone sehr nahe herangehen, weil mir der Herrgott eine große Nase und schlechte Augen gleich von Geburt an mitgab und ich von daher immer ein bisschen näher an alles heran gehen muß wie andere Leute das müssen. Da mir dabei meine Nase oft im Weg ist, kann man bei mir zu Recht sagen „Er steckt seine Nase überall rein!“.
Wie ich so schaue haut es mich fast aus den Schuhen! Die Krone war von innen fast total entrindet! Die gesamte Rinde, bis auf einen dünnen Streifen an jedem Äst oder Ästchen der Krone war abgefressen und das vom Stamm bis in die Zweigspitze! Weg! Einfach weg!!
Während ich immer blasser im Gesicht wurde, raschelte es leicht in der Krone und aus ihr heraus tauchte der größte Käfer auf den ich je gesehen hatte! Ein wirklich riesiger Kopf mit nicht enden wollenden schwarz - weiß geringelten Fühlern, mindestens fünfzehn Zentimeter lang, schaut mir genau in die Augen! Keine fünf Zentimeter von mir entfernt!
Ich wurde noch blasser und schlug mehr im Reflex mit den Stäbchen den Käfer aus der Krone. Brummend lag er vor mir auf den Tisch. Ich war entsetzt! Pechschwarz glänzend, mit schneeweißen Punkten. Diese langen Fühler, kräftige Beißwerkzeuge ein Prachtexemplar für jeden Käfersammler aber furchterregend für mich! Ist der giftig, wo bekommst du das nötige Gegengift her, wo wohnt der nächste Arzt oder doch lieber gleich ins Krankenhaus wenn er dich beißt? Dies waren meine ersten Gedanken.
Ich sammelte das letzte bisschen Mut in meinem Körper zusammen und nahm ihn in einem Marmeladenglas gefangen (Schwiegermutter sein Dank das sie solche Gläser immer irgendwo aufbewahrt)
Nach kurzer Recherche im Internet wurde klar, daß es ein eingeschleppter chinesische Hausbock war. Diese Burschen schaffen es einen ganzen Wald in wenigen Tagen aufzufressen. Dabei entwickeln sich die Larven im inneren der Bäume. Das dauert zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit ernährt sich die Larve vom Bauminneren. Sie fressen ihn ziemlich hohl. Dann, im Zeitraum Juli bis August je nach Temperatur, schlüpfen sie aus in dem sie sich aus dem Baum heraus fressen. Sie steigen in die Krone des Baums und beginnen damit die Rinde von den Ästen zu fressen. Dabei lassen sie einen dünnen Streifen davon stehen. Dieser dünne Streifen versorgt den Ast, so das er noch ein bisschen am Leben bleibt. So arbeiten sie sich von oben nach unten im Baum durch. Stufe für Stufe durch ihre liebevoll angelegten Astetagen. Wenn sie unten angekommen sind steigen sie wieder nach oben und geben den Baum den Rest! Jetzt mal ehrlich. Das ist doch nicht sonderlich nett von dem Käfer, oder?

Bild 1_1 So sieht der chinesische Hausbock aus. Das ist ein Käfer! Mensch. Ich habe immer noch Angst das er mich beißen könnte.

Das Weibchen des Insekts ist bei Gott nicht blöd! In einem Bonsai finden sie selten mehr als eine Larve. Dies liegt daran, das das Weibchen die Eiablage so wählt, daß genügend Futter für das vergleichsweise lange Larvenstadium vorhanden ist. Und an so einem Bonsai ist ja soviel nun auch nicht dran. Das Problem tritt vergleichsweise selten auf, ist aber bekannt. Hier war die Larve in Japan in der Baumschule aus der „mein“ Bonsai stammte als blinder Passagier zugestiegen und via Seefracht nach Krefeld in meinen Garten gekommen. Das sind immerhin 9854 Km Luftlinie! Lange Reise nur um dann hier hinter einer Glasscheibe umgeben von einem dünnen, Hochglanzpoliertem Edelholzrahmen an der Wand eines Käfersammler zu hängen, nicht wahr?

Es ist eher unwahrscheinlich das ihnen das auch einmal passiert, aber ich will ihnen doch sagen wie ich den Baum weiter versorgte.
Zunächst galt es die Äste die so stark angefressen waren zu schützen. Auf den Bildern können sie sehen wie sich das Kambium um den Ast schließt. Das hat bis jetzt zwei Jahre gedauert. Sie können daran sehen, daß die Rinde wirklich fast ganz weg war und ein austrocknen der Zweige und damit ihr Verlust fast beschlossene Sache war. Der Baum hätte dann seinen ganze Kronen eingebüßt und ich hätte über viele Jahre einen neuen aufbauen müssen.
Da nur die Kronen so aussah und die darunter liegenden Zweige noch in Ordnung waren, konnte die Freßsucht des Käfers noch nicht sehr lange her gewesen sein. So hatte ich die Chance das ich durch auftragen von Vaseline das Austrocknen der Wundränder des Kambiums zurückdrängen konnte. Sie begünstigen so das verschließen der verletzten Stellen durch den natürlichen Prozeß der Kalusbildung. Außerdem können sie die Vaseline auch so verstreichen, daß sie die Wunde rundherum versiegeln. Wenn sie das mit dem bekannten Wundkitt machen wollen, haben sie mit Sicherheit Probleme, da sie den Kitt nur schwer an einer derart schwer zugänglichen Stelle wie der Baumkrone verarbeiten können. Da ist die Vaseline deutlich besser geeignet. Und sie hält lange genug am Baum bis die Kallusbildung begonnen hat. Und wenn die Kallusbildung begonnen hat, dann habe sie ohnehin gewonnen, weil sich dann die Wunde auf Dauer auch schließen wird.
Ich hatte Glück. Bis auf zwei, drei dünnere Zweige konnte ich die Krone erhalten.
Die Blätter der Zweige hingen nur drei Tage schlapp herunter. Ich versorgte sie durch häufiges Sprühen mit Wasser für zusätzliche Feuchtigkeit.
Das Jahr ging zu Ende und der Herbst sorgte für einen gänzlich freien Blick auf die Verletzungen. Im Frühjahr, kurz vor dem austrieb schnitt ich hier und da nach um die Kallusbildung erneut anzuregen und versiegelte die Stellen wieder mit Vaseline. Die sollten sie immer bei ihrer Sammlung an Spritz. – und Heilmitteln für ihre Bonsai parat halten, denn sie können sie vielfach anwenden und sie ist billig. Sie finde sie im übrigen im Supermarkt bei den Körperpflegemitteln.

Da ich ja jetzt wusste, daß der Baum von innen wohl stark ausgehöhlt war und das über kurz oder lang zum weiteren Verfaulen führen würde, begann ich darüber nach zu denken, wie ich den Fäulnisprozess stoppen könnte. Ich beschloß den Baum mit schnell trockendem Zement (Baumarkt bei den Mauersteinen) aufzufüllen.

Auf den folgenden Bildern ist das zu sehen.



Bild 2 Was brauchen wir? Ein bißchen Schnellzement, so einen kleinen Topf zum anmischen. Was leider nicht auf dem Bild ist, sie aber auch benötigen, wäre Jinmittel (kann ruhig schon trübe sein!), eine Spritze zum einfüllen der dünnflüssigen Zementmischung (schneiden sie die Spritze vorne einfach ab. Dann können sie die Spritze leichter auffüllen. Bzw. entleeren)




Bild 3 der Baum wird zunächst teilweise entlaubt (Blattschnitt) um besser an die Löcher im Stamm heranzukommen. Sie werden beim Hausbock zwei Löcher finden. Sollten mehr Löcher da sein, hatten sie wohl doch ein „blödes“ Hausbockweibchen, oder ihr Bonsai hat einen wahrhaft gigantischen Stammdurchmesser, was ich ihnen natürlich gönnen würde. Schätze sie waren wohl vor mir im Container)




Bild 4 hier ist das Austrittsloch meines Besuchers zu sehen. Wenn sie seine Größe und den Durchmesser des Loches vergleichen, werden sie feststellen das der chinesische Hausbock schnell wächst.





Bild 5 Mischen sie den Zement mit soviel Wasser an, daß sie ein gut fließt. Sie müssen sie noch in die Spritze aufziehen können. Zu der Mischung des Zements geben sie jetzt noch einen guten Schuß Jinmittel. Das verhindert das weitere Verfaulen des Holzes im inneren des Baums und wirkt sehr schnell. Der im Zement enthaltenen Kalk, der neben dem Schwefel auch im Jinmittel enthalten ist, gibt dann Schutz für die kommenden Jahre. So ist ein weiteres Verfaulen von innen heraus eher unwahrscheinlich.



Bild 6 Der Zement wird mit einer Spritze, oder ähnlichem Werkzeug, in den Baum gefüllt. Achten sie darauf das sie nur einen dünnen Strahl erzeugen sonst wird das Loch an einer höher liegenden Stelle verstopft und der Zement dringt nicht bis in die letzte Ritze innerhalb des Baumes. Das ist aber sehr wichtig. Drücken sie auch nicht zu schnell die Spritze leer. Lassen sie sich etwas Zeit dabei.


Bild 7: Meine Spritze ist eigentlich keine, aber ich will auf dieses in einem chemischen Labor unentbehrlichen Gerät hier nicht weiter eingehen. Sonst fragt noch einer wie ich daran gekommen bin und die Erklärung wie das Ding aus meinem Labor in meinen Garten kam wäre mir dann doch sehr peinlich! Ah! Wichtig! Langsam auffüllen!



OK. Die ganze Geschichte ist jetzt schon vier Jahre her. Der Baum hat sich ganz erholt und die Löcher sind verschlossen. Wenn ich gegen den Stamm klopfe klingt er nicht mehr hohl und ich habe beste Hoffnung das mich mein Ahorn bis zum Ende meines hoffentlich noch langen Lebens weiterhin begleiten wird.
Seien sie ehrlich! Das habe ich jetzt aber nett gesagt, oder?


Bis dann!
Ihr
Martin Schillings
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
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