Titelbild der neuen Bonsai Art

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Dann, flu, kapitulierst du vor dem Begriff «Geschmack», was falsch ist. Den kann man durchaus diskutieren, und wie. Genau wie man die Begriffe «Moral», «Ethik», «Recht», «Religion» oder «Verkehr» oder irgendwas diskutieren kann - alles unscharfe Begriffe, genau betrachtet, in einem Kontext verhaftet. Also kann man - so man mehr sein will als ein fremdgesteuertes Schäfchen in der Herde - viel nachdenken über den Kontext und genau das wäre dann die (zugegebenermassen anspruchsvolle) Diskussion, woher unser Geschmack kommt, was Mainstream ist und wieso, ob das abschliessend ist oder wo nicht, ob die Prämissen mal überdacht werden sollten/könnten etc. etc. Also die alte, banale Forderung nach bewusstem Leben, nicht mehr.

Ich bedaure es sehr, wie schnell sich hier die grosse Mehrheit immer hinter einem schulterzuckenden «über Geschmack lässt sich nicht streiten» versteckt. Das nenne ich «selbstverschuldete Unmündigkeit». Da entgeht uns dann einmal mehr die Möglichkeit, unsere Haltung zu überprüfen, klären, korrigieren. So wie es jetzt läuft, ist es der übliche Demokratiefertigsalat: Soviele dafür, soviele dagegen. Das scheint liberal, ist aber bloss gleichgültig.

Und: Deine Klofrage beantwortest du mit funktionalen Argumenten...

Jupp - Aus- und Weiterbildungen garantieren nichts, sie beschreiben lediglich, wie lange jemand in einem Stuhl gesessen hat. Ja, jeder kann sich Künstler nennen - bringt ihm aber nichts. Und nicht jeder, der sich «Meister» nennen darf, benimmt sich wie einer. Bei Künstlern wie bei Meistern entscheidet sich aus dem Gesamtkontext, ob man sie ernst nimmt oder weniger - siehe oben. Beispiel: War Van Gogh ein Meister? Wenn ja: Wieso wurde es erst so spät erkannt? Wenn nicht - warum wurde er zu einem gemacht? Bsp.2: Waren die Baumeister, die uns in den 60er-Jahren mit Bröselbeton und Asbestverschalungen gesegnet haben, keine? Sie hatten alle Meisterbriefe. Nein, da ist noch mehr, ganz sicher...
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Ulf
Viele Kunden die zu uns kommen wollen zum "Künstler".
Es gibt aber nur billige "Gebrauchsgrafik", die einfachsten Regeln folgt.
Ihr Nichtkönnen stilisiert es hoch, mehr nicht.
Welche Intention suchst Du ?
Es ist ein Baum der gestaltet worden ist
und bei dem die Proportionen nicht so ganz stimmen.
Er hat den Baum gestaltet und fertig.
Eine Interpretation mag nachher erfolgen
und die Suche auf Irgendwas hinter dem Baum
ist ein lustiges Spiel.
mfG Dieter

ps Mein Schwiegervater bewundert mich auch immer
wenn ich einen Nagel gerade in die Wand schlage.
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flu
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Beitrag von flu »

Andreas Ludwig hat geschrieben:Dann, flu, kapitulierst du vor dem Begriff «Geschmack», was falsch ist. [/size]
Andreas, warum so kriegerisches Vokabular?
Mit meiner Kritik an der leidigen Geschmacksdiskussion wollte ich vor allem darauf aufmerksam machen, dass man sein Augenmerk vielleicht auch einmal auf die künstlerische Aussage dieses Werkes richten könnte.
Zu der Intention, die hinter diesem Werk steht und zu ihm geführt hat, so wie es jetzt vor uns liegt, wurde hier überhaupt noch nichts gesagt.

Was will uns der Künstler sagen? Was hat dazu geführt, dass sich das Werk uns nun genau so präsentiert, wie es das tut. Lädt der Künstler uns nicht vielleicht auf eine gedankliche Reise ein, die weit über das anfängliche Befremden über die plastikhaften Struktur diesers Baumes hinaus geht?

Ich warf ja schon den Begriff 'Dualität' ein.
Diese Dualität finde ich in diesem Werk - anders als in Walters Baum - in gewisser Weise zwangsvereinigt. Die Künstlichkeit und Schablonenhaftigkeit der Gesamtkomposition kombiniert hier zwei vollkommen konträre Elemente in oktroyierender Weise.

Vielleicht erkennt der ein oder andere sogar seine eigene Ehe in diesem Baum wieder: konträre Partner in einem gesellschaftlich steifen Korsett zu Einheit gezungen.
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mohan
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Beitrag von mohan »

Ich ignoriere mal die anspruchsvolle Geschmacksdiskussion und möchte nur kurz was zu dem Titel-Baum sagen. :wink:

Ich kann mir nicht helfen, aber er gefällt mir, auch die anderen gezeigten Gestaltungen in dem Bericht über Takeo Kawabe sprechen mich an!
Warum?
Ich finde, der Gestalter hat da so dermaßen Gegensätze kreiert und mit den Materialien jongliert, dass ich das schon wieder richtig krass gut finde.

Z.B. das Tothoz und die Saftbahnen haben ( sicher mit voller Absicht!) ganz gegensätzliche Aussagen. Ebenso das Holz als Gesamtes im Vergleich zum Laub. Von den Farben ganz zu schweigen. Für mich passt das so wieder!Überhaupt nicht langweilig und mit russischen Plastikbäumen kaum ernsthaft vergleichbar.
Die Pflanze wirkt als Skulptur nicht als Baum.

Es ist nicht so, dass ich mir das Terassenparkett jetzt nur mit solchen Dingern zu pflastern möchte, aber ich finde die Gestaltung so wie sie ist, durchaus eine gelungene lebende Plastik!

Nachtrag: flus Beitrag hatte ich noch nicht gelesen, kann mir aber vorstellen, dass er in die selbe Richtung denkt.
Zuletzt geändert von mohan am 12.07.2008, 14:08, insgesamt 2-mal geändert.
Viele Grüße
monika
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

'Tschuldige, zopf... das glaube ich nicht.

Dann hat Koo die ganze siebejährige Plackerei der Lehre, inklusive Zangen auf die Finger kriegen, plus das ganze Getüdel an diesem Ding (1-Liter Jinmittel und so!) bloss durchgemacht, um Gebrauchsbonsai anzubieten?

Da hinkt der Vergleich. Bonsai ist keine «Verkaufsföderungsmassnahme» oder ein «Tool der Unternehmenskommunikation» wie deine Aufträge. Die sind sozusagen Arbeitstiere der Gestaltung (bis morgen - dann ist es Altpapier, Sperrmüll und Datenschrott).

Möglich, dass wir die Intention nicht sehen. Sowas gibts oft. Wenn ein Young British Artist etwas macht, sieht oft nur ein kleiner Prozentsatz der Betrachter, was der überhaupt gemeint hat, dass das alte Holzbrett eine Anspielung auf den Untergang des britischen Mittelstands in der Thatcher-Ära war und sowas. Praktisch in jedem bekannten Bild steckt mindestens ein «schwerwiegendes Problem», von dem 95 % der Leute gar nichts wissen. Aber - obs passt oder nicht - es geht auch nicht um die 95 %, das sind die zugelassenen Gäste. Gewöhnlich nimmt man ihre Bemerkungen nicht zu Protokoll...

Walters Bedenken, dass ein Muster eines offenbar existierenden japanischen Post-Kimura-Totholzmanierismus das Cover eines sich als Vorbild sehenden Magazins ziert, ist eine richtig schöne, im Prinzip anspruchsvolle Sommerloch-Diskussion. Hey - wenn das Kunstmuseum Basel seinen Anselm-Feuerbach-Schinken als Beispiel seiner aktuellen Sammlung vorne auf den Hauptprospekt knallte, schriebe ich auch was Böses dahin! - Es ist die Art Diskussion. Das kann man diskutieren. Wenn man schon mal nicht verkaufen muss, soll man sogar. Immerhin behaupten wir hier ja alle, dass uns das alles so sehr am Herzen liegt, oder?

Nicht in einem aktuellen Forum den tolstoi'schen Rückzug in den Gemüsegarten predigen...

Edit: flu - (geht ja drunter und drüber), das sind gute Einwände! Gefallen mir viel besser als die knappen Versuche, das Amen! über diese Diskussion zu sprechen...

Also es ist ja ein «Gott des Blitzes», kann man googeln, geht in Richtung Naturmystik etc. Soviel zur Intention, was die gewählte Begriffsbasis des Künstlers angeht. Dann waren die Hinweise zu Kimura und der Übersteigerung seines Stils, fand ich einleuchtend, darum «Manierismus», eine «Amélioration de la manière». Finde ich beides nicht coverwürdig (nicht vergessen - ein üppiger Bericht im Innenteil hat meine volle Zustimmung, nur die Wahl zur «Miss Baum des Monats» macht den Miss-Ton).

So, du redest von einer Einladung. Genau das möchte ich, eine Reise, also los: Wohin führt mich der Baum? Da ich aus meinem Kontext heraus ziemlich viel Natur und Bonsai gewohnt bin, sehe ich das komplementäre Moment der Künstlichkeit ganz im Vordergrund. Aus einer gewissen Routine heraus könnte ich vorschlagen, diesen Baum mittig vor die schwerbronzenen Lifttüren im geschliffenen schwarzen Betonturm des neuen Repräsentationsgebäudes zu stellen, sicher. Da wäre ich dann als Frankfurter Bankier hin und weg von der plötzlich aufleuchtenden Natürlichkeit im geomterischen Bildgefüge usw. bla bla. Dahin will ich nicht, du auch nicht, wie ich es verstanden habe bisher. Da wird mir der Baum unsympathisch und ich verdächtige ihn, sich mit akkurater Oberflächlichkeit dem Bankier nähern zu wollen. Ist aber nur ein Verdacht, honny soit qui mal y pense...

Du hast dagegen deinen Verdacht der Abbildung einer Zwangsbeziehung. Doch, es wäre sicher lustig, diesen Baum als Kulisse für die üblichen Präsidentenehebilder an einem Gipfeltreffen hinzuschieben. Aber merkst du was? Der Baum alleine «kanns» nicht. Er wird (für mich) erst interessant, wenn ich ihn wiederum in einen Kontext bringe. Das ist meine Hauptkritik daran. Er ist, wie erwähnt, zu sehr Baum für seine Künstlichkeit. Ich würde ganz schlimme Sachen damit anstellen, solange, bis er keine Bank und keine Präsidenten mehr braucht, weil er völlig abstrakt ist.
Zuletzt geändert von Andreas Ludwig am 10.07.2008, 14:25, insgesamt 4-mal geändert.
nemo
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Beitrag von nemo »

Hallo alle zusammen,viele eurer kritiken haben hand und fuss,das steht fest,wenn ich mir aber dem baum anschaue,sehe ich trotzdem ein nicht perfektes meisterwerk,das gemischte gefülle beim betrachter weckt,der eine sagt porzelan bonsai der andere wie ich bewundert in aller erster linie die hochwertige handwerkliche kunst,einen riesigen baum abzumoosen,und seinen gedanken eine form zu geben,auch das totholz finde ich herforagend gearbeitet,und sehr natürlich,die negativräume sind sehr gut durchdacht,aber leider durch erdrückendes totholz wieder ausgelöst,die saftbahnen sind meiner meinung nach wacholder tüpisch,sehr hell und glatt,was aber gang und gebe ist,ich sehe da keinen grossen unterschied zu vielen anderen seiner art,ich denke das gerade durch diese übertriebene perfektion der baum diesen ruf hat,denoch muss man bedenken was für eine diskusion dieser baum ausgelöst hat,wieviele menschen sich mit ihm auseinander gesetzt haben,ich habe wunderschöne bonsais gesehen,aber keiner von ihnen ist so besprochen worden wie dieser (für die meisten unschöner baum)einzig aus diesem grund kann der meister stolz auf seine kreation sein.Aus dem aspekt der wirkung die der baum auf mich hat,spricht er mich nicht an,warum?weil es ganz einfach nicht mein geschmack ist.

MFG
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zopf
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Beitrag von zopf »

Der Vergleich hinkt, richtig
Die Hauptintention ist der Versuch das Beste
aus dem Material zu machen.
Eigene Gedanken und Vorstellungen,
zum Teil wohl Eigen- und Weiterentwicklungen seiner Lehre,
in diesem Baum einfliessen zu lassen.
Beim Erschaffen gibt es wohl 2 verschiedene Konzepte,
der Wunsch eines Ausdrucks - geplant, konstruiert
der Fluss - ergebend, entwickelnd, "nie endend".
Aussdrucksstarke Yamadori werden wohl im Fluss erschaffen,
und in diesem Kontext ist dieser Baum noch im Fluss.
Er wird sich noch verändern und die Prägung seiner Lehre
mit seiner eigenen Handschrift vervollkommnen.
Koo hat versucht die Seele des Baumes zu lesen,
aber dieses Buch ist noch nicht zu Ende gelesen.

Die Suche nach einer künstlerischen Intention,
ist eine westliche Denkungsart, die in Ihrer Übertragung
so nicht erfolgen kann. Der stümperhafte Versuch
mich in Herrn Koo zu versetzen und die Gestaltung aus diesem
Gesichtpunkt zu verstehen, ist für mich aufschlussreicher.
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Ja, nemo... dein Geschmack wurde mitgebildet durch eine Tendenz zur «naturalistischen mimesis», die bis heute vorherrscht. In der Kirche sind wir zwar seltener als frühere Generationen, aber unsere Ikonen an den Plakatwänden habe interessanterweise dieselbe Farbigkeit und eine vergleichbare «sprechende Körperhaltung». Umgekehrt haben wir seit Adolf Loos abgeräumt mit dem Ornament und kaum mehr eine Beziehung dazu. «Alte Sachen» sind an einem Flohmarkt immer die mit den Schnörkeln. Jetzt kommt einer, der aus einer Umgebung stammt, die eine extrem verfeinerte Art des Umgangs mit Ornamenten kennt - Japan und arbeitet am Totholz herum. Sag selbst: Hat einer von euch eine Chance, diese Geschmacksausrichtung zu durchbrechen, ohne sich zu überlegen, warum er eigentlich diesen Geschmack hat..? :wink:

zopf - es ist eine Differenzierungsdiskussion, keine Eintretensdebatte oder gar ein Scherbengericht. Walter hat die Frage aufgeworfen, was der Baum auf dem Bonsaiart-Cover verloren hat. Verbrennen will er ihn nicht, glaube ich. Wo gehört er für uns hin? Das ist die Frage.
MerschelMarco
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Beitrag von MerschelMarco »

Meine Deutung der künstlerischen Intention ist folgende.
Sie ist verloren gegangen.
Der Kampf Leben gegen Tod, rechtfertigt den Kontrast eines solchen Baumes und wird in verschiedenen Stellungnahmen von Bonsaikünstlern immer wieder schon fast gebetsmühlenartig heraufbeschworen. Stellt man das künstlerische dieses Baumes schon in den Vordergrund ist dieses Motiv ist für ein originelles Kunstwerk in dieser Umsetzung etwas abgegriffen mittlerweile.
Deshalb bleibt für mich hier das perfekte Kunsthandwerk übrig, vielleicht irre ich mich da ja auch. Und wenn da keine originelle neue Deutung hineinkommt, dann muß ich Walter direkt recht geben mit seiner Einschätzung, dass hier ein Endpunkt ereicht wurde.

Grüße,
Marco
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zopf
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Beitrag von zopf »

Hallo Andreas
Du weisst wie ich Dich schätze und achte.
Aber spiele doch einmal das Spiel und
denke ein anderes Denken.
Sei nicht Du sondern versuche Koo zu sein.
Und versuche den Baum so zu sehen wie Koo Ihn sieht.
Er wird nicht sagen das der Baum "fertig" ist,
und genau so sehe ich den Baum.
In dem Artikel sind Bäume gleicher Art die schon wesentlich
weiter sind und denen daher eher das Titelblatt gebühren würde.

Gute Bonsai sprechen die Seele an,
wer an seiner Seele zweifelt,
muss wohl den Kopf gebrauchen.

Ich bleibe wohl lieber bei meinen Stecklingen
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

zopf - jetzt hast du einen für mich ganz zentralen Punkt erreicht.

Ich finde es anmassend, ungebührend und läppisch, wie wir Langnasen meinen, so schnell im Vorbeigehen die Substanz einer vielhundertjährigen Kultur aufzunehmen. Das ist kaum besser als 1000 rotgebrannte Europäer am Strand von Bali, die zwei Wochen drauf etwas von «ganz einfachem Leben» brabbeln. Es ist respektlos, «japanische» Bonsai zu machen und sollte nicht gefördert werden. Es ist - du hast den Begriff «Seele» aufgebracht - seelenlos...

Ich respektiere, sogar mit wachem Interesse, was Herr Koo macht, vielleicht mehr als andere. Ich sehe aber für mich darin kein mögliches Vorbild. Schon alleine die Reserve, die ich spontan gegenüber der Gestaltung habe, rechtfertigt das, die Detailbetrachtung noch mehr.

Fazit: Ich habe mich der Faszination Bonsai zugewandt, jetzt muss ich sie mit eigener Substanz füllen. Das ist der saure Apfel, in den wir alle gebissen haben. Wir hätten das japanische Bonsaiparadies so belassen können und es still bewundern, aber nein, wir mussten wieder mal knabbern...
:wink:

Gegenvorschlag für ein Cover: Wem es bekannt ist, Bartons Cotoneasterhecke mit Gartentor, neben dem ein roter Ahorn steht. Wir sollten den Vorteil unserer gewissen «Orientierungslosigkeit» oder doch wenigstens Wegfindung nutzen.

Und sei so gut, mach Bonsai. Mit ganzer Seele, eben genau mit ganzer Seele.
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flu
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Beitrag von flu »

Zopf, wir wissen doch alle nur zu gut, dass ein Bonsai nie "fertig" ist ... sein kann. Das ist nun einmal in der Natur der Sache, bei lebendigem Arbeitsmaterial.
Ich verstehe aber nicht, was das mit unserer aktuellen Diskussion zu tun hat. Der Baum trifft doch trotzdem eine Aussage.
BildBildBild
MerschelMarco
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Beitrag von MerschelMarco »

Andreas Ludwig hat geschrieben: Ich finde es anmassend, ungebührend und läppisch, wie wir Langnasen meinen, so schnell im Vorbeigehen die Substanz einer vielhundertjährigen Kultur aufzunehmen. ... Es ist respektlos, «japanische» Bonsai zu machen und sollte nicht gefördert werden. Es ist - du hast den Begriff «Seele» aufgebracht - seelenlos...
Aus eigener Unwissenheit der japanischen Kultur (hier spricht Langnase, stimmt leider wirklich) eine weitere Frage.
Was ist in Bezug auf Bonsai in Japan wirklich noch japananisch?
Und was ist ein japanischer Bonsai im Gegensatz zu einem z.B. europäischen?
Ernst gemeinte Fragen übrigens!

Grüße,
Marco
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Marco - mit wenigen, berechtigten Ausnahmen können wir alle hier eigentlich nur zur Teilantwort beitragen, was ein europäischer Bonsai ist. That's the point. Es geht nicht um Gegensatz, weil es nicht darum geht, ständig um den halben Globus rum zu schielen. Bringt nichts. Gut die Hälfte der Idee von «Bonsai in Japan» ist heute Folklore. Bonsai ist da «ein alter Mann», und nicht «eine Welle».

Man überlegt sich die Frage nochmals und stellt sie dann neu:
Muss Bonsai überhaupt etwas mit Japan zu tun haben?
Habe ich mich damals zu Bonsai hingewendet oder zu Japan?
Ist Bonsai die ganze Form oder bloss eine Technik und die Form noch zu finden, weil sie «hier» anders sein muss als «da»? Wie macht man Bonsai im Sudan? Spätestens da wird es ja wirklich interessant.

Ja, Haarspalten ist verpönt, aber der Kern ist halt meist in den Haaren...
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Anke R.
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Baum

Beitrag von Anke R. »

Hallöchen!
Ich hab diese Disk. gerade entdeckt und bin ganz baff...:shock:

Auch wenn`s vielleicht de trop ist, dieser Baum ist nicht nur, sondern auch.
Und dazu in meinen Augen wunderschön- ein phantastischer Baum -weil er meine Phantasie anregt. Er wirkt wie ein Drache, der sich um einen den Felsen erklimmenden Baum windet- (dies aus den Augen eines Künstlers. Auch wenn mir der hohe intellektuelle Anspruch einiger Kommentare hier sicher fehlt)
Auf mich wirkt er fast unwirklich- dh, es würde mich nun auch nicht mehr wundern, wenn er sich plötzlich bewegen würde-
Viele Grüße aus Bremen!

www.kleines-bild.com
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