Gestaltungsregeln
Gestaltungsregeln
Hallo,
man ließt immer wieder was über Gestaltungsregeln. Ich habe nur leider noch nirgends diese Regeln zusammengefasst aufgelistet gefunden. Könnt ihr mir bitte helfen wo ich diese Regeln zum nachlesen finden kann?
Das Gleiche gilt für die Schalenwahl. Wo kann man dazu das Grundlegene finden?
Besten dank für die Hilfe
Joachim
man ließt immer wieder was über Gestaltungsregeln. Ich habe nur leider noch nirgends diese Regeln zusammengefasst aufgelistet gefunden. Könnt ihr mir bitte helfen wo ich diese Regeln zum nachlesen finden kann?
Das Gleiche gilt für die Schalenwahl. Wo kann man dazu das Grundlegene finden?
Besten dank für die Hilfe
Joachim
- BonsaiFanHitdorf
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zu den gestaltungsregeln: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopic?f=52&t=20050
zu den schalen: heike_vG fragen
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lG Marcel 
Der zentralste Fehler von Verschwörungstheorien jeder Couleur ist, dass man am Ende der einzigste ist, der sich nicht verschwört.
Der zentralste Fehler von Verschwörungstheorien jeder Couleur ist, dass man am Ende der einzigste ist, der sich nicht verschwört.
Hallo Magjo,
die Gestaltungsregeln findest du mal mehr mal weniger ausführlich in guten Bonsai Büchern. Ich selbst habe sie mir aus mehreren Büchern zusammengeklaubt, ich versuche mal wiederzugeben, was ich gelernt habe, vollständig ist die Liste bestimmt nicht.
Die Gestaltungsregeln werden auch Harmonieregeln genannt, da es "Techniken" sind, die ein Bäumchen stimmig und das Gesamtbild ästhetisch erscheinen lassen sollen.
Zuerst einmal gilt, dass eine Vorderseite ausgewählt wird, sozusagen die Schokoladenseite. Das Verhältnis von Gesamthöhe des Baums, Krone und Stamm sind dabei nicht dem Zufall überlassen. Auch da gibt es Regeln, die sich aus dem sogenannten Lo-Shu Quadrat ableiten. Das ist ein Quadrat, das in neuen gleiche Felder aufgeteilt ist, darin sind die Zahlen eins bis neuen eingetragen. Übrigens wird das Lo-Shu nicht nur bei der Bonsai Kunst angewendet, sondern gilt in vielen chinesischen Lehren als generelles Modell für die Harmonie des Kosmos. Es ist eine Wissenschaft für sich, aber es lohnt sich, sich damit mal auseinanderzusetzen.
Die idealen Proportionen eines Baumes sind nach dem Lo-Shu 7:5:3. Das sind Gesamthöhe, Höhe der Krone und Höhe des ( unbelaubten ) Stammes. Wenn du also einen Baum von 21 cm Höhe hast, sollte die Krone idealerweise 15 cm haben und der Stamm idealerweise 9 cm.
Auch die Position des Baumes in der Schale sollte nicht zufällig sein, sondern zu einem stimmigen Gesamtbild führen. Die genaue Mitte in der Schale wird vermieden, selbst bei der streng aufrechten Form. Und je nachdem, wie "ausladend" dein Baum zu einer Seite ist, bzw. sich zu einer Seite neigt, desto mehr wird er von der Mitte der Schale weggerückt.
Bei der Aststellung gibt es jede Menge Regeln zu beachten. Von der Vorderseite aus betrachtet sollte kein Ast bzw. Jin direkt auf den Betrachter zuwachsen. Auch sollten sich keine Äste kreuzen, was übrigens auch für das Nebari bzw. die Wurzeln gilt.
Untere Äste sollen dicker sein als die oberen, damit eine Verjüngung entsteht. Das ist keine Selbstverständlichekit, sondern das Ergebnis einer gezielten Kräfteverteilung des Baums.
Äste, die auf der Innenseite einer Stammbiegung wachsen, sollten entfernt werden, es sei denn, das reißt ein zu großes Loch in die Komposition.
Damit ein Baum alt wirkt, sollten besonders die unteren Äste nach unten gebogen werden, so wie es in der natur geschieht, auch das gehört zu den Gestaltungsregeln. ( Ausgenommen Besenform )
Was die Schale betrifft, gibt es auch einige Faustregeln. So sollte die Schale grundsätzlich in Form, Farbe und Material zum Bäumchen passen bzw. es ergänzen. Bonsai ist schließlich nicht nur die Pflanze, sondern eine Gesamtkomposition. Bei einigen Bonsai Stilrichtungen haben sich besondere Schalenformen durchgesetzt, so z.B. die flache Schale der Waldform oder die hohen Kaskadenschalen. Am meisten lernt man hier, indem man sich einfach Bilder von Bonsai anschaut. Wenn man den Eindruck hat, hier stimmt alles, kann man versuchen zu analysieren, was das ganze so stimmig macht. Die schönsten Bonsai wirken so, als wenn sie schon immer so gewesen wären!
Andersherum lernt man auch durch "unstimmige" Kompositionen. So kann man seine Erfahrungen machen, lernt was geht und was nicht.
Wenn die Schale nicht direkt durch die Stilrichtung vorgegeben ist, man also die Qual der Wahl hat, hier ein paar Harmonieregeln für die Schale:
Die Schalenhöhe sollte dem Stammdurchmesser entsprechen. Die Länge einer Schale orientiert sich an der Höhe des Baumes und zwar im Verhältnis 7:5. Ein Baum von 14 cm Höhe bekommt also eine Schale mit 10 cm Länge.
Wenn man mehrere Pflanzen in eine Schale setzt, wie etwa bei der Waldpflanzung, so werden die einzelnen Pflanzen nicht zufällig, sondern in festgelegten Gruppen angeordnet. Dabei richtet man sich nach der sogenannten Fibonacci Reihe. Die nächste Zahl ergibt sich aus der Summe der beiden vorhergehenden: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 etc. Drei Bäume pflanzt man demnach in zwei Gruppen zu eins und zwei Bäumen. Fünf Pflanzen in zwei Gruppen zu zwei und drei.
So, ich hoffe, ich habe nichts vergessen, vielleicht hilft dir das ja ein bischen weiter.
Gruß
Hannah
die Gestaltungsregeln findest du mal mehr mal weniger ausführlich in guten Bonsai Büchern. Ich selbst habe sie mir aus mehreren Büchern zusammengeklaubt, ich versuche mal wiederzugeben, was ich gelernt habe, vollständig ist die Liste bestimmt nicht.
Die Gestaltungsregeln werden auch Harmonieregeln genannt, da es "Techniken" sind, die ein Bäumchen stimmig und das Gesamtbild ästhetisch erscheinen lassen sollen.
Zuerst einmal gilt, dass eine Vorderseite ausgewählt wird, sozusagen die Schokoladenseite. Das Verhältnis von Gesamthöhe des Baums, Krone und Stamm sind dabei nicht dem Zufall überlassen. Auch da gibt es Regeln, die sich aus dem sogenannten Lo-Shu Quadrat ableiten. Das ist ein Quadrat, das in neuen gleiche Felder aufgeteilt ist, darin sind die Zahlen eins bis neuen eingetragen. Übrigens wird das Lo-Shu nicht nur bei der Bonsai Kunst angewendet, sondern gilt in vielen chinesischen Lehren als generelles Modell für die Harmonie des Kosmos. Es ist eine Wissenschaft für sich, aber es lohnt sich, sich damit mal auseinanderzusetzen.
Die idealen Proportionen eines Baumes sind nach dem Lo-Shu 7:5:3. Das sind Gesamthöhe, Höhe der Krone und Höhe des ( unbelaubten ) Stammes. Wenn du also einen Baum von 21 cm Höhe hast, sollte die Krone idealerweise 15 cm haben und der Stamm idealerweise 9 cm.
Auch die Position des Baumes in der Schale sollte nicht zufällig sein, sondern zu einem stimmigen Gesamtbild führen. Die genaue Mitte in der Schale wird vermieden, selbst bei der streng aufrechten Form. Und je nachdem, wie "ausladend" dein Baum zu einer Seite ist, bzw. sich zu einer Seite neigt, desto mehr wird er von der Mitte der Schale weggerückt.
Bei der Aststellung gibt es jede Menge Regeln zu beachten. Von der Vorderseite aus betrachtet sollte kein Ast bzw. Jin direkt auf den Betrachter zuwachsen. Auch sollten sich keine Äste kreuzen, was übrigens auch für das Nebari bzw. die Wurzeln gilt.
Untere Äste sollen dicker sein als die oberen, damit eine Verjüngung entsteht. Das ist keine Selbstverständlichekit, sondern das Ergebnis einer gezielten Kräfteverteilung des Baums.
Äste, die auf der Innenseite einer Stammbiegung wachsen, sollten entfernt werden, es sei denn, das reißt ein zu großes Loch in die Komposition.
Damit ein Baum alt wirkt, sollten besonders die unteren Äste nach unten gebogen werden, so wie es in der natur geschieht, auch das gehört zu den Gestaltungsregeln. ( Ausgenommen Besenform )
Was die Schale betrifft, gibt es auch einige Faustregeln. So sollte die Schale grundsätzlich in Form, Farbe und Material zum Bäumchen passen bzw. es ergänzen. Bonsai ist schließlich nicht nur die Pflanze, sondern eine Gesamtkomposition. Bei einigen Bonsai Stilrichtungen haben sich besondere Schalenformen durchgesetzt, so z.B. die flache Schale der Waldform oder die hohen Kaskadenschalen. Am meisten lernt man hier, indem man sich einfach Bilder von Bonsai anschaut. Wenn man den Eindruck hat, hier stimmt alles, kann man versuchen zu analysieren, was das ganze so stimmig macht. Die schönsten Bonsai wirken so, als wenn sie schon immer so gewesen wären!
Andersherum lernt man auch durch "unstimmige" Kompositionen. So kann man seine Erfahrungen machen, lernt was geht und was nicht.
Wenn die Schale nicht direkt durch die Stilrichtung vorgegeben ist, man also die Qual der Wahl hat, hier ein paar Harmonieregeln für die Schale:
Die Schalenhöhe sollte dem Stammdurchmesser entsprechen. Die Länge einer Schale orientiert sich an der Höhe des Baumes und zwar im Verhältnis 7:5. Ein Baum von 14 cm Höhe bekommt also eine Schale mit 10 cm Länge.
Wenn man mehrere Pflanzen in eine Schale setzt, wie etwa bei der Waldpflanzung, so werden die einzelnen Pflanzen nicht zufällig, sondern in festgelegten Gruppen angeordnet. Dabei richtet man sich nach der sogenannten Fibonacci Reihe. Die nächste Zahl ergibt sich aus der Summe der beiden vorhergehenden: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 etc. Drei Bäume pflanzt man demnach in zwei Gruppen zu eins und zwei Bäumen. Fünf Pflanzen in zwei Gruppen zu zwei und drei.
So, ich hoffe, ich habe nichts vergessen, vielleicht hilft dir das ja ein bischen weiter.
Gruß
Hannah
Bekämpfe nicht den Täter sondern die Tat.
- Andreas Ludwig
- Mentor
- Beiträge: 6756
- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Eine andere Art des Vorgehens, die besonders in Europa oft mit Erfolg angewendet wird:
Du machst einen Bonsai so, dass er ausschaut wie ein interessanter Baum und suchst eine Schale, die dazu passt.
Man kann es sich so auch viel leichter merken.
Du machst einen Bonsai so, dass er ausschaut wie ein interessanter Baum und suchst eine Schale, die dazu passt.
Man kann es sich so auch viel leichter merken.
It is not enough to be busy. So are the ants. The question is: What are we busy about?
(Thoreau)
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Andreas Ludwig hat geschrieben:Eine andere Art des Vorgehens, die besonders in Europa oft mit Erfolg angewendet wird:
Du machst einen Bonsai so, dass er ausschaut wie ein interessanter Baum und suchst eine Schale, die dazu passt.
Man kann es sich so auch viel leichter merken.
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
- Frank Zappa -
Andreas Ludwig hat geschrieben:Eine andere Art des Vorgehens, die besonders in Europa oft mit Erfolg angewendet wird:
Du machst einen Bonsai so, dass er ausschaut wie ein interessanter Baum und suchst eine Schale, die dazu passt.
Man kann es sich so auch viel leichter merken.
Gruß
Frank
++++ Gießen: Hessischer Botaniker findet heraus, wie Pflanzen länger leben ++++
Frank
++++ Gießen: Hessischer Botaniker findet heraus, wie Pflanzen länger leben ++++
Ein weiterer guter Spruch ist aber auch der:
"Wenn man die Regeln beherrscht, kann man sie gekonnt brechen."
Ein altes Buch, das die Regeln sehr ausführlich behandelt, ist "Die Kunst Bonsai zu züchten" von Peter Adams, ein umfangreiches Taschenbuch, das preiswert auch gebraucht und antiquarisch zu bekommen ist.
Zwei schöne moderne Bücher, die zu meinen Lieblingsstücken gehören, sind "Bonsai-Ästhetik" Band 1 und 2 von Francois Jeker, die sehr prägnant und gut die wichtigen Dinge rüberbringen.
Zu den Schalen gibt es im Fachwissen etwas unter "Präsentation" zu finden.
Sehr empfehlenswert ist auch die www.bonsaischalen.info Seite von Peter Krebs, auf der er eine Vielzahl von tollen Fachartikeln über Schalen aufbereitet hat (und es kommen ständig weitere hinzu).
Wir wollen demnächst hier im BFF zum Thema Schalenwissen auch noch neue Dinge anfangen.
Bei der Schalenwahl bekommt man das Gefühl und das Auge mit wachsender Erfahrung und Beschäftigung. Ich stehe jederzeit gerne beratend zur Verfügung, da es mein besonderes Steckenpferd ist.
Liebe Grüße,
Heike
"Wenn man die Regeln beherrscht, kann man sie gekonnt brechen."
Ein altes Buch, das die Regeln sehr ausführlich behandelt, ist "Die Kunst Bonsai zu züchten" von Peter Adams, ein umfangreiches Taschenbuch, das preiswert auch gebraucht und antiquarisch zu bekommen ist.
Zwei schöne moderne Bücher, die zu meinen Lieblingsstücken gehören, sind "Bonsai-Ästhetik" Band 1 und 2 von Francois Jeker, die sehr prägnant und gut die wichtigen Dinge rüberbringen.
Zu den Schalen gibt es im Fachwissen etwas unter "Präsentation" zu finden.
Sehr empfehlenswert ist auch die www.bonsaischalen.info Seite von Peter Krebs, auf der er eine Vielzahl von tollen Fachartikeln über Schalen aufbereitet hat (und es kommen ständig weitere hinzu).
Wir wollen demnächst hier im BFF zum Thema Schalenwissen auch noch neue Dinge anfangen.
Bei der Schalenwahl bekommt man das Gefühl und das Auge mit wachsender Erfahrung und Beschäftigung. Ich stehe jederzeit gerne beratend zur Verfügung, da es mein besonderes Steckenpferd ist.
Liebe Grüße,
Heike
- Robert S.
- Freundeskreis
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- Kontaktdaten:
Hallo Joachim,
ich bedanke mich erstmal bei Hannah, dass sie sich die Mühe gemacht hat
ein wenig zu den Gestaltungsregeln zusammenzufassen.
So sehr ich Andy schätze, ist mir die Aussage "einen interessanten Baum"
machen hier zu wenig.
Ich selbst hätte vor gar nicht so langer Zeit noch gar nicht gewußt was
einen interessanten Baum ausmacht. Mir haben da die Skizzen aus John
Naka's "Bonsai Techniques" Band 1 und 2 sehr weiter geholfen. Heike hat
auch ein paar gute Quellen genannt.
Wenn Du Dich eine Weile mit dem Thema Bonsai geschäftigt haben wirst und
Dir Bilder von vielen Bäumen oder reale Bäume "verinnerlicht" hast wirst
Du feststellen, dass sich mit der Zeit ein "Gefühl" dafür einstellt was Dir
gefällt und was nicht.
Servus,
Robert
ich bedanke mich erstmal bei Hannah, dass sie sich die Mühe gemacht hat
ein wenig zu den Gestaltungsregeln zusammenzufassen.
So sehr ich Andy schätze, ist mir die Aussage "einen interessanten Baum"
machen hier zu wenig.
Ich selbst hätte vor gar nicht so langer Zeit noch gar nicht gewußt was
einen interessanten Baum ausmacht. Mir haben da die Skizzen aus John
Naka's "Bonsai Techniques" Band 1 und 2 sehr weiter geholfen. Heike hat
auch ein paar gute Quellen genannt.
Wenn Du Dich eine Weile mit dem Thema Bonsai geschäftigt haben wirst und
Dir Bilder von vielen Bäumen oder reale Bäume "verinnerlicht" hast wirst
Du feststellen, dass sich mit der Zeit ein "Gefühl" dafür einstellt was Dir
gefällt und was nicht.
Servus,
Robert
Hallo,
erstmal besten DAnk an Alle.
@Hannah Besonderen Dank an Dich für die ausführliche Zusammenstellung von Regelen, wie ich sie sonst nirgends im Internet gefunden hab.
@Andreas et al.
Ich bin bestimmt niemand der sich streng an Vorschriften hält. Aber ich finde Regeln zu kennen schadet nie. Die Regeln können einen aber dabei helfen seinen eigenen Stil zu entwickeln. (Regel ungleich Gesetzt).
@Heike
Ich hab hier im Forum schon gemerkt, dass Du ein sehr gutes Gefühl für die Auswahl der Schalen hast. Ich hab nur leider nie rausgekriegt warum mir Deine Schalenvorschläge immer so gut gefallen. Ich werde auf Dein Angebot mir bei der Schalenwahl behilflich zu sein bestimmt noch mal zurückkommen.
Besten Dank @all
und schönes WE
Joachim
erstmal besten DAnk an Alle.
@Hannah Besonderen Dank an Dich für die ausführliche Zusammenstellung von Regelen, wie ich sie sonst nirgends im Internet gefunden hab.
@Andreas et al.
Ich bin bestimmt niemand der sich streng an Vorschriften hält. Aber ich finde Regeln zu kennen schadet nie. Die Regeln können einen aber dabei helfen seinen eigenen Stil zu entwickeln. (Regel ungleich Gesetzt).
@Heike
Ich hab hier im Forum schon gemerkt, dass Du ein sehr gutes Gefühl für die Auswahl der Schalen hast. Ich hab nur leider nie rausgekriegt warum mir Deine Schalenvorschläge immer so gut gefallen. Ich werde auf Dein Angebot mir bei der Schalenwahl behilflich zu sein bestimmt noch mal zurückkommen.
Besten Dank @all
und schönes WE
Joachim
- Andreas Ludwig
- Mentor
- Beiträge: 6756
- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Na - natürlich habe ich es wieder mal im Hauruckformat getextet. Ein paar Gedanken und Hinweise zu diesem wirklich wichtigen Thema:
Heike hat einen sehr gute Ergänzung gebracht, die des Könnens. Robert hat implizit die Frage gestellt, ob man als Anfänger überhaupt wissen kann, was interessant ist. Meine Absicht war, einen klaren Kontrapunkt zur Auflistung von Regeln zu setzen, die ich richtiggehend gefährlich finde. Ich gehe nicht im Einzlnen darauf ein, ich halte es durchaus mit Heike - man soll an diesen Regeln nicht vorbeigehen und man soll sie nicht brechen, um sie gebrochen zu haben.
Aber man muss sich aber im Klaren sein, dass Gestaltung immer vor der Regel zur Gestaltung kommt. Egal wo man hinschaut - die Systematik, das Regelwerk kommt immer nach den Ereignissen und Phänomenen. Giacometti modellierte, Modigliani malte, Beethoven komponierte und sie alle taten, was ihnen richtig schien. In Begriffe gefasst wurde das alles später, oft viel später. Klar haben die alle auf Traditionen aufgebaut, aber über diese grundsätzliche Vertrautheit mit dem gebiet, das man sich gewählt hat, können wir nicht gut diskutieren, die müssen wir voraussetzen. Wichtiger ist, dass sehr viele bedeutende Werke intuitiv geschaffen wurden und danach erst analysiert und zu Regeln sublimiert.
Es gibt in Büchern über Malerei diese schönen Darstellungen, wie sich da Linien durch ein Bild ziehen, Fluchtpunkte werden eingezeichnet und dynamische Bögen. Es wäre aber falsch zu glauben, diese Werke seien so theoretisch entstanden. Die Wirklichkeit ist oft viel einfacher: Man arbeitet an einer Skizze und sieht, dass da etwas noch zu klobig ist, dort etwas zu schräg. Also legt man eine verbesserte Skizze an. So arbeitet man sich vorwärts und mit den Jahren braucht man die Überarbeitungen nicht mehr. Man weiss vor dem ersten Strich: Das muss etwa so sein, wenn ich es so anlege, wird es zerfallen, mache ich es aber so, ist es gut - vermutlich. Diese Fahrlässigkeit ist eine Leichtigkeit und die nennt man Können.
Ich nenne es absichtlich nicht Sicherheit, denn es geht zuletzt um Sicherheit. In der eröffnenden Anfrage steckt der Wunsch nach Sicherheit, nach dem Rezept für ein Vorgehen, das einem sicher gute Resultate liefert. Die Ratschläge zu diesem Vorgehen sind gefährlich, weil sie dazu führen können, dass man langweilige, fast austauschbare Bäume produziert - Kiefer mit Schwung im Stamm und grünem Helm, Fichte mit nettem Totholz und hängenden Ästen, dicker Ahorn mit Wuschelkopf. Dann hat man - auch einen Bonsai. Und kein bisschen mehr.
So einfach soll man es sich aber nicht machen. Man soll den Anspruch behalten, zu zweifeln, nicht zu wissen, was man eigentlich ansteuert, man soll durch den Nebel irren und Holzwege gehen. Denn nur so - als «Arbeit» - wird sich alles klären, nur so wird man zur Einsicht kommen, was wirklich geht und gut ist. Es ist nicht die Aufgabe des Schülers, seinen Lehre nachzuahmen, sondern die, ihn zu übertreffen. Dazu muss man das Vakuum der Begriffe «Können» und «Interessant» ausfüllen, jeder von neuem, jeder auf seine Weise. Wenn ganz am Ende daraus eine Kiefer mit Schwung und grünem Helm wird, wird sie unvergleichlich eleganter und schöner sein, ein richtiger Bonsai halt.
Einer der meistgeliebten und bestverkauften Maler ist Amadeo Modigliani. Er war erfolglos, ständig pleite und starb früh. Man muss das nicht nachahmen, ich empfehle jedem Menschen mit künstlerischen Ambitionen, nur 6 Stunden pro Arbeitstag an sein Werk zu glauben und die übrigen 2 den Markt zu studieren. Aber man kann von Modigliani eines lernen: Man kann der Erste sein mit etwas und sogar der Einzige. Wenn Können daraus hervorscheint und die Art und Weise des Herangehens dahinter Interesse weckt, werden die Hüter der Regelbücher sich erweichen lassen (z.B. durch ausgiebigen Applaus) und es als weitere Möglichkeit in ihre Register aufnehmen. Konkerter: Alle heute als klassisch bezeichneten Bonsaiforman waren einmal Innovationen, von jedem «Standard» gab es irgendwann ein erstes Beispiel.
Jeder von Euch hat als Kind einmal begeistert gezeichnet. Vielen von Euch hat man es später abgewöhnt, meistens, indem man die plumpen Gehversuche belächelt hat. Es entstand das Gefühl, nicht zu genügen und das Zeichnen und Malen wurde aufgegeben. Die erste bewusste Betrachtung eines naturalistischen Gemäldes von Rang gab der kindlichen Ambition den Todesstoss. Wird sie wieder aufgegriffen, hat sie nie wieder diese Überzeugungskraft und Leichtigkeit von damals. Man ist befangen, gehemmt, zieht viel zu viele Vergleiche und macht sich viel zu viele Gedanken.
Sieh zu, magjo, dass es dir mit Bonsai nicht gleich geht. Arbeite praktisch und lerne gleichzeitig nach Lust, Laune und Notwendigkeit die Theorie kennen, setz aber die Frage der gestaltung ans Ende. Gärtner, Handwerker, Gestalter, das ist die Reihenfolge.
Setzt du eine Gestaltungstheorie voran, wird dein erster Baum eine seelenlose Kopfgeburt. Versuchst du, dir erst Überblick über alle Gestaltungsregeln zu verschaffen, wirst du nie einen Baum machen.
Heike hat einen sehr gute Ergänzung gebracht, die des Könnens. Robert hat implizit die Frage gestellt, ob man als Anfänger überhaupt wissen kann, was interessant ist. Meine Absicht war, einen klaren Kontrapunkt zur Auflistung von Regeln zu setzen, die ich richtiggehend gefährlich finde. Ich gehe nicht im Einzlnen darauf ein, ich halte es durchaus mit Heike - man soll an diesen Regeln nicht vorbeigehen und man soll sie nicht brechen, um sie gebrochen zu haben.
Aber man muss sich aber im Klaren sein, dass Gestaltung immer vor der Regel zur Gestaltung kommt. Egal wo man hinschaut - die Systematik, das Regelwerk kommt immer nach den Ereignissen und Phänomenen. Giacometti modellierte, Modigliani malte, Beethoven komponierte und sie alle taten, was ihnen richtig schien. In Begriffe gefasst wurde das alles später, oft viel später. Klar haben die alle auf Traditionen aufgebaut, aber über diese grundsätzliche Vertrautheit mit dem gebiet, das man sich gewählt hat, können wir nicht gut diskutieren, die müssen wir voraussetzen. Wichtiger ist, dass sehr viele bedeutende Werke intuitiv geschaffen wurden und danach erst analysiert und zu Regeln sublimiert.
Es gibt in Büchern über Malerei diese schönen Darstellungen, wie sich da Linien durch ein Bild ziehen, Fluchtpunkte werden eingezeichnet und dynamische Bögen. Es wäre aber falsch zu glauben, diese Werke seien so theoretisch entstanden. Die Wirklichkeit ist oft viel einfacher: Man arbeitet an einer Skizze und sieht, dass da etwas noch zu klobig ist, dort etwas zu schräg. Also legt man eine verbesserte Skizze an. So arbeitet man sich vorwärts und mit den Jahren braucht man die Überarbeitungen nicht mehr. Man weiss vor dem ersten Strich: Das muss etwa so sein, wenn ich es so anlege, wird es zerfallen, mache ich es aber so, ist es gut - vermutlich. Diese Fahrlässigkeit ist eine Leichtigkeit und die nennt man Können.
Ich nenne es absichtlich nicht Sicherheit, denn es geht zuletzt um Sicherheit. In der eröffnenden Anfrage steckt der Wunsch nach Sicherheit, nach dem Rezept für ein Vorgehen, das einem sicher gute Resultate liefert. Die Ratschläge zu diesem Vorgehen sind gefährlich, weil sie dazu führen können, dass man langweilige, fast austauschbare Bäume produziert - Kiefer mit Schwung im Stamm und grünem Helm, Fichte mit nettem Totholz und hängenden Ästen, dicker Ahorn mit Wuschelkopf. Dann hat man - auch einen Bonsai. Und kein bisschen mehr.
So einfach soll man es sich aber nicht machen. Man soll den Anspruch behalten, zu zweifeln, nicht zu wissen, was man eigentlich ansteuert, man soll durch den Nebel irren und Holzwege gehen. Denn nur so - als «Arbeit» - wird sich alles klären, nur so wird man zur Einsicht kommen, was wirklich geht und gut ist. Es ist nicht die Aufgabe des Schülers, seinen Lehre nachzuahmen, sondern die, ihn zu übertreffen. Dazu muss man das Vakuum der Begriffe «Können» und «Interessant» ausfüllen, jeder von neuem, jeder auf seine Weise. Wenn ganz am Ende daraus eine Kiefer mit Schwung und grünem Helm wird, wird sie unvergleichlich eleganter und schöner sein, ein richtiger Bonsai halt.
Einer der meistgeliebten und bestverkauften Maler ist Amadeo Modigliani. Er war erfolglos, ständig pleite und starb früh. Man muss das nicht nachahmen, ich empfehle jedem Menschen mit künstlerischen Ambitionen, nur 6 Stunden pro Arbeitstag an sein Werk zu glauben und die übrigen 2 den Markt zu studieren. Aber man kann von Modigliani eines lernen: Man kann der Erste sein mit etwas und sogar der Einzige. Wenn Können daraus hervorscheint und die Art und Weise des Herangehens dahinter Interesse weckt, werden die Hüter der Regelbücher sich erweichen lassen (z.B. durch ausgiebigen Applaus) und es als weitere Möglichkeit in ihre Register aufnehmen. Konkerter: Alle heute als klassisch bezeichneten Bonsaiforman waren einmal Innovationen, von jedem «Standard» gab es irgendwann ein erstes Beispiel.
Jeder von Euch hat als Kind einmal begeistert gezeichnet. Vielen von Euch hat man es später abgewöhnt, meistens, indem man die plumpen Gehversuche belächelt hat. Es entstand das Gefühl, nicht zu genügen und das Zeichnen und Malen wurde aufgegeben. Die erste bewusste Betrachtung eines naturalistischen Gemäldes von Rang gab der kindlichen Ambition den Todesstoss. Wird sie wieder aufgegriffen, hat sie nie wieder diese Überzeugungskraft und Leichtigkeit von damals. Man ist befangen, gehemmt, zieht viel zu viele Vergleiche und macht sich viel zu viele Gedanken.
Sieh zu, magjo, dass es dir mit Bonsai nicht gleich geht. Arbeite praktisch und lerne gleichzeitig nach Lust, Laune und Notwendigkeit die Theorie kennen, setz aber die Frage der gestaltung ans Ende. Gärtner, Handwerker, Gestalter, das ist die Reihenfolge.
Setzt du eine Gestaltungstheorie voran, wird dein erster Baum eine seelenlose Kopfgeburt. Versuchst du, dir erst Überblick über alle Gestaltungsregeln zu verschaffen, wirst du nie einen Baum machen.
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(Thoreau)
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Ich weiß noch, wie ich es früher in der Schule gehasst habe. Da wurden Gedichte syntaktisch analysiert, Bögen und Striche über die einzelnen Silben gemacht, um den "Sprachrhythmus" oder die "Satzmelodie" zu erfassen und in Fachausdrücke zu verpacken. Der Verfasser wurde dann in die jeweilige "Schublade" gesteckt. Ich habe mich dann oft mit der Lehrerin gestritten, da ich nicht so recht glauben wollte, das der Verfasser sich dieser Theorie auch bewusst war, zumal die Theorien manchmal erst Jahrhunderte danach niedergeschrieben wurden.Andreas Ludwig hat geschrieben:...Egal wo man hinschaut - die Systematik, das Regelwerk kommt immer nach den Ereignissen und Phänomenen. Giacometti modellierte, Modigliani malte, Beethoven komponierte und sie alle taten, was ihnen richtig schien. In Begriffe gefasst wurde das alles später, oft viel später. Klar haben die alle auf Traditionen aufgebaut, aber über diese grundsätzliche Vertrautheit mit dem gebiet, das man sich gewählt hat, können wir nicht gut diskutieren, die müssen wir voraussetzen. Wichtiger ist, dass sehr viele bedeutende Werke intuitiv geschaffen wurden und danach erst analysiert und zu Regeln sublimiert.
Es gibt in Büchern über Malerei diese schönen Darstellungen, wie sich da Linien durch ein Bild ziehen, Fluchtpunkte werden eingezeichnet und dynamische Bögen. Es wäre aber falsch zu glauben, diese Werke seien so theoretisch entstanden. Die Wirklichkeit ist oft viel einfacher: Man arbeitet an einer Skizze und sieht, dass da etwas noch zu klobig ist, dort etwas zu schräg. Also legt man eine verbesserte Skizze an. So arbeitet man sich vorwärts und mit den Jahren braucht man die Überarbeitungen nicht mehr. Man weiss vor dem ersten Strich: Das muss etwa so sein, wenn ich es so anlege, wird es zerfallen, mache ich es aber so, ist es gut - vermutlich. Diese Fahrlässigkeit ist eine Leichtigkeit und die nennt man Können. ...
Es ist auch ziemlich egal.
Beim Blues gibt es das Bluesschema, das man in jedem Blues mehr oder weniger genau eingehalten findet. Manche spielen den Blues einfach und es ist richtig gut. Andere konstruieren ihn nach DEN Regeln, was auch richtig gut werden kann, wenn sie noch etwas "Seele" mit reinlegen.
Der Literat/Musiker/Maler/Fotograf/Designer/Gestalter/.... hat es so gemacht bzw. macht es so, ob nun bewusst nach bestimmten Regeln, nach intuitiv erlernten Regeln, einfach nur aus purem Zufall oder .... .
Die Regeln helfen der Analyse, dem theoretischen Verstehen, dem Erlernen bzw. dem Kopieren. Was dann am Ende dabei rauskommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Die Natur verhält sich auch nach ganz bestimmten Regeln. Beim Wachstum der Pflanzen kann man bestimmt auch Regeln der Statik finden.
Die Frage, ob die Regeln "von höherer Stelle" gemacht wurden, oder Resultat der Ereignisse sind, das muss jeder für sich selbst klären.
PS: manche sind so strickt gegen Regeln, das sie gar nicht merken, wie sehr sie sich ihrer selbst auferlegten Regel ("keiner Regel zu entsprechen") unterwerfen.
Gruß
Frank
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- Andreas Ludwig
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- Registriert: 29.03.2005, 16:50
- Wohnort: Schweiz
Der Fehler ist, es gegeneinander ausspielen zu wollen - hier die Regeln, da die Freiheit der Kunst. Es braucht von beidem eine gute Dosis, aber die Regeln müssen verinnerlicht sein und die Freiheit erhalten bleiben. Ist man der Sklave der Regeln, macht man totes Kunsthandwerk, kennt man sie gar nicht, ist man Bastler.
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Hallo Andreas,
Schönes WE
Joachi
Ps.: Sollte man die Gestaltungsregeln nicht mal zusammenstellen und unter Fachwissen für alle gut auffindbar machen?
genau deshalb hab ich ja versucht diese Regeln zu finden. Gerade als Anfänger sollte man meineransicht nach ersteinmal die Grundlagen lernen. Was nicht heißt, dass man nicht auch eigene Wege gehen darf.Ist man der Sklave der Regeln, macht man totes Kunsthandwerk, kennt man sie gar nicht, ist man Bastler.
Schönes WE
Joachi
Ps.: Sollte man die Gestaltungsregeln nicht mal zusammenstellen und unter Fachwissen für alle gut auffindbar machen?
