Die Bonsai-Floßform - Materialbedarf und Gestaltungsanleitung

Baumformen und wie man sie erreicht, Gestaltungsberichte, Schalen, Ausstellung
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Karl T.
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Die Bonsai-Floßform - Materialbedarf und Gestaltungsanleitung

Beitrag von Karl T. »

von Karl Thier


Die Bonsai-Floßform, ?Ikadabudi? und ?Netsunanari?

Als Floßform identifiziert man einen liegenden Baum, dessen einzelne Äste als Bäume (Baumgruppe) ausgewachsen und wie bei einem Floß
miteinander verbunden sind.

So kommt eine natürliche Floßform zustande

In der freien Natur und in bewirtschafteten Wäldern sieht man die natürliche Floßform leider sehr selten. Ausgenommen sind strenge
Naturschutzgebiete wo jede Beseitigung von umgestürzten Bäumen der Natur überlassen wird.
Eine Floßform kann immer dann zustande kommen, wenn eine Sturmböe einen Baum umkippen lässt, oder wenn durch ausgiebigen
Regen der Boden so aufgeweicht ist, dass die Wurzeln unterspült werden und der Baum dadurch seinen Halt verliert.
In beiden Fällen ist es aber für eine spätere Floßform wichtig, dass der Baum immer noch ein funktionierendes Wurzelsystem besitzt und
nicht komplett aus der Erde gerissen wurde.
Beim Sturz brechen einige Äste ab und bohren sich in die Erde. Durch die Verletzungen an den abgebrochenen Ästen und den Kontakt
mit der Erde, entstehen an diesen Stellen Wurzeln.
Die heil gebliebenen Äste richten sich mit der Zeit zum Licht aus und wachsen später zu eigenständigen Bäumen heran. Verbunden sind
alle ausgewachsenen Baumäste mit dem Stamm, aus dem sie heranwachsen.
Der freiliegende Wurzelteil des Baumes wird mit der Zeit vermodern, fallendes Laub wird zu Erde und deckt nach und nach den
Baumstamm zu. Die Reste des freiliegenden Stammes werden mit Moos bewachsen und nach Jahren wird der liegende Stammteil kaum
zu erkennen sein. Aus einem umgefallenen Baum, wird eine Baumgruppe die wir als Vorbild der Bonsaifloßform nehmen.
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Floßform als Bonsai

Die Floßform als Bonsai unterteilt man in zwei Formgebungen "IKADABUDI" und "NETSUNANARI?. Die Gestaltung einer Floßform ist
nicht so ganz einfach, vor allem dann nicht, wenn sie glaubwürdig gestaltet sein soll. Also einerseits sollte die Entstehung nachvollziehbar
sein und andererseits sollte die Floßform wie eine Baumgruppe aussehen. Aber gerade deshalb hat die Gestaltung dieser Form einen
besonderen Reiz.

Ikadabudi: hat einen relativ geraden Stamm aus dem die Äste mit eher wenig Bewegung zu einzelnen Bäumen gestaltet werden. Also in
einer eher streng aufrechten Form.
Diese Art der Floßform wählt man dann, wenn die Rohpflanze einen geraden,starken Stamm besitzt, den man nicht mehr formen kann.
Meist sind auch einige Äste schon zu dick um daraus eine glaubwürdige Bewegung zu gestalten.
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Häufig wird diese Form für Laubhölzer gewählt. Der Nachteil an so einer Floßform ist die relativ geringe Tiefenwirkung die sich leider aus
einem geraden Stamm ergibt.
Um etwas mehr Tiefenwirkung zu erzielen, kann man versuchen die Äste im Hintergrund etwas mehr nach rückwärts zu gestalten um
mehr Raum zu bekommen.

Netsunanari: hat einen bewegten Stamm aus dem die Äste mit Bewegung zu einer frei aufrechten Baumgruppe gestaltet werden.
Bei dieser Art der Floßform verwendet man ein noch junges Rohmaterial, an dem man den dünnen Stamm und Äste noch formen kann,
oder einen schon von der Natur aus bewegten Stamm, dessen Äste sich noch formen lassen.
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Man könnte diese bewegte Stammform auch bei stärkeren Stämmen erzielen, indem man den Stamm vorsichtig spaltet. Diese
Möglichkeit der Stammspaltung lässt sich z.B. beim Wacholder gut erreichen, bei Kiefern und Lärchen nur bedingt und an Laubbäumen
eher selten. Durch die Spaltung des Stammes erreicht man eine bessere Flexibilität.
Solch eine Floßform wählt man meist für Koniferen. Dabei ist darauf zu achten, dass ein bewegter Stamm nicht nur eine Bewegung nach
links und rechts hat, sondern sich auch auf und ab bewegt.

Das Rohmaterial für die Bonsaifloßform

Normalerweise verwendet man für die Floßform Rohmaterial, das sich für Solitärgestaltung nicht eignet. Aber es gibt natürlich
Ausnahmen, denn je besser das Material, um so besser wird die Gestaltung gelingen. Zum ausprobieren der Floßform sollte man aber
preisgünstiges Material verwenden. Man findet z.B. in der Natur oft jüngere Bäume, deren Äste nur nach einer Seite ausgerichtet sind,
meist durch Lichtmangel oder zu engen Wuchs. In Baumschulen findet man Wacholder, oder andere junge oder ältere Bäume, die eine
auffallende Verdickung durch schlampige Veredelung haben, oder Bäume, deren Wurzeln nach einer Seite ausgerichtet sind.
Oft sind solche Bäume, abgesehen von den Fehlstellungen, ein gutes Material für die Floßgestaltung.
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Auch in der eigenen Bonsaisammlung findet sich der eine oder andere Baum, der solche Mängel hat und mit dem man nicht recht
glücklich ist, so wie er ist. Das wäre dann auch solch ein Kandidat mit dem man eine Floßform verwirklichen könnte.
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Die Gestaltung

Vorbereitung: Nachdem das Material ausgewählt wurde, ist es wichtig, ein passendes Gefäß, vielleicht eine Holzkiste oder einen Container,
bereit zu haben.
Danach schneidet man alle Äste des Baumes weg, die das Auflegen des Stammes auf den Boden behindern würden. Die dabei
entstandenen Schnittstellen kann man etwa vergrößern, denn aus der Kambialzone der Schnittstellen werden sich wahrscheinlich neue
Wurzeln bilden.
Um das Wurzelwachstum zu fördern, legt man unter jedes Ausschnittfenster etwas Sphagnummoos.
Alle Äste, die links und rechts vom Stamm wachsen, werden erst mal belassen. Sie sind wichtig, um unterschiedliche Raumtiefen der
Baumgruppe zu erreichen.

Der nächste Schritt ist die Auswahl der verbleibenden Äste. So wie bei einer Baumgruppe oder einem Wald gibt es einen Hauptbaum,
einen Nebenbaum und Bäume für die räumliche Tiefe.
Die Anzahl der Äste sollte eine ungerade Zahl ergeben, die sich auch durch unterschiedliche Stärke und Höhe unterscheiden.

Bevor man nun den Baum in die Holzkiste oder den Container topft, sollte man den Stamm noch drahten um ihn in Form zu bringen,
denn nach dem Eintopfen ist das kaum noch möglich.
Beim Eintopfen fixiert man erst den Wurzelballen. Anfangs wird ein Teil des Wurzelballens aus dem Substrat ragen, das spielt aber keine
Rolle, denn dieser Wurzelteil wird mit Sphagnummoos und Substrat abgedeckt.
Nach der Fixierung des Wurzelballens, wird der Stamm gut im Anzuchtgefäß festgebunden. Sollten sich Höhenunterschiede des Stammes
zur Substratoberfläche ergeben, so macht das gar nichts, denn es bringt später mehr Bewegung in die Baumgruppe. Die
Höhenunterschiede werden mit Substrat ausgefüllt.

Die Formgebung

Der Habitus einer Floßform sollte wie bei allen Bonsaiformen ein ungleiches Dreieck ergeben.
Im Grunde gleicht eine Floßform einer kleinen Baumgruppe; der Unterschied liegt in der gemeinsamen Verbindung durch den
Baumstamm, aus dem die einzelnen Äste als Bäume ausgestaltet werden.
Es ist so wie bei einer Baumgruppe oder Waldgestaltungdarauf zu achten, dass kein Stamm vom anderen verdeckt wird.
Natürlich muss die Erstgestaltung einer Floßform auf die Zukunft der Baumgruppe ausgelegt sein.
Eine Erstgestaltung kann nur in den seltensten Fällen gleich wie eine perfekte Baumgruppe oder Waldgestaltung aussehen. Es ist eine
Vorbereitung und es dauert bei Koniferen einige Jahre, bis man den Eindruck einer Baumgruppe oder einer Waldgestaltung erreicht hat.
Aus Laubgehölzen ist eine Floßform eher zu erreichen, da es in der Regel besseren Zuwachs gibt.
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Auf alle Fälle ist so eine außergewöhnliche Bonsaiform, die man eher selten sieht, eine Herausforderung und macht auch sicher Spaß.
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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