da man die Erfolge unseres schönen Hobbys ja teilweise erst nach Jahren der Pflege und Entwicklung wahrnehmen kann, neige ich über die Zeit hier und da dazu Dinge zu vergessen. Zum Beispiel den Urzustand meiner chinesischen Ulme im Winter 2006.
Da mein kleines Leben in diesem Winter aus Gründen, die ich mir und euch an dieser Stelle gerne ersparen werde, sehr durchgeschüttelt wurde, war ich auf der Suche nach irgend einer beruhigenden Beschäftigung, einem Ausgleich für das Chaos um mich herum.
Pflanzen und speziell der Bonsai Kunst hatte ich grade erst ein paar Monate vorher erste Beachtung geschenkt und als ich diesen Baum im Dezember 2006 im Baumarkt sah, fühlte ich mich auf seltsame Weise von ihm verstanden und repräsentiert. Mir ist klar wie das klingt, ich sollte besser sagen: Ich fühlte mich exakt so, wie dieser Baum aussah.

Irgendwie erschöpft und verbraucht, mit nassen Füßen, Spinnmilbennestern an allen Ästen und unter der Borke, mehr kranken als grünen Blättern, verbannt auf die stählerne Sonderangebots-Bahre, inklusive rostiger Narben uralter Fesseln zum Todgeweihten-Preis von 20 Euro.
Der war aussen wie ich innen.
Ich nahm ihn also mit und habe mich im Netz erkundigt um welche Art es sich handelt und worauf zu Achten ist und dabei natürlich überall gelesen, daß Bäume aus Baumärkten des Begriffs 'Bonsai' prinzipiell nicht wirklich würdig sind. Diese Meinung teile ich in den meisten Fällen inzwischen sogar, für mich und meine Ulme spielt das aber keine Rolle
Wir sind heute beide längst wieder auf einem guten Weg und ich möchte mich auf diesem Wege für das geteilte Wissen der alten Hasen hier bedanken, das diese Ulme schlussendlich vor dem sicheren Ende aus Erschöpfung bewahrt hat. Sie ist inzwischen ein sehr pflegeleichter Baum, der ganzjährig an einem der Südfenster meiner Wohnung steht, in ihrem neuen grünen Kleid selbst den grausten Wintertagen trotzt und mich ab und an daran erinnert, daß es im Leben nicht immer regnen kann.







