da sich schon mehrere Leute dafür interessiert haben, was ich denn am Samstag in der Bonsaischule Enger auf der Schubkarre hatte, will ich Euch jetzt meine Neuerwerbung zeigen.
Ich war ziemlich überrascht, als ich diesen und einen weiteren recht kapitalen Fächerahorn als Ballenware im Beet eingeschlagen entdeckte. Hermann Pieper hatte mir vor längerer Zeit einmal erzählt, dass seine Versuche, Fächerahorne im Feld heranzuziehen, keine sehr befriedigenden Ergebnisse erbracht hatten, weil die Erde dort zu schwer und zu lehmig für sie ist.
Offenbar gab es doch noch ein paar letzte Mohikaner, die hartnäckig gewachsen waren.
Am nächsten Tag musste ich schauen, wie ich mit dem Baum umgehe, denn aus dem Ballentuch musste er heraus, nach den regnerischen Herbsttagen troff der Wurzelballen von Wasser und die schwere, lehmige Freilanderde taugt gerade bei einem Fächerahorn in einem Gefäß nicht viel. So spülte ich erst einmal den Großteil der Erde ab.
Das Nebari ist nicht schlecht, besteht aber nur aus einigen dicken Wurzeln. Auf längere Sicht wünscht man sich natürlich mehr und ausgeglichenere Oberflächenwurzeln. Vorne in der Mitte zwischen den beiden nach rechts und links gehenden dicken Wurzeln befinden sich einige feine, junge Wurzeln. Die sollen sich entwickeln, das ist mir in nächster Zukunft wichtig.
Einige quer verlaufende und nach unten weisende Wurzeln wurden bereits weggeschnitten, insgesamt der Wurzelballen aber so groß belassen, dass es gerade möglich war, ihn in meine größte vorhandene Trainingsschale hineinzubringen.
In eine große Kunststoffschale getopft. Das Substratgemisch besteht aus Akadama, Kanuma, Bims und ein wenig Qualitätsblumenerde.
Die Nebariwurzeln und besonders die kleinen jungen Wurzeln, die sich entwickeln sollen, sind gut abgedeckt.
Um die jungen Wurzeln im nächsten Jahr vor dem Austrocknen zu schützen und auch das Entstehen neuer, kleiner Wurzeln zu fördern, habe ich die Nebari-Region mit Fahrradschlauchgummi abgedeckt. Dieses Vorgehen hat sich bei mir bereits bei verschiedenen Baumarten bewährt. Unter dem schwarzen Gummi bleibt die Erde schön feucht und warm im Sommer, das mögen die Würzelchen.
Soweit, so gut. Beim nächsten Bild müsst Ihr stark sein.
Oh Schreck, was hat die Frau getan? Den ganzen schönen Baum kaputtgemacht. Und das auch noch im Herbst.
Mir war von vornherein klar, dass ich hier einen kräftigen Stamm mit ausbaufähigem Nebari, ein paar interessanten Fokus-Punkten und einer brauchbaren Verjüngung, aber im Grunde ohne Äste gekauft habe.
Die Äste waren dick, in hässlichen Aufwärtsbögen und mit großen Internodien gewachsen, wie das im Feld beim Mästen so entsteht, davon war das allermeiste für die Gestaltung völlig unbrauchbar. Aber der normale grüne Fächerahorn ist sehr wuchskräftig und lässt sich recht schnell aufbauen.
Warum ich gerade jetzt so stark zurückgeschnitten habe? Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste war, dass sich in der buschigen Krone einige abgestorbene Äste befanden, die bleich und voller schwarzer Pünktchen waren. Ein Hinweis auf die gefürchteten Welkepilze (Verticillium), die Fächerahornen leicht zu schaffen machen, wenn sie in zu dichter Erde sitzen. Dieser Baum hatte genug Kraft aus seinem starken Wurzelsystem, diesen Pilzen zu trotzen, aber ich wollte alles, was darauf hindeutete, sofort loswerden. Das sollte nicht mehr am Baum sein und auch nicht in der Nähe meiner anderen Bonsai und Gartenbäume.
Diesmal habe ich auch alle benutzten Werkzeuge gleich desinfiziert (damit bin ich sonst eher nachlässig...).
Ein weiterer Grund war, dass die buschige Krone nicht einmal durch den Eingang meines Gewächshauses gepasst hätte, ohne großes Zerren und Würgen. Es ist mir aber wichtig, diesen Baum, nachdem er gerade ein bisschen was durchmachen musste, bei Frost im Gewächshaus schützen zu können.
Der dritte Grund ist, dass ich bei dem speziellen Kleinklima in meinem Garten / Gewächshaus nach langjähriger Erfahrung mit vielen Bäumen, darunter einer Reihe von verschiedenen Fächerhornen, ziemlich sicher und zuversichtlich bin, dass der Ahorn diese Behandlung im Herbst schadlos überstehen und sich im nächsten Jahr positiv entwickeln wird.
Nach dem Schnitt ist der Fächerahorn noch 54 cm groß. Später, wenn die Verzweigung entwickelt ist, wird er wieder auf ca. 70 cm Höhe kommen, denke ich.
Viele Grüße,
Heike
