Liebig

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Constantin

Re: Liebig

Beitrag von Constantin »

holgerb hat geschrieben:- ein großes Problem habe ich damit, Unmengen an Dünger zu verwenden, von dem die Hälfte (imaginäre Menge) ausgewaschen wird und somit Umwelt und Grundwasser belasten, Stichwort Eutrophierung. Ich hab schon ein Problem mit der winterlichen Streusalzteufelei....
Habe ich ehrlich gesagt auch. Aber reichen die Mengen des durchschnittlichen Bonsaianers aus, eine Umweltbelastung zu verursachen? Hängt das nicht auch vom Standort der Bäume ab? So weit ich weiß warst du ja schon bei Walter zu Besuch. Welche potentiellen Wirkungspfade ließen sich da feststellen? Bevor ein Missverständnis entsteht: Ich werfe Walter hier keinesfalls Umweltverschmutzung vor. Ich versuche nur, etwas zu verdeutlichen das ich gerne verstehen möchte.
holgerb hat geschrieben: Dünger mit Guano verwende ich nicht, weil ich den Abbau der Vogelkacke nicht gut heisse (aber das ist eine gaaanz andere Baustelle).
Mich würde das schon sehr interessieren. Wenn es andere auch interessiert, kannst du es ja (anderswo im Forum) erklären. Wenn es sinst niemand wissen will, würde ich mich über eine PN sehr freuen.
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holgerb
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Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Constantin,

ja hängt vom Standort ab. Bei mir auf dem Balkon will ich nicht "rumhuren". Bei Walter war ich noch nicht. Und bei uns in der Baumschule reicht schon das ganz normale Wässern damit mir das Unkraut über die Ohren wächst...( ob das allerdings besser wird wage ich sehr zu bezweifeln).
Ich will Walter auch keineswegs Umweltverschmutzung vorwerfen, kann ich auch gar nicht. Es ist auch eher der Geldbeutel der sich streubt....

Zu Guano sage ich nur ganz einfach:

Schau Dir folgende Links an:

http://www.pinguine.net/pinguinlexikon/ ... ung/guanoi

http://www.g-o.de/dossier-detail-153-11.html

Und anscheinend brüstet man sich noch mit echtem Seevogel-Guano:

http://www.compo-hobby.de/blumenduenger ... _3941.file

Ganz zu schweigen von der Umweltverträglichkeit, wenn man den Transportweg mitrechnet.... alles klar?
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Thierry
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Re: Liebig

Beitrag von Thierry »

Bitte entschuldigt mich im voraus wenn ich auch etwas weit aushole.

Holger,
ich habe mich noch nie getraut es dir zu sagen, aber ich bin wirklich sehr froh, im Forum jemanden gefunden zu haben, dessen Ansichten meine Frau und ich seit vielen Jahren vollkommen teilen. Und noch mehr seit wir Bonsai machen.
holgerb hat geschrieben: - ein großes Problem habe ich damit, Unmengen an Dünger zu verwenden, von dem die Hälfte (imaginäre Menge) ausgewaschen wird und somit Umwelt und Grundwasser belasten, Stichwort Eutrophierung. Ich hab schon ein Problem mit der winterlichen Streusalzteufelei....
(...)
Aber das ist nur der Weg den ich eingeschlagen habe. Es gibt viele richtige Wege auf dem Weg zum gesünderen Bonsai. Auf welche Art und Weise man die vielen Stellräder bewegt, das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Ich habe fürs nächste Jahr erstmal meinen Weg gefunden....
Meine Frau und mir geht es genauso wie dir : wir haben ein großes Problem damit, daß erstens Unmengen an Dünger verschwendet werden (wir haben besseres zu tun als unser Geld zu verschwenden) und zweitens dazu noch (als würde diese Verschwendung nicht schon alleine reichen) damit unsere Umwelt belastet wird (unsere Kinder und Enkelkinder freuen sich ja schon über den Zustand der Natur die wir ihnen überlassen werden... wenn wir es durch unser bewusstes Verhalten noch verschlimmern, was werden die kommenden Generationen über uns denken können? Blinde Fahrt in die Mauer?).
Da wir in einem Winzerdorf leben, wo extrem viel gespritzt wird, sind wir in den letzten Jahren selbstverständlich noch sensibler auf sowas geworden (wir waren schon sehr sensibel auf sowas früher, aber der Kontext kann sowas noch verstärken).
Zyniker könnten jetzt argumentieren : "guckt euch mal was die Industrie macht, die verschwenden Unmenge an dies oder jenes!". Klar. Aber kann das im ernst ein Vorbild für uns Bonsaianer sein ? Naja, ich will jetzt auch nicht streiten, oder dem ein o. anderen was vorwerfen. Jeder sollte für sich entscheiden. Wir haben uns schon lange entschieden was unser Gewissen verträgt und für uns beide ist Bonsai eine tiefe innere Nicht-Trennung von der Natur, nicht nur ein gärtnerisches Hobby aus dem man die höchsten Leistungen holen muss, wir wollen an keinem Wettbewerb teilnehmen (erinnert mich wie die Franzosen ihre Bonsailehrer in Niveau-Kategorien stellen, bald gibt es die Olympischen Spiele für Bonsai ! :roll: ), sondern wir erleben durch und mit Bonsai einfach etwas schönes, kreatives, ausgleichendes, ein Ausgleich für den alltäglichen Stress. Und wir sind glücklich, daß unser Bäume sich guter Gesundheit erfreuen. Den Weg den einige hier eingeschlagen haben (leichte tägliche Düngung), werden wir also mit großem Interesse verfolgen. In diesem Sinne, freuen wir uns schon sehr auf eure diesjährigen Erfahrungen zu dieser Thematik.
Viele Grüße,
Thierry

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holgerb
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Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Thierry,

vielen Dank für die Blumen.... :oops:

Das Fass "Umweltschutz" machen wir mal an anderer Stelle auf... sonst kommen wir wieder vom Liebig weg.

@zopf:

Dieter, ich denke, daß man schon den ein oder anderen Zusammenhang erklären kann und den Liebig auch von den Nährsalzen auch auf andere Faktoren ausweiten kann.

Ich geb mal das Beispiel Standort:

Aussage 1:
Alle Bäume vertragen sonnige Standorte, auch der noch so geschlitzte japanische Ahorn. Die ist wahr, man muss nur in eine Baumschule gehen und schauen, wo die Dinger stehen. Die Bäume stehen da alle vollsonnig.

Einschränkung 1:

Jap. Ahorn No.1 steht an einem äusserst exponierten Standort, d.h. sonnig und windig. => eine sehr hohe Verdunstungsrate, und Wässerungsintervallen die man kaum oder gar nicht einhalten kann => Verbräunung der Blattspitzen

Schlussfolgerung 1:

-Verdunstungsschutz durch stetige Befeuchtung der Pflanze

-Der Baum wird windgeschützter und evtl, wenn nötig, absonniger gestellt (z.B. durch Schattiernetze, gibt es in verschiedenen Dichten), => längere Gießintervalle

Einschränkung 2:

Der absonnige Standort wird sich quantitativ "negativ" auf die Photosyntheseleistung auswirken (da weniger Licht) => geringeres Wachstum, größere Blätter, längere Internodien

Schlussfolgerung 2:

Absonnige Standorte dürfen keinesfalls zu dunkel sein, da sich zunehmende "Verdunkelung" negativ auf die Wachstumsrate auswirken

Schlussfolgerung G (wie gesamt):

Sonnige Standorte sind immer vorzuziehen, natürlich ist es auch sinnvoll, den Baum von Beginn der Wachstumsperiode an seinen vorbestimmten Standort zu stellen und ihn dort zu belassen.

An sehr heissen oder windigen Tagen ist über eine geeignete Schattierung nachzudenken, um Trockenschäden vorzubeugen.
Kann man das nicht leisten müssen die Pflanzen wind- und sonnengeschützter gestellt werden.
Ggf. muss auch das Substrat den vorherrschenden Standortbedingungen und dem Gießverhalten angepasst sein...
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Thierry
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Re: Liebig

Beitrag von Thierry »

Guten morgen,

Ich hätte eine Frage an unsere botanischen Experten :

Joseph Somm schreibt in seinem Buch ("Wege zur Gesundheit Ihrer Bonsai") im Kapitel "Vorsorge" unter dem Paragraph "Wechselwirkungen" wo es um die zahlreichen Wechselwirkungen zw. Nährstoffzufuhr, Wasserzufuhr und dem Gesundheitszustand geht (und wo er auch davon spricht, daß ein Boden, dessen Reaktion -pH- nicht ausgewogen ist, dem Baum nicht genügend Spurenelemente bietet, wodurch sie geschwecht wird),
in diesem Teil seines Buches schreibt et auch :

- Bei übermässiger Stickstoffzufuhr entwickeln sich Läuse und Spinnmilben. Es treten auch Pilzkrankheiten auf wie Mehltau und Rost.
- Dünger der zuviel Stickstoff zuführt, begünstig ein Ansteigen des Gehaltes an löslichen Zucker und Aminosäuren im Gewebe. Dieses Konzentrat ist der ideale Nährboden für Parasiten, die, wie jeder weiß, das beste Restaurrant auswählen.

Was ist, eurer Meinung nach, von diesen Aussagen zu halten ?

(mal abgesehen, daß Joseph Somm ein bekannter Experte in Agrarwissenschaften ist und somit ich, als Laie, seine Kenntnisse nicht in Zweifel ziehen könnte, und deshalb wende ich mich an euch)

Besten Dank im voraus.

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Constantin

Re: Liebig

Beitrag von Constantin »

Danke für deine Antworten, Holger.

Ob bei Walter das Unkraut um seine Bäume herum wuchert wie verrückt oder was sonst passiert, kann er uns ja vielleicht selbst erzählen.

Beim Guano habe ich zuerst gedacht, du meinst den Abbau des Guano in der Schale. :roll: Muss berufsbedingt sein...
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holgerb
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Re: Liebig

Beitrag von holgerb »

Thierry,

von dieser Aussage ist ganz viel zu halten. Ob lösliche Zucker vermehrt freigesetzt werden kann ich nicht sagen.... (denke länger darüber nach, google und rekapituliere den Biologieunterricht)

DOCH! Heureka! Selbstverständlich kann ich dazu was sagen, es ist ganz einfach...naja, so stelle ich mir das halbwissend vor

=>Zucker ist der Energie-Speicher, DER "Baustein" für organische Verbindungen in der Pflanze und Nahrung für die Schadinsekten (für die Chemiker, ich versuche es möglichst einfach zu formulieren, ist also nicht immer ggaaaaanz wissenschaftlich korrekt ausformuliert, bitte um Vergebung)
=>Aminosäuren sind die Bausteine für Proteine, der Amino-Rest beinhaltet je ein N-Atom
=>Proteine sind maßgeblich am Zellaufbau als "Baustoff" beteiligt

bei hoher Stickstoffgabe:

=> die Produktion von Aminosäuren und Zuckern zur Proteinbildung wird angekurbelt und damit auch der Zellaufbau
=> leider und das ist der Nachteil kommt die Produktion von Sklerenchymgewebe dabei zu kurz, u.a. die Bildung von Lignin, ein Makromolekül, für das reichlich Kohlenstoff benötigt wird (der erhältlich aus dem Zucker ist), weil offenbar die Zellbildung so beschleunigt wird, daß die Zellen nicht oder nur sehr verzögert verholzen.
Das kennen wir als Mastwuchs.

Mastige und unverholzte Zellen können von Schadinsekten leicht durchstochen und ausgesaugt werden...
Die Pilzkrankheiten bringen meist die Insekten mit

Hoffe, das war in aller Kürze nicht zu verworren
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Bergi
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Re: Liebig

Beitrag von Bergi »

Hallo Diskutanten,
- Monika hatte angeregt, dass ich diesen Beitrag, der bei der Thread-Trennung abgeschnitten wurde, noch mal poste, weil er vielleicht ganz interessant ist -

Im Aquarienbereich versucht man auch, über eine Verbesserung der Nährstoffrelationen Probleme wie Mangelwuchs, Algenbefall etc. anzugehen. Dazu gibt es z.B. verschiedene Nährstoffrechner: http://www.flowgrow.de/growcalc.php . Bei Bonsai im "erdlosen" Substrat würde man wohl von ähnlichen Verhältnissen ausgehen (ist ja eine Art "Hydrokultur"), und so ein Wasser sollte eine gute Nährstoffversorgung gewährleisten.

Der Vorteil gegenüber käuflichen anorganischen Düngern ist ganz klar, dass man sich nicht auf intransparente, überteuerte Präparate verlassen muss, sondern mit (z.B. in der Apotheke) günstig erworbenen Einzelkomponenten mit wenig Aufwand etwas mischt. Dazu passt sicher gut organischer Dünger als Langzeitmaßnahme bzw. als Lieferant von komplexeren Kohlenstoffverbindungen.

Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
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Martin Sch.
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Re: Liebig

Beitrag von Martin Sch. »

Also die Hühner und Tauben meines Schwagers produzieren neben den Eiern und Fleisch den Dünger als kostenloses Nebenprodukt ....
"Ein Mensch lernt wenig von seinem Erfolge,
aber viel von seinen Niederlagen !"
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