sulrich - es kann doch eigentlich gar nicht sein, dass eine Art plötzlich Probleme kriegt, die in Wald und Garten wie Unkraut wächst. Was ist da anders? Es trocknet nie ganz aus, ist nicht exponiert. Mehr ist nicht. Da geht es rein um Mikroklimata, nicht um die Region. Wenn ich hier manchmal lese, wie Dinger in Garagen verräumt werden «und dann habe ich wohl mal nicht so regelmässig gegossen», in nicht ganz so kalte Kalthäuser gestellt «und dann hat sie mal ausgetrieben», in irgendwelches Material verräumt «und dann hat sich im Styropor irgendwie Eis gebildet», dann denke ich mir manchmal meinen Teil. All das hat - ein weiterer Eindruck von mir - mit einer Art Pilzhysterie zu tun, offenbar versuchen da Leute, eine ganz saubere Umgebung zu machen. Bloss verstehe ich nicht, wozu. Weil bestimmte Ahörner mit bstimmten Pilzen ein bekanntes Problem haben? Das bedeutet nichts für andere Arten, nichts für den Winter.
Vielleicht bin ich leichtfertig, aber bisher gings gut, was mich ermuntert: Ich stelle die Dingens im Herbst alle mal runter, «an Schärme», wie wir sagen. Zwischen die Sträucher und Kiefern längs der Rasenfläche, ins Moos, ins Laub. Die sinken bis zum Schalenrand ins Moos ein und werden mit der Zeit mit Laub zugedeckt, das trocknet nicht mehr aus. Jetzt sind sie weg von Schneelast und Sturmwind, eingebettet in eine Feuchtpackung, vor Oberflächenaustrocknung geschützt, wenn es windet - und mehr ist nicht. Von vielen Sachen sehe ich gar nichts bis im Frühjahr, das sind bloss noch «Bärenhügel» irgendwo. Ich meide die ganz schattigen Stellen nördlich des Hauses, die sind zu kalt. Da, wo die Sonne hinkommt, geht es oberflächlich immer wieder mal über Null, dann komme ich mit der Giesskanne durch.
Ja, hin und wieder verabschiedet sich was. Aber ich sehe, dass das nicht «schwierige Arten» waren, sondern Exemplare, denen ich zuviel angetan habe. Meist bestätigt sich ein mulmiges Gefühl, selten bin ich überrascht. Auch da zweifle ich langsam, wenn ich lese - nur selten schreibt einer, er sei selbst schuld. Fast nie berichtet jemand soviel, dass man überhaupt ein klares Bild hätte. Ist aber wohl meist unser Fehler und nicht die Folge geheimnisvoller Unverträglichkeiten, Illuminatenpilze oder geheimdienstlich tätiger Schlimmkäfer.
Zu Balkonen kann ich nicht viel sagen, der, den ich lange hatte, war «winterwarm», da konnte man oft giessen. Hätte ich wieder einen (sprich: keinen Garten), würde ich bestimmt meine Sammlung anpassen, ganz kleine Sachen weggeben, dafür grössere dazunehmen, die sind leichter zu überwintern. Man soll nicht alles wollen. Bäume zu etwas zwingen zu wollen ist noch viel blöder als Katzen zu erziehen.
Ah so, um den Baumarkt gings. Kann ich auch nicht viel sagen. Da müsste ich doch erst fragen, ob wir nicht lieber über Arten reden wollen, über das grundsätzliche Problem, dass wir nicht in den Subtropen daheim sind, dass Bonsai nie fürs Zimmer gedacht waren und solche Sachen. Das ist buchstäblich und übertragen die Frage der Haltung. Im übrigen gibt es nur gute Bäume und schlechte Bäume. Woher sie kommen, sieht man nicht, auch hier hüte man sich vor skurrilen, antiken Vorstellungen über «starke, gesunde Bäume» und «hochgejagte, schwache Arten». Man lese dazu z.B.
hier über das ganz normale Phänomen der Bandbreite und beruhige sich damit, bloss ein kleiner Wicht zu sein, der nie, nie alle Faktoren beherrschen wird.
Fazit: Ich habe meine Auswahl aus Einsicht über die Zeit sukzessive auf das eingeschränkt, was hier geht. «Hier» heisst in meinen «Mikro-Zönchen», die schöne Eriobotrya japonica gehört auch dazu, die ich jedes Jahr zweimal Treppe hoch, Treppe runter, in eine spezielle (aber eben verfügbare - Mikroklima!) Ecke schleppe oder die Kamelie, die gerade noch Platz hat an einem kalten Fenster. Mehr tue ich aber nicht, sonst verliere ich meine Zufriedenheit. Darum gings doch.