Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Für ungeklärte(!) Fragen zum Bonsai-Einstieg und den Anfangsjahren. SUCHEN, LESEN, DENKEN und nur POSTEN,
wenn Du selbst KEINE ANTWORT GEFUNDEN hast
Antworten
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Nach allem, was ich bisher gelesen hab, lässt man Bonsais nie trocken werden und düngt großzügig.
Werden Kräuter und Sukkulenten in Bonsai-Form auch reichlich gedüngt und gewässert?

Ich hab noch beigebracht bekommen, dass man diesen Pflanzen damit schadet, sie an Robustheit verlieren, "schlechteres" Holz bilden und dadurch empfindlicher gegen Winterkälte werden.

Wie geht man damit um?
Ich hab die Suchfunktion bemüht, aber scheinbar fallen mir keine sinnvollen Suchbegriffe dazu ein, denn ich finde nichts.

Vielen Dank
Benutzeravatar
achim73
Freundeskreis
Beiträge: 11686
Registriert: 30.07.2006, 00:53

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von achim73 »

kräuter und sukkelenten gibt es nicht in bonsaiform, da sie kein holz bilden. insofern hat sich deine frage wohl beantwortet ?
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Aber Thymian, Salbei und Rosmarin sind doch gar nicht so ungeläufig in der Bonsaiform?
Oder der Pfennigbaum?
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Bevor ich jetzt zu behämmert oder wie ein Forentroll wirke. Ich bin als Hobbygärtner nicht völlig unerfahren. Ich weiß durchaus, welche Pflanzen Holz bilden und alt genug werden, um in Betracht gezogen werden zu können. Als Bonsai-Gärtner bin ich trotzdem Anfänger. Ich hab kürzlich Horst Stahls Werk durchgelesen, (abgesehen von den reinen Nachschlagebereichen), der auf dieses Thema nicht gesondert eingeht. Außerdem Herrn Palls Erfahrungen und Empfehlungen hier im Forum, welche recht kriegerisch wirken angesichts der feinfühligen Bonsai-Philosophie :D, aber der Erfolg gibt ihm ja wohl recht. Herr Pall unterscheidet zum Beispiel nachdrücklich nicht nach Art und Herkunft.
Außerdem verschiedene Threads zum Thema Düngen, welche sich aber um andere Fragen drehten.

Ich werde diese Erfahrungen sicher in den nächsten Jahren selbst machen, vielleicht sogar gezielt Versuchsreihen starten.

Trotzdem wäre ich dankbar für Erfahrungen anderer bezüglich den für Trockenheit gewohnte Pflanzen geltenden Allgemeinplätzen, die ich im ersten Beitrag genannt habe.
Benutzeravatar
Walter Pall
Botschafter
Beiträge: 8022
Registriert: 05.01.2004, 19:15
Wohnort: Attenham bei München
Kontaktdaten:

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Walter Pall »

Ein nicht auszumerzendes Missverständnis bezüglich Bonsai ist, dass sie klein gehalten werden müssen mit allen Mitteln. Es gibt dazu alle möglichen Vorschläge: nicht oder kaum düngen, ohne Stickstoff düngen, kaum oder wenig giessen usw.
Wer sowas meint, der hat Bonsaientwicklung nicht verstanden. Man kann nur einen Baum entwickeln, der wächst.
Man kann ihn besonders gut entwickeln, wenn er besonders gut wächst. Bonsia müssen deshalb MEHR gedüngt werden als normale Pflanzen, weil man ja immer etwas abschneiden will.
Selbst in der Literatur findet man viel Schmarrn. Viele Bonsaibücher wurden von Leuten geschrieben, die von Bonsaientwicklung nie eine Ahnung hatten.
Feinfühligkeit ist bei Bonsai oft hinderlich.
Sukkulenten sind keine Bonsai, müssen nicht entwickelt werden und sollten deshalb mager gehalten werden.
Zuletzt geändert von Walter Pall am 03.05.2011, 14:41, insgesamt 1-mal geändert.
Meine Beiträge und Bäume dürfen gerne kritsch beurteilt und diskutiert werden.
Aber bitte nicht unbedingt mit mir.

mit freundlichen Grüßen
Walter Pall
Benutzeravatar
Anja M.
Freundeskreis
Beiträge: 5825
Registriert: 05.01.2004, 17:52
Wohnort: Hamburg NW

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Anja M. »

Haalo,

so aus dem Bauch heraus würd ich raten, bei Sukkulenten insbsondere auf ein sehr durchlässiges Substrat zu achten, das man auch immer gut abtrocknen läßt. Dazu volle Sonne und großzügiges Gießen und Düngen sollten genauso machbar sein, wie bei einheimischen Bäumen.
73 Anja
Benutzeravatar
achim73
Freundeskreis
Beiträge: 11686
Registriert: 30.07.2006, 00:53

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von achim73 »

sorry, bez. thymian und rosmarin hast du recht. aber wie meine vorredner schon geschrieben haben, ist die pflege nicht anders als bei anderen mediterranen arten. sehr viel sonne, durchlässiges substrat, leichter winterschutz. die crassulaceae dürfen natürlich gar keinen frost abkriegen (obwohl die so robust sind, dass sie selbst den einen oder anderen nachtfrost überstehen ).
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24312
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Heike_vG »

Entenmann hat geschrieben:Nach allem, was ich bisher gelesen hab, lässt man Bonsais nie trocken werden ...
Das ist so nicht richtig! Die Erde muss bei den allermeisten Arten erst trocknen, wenn auch nicht ausdörren, ehe wieder gegossen wird, da sonst die Wurzeln leiden.
Lediglich einige besonders wasserliebende Arten wie die Sumpfzypresse und einige andere werden immer feucht / nass gehalten.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Danke euch allen.
Benutzeravatar
Dirk K. aus L.
Beiträge: 1150
Registriert: 31.05.2009, 09:11
Wohnort: Oldenburger Münsterland (Norddeutsche Tiefebene)

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hallo!
achim73 hat geschrieben:kräuter und sukkelenten gibt es nicht in bonsaiform, da sie kein holz bilden. insofern hat sich deine frage wohl beantwortet ?
Dem möchte ich widersprechen!

Wie stehts mit dem Jadebaum (Portulacaria afra)? Der verholzt definitiv. Und ich meine, auch hier im Forum schon überzeugende Gestaltungen gesehen zu haben.

Und tatsächlich: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =4&t=23481


Gruß, Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
Benutzeravatar
zopf
Mentor
Beiträge: 7070
Registriert: 19.05.2005, 14:18
Wohnort: Bergisches Land

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von zopf »

Hallo Quak
Begeben wir uns in den Bereich des Sports,
1 Marathonläufer, 1 Triathlet, 1 Bodybuilder und zuletzt einen Sumoringer.
Die ersten 3 versuchen Ihren Körperfettgehalt möglichst gering zu halten,
die ersten 2 halten allerdings auch Ihre Muskelmasse in Grenzen,
der Erste vermeidet auch einen kräftigen Oberkörper.
Bodybuilder und Sumoringer hingegen versuchen sehr viel Muskelmasse aufzubauen,
da Gewicht in Ihrer Sportart kaum eine Rolle spielt.
Allerdings unterscheiden Sie sich sehr in Ihrem Körperfettgehalt,
der Bodybuilder braucht definierte Muskeln und damit sowenig Fett wie möglich,
dem Sumoringer bringt jedes Kilogramm mehr auf die Waage einen Stabilitätsvorteil,
daher ist nicht nur Muskelmasse sondern auch Fett sinnvoll.
Alles sind Sportler, aber Ernährung und Training unterscheiden sich wesentlich.
Ähnlich ist es auch mit Bonsai
mfG Dieter
grüsse an die bewohner von melmac
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Hi Dieter,

wenn ich dich richtig interpretiere, meinst du damit, dass ein als Nahrung dienender Rosmarin einen anderen Leistungssport macht als ein Rosmarin-Bonsai.
Entenmann
Beiträge: 39
Registriert: 26.04.2011, 12:55

Re: Asketen, Bonsai-Technik vs. klassische Lehren

Beitrag von Entenmann »

Ich wollte jetzt nach zwei Jahren nur kurz notieren, dass ich mit zwei Rosmarin, nem Salbei, einem Thymian und einer Olive rumgespielt habe und sie in durchlässigem Substrat viel gegossen stark mitgedüngt habe. Das sind alles keine Bonsai, aber ich halte sie jetzt so. Alle Pflanzen erfreuen sich bester Gesundheit (Rosmarine und Olive haben im Winterquartier bereits geblüht wie verrückt und fast gar kein Grün verloren) und haben enorme Wachstumsschübe gemacht seither. Beim Thymian ist auch nicht zu beobachten, dass er an Winterhärte eingebüßt hätte, der sieht gut aus und wird jetzt schon langsam wieder grüner.
Nur dem Salbei sind die letzten zwei Jahre nicht so recht bekommen, vor allem wenn man ihn in Vergleich mit seinen drei "freien" Brüdern betrachtet, aber das können auch andere Einflüsse gewesen sein.
Antworten