Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

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Norbert_S
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Beitrag von Norbert_S »

Moin,moin

Für Interessierte an der Weiterentwicklung des Waldes ist jetzt eine Zusammenfassung des Vegetationsjahres 2008 und eine kritische Bestandsaufnahme eingestellt auf der AK-Homepage unter

http://www.bonsai-ak-hh.de/

vorweihnachtliche Grüße

Norbert
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Norbert_S
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Norbert_S »

Moin

Um auch hier im Forum die "Geschichte" parat zu haben, aktualisiere ich den Werdegang des Wäldchens komplett einschließlich der Bilder und Gedanken aus 2008, wie auf der AK-Homepage.

Update 2008

8 Monate sind seit der Erstgestaltung vergangen, die Vegetationsperiode ist abgeschlossen.
Zeit sich bei stürmischem und regnerischem Novemberwetter an den PC zu setzen und über die vergangenen Monate in Bezug auf den Wald zu berichten.
2008 war ein Jahr mit in Schleswig-Holstein ungewöhnlichen jahreszeitlichen Temperaturverläufen.
Einem sehr trockenen und warmen Vorfrühling folgte ein nasser und kühler Sommer bis in den Juli hinein, gefolgt von einer guten trockenen und teilweise sogar heißen Periode. Doch schon im frühen September setzte zeitig der Herbst mit zunehmenden Niederschlägen, niedrigeren Temperaturen und den ersten rauheren Winden ein.
Ein Jahresverlauf wie ich ihn noch nie erlebt habe.
Der Wald hat alle Wetterkapriolen gut, um nicht zu schreiben sehr gut überstanden.
Alle, auch die kleinsten Sämlinge aus dem letzen Jahr, haben das Umpflanzen in den Wald überstanden und sind prächtig, teilweise zu prächtig gewachsen.
Absicht war und ist es, einen großflächig wirkenden lichten Wald zu gestalten, der durch die unterschiedlich dimensionierten Bäume sowohl das Element des Alten, Beständigen als auch die dynamischen, sich ausbreitenden Elemente beinhaltet.
An diesem Ziel muss sich alles pflegerische und gestalterische Eingreifen ausrichten.

Mai
Die Aufnahmen wurden am 19.05 gemacht und zeigen einen guten Aufwuchs bei allen Bäumen und einen unerwartet starken Austrieb des Hauptbaumes. Die Äste haben bereits bis zu 6 Blattpaare geschoben bei ansprechendem Dickenwachstum. Die Triebe habe ich von Anfang an mit sehr dünnem Draht geführt, um einen harmonischen Verlauf der Krone zu erreichen. Mit zunehmendem Wachstum war der Tendenz nach oben jedoch mit 1mm Draht nicht mehr zu begegnen.
Den Austrieb der übrigen Bäume habe ich je nach Erfordernis auf ein oder zwei Blattpaare erstmalig pinziert. Die Bäume mittlerer Stäke haben reichlich Blüten angesetzt.
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Juni

Die Aufnahmen wurden am 06.06. gemacht und zeigen einen weiterhin fulminanten Austrieb. Die gesamte Komposition wirkt ungeheuer vital.
Da der Hauptbaum seine Krone noch komplett über die nächsten Jahre aufbauen muss, habe ich die Triebe weiter durchwachsen lassen. Ein Baum dieser Größe und Stärke wird auch ein entsprechendes Astwerk benötigen. Zur Erzielung einer ersten Verzweigung wird der Baum in der Folgewoche erstmalig zurück geschnitten.
Einige der kleinsten Bäume legen ebenso ein erstaunliches Wachstum an den Tag. Hier habe ich mich mit pinzieren noch zurückgehalten, weil die Rolle der jungen Bäume in Detail noch nicht endgültig feststeht und die ein oder andere Zwischengröße durchaus noch hilfreich für die Zukunft sein kann.
Der äußere Bereich wirkt jetzt schon nicht mehr licht sondern dicht bewachsen. Das wird über das Jahr zu beobachten und entsprechend im nächsten Frühjahr zu korrigieren sein.
Der Aufstellort ist für den Wald zwar schön geschützt, zum fotografieren aber eine Katastrophe. Der Wald ist nur mit zwei Mann zu hantieren und wird nicht immer für die anstehenden Fotos herumgetragen. Für 2008 wird er den Standort nicht wechseln. Im nächsten Frühling bekommt er auf der Terrasse einen ordentlichen Platz.
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Juli
Die ersten Bilder zeigen den Hauptbaum gut drei Wochen nach dem ersten Rückschnitt.
Der schnelle und kräftige Neuaustrieb hat mich sehr überrascht. Bereits am 15.07 steht der Baum wieder kraftvoll im Laub und wird am 19.07. zum zweiten Mal pinziert und neu gedrahtet.
Die dem Substrat beigefügte große Dosis Hornspäne kommt voll zur Wirkung.
Die z.T. sehr starken Rückschnitte der Wurzeln haben keinen Schaden angerichtet, im Gegenteil. Den frühzeitigen und reichlichen Düngergaben ist aber auch das Verrieseln der Blüten geschuldet. Das Pfaffenhütchen darf nicht vor ansetzen der Früchte gedüngt werden, sonst wirft der Baum die Blüten ab. Auf den Fotos ist die geringe Anzahl der Früchte im Verhältnis zu den Blüten im Mai schön zu erkennen. In dieser frühen Phase der Gestaltung ist der Verlust einkalkuliert und nebensächlich
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Norbert

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Norbert_S
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Norbert_S »

August

Den lieben Besuch eines AK-Mitglieds am 02.08 haben wir genutzt, um den Wald auf die Terrasse zu tragen. So konnte ich bei strahlendem Sonnenschein ein paar Bilder schießen.
Jetzt zeigt sich der Wald in seiner ganzen Pracht und Fehlerhaftigkeit.
Die Wirkung vor einem neutralen Hintergrund ist natürlich eine andere als in den beengten Verhältnissen seines üblichen Standortes.
Der Wald wirkt ungeheuer gesund und zwar alle Bäume, nicht einer schwächelt. Nicht zu glauben, dass die Erstgestaltung noch nicht einmal volle 5 Monate her ist.
Der Hauptbaum zeigt eine verspätete Blüte, so dass jetzt Früchte und Blüten zeitgleich im Wald vorhanden sind – auch den Düngergaben geschuldet.
Das Spiel des Schattens auf dem Boden der Lichtung erzeugt selbst auf dem unruhigen groben Substrat eine ungeheure Tiefenwirkung. Der schönste Blick ist dann schräg von rechts in die Tiefe der Lichtung hinein (Bild 3).
So hatte ich es erhofft und nicht geglaubt, dass es schon im ersten Vegetationsjahr der Gestaltung zu einem so ausgeprägten Effekt kommen würde.
Aber die ungeheure Dynamik zeigt eben auch Schwachstellen in der Gestaltung.
Ich werde bei der abschließenden Zusammenfassung genauer darauf eingehen.
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Norbert

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Norbert_S
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Norbert_S »

Oktober

Wie nicht anders zu erwarten war, blieb eine einheitliche Herbstfärbung aus. Zu jung ist die Gestaltung, um solches erwarten zu dürfen.
Der Wald muss erst noch als Ganzes zusammenwachsen und Austrieb sowie alle anderen Stoffwechselvorgänge harmonisieren, bevor sich der Übergang in den Winter mit Rotfärbung und Fall der Blätter als beeindruckendes Finale einer Vegetationsperiode darstellt.
Der Hauptbaum hat erschöpft die Blätter sehr früh mit nur angedeutetem Rot abgeworfen, andere sogar grün die Blätter verloren. Nur die Bäume, die in den letzten Wochen von der tiefer stehende Sonne beschienen wurden, haben eine ansprechende Herbstfärbung ausgebildet. Auch das wird mit der verbesserten Aufstellung im nächsten Jahr einheitlicher werden.
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Abschließende Zusammenfassung 2008

Das erste Waldjahr war spannend.
Erfahrungen mit einem solchen Projekt waren nicht vorhanden und so musste von kleinen Gestaltungen auf einige Nummern größer projiziert werden, aber nicht alles lässt sich so einfach übertragen.
Alle notwendigen Arbeiten sind sehr zeitaufwändig. So ist z.B. das Säubern der Oberfläche nach dem Fall der Blätter im Herbst eine Arbeit von Stunden und nur mit einer sehr langen Pinzette durchzuführen.
Jetzt, nach Abschluss der ersten Vegetationsperiode, ist der richtige Zeitpunkt, sich noch einmal kritisch mit der Grundgestaltung und den Erkenntnissen der vergangenen Monate auseinander zu setzen.
Das Substrat ist trotz des geringen Akadama-Anteils sehr nass. Die große Platte hält trotz der über 30 Abzugslöcher viel Wasser fest. Bei der endgültigen Schale muss das besser berücksichtigt werden und ausschließlich Körnungen 5-8mm Verwendung finden. Da der Euonymus kalkhaltigen Boden liebt, ist das Untermischen von grobem Muschelkalk nicht verkehrt. Ansonsten sollte eine regelmäßige Herbstkalkung erfolgen, der pH-Wert ist regelmäßig zu messen. Wird mit hartem Stadtwasser gegossen, wird sich ein Versauern des Bodens nicht einstellen.
Die Frostfestigkeit der Pflanzen in dieser sehr flachen Schale muss noch bewiesen werden.
Die endgültige Schale sollte eine Füllhöhe von 4-5cm aufweisen.
Wie die Bilder über den Vegetationsverlauf gezeigt haben, muss die Anzahl der kleinen Bäume reduziert und im nächsten Jahr konsequent pinziert und zurück geschnitten werden, damit erdnah Verzweigung erzielt wird und die Blattgröße sich verringert.
Die Gruppierung muss in Teilen neu geordnet werden, damit der Wald auch im vollen Blattwerk eine ruhige Ausstrahlung behält.
Der Springer muss evtl. durch einen niedrigeren aber dickeren Baum ersetzt werden. Obwohl ich gerade die hochliegende Astgabelung als ein attraktiver Merkmal dieses Baumes ansehe, steht seine Höhe in einem problematischen Verhältnis zum Hauptbaum.
Diesem würde eine Vorpflanzung, die den Stamm teilweise bedeckt, nicht schaden. Eine leicht weiter nach hinten verlegte Pflanzstellung, quasi an das Ende der schräg einlaufenden Lichtung würde durchaus die Spannung der Komposition erhöhen können.
Einige zusätzliche Bäume mittlerer Dicke würden dem Wald mehr Alter und bei entsprechend dichterer Pflanzung mehr Tiefe geben.
Es ist noch ein weiter Weg.
Aber trotz der angeschriebenen Mängel bin ich mit dem bisher Erreichten nicht unzufrieden.
Der Wald wird im nächsten Frühjahr noch nicht auseinander gerissen und neu geordnet sondern wird bis auf die Eingriffe bei den kleinen Bäumen keine gestalterischen Veränderungen erfahren.
Erstens wird bei regelmäßigem pinzieren und zurück schneiden des gesamten Waldes der Eindruck weniger unruhig werden als in diesem Jahr.
Zweitens benötigt er ein zweites Jahr zur Stabilisierung – das hat er sich verdient.
Und Drittens sind die zusätzlichen Bäume mittlerer Stärke, die ich in diesem Herbst gesammelt und radikal zurückgeschnitten habe, noch völlig ohne Astwerk und müssen sich im nächsten Jahr im Topf akklimatisieren und erste Verzweigungen ausbilden.
Ich bin jetzt schon gespannt auf das nächste Frühjahr und würde mich über Kritik und Anregungen freuen.
Norbert

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Norbert_S
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Norbert_S »

Aktueller Stand 2010

Alle Überlegungen im ersten Pflegejahr haben sich als nicht falsch erwiesen.
Der Wald erwartet viel Aufmerksamkeit vom Pfleger und viel Zeit. Eine Stunde pinzieren sieht man nicht.
Mehltau ist ein Problem, mehr optisch als Pflanzen bedrohlich.
Zu wenig Wasser führt zum Fruchtverlust ebenso wie ständig zu viel.
Arbeiten im Inneren des Waldes wie z.B. abgefallene Blätter beseitigen sind nur mit einer sehr langen Pinzette zu bewerkstelligen. Die jungen Pflanzen stehen zu dicht rauben sich gegenseitig das Licht. Dies führt zu ersten willkommenen Ausfällen. Ich bin gespannt, wie sich dieser Prozess weiter fortsetzt, dort will ich möglichst wenig eingreifen.
Die Fräsungen am Hauptbaum sind sehr gut überwallt, die Spitze ist erst einmal groß zurück geschnitten und wird im Frühjahr weiter eingekürzt.
Ob im nächsten Jahr die gestalterischen Veränderungen, die schon 2008 angesprochen wurden umgesetzt werden, hängt nicht zuletzt von der Verfügbarkeit einer entsprechend großen Waldschale ab. Wirklich notwendig sind sie nicht.
Die Frosthärte ist ausgezeichnet. Der Wald hat diesen strengen Winter ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen überstanden, er stand lediglich windgeschützt an der Garagenwand flach auf dem Boden.
Der große Brocken macht mir nach wie vor viel Spaß!

Abschließend aktuelle Aufnahmen vom 17.10. 2010
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Norbert

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M_e_r_l_i_n
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von M_e_r_l_i_n »

Norbert......wie geht es dem Pfaffenhütchenwald heuer?

alles im grünen Bereich?

Liebe Grüße Merlin
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Norbert_S
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Norbert_S »

Hallo Uwe

Danke der Nachfrage, dem Wald geht es gut. Die Bilder sind von heute.

Alles, was ich schon nach dem ersten Jahr als positiv und negativ vermerkt habe, ist so auch eingetroffen.

Die Empfindlichkeit gegenüber Mehltau ist schon ein echtes Problem, weil in so einem Wald immer Ecken bestehen, wo der Wind nicht so richtig durch wehen kann.
Der Mehltauschreck hilft da auch nur sehr kurzfristig.

Der Hauptbaum hat sich gut entwickelt, die Wundränder sind gut überwallt, im Herbst wird mit Hand das innere überarbeitet um die Maschinenspuren zu tilgen.

Der Pflegeaufwand ist schon enorm und eine vernünftige Schale müsste dann irgendwann auch einmal gewerkelt werden.
Endgültig habe ich mich noch nicht entschieden. Es wäre aber ein Leichtes, aus dem großen zwei kleinere stimmigere Wälder zu machen. Eine andere Alternative wäre ein stärkeres Auslichten und Umgruppieren um dann einen Parkcharakter zu erzielen. Auch das könnte sehr reizvoll wirken. Mit dem großen ausgehöhlten Baum würde ich dann ein separate Gruppe gestalten.

Aber damit wäre die Geschichte um die Gestaltung dieses Waldes kaputt und deshalb zögere ich noch. Muss ja zum Glück nicht mehr in diesem Jahr entschieden werden.
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Norbert

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Peter L
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Re: Projekt "Pfaffenhütchen" Waldgestaltung

Beitrag von Peter L »

Moin moin Norbert,

eine Waldgestaltung ist schon eine Geduldsaufgabe für viele Jahre. Es muss jeder Baum für sich und die gesammte Silhouette betrachtet und vor allem bearbeitet werden. Wer selbst mal einen Wald angelegt hat, der weiß wieviel Arbeit darin steckt.

Jedesmal beim betrachten kommen neue Ideen die aber im Gegensatz zu einem einzelnen Baum mehr Zeit bei der Vorbereitung und auch bei der Durchführung benötigen. Du bist auf einem guten Weg und die Möglichkeiten der Weitergestaltung, die Du aufgezeigt hast, zeigen das dieses Projekt sehr interessant bleibt.

LG Peter
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