vor gut einem Monat hat ein Fächerahorn zu mir gefunden, aus dem Nachlass einer Frau, die ca. 30 Jahre Bonsai betrieben und auch recht viel Geld darin investiert hat.
Die letzten Jahre ihres Lebens, besonders als sie schon krank war, hat sie ihre Bonsai nicht mehr intensiv pflegen können, sie wurden nicht umgetopft, kaum gedüngt und wohl auch oft nicht genügend gegossen. Entsprechend war jetzt der Zustand.
Meine AK-Kameraden und ich haben neben viel Zubehör die letzten 5 Laubbonsai der Sammlung übernommen und haben jetzt die interessante Aufgabe, diese Bäume wieder zu sanieren.
Mein Fächerahorn war ein Vierfachstamm, wovon aber der in meinen Augen überflüssige und uninteressante vierte Stamm abgestorben war. Die Krone war überdimensional groß geworden, teilweise verkahlt, viele abgestorbene Zweige dazwischen und die Blätter beunruhigend klein.
Der Baum stand in einer alten Peter-Krebs-Schale aus dem Jahr 1987, die mir sehr gefällt.
20. Juni 2011, so kam der Ahorn zu mir. Ich habe erfahren, dass er aus einem Japan-Import des Bonsaizentrum Heidelbergs in dessen besten Zeiten stammt und an die 20 Jahre im Besitz der verstorbenen Bonsaifreundin war.
Als erstes habe ich das Unkraut von der Erdoberfläche entfernt, eine schwache Düngerlösung verabreicht, den toten vierten Stamm und die toten Zweige entfernt. Zum Glück fanden sich keine Hinweise auf einen Pilzbefall. Eine neue Vorderseite drängte sich mir auch schnell auf.
21. Juni 2011, den hellsten Tag des Jahres nutzte ich noch schnell, um einen Rückschnitt vorzunehmen.
Nach dem Rückschnitt war der Baum handlicher und ich machte mich daran, ihn aus der bauchigen Schale herauszubekommen, was ein schwieriges Unterfangen war, weil der Ahorn viel zu lange nicht umgetopft worden war. Der Wurzelballen war sehr fest und dicht. Mit Sichelmesser und Sichelsäge musste der Baum freigeschnitten und anschließend mit Hebelinstrumenten aus der Schale gestemmt werden. Die außen unter dem Schalenrand herumgewachsenen Wurzeln wurden dabei natürlich entfernt, ansonsten habe ich nur die Wurzeln im unteren Bereich etwas gelockert, den Rest des Ballens aber ungestört gelassen.
So wurde der Ahorn nun in eine geräumige Trainingsschale gepflanzt, Substratmischung aus Akadama, Qualitätsblumenerde, etwas Bims und etwas Kanuma.
Anschließend bekam der Baum einen Platz im Gewächshaus und bereits nach wenigen Tagen zeigten sich die ersten neuen Knospen aus dem alten Holz. Deswegen legte ich dann gleich Biogold auf, bevor ich in den Urlaub fuhr.
Die bewährte Bewässerungsanlage versorgte meine Bäume prima während meiner Abwesenheit und als ich vor einigen Tagen zurückkam, hatte der Ahorn schon erstaunlich kräftige neue Triebe gemacht.
21.7.2011, welch ein kräftiger Austrieb innerhalb kurzer Zeit!
Das weitere Vorgehen ist so geplant, dass der Baum den Rest des Jahres im Gewächshaus bleibt und frei wachsen darf. Nach dem Laubfall im Herbst erfolgt dann ein ordnender Schnitt, Überwinterung frostfrei im Gewächshaus.
2012 soll der Baum vollsonnig draußen stehen, bleibt noch in der Trainingsschale, wird aber regelmäßig beschnitten. Im Frühjahr 2013 soll dann eine gründliche Bearbeitung des Wurzelballens erfolgen, ehe der Ahorn wieder in eine richtige Schale gepflanzt wird. Wenn sie dann von der Größe her noch passt, nehme ich die alte Schale wieder.
Das Andenken der verstorbenen Jutta möchte ich bei der Pflege dieses Baums bewahren, gerade weil es ihr auch besonders wichtig war, dass Ihre Bonsai und das Zubehör in würdige Hände kommen. Dem möchte ich gerne gerecht werden.
Dieser Frau, die sich so viele Jahre lang intensiv mit Bonsai beschäftigt hat, fühle ich mich verbunden. Ich bin sehr dankbar, dass ich in sehr jungen Jahren schon zu Bonsai gefunden habe, so dass ich jetzt schon 30 Jahre Beschäftigung mit diesem Hobby hinter mir habe, aber trotzdem noch jung genug bin, auf weitere 30 Jahre Bonsai hoffen zu dürfen.
Liebe Grüße,
Heike
