Juniperus communis

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Antworten
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Juniperus communis

Beitrag von Andreas R. »

Hallo,

hier das neueste Exemplar in meiner Sammlung: ein Europäischer Wacholder (Juniperus communis) als Zuchtform mit schuppenförmigen Nadeln. Es handelt sich sicher nicht um ideales Ausgangsmaterial, aber ich habe ihn geschenkt bekommen. Er ist recht schattig gestanden, weshalb er innen ziemlich verkahlt ist und insgesamt etwas bräunlich aussieht. Betroffen sind aber nur die inneren Bereiche, die äußeren Triebspitzen sind grün und vital.
Wacholder.jpg
Wacholder_2.jpg
Wacholder_3.jpg
Wacholder_4.jpg
Hier eine Legende um meine folgenden Ausführungen zu verstehen:
Wacholder_legende.jpg
1.
Ich stelle mir bei dem Baum als erste Möglichkeit eine Halbkaskade vor. Hierzu würde der Baum geneigt und Ast 1.3 (A1.3) würde den Hauptast bilden. Ich würde versuchen in diesen Ast noch etwas mehr Dynamik hineinzubringen und Ast 1.2 hinten darunter zu führen sowie Ast 1.1 vorne darunter. Evtl. würde Ast 1.1 auch zu einem Jin, der ein Shari bis zum Wurzelansatz einleitet. Evtl. würde aber auch Ast 1.2 zum Hauptast und Ast 1.3 komplett zu Totholz. Stamm 2 (S2) würde entweder komplett zu Totholz oder A2.2 würde entfernt und A2.1 der Bewegungsrichtung nach links der übrigen Äste folgen, wobei der vorhandene Totholzbereich an S2 als Shari bis zum Wurzelansatz erweitert würde.
Wacholder_5.jpg
also etwa so (nur sehr grob):
Wacholder_virtual_1.jpg
Der oberste Ast sollte wohl eher weiter nach unten und in den Hintergrund.


2. Ich habe mir angewöhnt nicht immer nur eine Möglichkeit in einem Baum zu sehen. So kann man das, was Psychologen den "Primacy-Effekt" nennen entgegenwirken, d.h. dass man von seiner ersten Idee so überzeugt ist, dass man alle anderen schlecht findet und nicht darüber nachdenkt.
Als zweite Möglichkeit sehe ich einen Doppelstamm. Der Neigungswinkel des Baumes wird nach links verändert, so dass S1 fast aufrecht ist und S2 als "Kind" fast waagrecht nach rechts abgeht. Ich würde dann aus A1.3 einen Jin machen, der ein Shari bis ganz nach unten einleitet, A1.1 ebenso, A1.2 wird zur Krone. A2.2 würde zum Jin und A2.1 stark eingekürzt.
Wacholder_6.jpg
also etwa so (nur sehr grob):
Wacholder_virtual_2.jpg
Über eure Meinung zu meinen Ideen und weitere Vorschläge würde ich mich freuen.

Viele Grüße,
Andy
Benutzeravatar
Bodo.P.
Beiträge: 1172
Registriert: 08.05.2005, 19:42
Wohnort: Waltrop

Re: Juniperus communis

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo Andy

Der Baum kann mal was werden.
Deine wichtigste Arbeit sollte aber sein den Baum wieder RICHTIG fit zu machen.
Wenn der Baum dann wüchsig ist kann man sich Gedanken machen.
Es fällt vielleicht schwer zu warten,aber der Baum verdient es.

mfg
Bodo.P.
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Juniperus communis

Beitrag von Andreas R. »

Hallo Bodo,

danke für den Hinweis. Wie gesagt, er ist nur innen etwas verkahlt, in den äußeren Bereichen sieht er fit aus. Ich hätte ihn jetzt nicht komplett gestaltet sondern nur etwas zurückgeschnitten und in eine Grundform gebracht für die künftige Gestaltung, so dass ich im Frühjahr einen gezielten Austrieb habe an den Stellen wo ich ihn brauche. Meine Befürchtung ist, dass wenn ich jetzt nur umtopfe wird der Baum wieder nur aussen an den Spitzen treiben.
Ich schneide jetzt mal die Sachen weg, die wirklich nur noch braun sind und mache etwas Wurzelpflege, pflanze ihn in einen größeren Topf mit vernünftigem Substrat.

Viele Grüße,
Andy
Benutzeravatar
Bodo.P.
Beiträge: 1172
Registriert: 08.05.2005, 19:42
Wohnort: Waltrop

Re: Juniperus communis

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo Andy

dann solltest du dafür sorgen das der Baum frostfrei steht mit genügend Licht.

mfg
Bodo.P.
Benutzeravatar
xistsixt
Beiträge: 830
Registriert: 16.06.2010, 21:07
Wohnort: am aletschgletscher
Kontaktdaten:

Re: Juniperus communis

Beitrag von xistsixt »

Hallo Andy

Communis mit Schuppenförmigem Laub?

Kann ja fast nicht sein... vielleicht Zuchtform von einer sabina??

Gruss
"Character is like a tree and reputation like a shadow.
The shadow is what we think of it; the tree is the real thing."

- Abraham Lincoln
Benutzeravatar
Bruno Wingerath
Beiträge: 34
Registriert: 27.08.2011, 17:03
Wohnort: 41352 Korschenbroich
Kontaktdaten:

Re: Juniperus communis

Beitrag von Bruno Wingerath »

xistsixt hat geschrieben:Hallo Andy

Communis mit Schuppenförmigem Laub?

Kann ja fast nicht sein... vielleicht Zuchtform von einer sabina??

Gruss
Hallo Andreas
das hier ist kein Communis,die Frage die ich mir stelle,wo hast du diesen Wacholder gefunden in einer Baumschule oder aus dem Vorgarten oder Yamadori?
Für mich sieht es nach einem Juniperus chinensis Mint Julep aus,er sieht sehr verhungert aus.
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich aber nicht Lebenswert.
Bruno Wingerath
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Juniperus chinensis

Beitrag von Andreas R. »

Ja, richtig, es handelt sich nicht um einen J. communis.
Ich bitte um Entschuldigung, mein Schwerpunkt liegt eher auf einheimischen Pflanzen und ich dachte, dass J. communis in manchen Zuchtformen auch Schuppenblätter ausbilden kann. Das hatte ich mal irgendwo gelesen, es stimmt aber offenbar nicht, wenn dann sind es eng anliegende Nadeln, die aber am Ende immer leicht abstehen.
Nach sorgfältiger Bestimmung kann ich sagen, dass es sich bei der gezeigten Art um einen Chinesischen Wacholder (Juniperus chinensis) handelt (nach Rothmaler Exkursionsflora). Eine Bestimmung der Unterart oder Zuchtform ist mir leider nicht möglich.
Zur Herkunft des Baumes kann ich nur folgendes sagen: er ist bei einer Wohnungsauflösung übrig geblieben und sollte entsorgt werden. Meine Freundin hat gemeint ich könnte den vielleicht brauchen und hat ihn mitgenommen. Nach ihrer Aussage stand er auf einem Balkon im vollen Schatten. Daher und weil er ewig nicht umgetopft wurde kommt wohl auch der schlechte Zustand. Die Triebspitzen haben allesamt ein frisches Grün, nach innen wurde er immer brauner. Bei einem Trockenschaden wären wohl auch bzw. vor allem die Triebspitzen betroffen? Der Topf war so ein schwarzer, dünnwandiger Plastiktopf in dem Baumschulpflanzen üblicherweise verkauft werden. Dort war er wohl drinnen seit die Vorbesitzerin ihn gekauft hatte. Wann das war kann ich nicht sagen, scheint aber schon ein paar Jahre her zu sein.

Ich habe jetzt den Baum mal ordentlich ausgeputzt und alles tote Zeug entfernt. Er sieht jetzt schon gar nicht mehr so schlimm aus. Beim Umtopfen (war längst überfällig) haben die Wurzeln recht gut ausgesehen. Ich habe nicht wirklich Wurzeln entfernt sondern nur das Nebari freigelegt um den Baum zu schonen. Weil das Nebari nur auf der rechten Seite gut vorhanden war habe ich mich jetzt endgültig für die Halbkaskade entschieden. Entsprechend diesem Gestaltungsziel habe ich den Baum schräg in einen größeren Topf in Blähton/Kiryu/Torfgemisch gesetzt und den rechten Hauptast etwas eingekürzt. Ich mach morgen mal ein Bild.
Im Frühjahr hoffe ich auf einen kräftigen Austrieb. Wenn dieser in ausreichendem Maß erfolgt werde ich dann schon drahten und im Herbst die Gestaltung abschließen (Totholz etc.).
Bodo meint ich sollte den Baum frostfrei überwintern (obwohl es ein Nadelbaum ist ???), dann werde ich das mal lieber machen. Was ist besser: Im beheizten Raum bei ca. 8°C oder im unbeheizten Kalthaus bei möglicherweise leichtem Frost? Hell wäre beides.
Benutzeravatar
Bodo.P.
Beiträge: 1172
Registriert: 08.05.2005, 19:42
Wohnort: Waltrop

Re: Juniperus communis

Beitrag von Bodo.P. »

Hallo Andy

Meine Wacholder lasse ich DRAUSSEN stehen, auch im Winter.
Du wolltest an deinem Baum arbeiten und nur deshalb habe ich gesagt das du den Baum frostfrei( um 0 Grad) aufstellen solltest.

mfg
Bodo.P.
Eva Warthemann
Beiträge: 3578
Registriert: 11.01.2004, 18:10
Wohnort: Kleinstadt in Sachsen/Anhalt

Re: Juniperus communis

Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Andreas!
Ich hatte schon öfter solche verhungerten Wacholder (diese hatten dennoch wesentlich mehr grünes Laub dran als Deiner) auf meinem Grundstück. Meine waren allerdings nicht im Topf eingepflanzt zu mir gekommen, sondern oftmals schlecht ausgegraben, so, das häufig nur wenige Faserwurzeln vorhanden waren. Das begründete dann auch die hohe Ausfallquote.
Jedoch die, die es geschafft hatten, wurden von mir in den Garten für 3-4 Jahre gepflanzt. (Mein Garten ist sehr klein.) Wacholder, die ich in Maurerkübel gepflanzt hatte, sind häufig eingegangen. Ich vermute, das winterliche Temperaturen unter 15°C daran schuld waren und das der Ausgrabezeitpunkt, im Spätherbst, auch nicht der günstigste war.
Falls Du einen Garten hast, dann mein Tip, setze ihn für ein paar Jahre in den Garten. Du hast es dran. Ungeduld ist hier fehl am Platz.
Liebe Grüße Eva Warthemnn
An Mitgift ist noch keiner gestorben
Mitglied im BCD
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Juniperus communis

Beitrag von Andreas R. »

Hallo Bodo,
habe ich das richtig verstanden: Nach größeren Eingriffen soll ich den Baum geschützt überwintern. Weil ich jetzt aber nicht viel dran gemacht hab (eigentlich nur einen Ast eingekürzt, das Entfernen von dem toten Zeug wird der Baum ja wohl nicht merken) kann ich ihn auch wie von Wacholdern gewohnt draussen lassen. Ich hab noch einen anderen Wacholder, der ist topfit und ich möchte den vielleicht heute grundgestalten. Den sollte ich dann ins Kalthaus stellen?

Hallo Eva,
Wacholder auszugraben ist recht schwer. Die haben viele feine Wurzeln, von denen auch viele dran bleiben müssen. Das Problem bei deinen war wohl vor allem der Wurzelbereich. Meiner war ja schon viele Jahre in dem Topf und hat viele feine und gesunde Wurzeln, die hatten nur etwas wenig Platz. Ich habe ein Trainingsbeet, aber der Platz darin ist begrenzt und ich hätte dann auch wieder das Problem mit dem Ausgraben. Ich lasse ihn jetzt in dem neuen Topf, da kann ich ihn nächstes Jahr besser mit Dünger versorgen. Je nachdem, wie er sich entwickelt bleibt er dann noch ein paar Jahre da drin. Ich hatte nur gemeint, dass ich im Idealfall schon nächstes Jahr eine Grundgestaltung machen kann.

Wenn sich endlich der Nebel auflöst und die Sonne durchkommt mache ich mal ein Bild von dem Baum wie er jetzt nach dem Ausputzen aussieht.

Viele Grüße,
Andy
chris-git@rre

Re: Juniperus communis

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Andreas,
was hast Du aus dem Baum gemacht?
Benutzeravatar
Andreas R.
BFF-Autor
Beiträge: 1172
Registriert: 16.10.2011, 17:56
Wohnort: bei München

Re: Juniperus chinensis

Beitrag von Andreas R. »

Hallo Chris,

der Baum hat sich wunderbar erholt und war schon im Sommer danach wieder satt dunkelgrün und hat viel neue Grünmasse gebildet.
Das macht er jetzt seit drei Jahren, ich habe es bisher nicht geschafft ihn zu gestalten.
Jetzt wird es höchste Zeit dazu, das muss ich unbedingt noch dieses Jahr machen.
Dann werde ich wieder Bilder einstellen, jetzt wäre das sinnlos weil es nur ein grüner Busch ist.

Viele Grüße,
Andy
Antworten