hier kommt der dokumentierte Werdegang eines Pfaffenhütchens (Euonymus europaea), das ich im Februar 2007 als Ballenpflanze in der Bonsaischule Enger gekauft habe. Ich hätte mir damals ruhig die Finger etwas gründlicher schmutzig machen können, indem ich das Nebari richtig untersucht hätte. Das ist nämlich nicht wirklich gut. Aber ansonsten gefiel mir die schöne Rinde und eben die Art, ein Pfaffenhütchen ohne Korkleisten an den Ästen, das diese tollen rosafarbenen Früchte hervorbringt.
Damals wusste ich allerdings noch nicht, vor welche Probleme mich der Baum noch stellen sollte, ganz so pflegeleicht wie ich dachte war er dann nämlich doch nicht.
Aber nun mal von Anfang an.
Der Baum wurde aus dem Ballentuch gewickelt, von Freilanderde befreit und in eine Trainingsschale getopft. Die Krone wurde erst einmal etwas zurückgeschnitten. Da mir die Baumart noch unvertraut war, ist dieser Schnitt recht vorsichtig, um nicht zu sagen zaghaft, ausgefallen.
Im Sommer 2007 habe ich leider kein einziges brauchbares Foto gemacht, nur eins von den Früchten, die mich fasziniert haben.
Im Frühjahr 2008 pflanzte ich das Bäumchen in diese schöne Schale von Petra Engelke und wollte eigentlich die Äste drahten. Als ich auf einem AK-Treffen damit begann, merkte ich bald, dass alles zu lang und unverzweigt war und so nichts taugte. Mit Ermutigung durch die AK-Kameraden erfolgte dann ein drastischer Schnitt.
Der Rest des Jahres 2008 war in Bezug auf diesen Baum dann ein einziges Ärgernis! Das Pfaffenhütchen explodierte geradezu aus dem alten Holz, das war ja durchaus positiv, aber was wurden das für Triebe!? Leider habe ich in meinem Ärger und meiner Konfusion keine Fotos von den merkwürdigen Gebilden gemacht, die da wuchsen. An mehreren Stellen erschienen bandartige, breite Triebe, die aussahen, als seien mehrere normale Triebe nebeneinander zusammengewachsen. Natürlich schnitt ich diese unheimlichen, hässlichen, mutierten Triebe weg und es kamen wieder neue, meist ähnlich mutiert, aber schwächer.
Als wäre das nicht genug, strömten Blattlausinvasionen von überall herbei und verlustierten sich auf dem armen Pfaffenhut. Als ich das halbwegs im Griff hatte, kam der Mehltau geballt. Bei all den Störungen und Schwächungen brauche ich wohl kaum zu erwähnen, dass die Pflanze nicht geblüht und gefruchtet hat...
Zeitweise war ich so sauer und genervt, dass ich das Pfaffenhütchen fast aus der Schale gerupft und über den Zaun zum ungeliebten Nachbarn in dessen verwuchertes Gestrüpp geworfen hätte.
Ein Jahr später, im Frühjahr 2009 waren immerhin ein paar brauchbare "normale" Zweige entstanden.
Auch 2009 gedieh das Pfaffenhütchen noch nicht zu meiner Zufriedenheit und gehörte zu den wenigen wirklich ungeliebten Bäumen in meiner Sammlung. Einerseits war ich aber zu stur, um aufzugeben und zum anderen hatte ich Ermutigung von Norbert_S, der sich mit dieser Baumart gut auskennt (man denke an seinen riesigen Euonymus-Wald!).
Ich begann, dem Euonymus hin und wieder etwas Kalk zu verabreichen, da ich meist Regenwasser zum Gießen benutze, und düngte überwiegend mineralisch flüssig. Dies schien die Wende zum besseren einzuläuten. Im Jahr 2010 verzweigte sich der Baum vernünftig weiter, brachte schon mal wieder einige wenige Blüten hervor und als Friedensangebot eine einzige Frucht!
Dieses Jahr wurden das Pfaffenhütchen und ich dann wieder richtige Freunde.
