Totoro hat geschrieben:meinst du die Mykhorrhiza-Hilfsbakterien die in Nadelbaumschulen die Ektomykh. stimulieren sollen ?
Was es nicht alles gibt...
Ja, das werden dann wohl solche sein wie ich meine. Ich denke aber nicht, dass man sich die extra kaufen muss. Bakterien kommen überall vor und sollten auch im Bonsaitopf enthalten sein. Als Symbionten kommen sehr viele Arten in Frage. Wenn sie mit dem leben können, was im Topf an Nährstoffen vorhanden ist, dann sind sie richtig. Wenn man Sämlingen in mineralischem Substrat hat, dann kann man ein kleines bisschen Erde aus dem Garten (Rasen, Gemüsebeet etc.) dazumischen um Bakterien in den Topf zu verfrachten. Vielleicht ist ja das der Grund, warum sie mit der Komposterde besser wachsen als ohne.
Totoro hat geschrieben:Für die Unentbehrlichkeit der Mykh. habe ich noch folgende Argumente gefunden. (bei Ektotrophe Mykh. bei P.sylv., Anette Greulich, Leipnitz Inst. Pflanzenbiochemie) :
1: Mykh. schützt vor Schadpilzen wie Hallimasch, Wurzelschwamm, Wurzelfäule!, Rotfäule
2: Mykh gibt Wuchsstoffe wie Auxine etc. an die Pflanze ab.
3:Mykh bildet 80% der Absorptionsoberfläche bei Kiefernsämlingen
1: Das ist ein ganz entscheidender Vorteil von Mykorrhiza. Wo die Wurzeln von Mykorrhizapilzhyphen umschlossen sind, da kann kein anderer Pilz an sie gelangen. Unentbehrlich wird es aber dadurch noch nicht, solange keine Schadpilze da sind können sie auch nicht zur Gefahr werden. Die aufgezählten Schadpilze werden begünstigt durch zu feuchte Verhältnisse im Bonsaitopf (besonders Staunässe) und/oder verrottendes Totholz. Besonders wenn der Baum also augenscheinlich kein oder nur spärliches Mykorrhiza hat sollte man das vermeiden. Hier hilft sehr durchlässiges Substrat ("modernes Substrat") und das Imprägmieren von Totholzbereichen besonders unter dem Substrat und knapp darüber.
Hier kann das Mykorrhiza aber auch zum Problem werden: Gerade bei sehr ausgeprägtem Mykorrhiza (die ganze Unterseite ist weiß, wenn man den Baum aus der Schale hebt) wirkt Staunässe verheerend. Das ganze Pilzgewebe da unten stirbt ab und fault vor sich hin. Ein paar abgestorbene Feinwurzeln könnte der Baum vielleicht ersetzen, aber in dem ganzen faulenden Pilzmaterial können alle möglichen Schad- und Schimmelpilze wachsen und von dort aus die noch gesunden Wurzeln befallen.
2: Das ist interessant. Dazu muss man wissen, dass Auxin wie die meisten Pflanzenhormone konzentrationsabhängig und über Konzentrationsgefälle sowie über das Mengenverhältnis mit anderen Hormonen wirkt. In geringen Dosen fördert es das Wachstum in diesem Bereich, in höheren Dosen hemmt es das Wachstum. Besonders im Wurzelbereich liegt die hemmende Konzentration von Auxin relativ niedrig. Bei einer relativ hohen Auxinkonzentration im Verhältnis zur Cytokininkonzentration verzweigen sich die Wurzeln stärker und bilden Adventiv- und Seitenwurzeln anstatt in die Länge zu wachsen. Eine Auswirkung auf das Wachstum im Kronenbereich halte ich für unwahrscheinlich weil Auxintransport vor allem in Richtung der Wurzeln stattfindet. Ich könnte mir vorstellen, dass die Wurzeln durch die Auxinabgabe des Pilzes also verzweigter und insgesamt weniger stark wachsen. Dadurch wird verhindert, dass der Baum entferntere Bereiche durchwurzelt, die der Pilz evtl. schon erschlossen hat. Der Baum spart so Ressourcen, wird aber auch abhängiger von dem Pilz.
3: Ja, deshalb muss man ja - wie ich bereits erklärt habe - besonders bei Pflanzen, die gewöhnlich auf nährstoffarmen Standorten wachsen darauf achten, dass die Sämlinge mit Mykorrhiza ausgestattet sind.
Bergi hat geschrieben:dass Mykorrhizapilze nicht direkt anorganisches Phosphat verwerten können (beim Kalium bin ich mir ziemlich sicher, dass es genauso ist), schien mir eigentlich gesichert. Eine Stelle muss ich mal raussuchen.
Ich habe darüber nachgedacht. Mir erscheint das sehr unwahrscheinlich. Auch Pilze haben ATP als Energieüberträgermolekül, bei dessen Spaltung anorganisches Phosphat entsteht. Das müssen die Pilze doch zumindest wieder an das ADP oder AMP anfügen können. Denkbar wäre zwar, dass sie das von der Pflanze machen lassen und die Bausteine (AMP und anorganisches Phosphat) an die Pflanze abgeben, wofür sie wieder ATP bekommen, aber was macht der Pilz dann bevor er einen Symbionten gefunden hat?
Kalium wird ja vor allem als freies Ion zur Aufrechterhaltung von elektrischen Potentialen und als Ladungsäquivalent für andere Kationen benutzt. Es muss also gar nicht verwertet werden sondern nur da hintransportiert, wo es gebraucht wird.
Wenn du also einen Beleg finden könntest wäre das eine sehr spannende Sache.
Übrigens habe ich noch nachgeschaut, wie lange es her ist, seit Pilze und Pflanzen auf die Idee gekommen sind sich zusammen zu tun (wie auch immer das genau vor sich gegangen sein mag). Die ältesten fossilen Nachweise für Endomykorrhiza sind 400 Millionen Jahre alt.
Totoro hat geschrieben:Niedrige Lichtintensität (Beschattung) hemmt Mykh. Bildung.
Das ist wohl so, weil der Baum ja dann weniger Assimilate (Zucker) bilden kann um den Pilz zu versorgen. Beschattung wird bei Bonsai jetzt weniger vorkommen, die kann man ja an einen helleren Standort tragen. Aber was ist wenn man sie beschneidet, größere Schnittmaßnahmen oder gar einen Blattschnitt durchführt? Dann wird ja die Photosynthesefläche verringert und es werden auch weniger Assimilate gebildet. Dazu bald mehr.
Viele Grüße,
Andy