Bisher haben wir meistens allgemein von "Mykorrhiza" gesprochen. Wie bereits ganz am Anfang erklärt gibt es aber verschiedene Arten von Mykorrhiza, deren Unterschiede ich jetzt erklären möchte. Vielleicht wird es so für manche auch weniger abstrakt wie man sich die Symbiose von Baum und Pilz praktisch vorstellen muss. In den Zeichnungen ist alles was zur Pflanze gehört grün und alles was zum Pilz gehört rot.
Zuerst betrachten wir mal eine normale Feinwurzel ohne Mykorrhiza.

- Eine ganz normale Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
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So eine Feinwurzel hat - unten angefangen - eine Wurzelhaube, die durch die Erde geschoben wird. Dahinter eine Wachstumszone in der Zellteilung stattfindet, so dass die Wurzel hier vorne in die Länge wächst. Dann kommt die Wurzelhaarzone. Die Wurzelhaare dienen der Oberflächenvergrößerung und über sie werden (wie auch über die übrige Wurzeloberfläche) Wasser und Mineralstoffe aufgenommen. Die Wurzelhaarzone ist nicht besonders lang weil die Wurzelhaare nach einiger Zeit absterben. Deshalb ist es so wichtig, dass ein Baum immer frische Feinwurzeln hat - ältere Wurzeln haben keine Wurzelhaare.

- Querschnitt durch eine Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Im Querschnitt sieht man den Aufbau im Inneren der Feinwurzel. Ganz innen sind kleinere Zellen. Hier gibt es Leitbündel, die Wasser und Nährstoffe zu den Hauptwurzeln transportieren. Dann kommen größere Zellen, die Wurzelrinde und schließlich ein Abschlussgewebe, dass auch die Wurzelhaare bildet.
Jetzt sehen wir uns den ersten Typ von Mykorrhiza an: Die Arbuskulär-Vesikuläre Mykorrhiza. Weil man dieses Wort nicht mal lesen kann, geschweige denn aussprechen wird dieser Typ auch einfach AV-Mykorrhiza oder andersrum VA-Mykorrhiza oder auch nur AM genannt. Sehen kann man das ganze nur unter einem guten Lichtmikroskop nach entsprechender Anfärbung.

- Eine Feinwurzel mit Arbuskulär-Vesikulärer Mykorrhiza.
Von Außen sieht man da nur Pilzfäden, die an die Wurzel hinführen. Interessant ist aber was im Inneren passiert:

- Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza
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Die Pilzfäden führen bis in die Wurzel hinein und wachsen dort zwischen den Zellen weiter. Manchmal bilden sie Verdickungen und manchmal wachsen sie sogar in Zellen hinein um dort merkwürdige Strukturen zu bilden. Man beachte auch, dass diese Wurzel trotzdem Wurzelhaare hat.

- Ausschnitt aus einem Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza. Man erkennt Arbuskel und Vesikel.
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In dieser Vergrößerung wird deutlich, dass die Strukturen, die der Pilz in der Zelle bildet, aussehen wie kleine Bäumchen. Deshalb nennt man sie Arbuskel. Sie dienen der Oberflächenvergrößerung und über sie findet der Stoffaustausch zwischen Pilz und Pflanze statt. Der Pilz gibt Wasser und Mineralstoffe ab und bekommt dafür Zucker. Viele Arten von AV-Pilzen können nur über die Arbuskel Zucker aufnehmen. Weil nicht immer gleich viel Zucker zur Verfügung steht (z.B. in der Nacht keine Photosynthese) legt der Pilz in der Nähe Vorratsspeicher an in Form von Vesikeln. Das sind diese Verdickungen. Sie befinden sich im Raum zwischen den Pflanzenzellen.
Ausserhalb der Wurzel bildet der Pilz ein peripheres Hyphennetz mit dem er den Boden durchzieht um Wasser und Nährstoffe zu sammeln und Fruchtkörper. Sie sind bei diesen Arten mikroskopisch klein und unterirdisch.
Eine andere Form von Mykorrhiza ist Ektomykorrhiza. Das ist das was viele als Mykorrhiza kennen. Viele bekannte Speisepilze bilden diese Form von Mykorrhiza.

- Feinwurzel mit Ektomykorrhiza (rechts) und Rhizomorphe (links).
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Auf dem Bild erkennt man, dass die Feinwurzel komplett von einem Mantel aus Pilzgeflecht umgeben ist. Es gibt auch keine Wurzelhaare mehr. Darum herum ist der ganze Boden von Pilzfäden durchzogen, die sich auch zu langen Strängen zusammenfinden können. Diese sogenannten Rhizomorphen sind quasi sowas wie Autobahnen auf denen große Mengen Stoffe zu weit entfernten Gebieten transportiert werden können. Die von einem Ektomykorrhizapilz erschlossenen Gebiete sind riesig im Vergleich zur AV-Mykorrhiza.

- Querschnitt durch eine Feinwurzel mit Ektomykorrhiza. Rechts erkennt man eine Abzweigung zum peripheren Hyphennetz.
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Der Stoffaustausch mit den Wurzelzellen erfolgt hier völlig anders. Der Zellverband der Wurzelrinde ist aufgelöst und dazwischen wachsen die Pilzzellen, die so das Hartig'sche Netz bilden. Auf diese Weise entsteht viel Kontaktfläche zwischen Wurzelzellen und Pilzzellen und der Stoffaustausch kann über die Zelloberfläche stattfinden.
Der Hyphenmantel bei Ektomykorrhiza kann oft mit bloßem Auge erkannt werden, wenn er dick genug ist. Die Farbe kann von Weiß bis Dunkelbraun reichen, die Wurzelspitzen sind verdickt.
Pilze die Ektomykorrhiza bilden sind nicht so stark von ihrem Partner abhängig wie AV-Pilze. Während AV-Pilze oft ohne Pflanze gar nicht wachsen können ist es bei Ektomykorrhizapilzen so, dass nur manche Arten ohne Kontakt zu einer Baumwurzel keine Fruchtkörper bilden können. (Leider ist das unter anderem beim Steinpilz so.)
Es gibt noch eine dritte Art von Mykorrhiza, die bei Bäumen aber nicht vorkommt.
Hier noch ein paar ausgewählte Beispiele von Bäumen und der Art von Mykorrhiza, die sie bilden können:
Nadelbäume
Ektomykorrhiza: Douglasie (
Pseudotsuga), Fichte (
Picea), Lärche (
Larix), Tanne (
Abies), Kiefer (
Pinus)
AV-Mykorrhiza: Eibe (
Taxus),
Sequoia,
Thuja,
Ginkgo, Steineibe (
Podocarpus)
Laubbäume
Ektomykorrhiza: Eiche (
Quercus), Birke (
Betula), Buche (
Fagus), Esskastanie (
Castanea sativa), Hainbuche (
Carpinus betulus)
AV-Mykorrhiza: Platane (
Platanus),
Prunus (Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Schlehe/Schwarzdorn, Zwetschg(/k)e), Rosskastanie (
Aesculus hippocastanum), Robinie (
Robinia), Esche (
Fraxinus), Ahorn (
Acer), Apfel und Birne (
Malus)
beide Formen: Ulme (
Ulmus), Eberesche (
Sorbus), Weide (
Salix), Erle (
Alnus), Pappel (
Populus), Linde (
Tilia), Walnuss (
Juglans), Haselnuss (
Corylus)
Bei manchen Laubbäumen kann das auch mit zunehmendem Alter ändern!
Tropische Bäume (also das ganze Indoorzeug)
überwiegend AV-Mykorrhiza
Viele Grüße,
Andy