Mykorrhiza

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Totoro

Re: Mykorrhiza

Beitrag von Totoro »

Hallo Andreas,

das mit den Laubbaumfeinwurzeln finde ich zum verr.... nicht mehr. :oops:

Aber zum Phosphat habe ich bei dem Artikel "Ektotrophe Mykh. bei P.syl. und L. decidua"
im Net was gefunden.
Neben zu üppiger Versorgung von N würde auch Phosphat-Düngung die Mykh. hemmen.
Wie siehst du das ?


Gruß

Dirk
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MarionS
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von MarionS »

Andreas R. hat geschrieben:Eine Lösung ist die "Tortenstückmethode", von der ich hier im Forum schon öfters gelesen habe (konnte sie selbst noch nicht ausprobieren). Wenn man nur einen Sektor des Wurzelballens bearbeitet und dann lange genug wartet bis man mit dem nächsten Sektor weitermacht ist noch viel gesunde Mykorrhiza (also Wurzeln und Pilz) vorhanden und der beschädigte Bereich kann von den Seiten schnell mit neuem Pilzgeflecht zuwachsen.
Wäre ein Lösungsansatz, allerdings gebe ich dem nur wenige Chancen bei meinen groben Substraten. Wenn ich meine Körbe nicht gerade extrem habe durchwurzeln lassen, rieselt mir das Ganze beim Handhaben schnell auseinander.
Nun siebe ich das Substrat in der Regel aber nur einmal durch, um die feinsten Anteile auszufiltern und fülle es mindestens teilweise wieder ein - eben wegen der Mykorrhiza. Die Körner sind davon durchzogen, nur die Verbindungen zwischen den Körnern sind zerrissen. Eigentlich sollte sich so ein Granulat mit all den kleinen intakten Resten darin schneller wieder erholen, oder?
Gruß,
MarionS

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bonsaiheiner
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von bonsaiheiner »

Gute Frage MarionS,

wobei wir damit vielleicht nach den akademischen Erörterungen wieder in die Niederungen des Bonsai-Alltages zurückkehren wollen.

Beste Grüsse,
Heiner
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Andreas R.
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Andreas R. »

Totoro hat geschrieben:Aber zum Phosphat habe ich bei dem Artikel "Ektotrophe Mykh. bei P.syl. und L. decidua"
im Net was gefunden.
Neben zu üppiger Versorgung von N würde auch Phosphat-Düngung die Mykh. hemmen.
Wie siehst du das ?
Der angegebene Artikel ist die Facharbeit einer Schülerin. Dem würde ich nicht unbedingt so vertrauen wie einer wissenschaftlichen Veröffentlichung.
Das mit dem Phosphor könnte aber schon stimmen, die Frage ist halt die Dosis. Ab bestimmten Mengen wird jeder Nährstoff sowohl Pflanzen als auch den Mykorrhizapilzen schaden. Dosis sola facit venenum - Die Dosis macht das Gift (Paracelsus).
Denkbar wäre auch, dass die Mykorrhiza bei reichlicher Phosphatdüngung gehemmt wird weil sie an Bedeutung für den Baum verliert. Ich werde versuchen dazu was zu finden.
MarionS hat geschrieben:Wäre ein Lösungsansatz, allerdings gebe ich dem nur wenige Chancen bei meinen groben Substraten. Wenn ich meine Körbe nicht gerade extrem habe durchwurzeln lassen, rieselt mir das Ganze beim Handhaben schnell auseinander.
Nun siebe ich das Substrat in der Regel aber nur einmal durch, um die feinsten Anteile auszufiltern und fülle es mindestens teilweise wieder ein - eben wegen der Mykorrhiza. Die Körner sind davon durchzogen, nur die Verbindungen zwischen den Körnern sind zerrissen. Eigentlich sollte sich so ein Granulat mit all den kleinen intakten Resten darin schneller wieder erholen, oder?
Bei lockerem Substrat wird das in der Tat schwierig. Wenn du das Zeug aus dem Topf holst, siebst und wieder einfüllst hast du ja im Prinzip den gleichen Effekt wie beim Umpflügen eines Ackers: das periphere Hyphennetz wird zerrissen und die Mykorrhiza somit beschädigt.
Das alte Substrat wieder zu verwenden ist sicherlich förderlich für die erneute Besiedelung. Allerdings geht das nur bei sehr formstabilem Substrat wie z.B. Fibotherm. Und selbst hier würde ich nicht nur altes Substrat verwenden sondern es mit einem größeren Teil neuem Substrat vermischen. So macht Walter Pall das ja auch.
Wenn du die Mykorrhiza deiner Bäume beim Umtopfen möglichst wenig beschädigen willst, dann könntest du ja versuchen im Inneren des Wurzelballens etwas Substrat unberührt zu belassen. Auch das geht nur bei sehr formstabilem Substrat weil sonst dort ein fester Klumpen entsteht.
Zuletzt geändert von Andreas R. am 16.12.2011, 01:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Bergi
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Bergi »

Guten Abend,
die hemmende Wirkung von Phosphat(-dünger) auf die Ausbildung der Mykorrhiza ist in der Tat recht gut untersucht, und sie könnte ja auch für unsere Bäumchen eine Rolle spielen.

Ein Artikel, der sich mit dem Thema befasst ist "Pål Axel Olsson,Ingrid M. van Aarle,William G. Allaway, Anne E. Ashford and Hervé Rouhier (2002): Phosphorus Effects on Metabolic Processes in Monoxenic Arbuscular Mycorrhiza Cultures" (Effekte von Phosphor auf Stoffwechselprozesse von wirtsspezifischen arbuskulären *) Mykorrhiza Kulturen)

Ich übersetze mal ein Stückchen daraus:

"(...)Der negative Effekt hoher Phosphor Werte im Boden auf die Ausbildung von AM (arbuskuläre Mykorrhiza) ist gut dokumentiert ( z.B. Mosse, 1973; Menge et al., 1978; Jasper et al., 1979 etc.), und sie wird vor allem durch P Konzentrationen verursacht, die höher als diejenige in den Wurzeln sind (...). Es wurde jedoch auch gezeigt, dass hohe P Konzentrationen AM Pilze direkt hemmen, indem sie die Sporenkeimung und das Wachstum der Hyphen aus den gekeimten Sporen reduzieren (...)".

Die Literaturstellen:
---Mosse B (1973) Plant growth responses to vesicular-arbuscular mycorrhiza: IV. In soil given additional phosphate. New Phytol 72:127–136.
---Menge JA,Steirle D,Bagyaraj DJ,Johnson ELV,Leonard RT (1978): Phosphorus concentrations in plants responsible for inhibition of mycorrhizal infection. New Phytol 80:575–578.
---Jasper DA,Robson AD,Abbott LK (1979): Phosphorus and formation of vesicular-arbuscular mycorrhizas. Soil Biol Biochem 11:501–505.


Es wäre interessant, welche Erfahrung die Nadelbaum-Experten mit Phosphatdünger gesammelt haben, ob sich da tatsächlich ein negativer Effekt abzeichnet?

Gruß,
Stefan
*) "arbuskuläre" Mykorrhiza heißt nicht, dass die vor allem an Baumwurzeln wächst, sondern bezieht sich auf eine besondere Wachstumsform der Hyphen im Pflanzengewebe.
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Totoro

Re: Mykorrhiza

Beitrag von Totoro »

Hallo Stefan und Andreas,

da wird die Schülerin das mit dem Phosphor auch her haben.
Das macht mir eine Phosphor betonte Düngung natürlich wieder etwas madig.

Noch eine Frage an euch Akademiker :

Stimmt es eigentlich das Bäume ihre Pilzsymbionten regelrecht anlocken ?
Mit Hormonen, Botenstoffen etc. ?


Gruß
Dirk
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Bergi
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Bergi »

Totoro hat geschrieben: Stimmt es eigentlich das Bäume ihre Pilzsymbionten regelrecht anlocken ?
Mit Hormonen, Botenstoffen etc. ?
... wahrscheinlich machen sie das so ähnlich, wie das Brot seinen Schimmel anlockt ...
(muss man mal recherchieren)
Gruß,
Stefan
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Bergi
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Bergi »

Hier was zum "Anlocken" der Pilze durch die Wurzel im WWW gefunden http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/d ... 010/t2.pdf.
Es geht also darum, dass die Mykorrhiza-Spore nur keimt und sich die Hyphe nur entsprechend ausbildet, wenn tatsächlich eine Wurzel in der Nähe ist. Das ist wohl wirklich so ähnlich wie Brot und Schimmel:

[...]Die Entwicklung der AM-Pilze beginnt mit der Sporenkeimung, die nicht auf spezifische Signalstoffe der Pflanze angewiesen ist, jedoch durch Wurzelexsudate oder flüchtige Verbindungen stimuliert werden kann (Harrison, 2005). Das Wachstum der daraus entstandenen Keimhyphe unterbleibt, wenn keine Wurzel einer Wirtspflanze in der näheren Umgebung vorgefunden wird (Bago et al., 2000; Harrison, 2005). Existiert ein Symbiosepartner, so tritt eine starke Verzweigung der wachsenden Keimhyphe auf, die durch spezifische Wurzelexsudate, z.B. den Signalstoff 5-Deoxystrigol, hervorgerufen werden kann (Akiyama et al., 2005). [...}

Leider fehlt bei diesem Web-Dokument sowohl der genaue Titel noch das Literaturverzeichnis, daher nicht wirklich zitierfähig... aber für diesen Thread wird's schon taugen...
Gruß,
Stefan
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MarionS
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von MarionS »

Den Symbiosepartner "wittern" zu können und sich aktiv in dessen Richtung zu entwickeln, macht evolutionär Sinn, würde ich mal behaupten. Anders herum macht es genauso Sinn für den Baum, besonders zu duften, wenn er einen Symbiosepartner sucht.
Nur - welcher Baum sucht schon einen Symbiosepartner, sollte das nicht eher selten sein? OK, man kann sich ja immer noch verbessern, wenn unter den diversen Myzelen im Wurzelbereich das eine nicht dabei ist...
Andreas R. hat geschrieben:Allerdings geht das nur bei sehr formstabilem Substrat wie z.B. Fibotherm.
Was zerbröselt ist, fällt ja durchs Sieb und wird eh ersetzt 8)
Gruß,
MarionS

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MarionS
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von MarionS »

Was ich mich frage: könnten Mykorrhiza eine Lösung zum erfolgreicheren Abmoosen von Bäumen sein? Meines Wissens nach hat es bislang z.B. niemand geschafft, eine abgemooste Eiche durchzubringen.

Könnte es nicht sogar sein, dass das Fehlen von Mykorrhiza der Grund ist, warum dies nicht geht?
Vielleicht kommt ein Mykorrhiza-gewohnter Baum nicht zurecht, wenn in dem neuen Topf keine mehr sind?
Gruß,
MarionS

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Andreas R.
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Andreas R. »

MarionS hat geschrieben:Was ich mich frage: könnten Mykorrhiza eine Lösung zum erfolgreicheren Abmoosen von Bäumen sein? Meines Wissens nach hat es bislang z.B. niemand geschafft, eine abgemooste Eiche durchzubringen.
Ich habe keine Erfahrungen zum Abmoosen von Eichen. Wenn das aber so ist, dann könnte man versuchen in den Abmooskorb etwas Substrat und Wurzelmasse von unten aus der Schale zu mischen sobald eine ordentliche Wurzelbildung stattgefunden hat. Dann nochmal ein paar Wochen oder Monate warten, so sollten die Mykorrhizapilze in der Lage sein die neuen Wurzeln zu besiedeln.
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achim73
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von achim73 »

soweit ich weiss, scheitert es bei eichen nicht an der wurzelbildung, sondern am mechanismus bzw. tempo der nährstoffeinlagerung (in der pfahlwurzel)bzw. des gesamten stoffwechsels.
wenn du z.b die dokumentation von reiner vollmari auf seinem blog liest, hat die abmoosung durchaus funktioniert, der baum ist aber 2 jahre später eingegangen.
das scheint auch der grund zu sein, warum das ausgraben nicht ganz unproblematisch ist.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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Andreas R.
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Andreas R. »

Wird Zeit, dass es hier mal wieder weiter geht.
achim73 hat geschrieben:soweit ich weiss, scheitert es bei eichen nicht an der wurzelbildung, sondern am mechanismus bzw. tempo der nährstoffeinlagerung (in der pfahlwurzel)bzw. des gesamten stoffwechsels.
Wäre dann vielleicht eine mögliche Lösung den Abmooskorb extrem lange (mehrere Jahre) am Baum zu lassen? Man könnte ihn ja nach einiger Zeit gegen einen größeren austauschen und dann ist Mykorrhiza sicherlich von Vorteil.
Bergi hat geschrieben:Leider fehlt bei diesem Web-Dokument sowohl der genaue Titel noch das Literaturverzeichnis, daher nicht wirklich zitierfähig... aber für diesen Thread wird's schon taugen...
Das ist die Einleitung zu einer Dissertation, die es vollständig hier zum Download gibt. Damit ist das völlig zitierfähig, danke Stefan.
Ich könnte mir aber durchaus vorstellen dass es da Unterschiede zwischen arbuskulärer Mykorrhiza und Ektomykorrhiza gibt.

Ich mal jetzt mal ein paar Bildchen um nochmal ein bisschen was zu den Grundlagen zu erklären und dann werde ich endlich etwas dazu schreiben, wie das mit Schnittmaßnahmen und Mykorrhiza aussieht.

Viele Grüße,
Andy
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camaju +
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von camaju + »

Andreas R. hat geschrieben:Wird Zeit, dass es hier mal wieder weiter geht.......
.......... und ein Beitrag fürs Fachwissen draus wird ;-)
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Andreas R.
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Re: Mykorrhiza

Beitrag von Andreas R. »

Bisher haben wir meistens allgemein von "Mykorrhiza" gesprochen. Wie bereits ganz am Anfang erklärt gibt es aber verschiedene Arten von Mykorrhiza, deren Unterschiede ich jetzt erklären möchte. Vielleicht wird es so für manche auch weniger abstrakt wie man sich die Symbiose von Baum und Pilz praktisch vorstellen muss. In den Zeichnungen ist alles was zur Pflanze gehört grün und alles was zum Pilz gehört rot.

Zuerst betrachten wir mal eine normale Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Eine ganz normale Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Eine ganz normale Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Feinwurzel-Übersicht.jpg (61.31 KiB) 1951 mal betrachtet
So eine Feinwurzel hat - unten angefangen - eine Wurzelhaube, die durch die Erde geschoben wird. Dahinter eine Wachstumszone in der Zellteilung stattfindet, so dass die Wurzel hier vorne in die Länge wächst. Dann kommt die Wurzelhaarzone. Die Wurzelhaare dienen der Oberflächenvergrößerung und über sie werden (wie auch über die übrige Wurzeloberfläche) Wasser und Mineralstoffe aufgenommen. Die Wurzelhaarzone ist nicht besonders lang weil die Wurzelhaare nach einiger Zeit absterben. Deshalb ist es so wichtig, dass ein Baum immer frische Feinwurzeln hat - ältere Wurzeln haben keine Wurzelhaare.
Querschnitt durch eine Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Querschnitt durch eine Feinwurzel ohne Mykorrhiza.
Im Querschnitt sieht man den Aufbau im Inneren der Feinwurzel. Ganz innen sind kleinere Zellen. Hier gibt es Leitbündel, die Wasser und Nährstoffe zu den Hauptwurzeln transportieren. Dann kommen größere Zellen, die Wurzelrinde und schließlich ein Abschlussgewebe, dass auch die Wurzelhaare bildet.


Jetzt sehen wir uns den ersten Typ von Mykorrhiza an: Die Arbuskulär-Vesikuläre Mykorrhiza. Weil man dieses Wort nicht mal lesen kann, geschweige denn aussprechen wird dieser Typ auch einfach AV-Mykorrhiza oder andersrum VA-Mykorrhiza oder auch nur AM genannt. Sehen kann man das ganze nur unter einem guten Lichtmikroskop nach entsprechender Anfärbung.
Eine Feinwurzel mit Arbuskulär-Vesikulärer Mykorrhiza.
Eine Feinwurzel mit Arbuskulär-Vesikulärer Mykorrhiza.
Von Außen sieht man da nur Pilzfäden, die an die Wurzel hinführen. Interessant ist aber was im Inneren passiert:
Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza
Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza
AM-Querschnitt.jpg (83.71 KiB) 1951 mal betrachtet
Die Pilzfäden führen bis in die Wurzel hinein und wachsen dort zwischen den Zellen weiter. Manchmal bilden sie Verdickungen und manchmal wachsen sie sogar in Zellen hinein um dort merkwürdige Strukturen zu bilden. Man beachte auch, dass diese Wurzel trotzdem Wurzelhaare hat.
Ausschnitt aus einem Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza. Man erkennt Arbuskel und Vesikel.
Ausschnitt aus einem Querschnitt durch eine Feinwurzel mit AV-Mykorrhiza. Man erkennt Arbuskel und Vesikel.
AM-Detail.jpg (204.98 KiB) 1951 mal betrachtet
In dieser Vergrößerung wird deutlich, dass die Strukturen, die der Pilz in der Zelle bildet, aussehen wie kleine Bäumchen. Deshalb nennt man sie Arbuskel. Sie dienen der Oberflächenvergrößerung und über sie findet der Stoffaustausch zwischen Pilz und Pflanze statt. Der Pilz gibt Wasser und Mineralstoffe ab und bekommt dafür Zucker. Viele Arten von AV-Pilzen können nur über die Arbuskel Zucker aufnehmen. Weil nicht immer gleich viel Zucker zur Verfügung steht (z.B. in der Nacht keine Photosynthese) legt der Pilz in der Nähe Vorratsspeicher an in Form von Vesikeln. Das sind diese Verdickungen. Sie befinden sich im Raum zwischen den Pflanzenzellen.
Ausserhalb der Wurzel bildet der Pilz ein peripheres Hyphennetz mit dem er den Boden durchzieht um Wasser und Nährstoffe zu sammeln und Fruchtkörper. Sie sind bei diesen Arten mikroskopisch klein und unterirdisch.


Eine andere Form von Mykorrhiza ist Ektomykorrhiza. Das ist das was viele als Mykorrhiza kennen. Viele bekannte Speisepilze bilden diese Form von Mykorrhiza.
Feinwurzel mit Ektomykorrhiza (rechts) und Rhizomorphe (links).
Feinwurzel mit Ektomykorrhiza (rechts) und Rhizomorphe (links).
Ektomykorrhiza-Übersicht.jpg (102.28 KiB) 1951 mal betrachtet
Auf dem Bild erkennt man, dass die Feinwurzel komplett von einem Mantel aus Pilzgeflecht umgeben ist. Es gibt auch keine Wurzelhaare mehr. Darum herum ist der ganze Boden von Pilzfäden durchzogen, die sich auch zu langen Strängen zusammenfinden können. Diese sogenannten Rhizomorphen sind quasi sowas wie Autobahnen auf denen große Mengen Stoffe zu weit entfernten Gebieten transportiert werden können. Die von einem Ektomykorrhizapilz erschlossenen Gebiete sind riesig im Vergleich zur AV-Mykorrhiza.
Querschnitt durch eine Feinwurzel mit Ektomykorrhiza. Rechts erkennt man eine Abzweigung zum peripheren Hyphennetz.
Querschnitt durch eine Feinwurzel mit Ektomykorrhiza. Rechts erkennt man eine Abzweigung zum peripheren Hyphennetz.
Ektomykorrhiza-Querschnitt.jpg (112.5 KiB) 1951 mal betrachtet
Der Stoffaustausch mit den Wurzelzellen erfolgt hier völlig anders. Der Zellverband der Wurzelrinde ist aufgelöst und dazwischen wachsen die Pilzzellen, die so das Hartig'sche Netz bilden. Auf diese Weise entsteht viel Kontaktfläche zwischen Wurzelzellen und Pilzzellen und der Stoffaustausch kann über die Zelloberfläche stattfinden.
Der Hyphenmantel bei Ektomykorrhiza kann oft mit bloßem Auge erkannt werden, wenn er dick genug ist. Die Farbe kann von Weiß bis Dunkelbraun reichen, die Wurzelspitzen sind verdickt.
Pilze die Ektomykorrhiza bilden sind nicht so stark von ihrem Partner abhängig wie AV-Pilze. Während AV-Pilze oft ohne Pflanze gar nicht wachsen können ist es bei Ektomykorrhizapilzen so, dass nur manche Arten ohne Kontakt zu einer Baumwurzel keine Fruchtkörper bilden können. (Leider ist das unter anderem beim Steinpilz so.)


Es gibt noch eine dritte Art von Mykorrhiza, die bei Bäumen aber nicht vorkommt.


Hier noch ein paar ausgewählte Beispiele von Bäumen und der Art von Mykorrhiza, die sie bilden können:

Nadelbäume
Ektomykorrhiza: Douglasie (Pseudotsuga), Fichte (Picea), Lärche (Larix), Tanne (Abies), Kiefer (Pinus)
AV-Mykorrhiza: Eibe (Taxus), Sequoia, Thuja, Ginkgo, Steineibe (Podocarpus)

Laubbäume
Ektomykorrhiza: Eiche (Quercus), Birke (Betula), Buche (Fagus), Esskastanie (Castanea sativa), Hainbuche (Carpinus betulus)
AV-Mykorrhiza: Platane (Platanus),Prunus (Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Schlehe/Schwarzdorn, Zwetschg(/k)e), Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Robinie (Robinia), Esche (Fraxinus), Ahorn (Acer), Apfel und Birne (Malus)
beide Formen: Ulme (Ulmus), Eberesche (Sorbus), Weide (Salix), Erle (Alnus), Pappel (Populus), Linde (Tilia), Walnuss (Juglans), Haselnuss (Corylus)
Bei manchen Laubbäumen kann das auch mit zunehmendem Alter ändern!

Tropische Bäume (also das ganze Indoorzeug)
überwiegend AV-Mykorrhiza


Viele Grüße,
Andy
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