herbert48 hat geschrieben:Eine Kiefer aus Saatgut derselben Art aus milden Gegenden wird nie die Winterhärte
erreichen wie ein aus Samen aus extremen Lagen gewachsenen Baum.
Sicher: die Natur wird unter den jeweiligen lokalen Gegebenheiten für die Auslese des Saatgutes sorgen - selbst in den Baumschulen kann man sie nur schwer aus der Sache raushalten.
Nur kaum einer hat seine Bäume ungeschützt draußen. Fast jeder versucht, durch die eine oder andere Maßnahme, die Auswirkungen des Winters auf seine Bäume abzumildern - zumal wir von vorne herein häufig Bäume aus anderen Klimazonen dabei haben und von da her
wissen, dass es nicht ohne Schutzmaßnahmen geht.
Schön, da hat also jeder von uns ein absolut unübersehbares Tohuwabohu an individuellen Einwirkungen auf seine Bäume, und jeder von uns versucht auch, die eine oder andere abzumildern oder gleich ganz zu entfernen. Trotzdem hat dieses Jahr ganz einfach die Summe der (ggf. verbliebenen) Einwirkungen reihenweise Bäume umgebracht.
Es kann Einwirkungen geben, die wir mit unseren menschlichen Sinnen nicht einmal "sehen" können - oder schlicht
übersehen, weil sie für uns irrelevant sind.
Es kann passieren, dass wir zuviel tun. (Nettes Beispiel: in dem Film "I, Robot" wollte ein Computer die Menschen maximal beschützen, indem er sie schlicht und ergreifend wegsperrt. Fanden die nicht komisch.) Es ist heute Grundwissen, dass hiesige Bäume ihren Winter
brauchen, aber es ist alles noch weit komplizierter.
Wenn ich mir das im Nachhinein vorstelle, dass meine Bäume oberirdisch tägliche Temperaturschwankungen von 25° und womöglich mehr durchgemacht haben, während es im Topf um den Gefrierpunkt blieb, frage ich mich: was machen die erst in anderen Gefilden als dem milden Niederrhein durch?? Und überleben das...
Aber das ist ja nicht alles. Es war ja auch noch heftig trocken. Die Bäume vor den Temperaturen zu bewahren hieß nicht, sie vor der Trockenheit zu bewahren - und die diversen Heizmethoden haben die Luft sicher nicht besser gemacht.
Unser Problem ist dabei, dass wir
einen Baum da stehen haben, einen Augapfel, ein Herzblut. Der nicht jault, nicht hinter den Ofen läuft, nicht hechelt und nicht obenrum seine Wasserschüssel leersäuft, während er untenrum schläft. Wir können nur raten.
Der Natur ist das wurscht, wenn im Wald X von Y Bäumen den Winter nicht überleben, dann vergehen ihre Überreste, während an derselben Stelle gleich eine Handvoll Sämlinge den Wettbewerb antritt, die freie Stelle zu besetzen. Aus abertausenden Sämlingen ist vielleicht einer in der Lage, dem lokalen Klima inkl Ausreißern hundert Jahre zu widerstehen und einen Prachts-Baum zu werden. So gesehen eine verdammt gute Chance für all unsere Bonsai, evolutionär zu dem Verlierer-Samen zu gehören, die in der Natur auch nicht soo viel weiter gekommen wären als bei uns im Topf.