Hilfe bei Ahorn Gestaltung

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Willo
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Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von Willo »

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Hallo,ich bin David.
Ich bin Anfänger und hätte ein paar Fragen.

Wie kann ich diesen Ahorn Gestalten und was für eine Sorte Fächerahorn ist das? Ich hab ihn seid einem Jahr und wollte ihn nächstes Jahr in eine Schale topfen und Gestalten.
Was würdet ihr machen?
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Werner
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Re: Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von Werner »

david,

wie mir scheint, hast du einen "stinknormalen" grünen fächerahorn. im grunde also keine sorte, aber super für bonsai, und auch "anfängerfreundlich" noch dazu - wächst gut und verzeiht fehler, hat aber für die bonsaigestaltung "sortentechnisch" keine nachteile.

erst mal unbedingt in einen tiefen topf setzen, damit sich der wurzelansatz verbessert, sprich, dass die stelzenwurzeln weiter in stammnähe wurzeln bekommen. evtl kannst du die wurzeln auch anritzen, oder einen draht um jeden hauptwurzel wickeln, und 1-2 jährchen warten. such auch nach der "fahrradschlauch-methode"
dann braucht das bäumchen einen radikalen rückschnitt: da, wo die mehreren starken äste abgehen, wird bald eine verdickung entstehen. entweder, du nimmst also alle äste bis auf einen weg, sodass du einen durchgehenden stamm hast, oder du kappst das bäumchen bereits darunter. aber wie gesagt, der rückschnitt muss ziemlich radikal sein.

das ist aber nur ein sehr kurzer und oberflächlicher umriss, um was es hier geht. auf keinen fall darfst du das bäumchen jetzt einfach abschneiden, die wurzeln anritzen und dann noch in einen großen topf setzen.
das alles braucht zeit. da du anfänger bist, nenne ich hier noch einmal auch den hauptgrund, wie anfänger idr ihre bäumchen killen.
nein, nicht durch falsche pflege, nicht durch mangelhafte düngung, vegessen, zu gießen, falschen rückschnitt oder sonst was. todesursache nummer eins ist das totpflegen. also einfach zu viel auf einmal, oder zur falschen jahreszeit, oder beides auf einmal.

jetzt ist bald winter, und alles, was du tun solltest, ist erst mal, dein bäumchen gut zu überwintern. also etwas frost- und windgeschützt aufstellen, und dann einfach warten.
was du derweil auf jeden fall tun solltest, ist: dich hier einlesen. und damit meine ich nicht die speziellen techniken, die du auf das bäumchen anwenden kannst, sondern vor allem das gärtnerische. wie man einen baum, einfach gesund und vital hält. erst dann kommt das gestalterische!

dein ziel sollte also sein, dir bis zum frühling das wissen anzueignen, wie du dein bäumchen die kommenden jahre gesund hälst, und abschätzen zu können, welche gestalterische maßnahme du deinem bäumchen zumuten kannst.
im prinzip wird das wohl darauf hinauslaufen, dass du ihm frühjahr umtopfst, und im sommer zurückschneidest, oder besser noch, im sommer darauf erst (vor allem, wenn du das wurzelwerk auch beschneiden und nicht nur auskämmen solltest, oder die hauptwurzeln anritzt, usw). und dann das bäumchen die nächsten 2-3 jahre ungefähr nicht mehr anrührst, sondern nur gießt und düngst.

und ich kann es wirklich nicht oft genug sagen: lass dir zeit! das bäumchen kannst du auch in 5 oder 10 jahren noch gestalten, aber nur, wenn es lebt. so banal die sache auch ist, es ist, wie gesagt, todesursache nummer eins. und das passiert auch menschen, die sich schon lange mit bonsai beschäftigen mitunter recht häufig. und gerade auf den sogenannten demos sieht man eigentlich, was man nicht machen darf. denn da wird fast immer viel zu viel auf einmal gemacht.
selbst eine sogenannte "erstgestaltung", wie man sie hier oft sieht, ist eigentlich eine riskantee sache, wenn zurückgeschnitten, gedrahtet und in eine schale getopft wird. und mit viel erfahrung und noch viel mehr zeit lernt man, bäume einschätzen zu können, sodass bei einer erstgestaltung, wie sie hier im forum gezeigt wird, das risiko kalkulierbar wird.

aber selbst ich, obwohl ich seit 8 jahren bonsai mache (und damit noch ein neuling bin), mache keine erstgestaltung, bzw nicht mehr, und das aus gutem grund. es ist für mich nicht nötig, da ich eben meine bäumchen jeden tag sehe, und jeden tag die möglichkeit habe, hier oder da ein ästchen abzunehmen, den perfekten zeitpunkt zum umtopfen abzuwarten, und va zuzusehen, wie das bäumchen reagiert. das heißt, dass meine "erstgestaltung" eines bäumchens im grunde nur nicht innerhalb einiger stunden, sondern innerhalb von 1-2 jahren kontinuierlich stattfindet, und das ist, wie ich finde sowohl für das bäumchen, als auch für den gestalter besser. besser für das bäumchen, weil es schonender ist, und besser für den gestalter, weil man einfach viel zeit hat, und sich alles durch den kopf gehen lassen kann, was man wo wie am besten macht, usw.

hoffentlich konnte ich dir etwas weiterhelfen, und ich wünsche dir viel spaß mit deinem bäumchen!

grüße,
werner
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Willo
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Re: Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von Willo »

Vielen dank Werner für deine Antwort. Also so ganz Anfänger bin ich nicht. Mein ersten indoor hab ich jetzt schon zehn Jahre. Outdoor Bonsai's seid zwei Jahren. Aber für die Verhältnisse noch Anfänger. Ich wollte eigentlich wissen ob ich den oberen stammteil abtrennen soll und ihn als besenform gestalten soll. Aber vielen dank für deine schnelle und umfangreiche Antwort.
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achim73
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Re: Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von achim73 »

hallo david,
werner hat ja schon sehr ausführlich das wichtigste gesagt. :)
ich denke auch, dass es sich um die wildform handelt, die eine der besten für anfänger geeigneten sorten ist.
allerdings muss ich auch sagen, dass du dir für den anfang nicht den geeignetsten baum ausgesucht hast ;)
ich könnte mir vorstellen, das der preis sehr günstig war, da er bonsaitechnisch gesehen ein paar "baustellen" hat.
das erste ist der wurzelansatz. wenn du mal wieder einen baum oder rohling kaufst, solle das das erste sein, worauf du achtest.
grobe fehler in diesem bereich lassen sich nur langsam und mit viel mühe beheben.
dieser wäre ein geeigneter kandidat für das abmoosen, was sich bei a. palmatum hervorragend machen lässt.
ich denke, dass die vorhandenen, dickeren äste für eine besenform ungeeignet sind. für eine genauere analyse müsste man den baum aber vor sich haben. vom foto geht das nicht.
ABER ! wie werner schon geschrieben hat, bring den baum erstmal über den winter, lerne ihn kennen und lies dich hier ein (das fachwissen ist eine goldgrube).
was im moment wichtig ist: das substrat. wie sieht es aus ? läuft das wasser gut durch ? wie schnell trocknet der baum ab ? ist im kernballen evtl. altes, verdichtetes substrat ?
ich selbst habe bereits schöne rohlinge verloren, weil das vom züchter verwendete substrat für meine methoden nicht geeignet war.
deshalb kaufe ich bäume nur noch im frühjahr, wenn es irgendwie geht, damit ich sie sofort umtopfen kann. dafür ist es jetzt zu spät.
jedenfalls solltest du eine geschützte überwinterung anstreben (wind-und regengeschützt, möglichst nicht unter -7,8 grad )
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
Werner
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Re: Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von Werner »

david,
wenn du abmoosen willst, dann würde ich das an der stelle machen, wo der abgeschnittene ast sitzt, da an dieser stelle der stamm nunmal an der wurzelbasis dann schon dicker ist.

aber! der grüne fächerahorn zickt beim abmoosen oft. ich weiß nicht, woran das liegt, vielleicht an der "unterart", aber mir ist es nicht einmal passiert, dass der ganze abzumoosende teil abgestorben ist. einmal sogar der teil darunter ebenfalls. ahorne sind ja auch generell anfällig auf pilzkrankheiten...

deshalb wäre mein vorschlag gewesen, dass du den vorhandenen wurzelansatz verbesserst, und evtl das bäumchen sogar unterhalb dieses ast-teils kappst. vll lässt sich das auch mit dem abmoosen kombinieren?
dann kannst du den oberen teil zu einer frei-aufrechten form ziehen, und den unteren zu einem shohin-besen.. :D

gruß,
werner
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Willo
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Re: Hilfe bei Ahorn Gestaltung

Beitrag von Willo »

Vielen Dank. Für eure mühe und Hilfe. Ich glaub ich probiere das mal nächstes Jahr denn oberen Teil abzumoosen. Ist ja auch nicht gerade mein wertvollster Baum und zum probieren genau richtig. Vielen dank schon mal an Werner und Achim
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