Drei neue Quercus robur yamadori

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
Benutzeravatar
akamazu
Beiträge: 283
Registriert: 09.05.2009, 21:29
Wohnort: Rheinland-Pfalz

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von akamazu »

Guten Morgen allerseits

Ich hätte schon gerne mal meine Frage beantwortet, die ging ja in erster Linie an Dieter.
Aber wenn wir schon mal jetzt dabei sind, könnt ihr anhand der Frage was hintergründiges rauslesen.
Die Frage war: "Wieso schneidest du den Trieb so weit runter beim ausgraben?" Dann mein kleines Statement.

Meiner Meinung wird hier einiges falsch verstanden. Ob Pfahlwurzel oder mehrere dicke Wurzeln auf der Felsspalte spielt keine Rolle.
Alle wissen scheinbar das Eichen etwas störrisch sind was das anwachsen betrifft.
Wie bring ich denn die Eiche zum Wurzeln?
Wurzeln entstehen durch vorhergegange Photosynthese.

Normalablauf
1. Wurzelschnitt und anschließende Photosynthese von unbeschnittenem Trieb.
2. Die 1. Pause tritt ein. Es haben sich viele Triebe entwickelt
3. Jetzt beginnt besonders Wurzelwachstum, Wurzeln bilden sich weil der Baum genügend Energien aus der Photosynthese gesammelt hat.
4. Die neuen Wurzeln sind in der Lage Nährstoffe aufzunehmen für die nächsten Wachstumschübe.
usw.

Yamadoriablauf
1. Wurzelschnitt und anschließende Photosynthese von beschnittenem Trieb.
2. Die 1 Pause tritt ein. Es haben sich ebenfalls viele Triebe entwickelt.
3. Es kann kein gutes Wurzelwachstum eintreten weil der Baum zu sehr geschwächt wurde da er seine komplette Energie in die Triebe gesteckt hat.
4. Die Wurzeln die sich naturbedingt hätten bilden müssen sind nicht in der Lage genügend Nährstoffe in Form von Dünger aufzunehmen.
usw.

Also wenn man eine Pfahlwurzel oder ähnliches kappt dann nur wenn der Trieb nicht gleichzeitig geschnitten wurde!!

Ich weiß wie jetzt argumentiert wird, aber hier sollte man sich mal hinterfragen warum man was tut.

Übliche Idee:
Schneidet man die Wurzel kann man auch den Trieb schneiden weil dann die wenigen Wurzeln nicht soviel zu versorgen haben.
Neue Idee:
Schneidet man die Wurzel soll man den Trieb nicht auch gleichzeitig kürzen, weil dann nicht so viele Wurzeln gebildet werde.
Die Pflanze kann das ganz alleine viel besser regeln.

Es kann durchaus sein das man 20 Jahre falsch läuft weil man ja es so gewohnt ist.

Reiners Eiche ist bekanntlich eingegangen!!!
Ich nehme mir mal die Freiheit zu sagen das was Reiner nicht richtig gemacht hat war, wie er auch selbst schon sagt im Teil 7 seiner Serie:
Zitat:
"Alle Äste wurden dann noch einmal zurückgeschnitten. Meiner Meinung ist es bei allen frisch eingetopften Bäumen nötig, mindestens ein Blattpaar an jedem Ast zu belassen, damit ein Saftzug gewährleistet ist."
Hier ist der Hund begraben.
Das kann man machen wenn richtig viele Wurzeln da sind (jedenfalls bei Eichen)
Wie sollen sich denn Wurzeln bilden wenn die ganze Energie für neue Triebe verschwendet wird.

Gruß Ralf
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2307
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von avicenna »

Hallo Ralf,
ich bin bei dir in deiner "Denke" ...Wurzeln werden nur aufgrund der Versorgung durch die oberirdisch aktiven, photosynthetisch wirksamen Anteile gebildet.Die gespeicherte Energie in Eichen geht sogar soweit, dass bei armdicken Ästen die man als Stütze z.B. in den Boden rammt, ein Astwachstum beobachtet kann das bis zum Ansatz der Verholzung gehen kann. Das habe ich selbst beobachtet und war zuerst sehr verwirrt darüber. Der Stamm hat natürlich keine Wurzeln gebildet, wie z.B. eine Weide es tun würde, aber der erste Eindruck war schon verwirrend.
Wenn du meinen dicken Kauribrummer meintest bei denen ich den Hauptrtrieb reduziert hatte, waren doch noch einige Triebknospen am Baum, aber sicher viel zu wenige ...
Wenn ich nochmal so fette Eichenbrummer berge werde ich die Pfahlwurzel mit Sicherheit nicht unvorbereitet einfach kappen und darauf vertrauen, dass die obere Wurzelbildung spontan den Verlust reguliert, sondern werde sie unteririsch abmoosen und den Erdballen darüber mit Spaghnum und pilzhyphenhaltiger Erde verfüllen, einen Plastikmantel darumziehen und das Ganze oftmals kontrollieren und ggf. gießen etc.
So hab ich es auch gemacht bei einem dicken Crataegusbrummer der in Frühjahr 2013 geborgen wird.

saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 17.12.2012, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
akamazu
Beiträge: 283
Registriert: 09.05.2009, 21:29
Wohnort: Rheinland-Pfalz

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von akamazu »

Hallo Dietmar

Also, deine Antwort ehrt dich und ich bin begeistert, weil wir uns verstehen.
Deine Beobachtung mit den Pfählen kann ich bestätigen, das machen fast alle Pflanzen so. (Soviel zum Mythos Speicherung der Energien in der Pfahlwurzel, haha) ich weiß nicht wo das alles herkommt. EIner sagt oder schreibt mal was und alle quatschen es nach.
Ich finde es großartig das du so viel dokumentierst und dich auch der Gefahr aussetzt das andere meckern.
Dies bedeutet immer viel Zeiteinsatz. Ich werde versuchen auch mehr zu dokumentieren.
Zeig auf jeden Fall mal die Geschichte mit dem Weißdorn nächstes Jahr.

Gruß Ralf
Campestre
Beiträge: 23
Registriert: 15.01.2011, 23:46

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von Campestre »

Hallo Dietmar,

was macht der Crataegus? Ist er raus?

Wie würdest du bei Eichen vorgehen, die in einer sandig-lehmig- teilw. garstigen Erde stehen? Ich habe da ein paar Exemplare auf "ökologisch bewirtschafteten Forstflächen" :-D stehen.
Eine davon habe ich seit letztem Frühjahr zum Durchwachsen und Kraft tanken mit besonderem Schutz versehen (vierbeinige Pfleger ausgesperrt). Eine Hainbuche und eine Birke vom selben Standort habe ich dieses Jahr ausgegraben (letztes Jahr umstochen und gedüngt). Bei der Eiche geht das nicht, die möchte ich dieses Jahr auf den Verlust ihrer Pfahlwurzel vorbereiten. nur wie, da bin ich mir noch nicht klar drüber. Die Erde lässt es nicht zu, dass ich soweit unter den Ballen komme, dass ich nur die Pfahlwurzel abmoosen kann. Ausgraben incl. Pfahlwurzel geht gar nicht.
Ist es denkbar die Eiche unterirdisch abzumoosen? Ich meine komplett? Oberhalb der Abmoosstelle wären keine Wurzeln vorhanden. Was erschwerend hinzukommt ist, dass ich an den Standort nicht sonderlich oft zum Gießen komme.
Dort stehen noch einiges mehr an Eichen und Hainbuchen, die ich gerne bergen würde. Sie bedürfen aber allesamt einer Vorbereitung. Einfach kurz mal "sammeln" wie man es immer so schön liest (sogar mehrere am Tag :shock: in meiner Gegend bei den mir bekannten Wurzelballen und der Erdbeschaffenheit ein Ding der Unmöglichkeit) ist nicht.

Hier im Anhang mal das Wurzelbild der diesjährigen Hainbuche (für die Vorstellung, wie die Erde denn so beschaffen ist); die Erde ist so schlimm eigentlich nicht, für mich ist es aber trotzdem nicht wirklich vorstellbar, eine Eiche mit einer 0,6m oder längeren Pfahlwurzel auszugraben ohne die Wurzeln darüber zu sehr zu beschädigen. Ein "kleiner" Eingriff, eine Abmoosstelle und anschließend ausreichend Zeit für die Wurzelbildung, erscheint mir die schonendste Methode zu sein. Beim Bergen würde ich dann trotzdem nicht einfach abtrennen, sondern ausgraben was geht; da kann man das Risiko ja dann eingehen, evtl. einen großen Teil der alten Wurzeln zu verlieren.

Gibt es eine bessere Methode?

Gruß, Johannes
Dateianhänge
Hainbuche_Yamadori2013_Wurzelbild
Hainbuche_Yamadori2013_Wurzelbild
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2307
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von avicenna »

Hallo Johannes,
der mächtige Crataegus ist geborgen ;-) und steht jetzt im Gartenboden. Ich berichte darüber in dem entsprechenden threat.
Wir haben zwei Crataegen noch dieser methode vorbereitet und es ist ein gutes Ergebnis dabei herausgekommen.
Einen Riesensack frisches Shagnum vorher im Moor gesammelt, dann die wurzeln des yamadori wit freilegen ... soweit wie du ihn abmoosen möchtest. Die Rindenanteile bis aufs Holz entfernen, einen Draht einbringen und festzurren um nen Stau der Assimilate zu erzielen. Dann alles großzügig mit Shpagnum auspolstern und !!! jeweils einen Plastigbeutel wie eine Tasche um jede abzumossenede Stelle wickeln. Diese dann gut wässern und oben eine kleine Einfüllstelle freilassen. In die kannst du bei deinen spärlichen Besuchen Wasser nachfüllen ... das hält sich dann lange dort und die Wurzeln trocknen nicht aus.
Dann alles wieder zuschütten ... Wenn du nach einem Jahr einmal nachschaust und an einer Stelle die Plastikummantelung abmachst und Wurzeln siehst, entscheide ob es genug sind. Ansonsten noch einmal ein Jahr warten und ggf. nachbessern. Dann kannst du im dritten Jahr im Frühjahr getrost ernten.
Diese Methode steht und fällt mit deiner Sorgfalt bei der Präperation der Abmoosstellen in jedem einzelnen Punkt. Rinde weg, Draht spannen, Sphagnum umwickeln, Plastigflächen anbringen die ein nachgießen ermöglichen, Nachsorge ....

Ich wünsch dir viel Erfolg ;-)

saludos
avicenna
Benutzeravatar
Robert S.
Freundeskreis
Beiträge: 9783
Registriert: 28.03.2005, 07:09
Wohnort: München
Kontaktdaten:

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von Robert S. »

Hallo Dietmar,

Ich glaube wir hatten das Thema schon an anderer Stelle. Torfmoose stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Insofern verstehe ich weder warum Du diesen Raubbau betreibst, noch warum Du hier so frank und frei darüber berichtest. :evil:

MfG
Robert
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2307
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von avicenna »

Ich glaub das hatten wir wirklich schon und auch damals hatte ich dir und anderen gesagt, dass das Torfmoos aus TORFABBAUZONEN kommt, das ganze dort ist Firmengelände und da wird sowas von keine Rücksicht genommen ... da werden Gräben zugeschoben, alles plattgemacht was irgendwie piep machen könnte ... soll man da ein Liedchen auf den Naturschutz singen und vor dem Torfmoos einen Diener machen ? ... also ehrlich ...halte mal den Ball flach ... irgendwann isses aber auch gut mit deiner Grünsendung ...Du musst dir mal die Frage stellen wieso es auf der roten Liste steht ... da werden nämlich die Lebensräume plattgemacht und nicht das Torfmoos selbst ...Halllloooo es geht bei dem Schutz um Lebensraumschutz , um Biotopschutz ...!!!. Das Torfmoos selber regeneriert sich irre schnell wenn alle Bedingungen passen und den Beutel den ich da herauspresse der ist in 4 Wochen wieder da ...
Zuletzt geändert von avicenna am 11.05.2013, 16:23, insgesamt 1-mal geändert.
Campestre
Beiträge: 23
Registriert: 15.01.2011, 23:46

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von Campestre »

Hallo Dietmar,

vielen Dank, das hört sich vielversprechend an.
Da muss ich mal durchzählen, wieviele Baustellen ich dieses Jahr dann noch habe *daumen_new*

Was mir nicht ganz klar ist: was soll der zusätzliche Draht bringen? Die Einbahnstraße für Assimililate ist doch schon durch das Abschälen der rinde gewährleistet oder nicht?
Oder gibt es Arten, welche die zuckerführenden Leitungsbahnen ins Holz legen können ?!? Das wäre ja eine Erklärung für die angebliche "Nicht-abmoosbarkeit" einiger Arten.

Gruß, Johannes
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2307
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Drei neue Quercus robur yamadori

Beitrag von avicenna »

Campestre hat geschrieben:was soll der zusätzliche Draht bringen?
Hallo Johannes,
ehrlich gesagt ... bin ich genauso ratlos bezüglich dieser Frage wie du :oops: ... aber wenns ums Abmoosen geht, wird immer ein Draht zusätzlich festgezwirbelt. So zeigen es zumindest alle Berichte und Informationen zu dem Thema.Eine Erklärung könnte sein , aber ich vermute nur, dass man vielleicht den Wasserstrom hinauf zu den Blättern einengt um vielleicht die Photosynthese nicht auf Höchsttouren laufen zu lassen.
Bei Lärchen hab ich bei einem ca. 6 cm dicken Spitzenstück erlebt, dass nach zwei Jahren der Wassertransport nach oben vorbei war ... eben wegen dieses zusätzlichen Drahtens. Die Lärche hatte im ersten Jahr nur wenige Wurzeln gesetzt und den gesamten Bereich wieder zugewallt. Also hab ich nocheinmal die Rinde abgetragen und noch ein Jahr gewartet. Dann vertrocknete die Spitze zusehens ... meine Erklärung war, dass die Wasserbahnen von innen nach außen verlegt werden ... jedes Jahr eine Stufe weiter nach außen. Ich hatte ihm also zulang den Wasserhan abgedrückt und er konnte nichts mehr gegen den Draht nach oben bringen.

Also , bei ner Lärche würde ich keinen Draht mehr zusätzlich einsetzen ...

saludos
avicenna
Antworten