Eine gewundene Traubenkirsche

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Norbert_S
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Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Norbert_S »

Hallo
In dem "Verrückten-Ahorn-Thread" hatte ich ja schon zwei Bilder einer doch nicht alltäglich gewachsenen Traubenkirsche gezeigt.

Vielleicht zum Verständnis einige Sätze vorweg:
Die Reise dieses Baumes muss um die Jahrtausendwende begonnen haben.
Zu diesem Zeitpunkt besaß ich wohl ein paar Bücher über Bonsai werkelte aber ganz allein an meinen Bäumen herum. Allerdings war ich im Umgang mit Pflanzen/Bäumen nicht unerfahren. Die sonst bei Anfängern so häufig zu beobachtende Angst vor Rückschnitt, Wurzelschnitt und Äste biegen hatte ich nicht - im Gegenteil.
Ich konnte mir gar nicht vorstellen einen ruhigen Baum zu gestalten. Einiges wurde sehr schön - eine kleine Linde ist besonders gelungen - anderes war einfach überdreht und landete im Müll.

Zu den extremeren Gebilden zählte die Traubenkirsche. Bereits die ganz jungen neuen Triebe habe ich mit sehr dünnem Draht massiv in der Wuchsrichtung verändert. In diesem Stadium geht das sehr extrem ohne Bruchgefahr. Ich fing mit einem gut einen Meter langen Draht im zeitigen Frühjahr an. Schon nach wenigen Wochen wuchs der Draht ein, wurde unten wieder abgewickelt und der anfangs noch nach vorne überhängende Teil wurde nach und nach gedrahtet. Meist sah der junge Baum im Herbst total bescheuert aus, von allem zuviel und ich habe dann nur ein-zwei Windungen belassen.
2006 sah der Wurm dann so aus:
2006-10-21 (2).jpg
Da ich immer nur mit dem Spitzentrieb gearbeitet habe, ist der Stamm auch nicht sonderlich verdickt. Trotzdem oder gerade deshalb war ich mit dem Ergebnis nicht wirklich einverstanden. Zwei Jahre stand der Baum dann noch bei mir. Zwischenzeitlich war der AK-Hamburg entstanden und wie diese Baumgestalt beurteilt wurde, steht wohl außer Frage. Eine ähnlich gewundene Lärche fand Zuspruch ein derartiger Laubbaum war einfach außerhalb der Vorstellungswelt. Nicht so ganz unbegründet und natürlich wurde darauf mein eigene Blick kritischer.
Im Frühjahr 2009 hatte sich meine Lust auf Windungen erschöpft. Weil der Baum aber vital aus dem Winter erwachte, mochte ich ihn nicht wegschmeißen sondern habe ihn, wie so manch anderen, in den hintersten Gartenknick gepflanzt. Dort konnte er völlig vergessen drei volle Jahre ungestört ausschlagen und das hat er auch gemacht.
2012 im Frühjahr bei anstehenden Umbauarbeiten ganz überrascht den alten Bekannten wieder vor dem Spaten gehabt, ausgegraben und in den sich schon langsam füllenden Container verbracht. Einige Schubkarrenladungen später habe ich ihn wieder mit zurück genommen, weil mein Blick immer am Stamm hängen blieb.
Also soweit irgend möglich zurück geschnitten und in eine Schale gesetzt.
So sah das Teil dann aus:
2012-03-26.jpg
Natürlich hat der Baum nicht an der Spitze ausgetrieben. Etwas tiefer, am Ende des einzigen geraden Stammstückes hat sich ein Auge erbarmt auszutreiben. Das tat es aber sehr schnell und sehr kräftig und damit ist er erneut der Mülltonne entsprungen.

Weil sich der Stamm sehr verdickt hat, sind einige Windungen ineinander gewachsen. Daraufhin haben sich natürlich die Saftbahnen neu orientiert und der einseitige Austrieb hat sicherlich auch seinen Anteil am absterben einiger Windungsbereiche.
Es wäre mir nie in den Sinn gekommen Totholzbereiche in diesem Stadium der Entwicklung anzulegen. Sie sind ganz natürlich entstanden und nur von mir vorsichtig freigelegt worden. Der Umleitungsprozess ist evtl. noch gar nicht abgeschlossen. Ich habe mich bisher darauf beschränkt, den wachsenden Ästen etwas Form zu geben um variabel auf eine sicherlich notwendige Korrektur des Pflanzwinkels reagieren zu können. Gerades Geäst am gewundenen Stamm geht einfach nicht. Genaueres wird erst nach den Blattfall sichtbar.
Alle gestalterischen Optionen, wenn überhaupt, werden erst nach dem Blick auf das Wurzelwerk zu entscheiden sein, also im nächsten Frühjahr.
So sieht der Baum heute aus.
2013-09-22 (3).JPG
2013-09-22 (4).JPG
2013-09-22 (6).JPG
2013-09-22 (7).JPG
2013-09-22.JPG
Norbert

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jupp

Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von jupp »

Mir gefällt es Norbert. Zu sehen wie Experimente nach einer gewissen Reifezeit aussehen macht doch Spass. Die Zeit, Gedanken und was weiss ich nicht alles, die man damit verbracht hat, war/ist eine gute und nicht vertrödelte Zeit. So, wie der Stamm sich jetzt bereits präsentiert, kann man ihn schon als Kunstwerk ansehen. Alles was noch folgt wird nur noch verbessern.
Es ist auch Geschmacksache sich "sowas" hinzustellen, aber wie oben schon geschrieben, mir gefällts.
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avicenna
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von avicenna »

Ja hallo !!! Norbert , wie geil ist das denn *daumen_new* ein super Bericht über eine, wie ich finde ausgesprochen gelungene und einzigartige Traubenkirsche. Respekt *daumen_new* und super, dass du sie wieder aus dem Container geholt hast ;-).

saludos
avicenna
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bonsaimacher
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von bonsaimacher »

Hallo Norbert,

Sehr interessante Gestaltung!
Wie die Zeit, aus den übertriebenen Windungen und Biegungen, so schöne Sanfte Bewegung gemacht hat, ist schön anzusehen.
Wäre wirklich schade, wenn der Baum auf dem Kompost gelandet wäre.
In deinen Händen, hat der Baum eine sehr gute Zukunft, da freue ich mich schon.

Nebenbei, die Schale finde ich an sich sehr schön.
(jetzt nicht als Baum schale Kombination sondern die Schale an sich).
Das Muster ist sehr schön, ich halte genau nach sowas immer Ausschau, aber ich finde sowas nie.

Würde mich freuen, den Baum mal auf einem Ak treffen von uns zu sehen.

Gruß Daniel
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Joseph Conrad
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Joseph Conrad »

Super Beitrag !

Das da Rindenteile abstarben durch zu enge Windungen ist zwar ein wenig schade, dafür aber sehr lehrreich.
Wenn es eine Prunus mume wäre würde sich am Totholz keiner stören. Warum also bei einer Traubenkirsche ?
Ich finde sie sehr interessant.
Die Vorliebe (oder ist es schon ein Tick ?) für Windungen wird mich wohl nie loslassen. *z*


LG Joseph
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klauso
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von klauso »

Hallo Norbert,

das sind die Beiträge, die ich so von Dir liebe *daumen_new* Und allemal ein weiter bearbeitungswürdiges Bäumchen, dass in der Form sicherlich einmalig ist :)
Klasse!!
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Norbert_S
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Norbert_S »

Die Kommentare so eindeutig überaschen mich denn doch, erfreuen aber natürlich sehr.
Die Kritiker üben sich wohl in vornehmer Zurückhaltung. Das ist bei meinen Threads nicht notwendig.
Wie auch immer der weitere Weg aussehen wird, ich habe es damit nicht eilig.
Ist halt ein Baum mit eigener Geschichte mehr auf meinen Regalen und irgendwie nicht ganz ohne Spaß.

Daniel,
das ist eine sehr einfache Schale aus Tokoname.
Wenn die Größe passt, Durchmesser 41 cm....
Norbert

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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Norbert,

früher habe ich diesen Baum ja auch immer ein bisschen als Kuriosität bestaunt, aber mittlerweile gefällt er mir wirklich.
Man kann offensichtlich aus fast allem noch etwas Schönes machen, wenn man weiß wie. *daumen_new* Und wenn man es nicht weiß, bringt es die Zeit oft.
Wie sich der wild gebogene Stamm durch die Verdickung verändert hat, das ist etwas, was zukünftig die Vorstellungskraft bereichert.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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jupp

Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von jupp »

Ist zwar manchmal belächelt worden, aber da war mal Einer der schrieb:"Irgendwas wird immer draus"!!!!! :lol:
Mir fällt doch nicht mehr ein wer das war........ *doh* *floet* *undwech*
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bonsaimacher
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von bonsaimacher »

Ja Norbert, der Durchmesser passt.
Auch wenn die Schale, kein besonderes Stück ist, mir gefällt sie sehr. :)

Gruß Daniel
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Norbert!
Mir gefällt Deine Traubenkirsche auch sehr.
Ich kann sie mir jetzt allerdings nicht vorstellen, wenn sie auch noch so stark gekringelte Äste haben würde.
Jedoch wenn nur durch Schnittmaßnahmen ständig Richtungsänderungen vorgenommen werden, könnte die Krone ganz gut wirken.
Also nur wachsen lassen und schneiden. Nicht mehr drahten.
Liebe Grüße und viel Freude damit.
Eva Warthemann
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Carmen_G.
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Carmen_G. »

Hallo Norbert,

du möchtest Kritik haben? Na gut, dann werde ich mal ganz gewaltig schimpfen, wie du in der Vergangenheit auch nur daran denken konntest, so ein Unikat auf den Kompost zu werfen! *nono*

Nur gut, daß du dann doch immer noch rechtzeitig ein einsehen hattest! *daumen_new*

Wäre echt schade um diesen besonderen Baum gewesen.
Totholz bei der Traubenkirsche? Wieso denn nicht? Hier zeigt doch gerade die Natur, daß es ganz natürlich ist auch hier Totholz zu haben! Was kümmert sich die Natur um japanische Regeln?
Du bist auch kein Japaner, ich auch nicht und daher finde ich es passend zu diesem verwundenen Baum und es macht ihn nur noch interessanter und wir sollten uns nicht daran stören sondern darüber freuen.
Dadurch wirken die ganzen verrückten Windungen noch natürlicher, älter und nicht künstlich erschaffen.

Der Baum lohnt sich auf alle Fälle ihn sorgsam weiter zu entwickeln und jetzt die passenden äste dazu aufzubauen.
Bin mal gespannt was Du weiter daraus machst! *daumen_new*

liebe Grüße
Carmen
Liebe Grüße
Carmen
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Norbert_S
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Norbert_S »

Und so startet die Traubenkirsche in das neue Bonsaijahr:
P1020598.jpg
Umgetopft und den genaue Pflanzwinkel festlegen im nächsten Jahr.
Norbert

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Herbert A
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Herbert A »

Hallo Norbert,

ja, das sind die Bäume die Freude bereiten. Die uns mit ihrer Entwicklung beeindrucken und sich praktisch selber zu Bonsai gestalten wenn man ihnen die Zeit dazu lässt.

Ich halte ja auch schon seit Jahren im Frühjahr Ausschau wenn die Traubenkirschen blühen. Allerdings dachte ich immer dass der Neuaustrieb kaum zu zähmen ist, weil die Bäume die ich mir angesehen habe im Freistand doch sehr lange Internodien machen. Aber wie das bei deiner Traubenkirsche aussieht, ist die Traubenkirsche absolut Bonsaitauglich.
lg
Herbert
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Info: www.bonsaisalzburg.net
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Anja M.
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Re: Eine gewundene Traubenkirsche

Beitrag von Anja M. »

Schönes Stück. Bei dir muß es aber recht was frischer sein als hier, meine P. padus stehen schon in Blüte.
73 Anja
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