Wenn Du Othmar zu diesem Thema etwas löcherst hättest Du doch schon einen guten Anfang?
Einer der das gemacht hat und noch viel mehr, sich wirklich in die Thematik eingearbeitet hat, von Beruf Schreiner ist, selbst tolle Tische baut und in den Dolomiten lebt - solltest Du eigentlich kennen?
Was Bücher und Webseiten angeht gibt es nach meiner Kenntnis kaum etwas. Wobei digital ist ja nicht so mein Ding sondern lieber Papier. Was ich dazu niedergeschrieben fand ist allerdings wenig und recht verstreut. Hatte es mal zusammengetragen und Andreas zum Studium ausgeliehen. Eine schöne Quelle fand er was in einem dieser Bände zu finden ist.
>bist Du jetzt auf den Tisch gekommen?
da wir im Mai eine Ausstellung vom Bonsai Club Tirol haben und ich das erste mal auch etwas "hinstell", muss ich mich einfach damit beschäftigen
Othmar - das kommt noch im Kurs, aber erst nächstes Jahr.
Andreas - ja, mit ihm setzte ich mich sicher noch zusammen. Aber es wäre gut, wenn ich da nicht als komplettes "Nackerpatzl" (auf gut Deutsch Unwissender) dastehe
Und der Winter ist noch lange, deswegen die Frage ob es nicht doch irgend einen guten Link zum Thema gibt.
da hast du recht, über Tische findet sich fast gar nichts. Ich suche auch schon lange, da ich im Winter immer versuche, Tische zu schreinern, was aber für eine Laien gar nicht so einfach ist. Das Wort "nackerpatzl" habe ich noch nie gehört, bei uns gibt es nur den "Nackabitzi", worum es sich aber lediglich um einen normalen Nackten handelt. Das Wort gefällt mir aber.
Ich habe alles, was ich die letzten Jahre über Tische in den Bonsaiheften gefunden habe, gesammelt, aber das wirst du auch alles haben. Falls nicht, kann ich dir meine gesammelten Unterlagen im März zu Othmar mitbringen, damit du danach kein Nackerpatzl mehr bist.
Gary hat geschrieben:
Einer der das gemacht hat und noch viel mehr, sich wirklich in die Thematik eingearbeitet hat, von Beruf Schreiner ist, selbst tolle Tische baut und in den Dolomiten lebt - solltest Du eigentlich kennen?
Genau das bzw. der Andreas ging mir bei Deiner Anfrage durch den Kopf. Ich hab ihn letztes Jahr in Hallein kennen gelernt und er hat wahrlich viel über Holz und Tische zu erzählen. Und nachdem er mir "nackerpatzl" viel erzählt hat, wird es bei Dir wohl sicher nicht anders sein
Gary hat geschrieben:Was Bücher und Webseiten angeht gibt es nach meiner Kenntnis kaum etwas.
Ich kann in diesem Zusammenhang das Buch "THE BEAUTY OF BONSAI- a guide to displaying and viewing nature's exquisite sculpture" von Junsun Yamamoto empfehlen.
Wahrscheinlich ist das für Mike nicht ausführlich genug, aber trotzdem ein sehr interessantes Buch.
Übrigens mit einem Vorwort von Meister Kimura und auch mit einem eigenen Kapitel über ungewöhnliche Gestaltungen von Meister Kimura.
Meister Yamamoto erklärt in dem Buch nicht wie in den üblichen "Bonsai-Büchern" wie man Bonsai macht, sondern was Bonsai ist, wie man einen Bonsai sehen kann und wie man ihn in Japan präsentiert. Dabei geht er kurz auf die Stilformen ein, Grundarten von Bonsai und was sie aussagen. Dann geht er auf die Präsentation in der Tokonoma ein, die neben einem Tisch auch Beistellpflanze, Rollbild und kleine Figuren umfasst.
Die Präsentation eines Bonsai hört aber nicht mit der Tokonoma auf. Besonders interessant fand ich den Teil, in dem er erklärt, wie ein Gast einen Japaner besucht, der in einem traditionellen Haus lebt. Wie sollte man sich als Gast verhalten? Welche Rituale führt der Gastgeber aus? Was bedeutet es eigentlich einen Bonsai in der Tokonoma zu präsentieren? Und was ist eine Tokonoma? Das ist nämlich keineswegs nur eine Nische im Hausgang wo man einen Bonsai auf einen Schuhschrank stellt.
Was ich als Schüler von Walter Pall aber noch sagen muss ist das man sich dabei nicht auf japanische Traditionen beschränken sollte. Ich selbst mache ja auch Tische, aber ich bin kein Japaner. Ich bin Europäer, Deutscher, ja sogar Bayer. Eigentlich sind die meisten Tische auf die die Japaner ihre Bäume stellen ja eigentlich normale Möbel die in Japan üblich sind oder zumindest diesen nachempfunden. Deshalb versuche ich meine Tische eher nach europäischen Vorbildern zu bauen, vielleicht in Zukunft sogar nach alpenländischen Möbeln. Dabei muss man natürlich bestimmte Proportionen und ästhetische Eigenschaften beachten. Da schadet es nicht zuerst einmal die japanischen Traditionen zu studieren. Aber das nur zu kopieren wird der Bonsaikunst nicht gerecht. Eine Kopie ist keine Kunst sondern nur eine Kopie.
Beispiel:
Auf der Noelanders Trophy, die eine Ausstellung von sehr hohem Niveau ist, sind mir ein paar Tische aufgefallen, die - sagen wir mal nicht ganz ideal waren.
Jetzt muss man aber überlegen, ob die Menschen, die dort ausgestellt haben, einfach keine Ahnung hatten was für ein Tisch unter ihren Baum gehört, oder ob sie vielleicht keinen passenden Tisch hatten oder keinen passenden beschaffen konnten. Vielleicht haben sie es zu Hause ausprobiert, ihr Wohnzimmertisch war aber niedriger oder höher als der Tisch auf den sie in Belgien ihren Baum stellen durften. Es gab dort übrigens unterschiedlich hohe "Untertische" oder wie auch immer man die Tische nennen mag auf die der blaue Filz gelegt wird und auf denen man dann seinen Baum präsentieren darf, auf den dann der Tisch mit dem Baum und alles andere kommt. Oder was ist wenn der Typ zwei Meter groß ist? Dann sieht er den Baum aus einer anderen Perspektive als ich.
In Japan werden Bonsai üblicherweise auf dem Boden hockend betrachtet (Ausstellungen mal ausgenommen), nur auf einem niederigen Unterbau. Danach werden traditionell die Tische ausgesucht.
bonsaimike hat geschrieben:Hallo Gary,
da wir im Mai eine Ausstellung vom Bonsai Club Tirol haben und ich das erste mal auch etwas "hinstell", muss ich mich einfach damit beschäftigen
Hallo Mike,
genau solch ein Anlass ist oft der Ausgangspunkt dafür sich mit dieser Thematik näher zu befassen.
Für mich wurde es richtig ernst als ich mein erstes Bonsaikazari in Othmars Tokonoma machen sollte.
Wie bereits von Andy geschrieben ist das Thema sehr vielschichtig und umfasst etliche beachtenswerte Details egal ob man es japanisch oder europäisch angeht. So wie ich dich kenne tendierst Du wohl eher zum klassischen Bonsaikazari mit Shoku oder Jiita und Shitakusa. Also eigentlich Keido wie es Katayama Ryu entwickelte und lehrte. Doch wie so oft mit diesen Künsten gibt es dazu fast keine Literatur. Obwohl ich Bibliophiler bin, ist dies m.E. auch nicht die "richtige" herangehensweise an das Thema. Man kann das eigentlich nur durch Praxis lernen / sich erarbeiten. Okay, eine gute Anleitung / Lehrer sollte man schon haben.
Auch wenn es kaum "Lesestoff" zur Thematik gibt so kann man doch an mannigfaltiges "Anschauungsmaterial" kommen. Ich denke hierbei an die Ausstellungsbände hochwertiger Bonsaishows sowie sonstige Bücher mit guten Präsentationen.
z.B. Extreme Beauty, Band 1 und 2
Extreme_Beauty-1+2a.jpg (102.05 KiB) 1768 mal betrachtet
danke für die Info.
Das Buch werde ich mir direkt mal bestellen.
Aber eigentlich schade das es viele gute Bücher über Bonsai nur in englischer Sprache gibt.