Ich hatte irgendwo im Hinterkopf die Information, dass das nicht stimmen könnte. Aber erst durch intensive Recherche fand ich heraus, dass die Baumwolle in so gut wie allen vorkommenden Varianten ausdauernd beziehungsweise mehrjährig ist.
Die angeblich echt baumförmige - oder strauchförmige - Baumwolle nennt sich Gossypium Arboreum :D und ihre Samen sind so gut wie nicht aufzufinden. Ich habe im März 2013 entgegen aller Widerstände zehn Samenkörner von Gossypium Arboreum aufgetrieben und ausgesät.
Von zehn Samen sind sechs aufgegangen.
Eine Pflanze gab ich zu einer Freundin ins Gewächshaus. Die Pflanze vergeilte und erlag im September (5 Monate alt) Nematoden.
Fünf blieben bei mir; ein stellvertretendes erstes Jahr in Bildern:

Man entschuldige die wechselnde Bildqualität - meine Kamera hatte letztes Jahr alle viere von sich gestreckt.
Die Baumwolle entwickelt abwechselnd Neben- und Hauptblätter. Die Hauptblätter haben drei bis fünf Spitzen, die Nebenblätter sind geformt wie Pik im Kartenspiel und sitzen an sehr kurzen Stängeln in den Blattachseln. Sie sitzen nicht sonderlich fest und brechen leicht ab.
Die Baumwolle ist sehr anfällig gegenüber Schädlingen - ich weiß mittlerweile ganz genau, weshalb die Baumwolle einen großen Anteil des weltweiten Pestizideinsatzes für sich beansprucht. Im ersten Jahr taten sich bei mir die grüne Blattlaus (passenderweise Aphidus gossypium genannt) und Spinnmilben an den Pflanzen gütlich. Bis zum Dezember hatte ich die Schädlinge halbwegs unter Kontrolle; Ende Dezember und Anfang Januar lagen wir alle an einer schweren Grippe darnierder, und die herbeigerufenen Helfer besaßen keine grünen Daumen. Die Pflanzen wurden abwechselnd ertrocknet oder ertränkt und die Schädlinge nicht mehr behandelt.
Die Spinnmilben feierten fröhliche Urständ. Ende Januar fiel von meiner letzten Baumwollpflanze das letzte Blatt, und kaum war dieses ab, brach der Saftstrom vollständig zusammen. Im März habe ich offiziell die Hoffnung aufgegeben und die Anzuchttöpfe neu besetzt. Die Baumwollen hatten einen sehr schönen, flach ausgeprägten Wurzelballen - und das schon im ersten Jahr.
Anforderungen, wie ich sie kennengelernt habe:
Temperatur: Mindestens 14°C. Die Sache mit den tropischen Temperaturen muss man im Gegensatz zu den zähen Fici wirklich ernst nehmen. Unter 11°C erfrieren die Blätter.
Wasser: Baumwollen sind Saufsäcke
Schädlinge: Das Böse lauert immer und überall. Kontrollieren und beim geringsten Anzeichen eines Befalls sofort eingreifen. Kalilauge als Erstmittel immer vorrätig halten.
Sonne: Je mehr, desto besser. Ein Teil meiner Winterprobleme ist auf unzureichende Kunstlichtunterstützung (am 3x3m Südfenster!) zurückzuführen. Echte Sonne ist extrem wichtig, Treibhausklima reicht nicht.
Substrat: Ich habe ein gut abziehendes Gemisch aus Aquarienkies, Kokosfasern, Seramis und Blähtonbruch benutzt. Ich habe nichts negatives bemerkt.
Und nachdem die erste Charge nichts wurde, habe ich mir wieder zehn Samen geholt. Die erste Pflanze hat schon die Keimblätter erhoben:

