Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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Heike_vG
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von Heike_vG »

Machen kann man einiges. Tatsache ist jedoch, dass Äpfel nicht so einfach ein perfektes Nebari ausbilden wie ein Fächerahorn. Sie haben einen ganz anderen und gröberen Wurzelwuchs. Ich kenne auch in der Natur keinen Apfelbaum, der ein Nebari wie ein Ahorn hat.
Das ist bei unterschiedlichen Baumarten sowieso sehr verschieden. Wacholder haben z.B. höchst selten ein breites, sternförmiges Nebari. Das wird auch bei der Bonsaigestaltung nicht vorrangig verlangt. Ich denke, man muss zwar generell immer danach streben, Bonsai mit einem möglichst guten Nebari zu gestalten, das Rohmaterial auch schon danach aussuchen und später bei jedem Umtopfen konsequent daran arbeiten, es auszubalancieren und zu verbessern, aber die Eigenschaften der jeweiligen Baumart sind immer zu berücksichtigen.

LG, Heike
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camaju +
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von camaju + »

Kyrilla hat geschrieben:Eine Frage noch.
Nicht jeder Baum zeigt eine solche ideale Verteilung der Wurzeln.
Beim Malus zum Beispiel habe ich noch nie einen so idealen Stammansatz gesehen.
Oder liege ich da völlig falsch?
Ich hab mal ein älteres Bild ausgebraben (Heiner hat hoffentlich nix dagegen)

Das ist ein Apfelsämling, gepflanzt 2008, das Bild ist von 2012. Die rechte Seite ist schon etwas bearbeitet.
wurzel_2012.jpg
Gruß Jürgen *wink*

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abardo
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von abardo »

Absolut d'accord, bei einem Apfel bekommt man einen Teller wohl kaum hin, säh auch untypisch aus.

Aber ein paar dicke, klumpige Auswüchse sehen für mich passend aus. Davon abgehend und dazwischen dann ein paar, per Bohrprofung erzeugte "Ausläufer".

So etwas sehe ich hier für einen Apfel als Vorbild:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... ,_2008.jpg
oder
http://www.artofbonsai.org/america_euro ... _apple.jpg
Zuletzt geändert von abardo am 02.10.2015, 13:16, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Frank
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von Heike_vG »

Das sind wunderbare Beispiele! *daumen_new*
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Kyrilla
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von Kyrilla »

Fantastische Äpfel!
*daumen_new*
Stil ist richtiges Weglassen des Unwesentlichen.
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HerbertR
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von HerbertR »

Kyrilla hat geschrieben: Nicht jeder Baum zeigt eine solche ideale Verteilung der Wurzeln.
Beim Malus zum Beispiel habe ich noch nie einen so idealen Stammansatz gesehen.
Oder liege ich da völlig falsch?
Mein Zwergzierapfel (Malus hybride "Coccinella") hat, finde ich, eine sehr ähnliche Wurzelverteilung.

Beim nächsten Umtopfen muss ich sie etwas ordnen, bzw. bei übereinanderliegenden eine davon entfernen.

Eine Bohrpfropfung wäre bei einer Lücke auch angezeigt, aber so etwas habe ich noch nie probiert...
Dateianhänge
zwergzierapfel-nebari.jpg
zwergzierapfel-nebari2.jpg
zwergzierapfel.jpg
LG Herbert

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abardo
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von abardo »

Hallo Herbert,

sieht doch schon schön geordnet aus.

Der jetzige Stern wird beim Apfel irgendwann zusammenwachsen, sich dann anheben, zu Knubbeln zusammenwachsen, so wie ein alter Apfel halt aussieht.
Noch dichter würde ich jetzt nicht mehr wollen, nur noch die Lücke schliessen. Denk dran, wie der Apfel in 10 Jahren aussieht und wie dick die jetzigen Wurzeln dann sein werden.
Da dein Baum einen geraden Stamm hat, würde ich die kreuzende Wurzeln entfernen wollen (kommt halt drauf an, wieviel Wurzeln da dran hängen), aber bei einem zackigen oder gebogenen Stamm kann das oft auch reizvoll wirken, wenn die Überkreuzung z.B. bei der Zugwurzel sitzt.

Bohrpfropfung bei Wurzeln ist einfach (der Baum muss aber fit sein !):
du suchst dir eine lange, passen dicke, weisse Wurzel aus und entfernst alle davon abgehenden kleinen Wurzeln. Den "Bogen" sollte man mit der Wurzel schon mal zur Probe biegen, bevor man das Loch bohrt. Halt gucken, ob die bricht oder es aushält.
Dann nimmst du einen Dremel oder Bohrmaschine und einen langen Holzbohrer, der etwas dicker ist als die Wurzel und bohrst schön mittig durch den Stamm, so dass das Austrittsloch im gewünschten Winkel ist.
Dann führst du die Wurzel vorsichtig ein (Vorsicht: die sind sehr weich und brechen leicht), du musst halt einen Bogen legen, der hinterher auch wieder in die Schale passt. Der neue, ausgehende Teil sollte so lang sein, dass er bis zum Boden der Schale wieder im Substrat sitzen kann.
Dann mehrere Zahnstocher abknipsen und die Stücke mit der Spitze voran ins Loch drücken, aber die Wurzel dabei nicht zerquetschen, nimmt soviel Zahnstocher, bis beide Löcher ziemlich dicht sind. Die Zahnstocher dann bündig mit der Konkavzange am Stamm glattschneiden, Wundknete drauf und mit Substrat, Moos oder Fahradschlauch/Spaghnummoos abdecken (auch eventuell wegen dem Bogen noch aus dem Substrat herausstehende Wurzelteile, auf der Seite, wo die Wurzel eingeführt wurde. Manchmal kann man wegen dem Einführwinkel dann nicht sofort die ganze Wurzel an der Einführseite im Substrat versenken).

Im nächsten Winter gucks dir die halt die Wurzel nochmal an. Hat die sich an der Austrittsseite verzweigt und sind die Löcher schön dicht verwachsen, kannst du dann an der Einführseite trennen und die Hilfswurzel ganz rausschneiden, dann guckst du dir auch die Löcher nochmal an, ist alles dicht, kann die Abdeckung/der Schutz weg, wenn die Löcher noch nicht ganz zu sind, machst du nochmal Wundknete drauf und trennst noch nicht. Noch ein Jahr später, siehst du nichts mehr. Noch ein Jahr später kannst du die neue eingewachsene Wurzel, sofern sie sich weiter verzweigt hat, auch einkürzen. Der oberirdische, sichtbare Teil im Nebari wird dann schon verholzt sein und optisch passen.

Und: nicht jede Bohrprofung klappt, manchmal hat man die Wurzel doch angebrochen, ist etwas gefault oder will einfach nicht wachsen. Kommt vor, macht nix, ein Apfel steckt das weg. Einfach die Wurzel komplett abschneiden und gleich daneben noch ein neues Loch bohren ...
Mehr als ein oder maximal zwei Bohrpropfungen pro Jahr würde ich nicht riskieren. Zwei auch nur, wenn die an sehr unterschiedlichen, voneinander weit entfernten Stellen sitzen.
Zuletzt geändert von abardo am 02.10.2015, 16:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von HerbertR »

Hallo Frank,
vielen Dank für Deine ausführliche Beschreibung !
LG Herbert

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abardo
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von abardo »

Probiers ruhig mal beim nächsten Umtopfen und zeigt uns dann doch bitte Fotos vor der Aktion, da kann man nie genügend Doku und Erfahrungen haben (ich vergesse immer Dokus über so lange Zeiträume zu machen :oops: )
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camaju +
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von camaju + »

abardo hat geschrieben: Bohrpfropfung bei Wurzeln
Dazu gibt es einen schönen Beitrag von Herbert A.. Gibt ja nicht viel was es im Forum nicht gibt.

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... c1b6a2384a
Gruß Jürgen *wink*

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abardo
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von abardo »

Ich bin immer so neugierig und musste grad mal bei einem nachgucken. Hier ein Testapfel (Stammdurchmesser am Nebari knapp 3cm):

Bild 1: das aufgelegte Moos hatte alles schön bedeckt und war schon den Stamm hochgekrochen
Bild 1
Bild 1
Bild 2: die soeben ausgebuddelten Eintrittstellen
Bild 2
Bild 2
Bild 3: die Austrittsstellen
Bild 3
Bild 3
Die eine Wurzel ist knapp über 1mm dick, die andere 2mm.

Nr. 3 ist dann die Austrittstelle von 1
Nr. 4 ist die Austrittsstelle von 2
Nr. 5 ist eine bereits getrennte Propfung an einer dicken Wurzel (nicht am Stamm) von vor 2 Jahren, da haben sich jetzt schon Feinzurzeln direkt an der Austrittstelle gebildet, bingo, kann beim nächsten Umtopfen gekürzt werden.

Alle Löcher sind nach 8 Monaten bereits verwachsen, alle Löcher sind deutlich verdickt, die Zahnstocher sind komplett überwallt, ein gutes Zeichen. Die Knete ist komplett verschwunden. Ob ich trennen kann, sehe ich im Februar/März beim Umtopfen.

@Heiner: ich hoffe das stört jetzt nicht zu sehr, wenn wir nach deinem tollen Artikel weiter diskutieren, wenn doch, sag bitte kurz Bescheid, dann wird das hier getrennt oder verschoben
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bonsaiheiner
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Re: Nach Nebari drängt, am Nebari hängt doch alles,

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,
die zuletzt geposteten Beiträge sind doch eine wunderbare Ergänzung und bleiben ja auch eng am Thema.
Von daher immer weiter diskutieren..
Gruss,
Heiner
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