Das ganze sollte mit einem leichen Augenzwinkern gelesen werden.
Immer wieder heißt es: "Hilfe meine Carmona stirbt." (Serissa, Ulme, Acer, das ist beliebig austauschbar.) und diese Rufe werden in vielen Foren laut.
Deshalb möchte ich in der Rubrik "Pflanzenschutz" mal ein neues Thema beleuchten, nämlich den menschlichen Faktor bei der Gesunderhaltung unserer Bäume.
Weder Läuse noch etwas zuwenig Wasser sind sehr gefährlich für einen Baum, diese Dinge lassen sich leicht mit ein wenig Aufmerksamkeit abstellen. Viel gefährlicher, und vielleicht die größte Bedrohung für die pflanzliche Gesundheit, ist die Unkenntnis um die pflanzliche Pflege und deren Bedürfnisse.
Das mag theatralisch klingen, lässt sich aber an der Vielzahl der geposteten Leiden unserer Lieblinge gut herauslesen.
Dabei kann doch etwas Überlegung schon helfen, die größten Fehler bei der Bonsaipflege zu vermeiden.
Und es sind gar nicht so viele Faktoren, die man kennen muß, um einen Baum richtig zu kultivieren, aber um die kommt man nicht herum.
Im Wesentlichen sind das doch nur drei Dinge:
1. Wo kommt die Pflanze her (Klimazone)
2. Welche Ansprüche hat die jeweilige Art (Licht, Nährstoffe, Wärme, Winterpause etc., ergibt sich meist schon aus 1.)
3. Wie ist das Wuchsverhalten der Art biologisch und zeitlich (Austrieb, Schnittverträglichkeit, Wurzelwachstum etc.)
Mehr muß man nicht wissen, um immer die richtigen Maßnahmen zu ermitteln und anzuwenden. Und ehrlich, ihr findet fast jede erdenkliche Antwort in den Foren, es liegt nur an euch. Alles weitere kann man aus diesen Fakten ableiten.
Hier kommt jetzt also der Mensch (liebevoll auch Bonsaianer genannt
Aber was ist den falsch gelaufen? Richtig...
a) die drei Hausaufgaben sind nicht erledigt und
b) der eigene Kopf wurde für die Lösung nicht wirklich benutzt
Was kann man aber besser machen? Ach ne, hab ich ja gerade beschrieben...
Nein im Ernst, mit den beschriebenen Dingen im Kopf kann ich mir die meisten Fragen selbst beantworten, ich muß doch nur 2 und 2 zusammenzählen.
Ein Beispiel: "Hilfe meine Carmona stirbt!!!"
Wer jetzt seine Hausaufgaben ( a) ) gemacht hat, weiß
Jetzt kommt b) ins Spiel, das neue Wissen und das Bild vom Kleiderschrank
Was leitet ihr daraus ab? Richtig...
- C. braucht das ganze Jahr viel Licht, der Kleiderschrank ist also zu dunkel, also wär ein Südfenster nicht schlecht,
- in den Tropen hat es 100% Luftfeuchtigkeit, also ist es bei voller Heizung (und auch so) am Kleiderschrank:steinigung: zu trocken,
- C. steht in Natura draußen, es ist ein Outdoor!!!,
- C. kennt keinen Winter, muß daher in besagter Jahreszeit (bei uns, leider) in einen Raum mit sommerlichen Verhältnissen,
- C. kennt keine echten Jahreszeiten, Umtopfen ist also nicht wirklich an ein Datum gebunden usw..
Ah, jetzt kommen schon die ersten Umkehrschlüsse und das Gehirn in Wallung!!!
- der C. bekommt der Winter bei uns (Zimmerklima) nicht gut!!!,
- durch Lichtmangel und Trockenheit benötigt der Baum all seine Kraft, um über die Runden zu kommen. Der Schnitt und das Umtopfen sollte also nur in der aktiven Zeit erfolgen und zwar so, das der Baum trotzdem Zeit hat, Reserven für den Winter anzulegen. (Übrigens finde ich, dass das Wort Reserven unbedingt in die Rubrik Pflanzenschutz aufgenommen werden sollte!) Man kann also entgegen der obigen Aussage nicht das ganze Jahr schneiden und topfen.
Da ist sie, die erste eigene Erkenntnis!!!! Herzlich willkommen, immer herein!
Vier Wochen gehen also ins Land, bis die C. sich von der Maßnahme erholt hat, mindestens weitere vier, in denen neues Wachstum geschieht, Blätter und Wurzeln ihre Funktion übernehmen und noch einmal so lange, bis ausreichend Nährstoffe eingelagert sind. Die Frage im August: "Kann ich jetzt noch einen Blattschnitt machen?" können wir uns also das erste Mal selbst beantworten.
Anderes Beispiel: "Hilfe, mein Acer ist schon 2 m breit, ich komm nicht mehr in die Küche, wo soll ich schneiden???"
Wir wissen jetzt, das der Acer saisonal austreibt (sieht man bis in die Küche
Was lässt sich wieder ableiten (und darauf will ich ja hinaus, habt ihr sicher schon gemerkt...
Richtig:
- ich kann öfter im Jahr schneiden und trotzdem noch neuen Austrieb erhalten und
- ich erhalte, wenn ich einen Trieb schneide, an der Stelle zwei neue . Diese wieder geschnitten, erzeugen schon 4 neue usw. usf. (so wird es dann schön dicht und kompakt).
- je früher ich schneide (pinziere im Fachjargon) um so kürzer und kompakter werden die neuen Verzweigungen.
Vielleicht noch ein letztes (aktuelles) Beispiel:
"Hab meinen Acer gerade umgetopft ("nach den Wurzeln geschaut", nackte Wurzeln im August
Was haben wir gelernt? Richtig:
- ohne angewachsene Wurzeln kann ein Baum sich nicht versorgen und
- bei Themperaturen über 30° C stellen viele Bäume den Stoffwechsel ein, die Blattporen schließen sich zum Verdunstungsschutz.
Was leiten wir daraus ab? Richtig:
-
-
- ...........................................
Zusammenfassung:
Es sind nicht immer die Läuse, manchmal ist es der Mensch, der den Pflanzen zu schaffen macht.
Leute,
seid neugierig, lest viel zum Thema
Kauft eure Bäume erst, wenn ihr etwas Grundwissen habt. Und da das meist nicht geht , holt es schnell nach. Eure Bäume werden es euch danken und der eine oder andere Hilferuf wird gar nicht erst laut.
So hat man einfach mehr Spaß am Hobby und auch viel bessere Ergebnisse. Die Brieftasche dankt es einem auch, himmelt man nicht laufend seine Pfleglinge.
Es ist wirklich ganz einfach, ehrlich.
Also in diesem Sinne: Denkt mal drüber nach... !
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LG Andre
