Sylvestris aus der Sandgrube

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grüner_hesse
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Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von grüner_hesse »

Hallo zusammen...

Wieder einmal stehe ich vor der Frage, wann und wie ich meine ersten Eingriffe an einer Pflanze vornehmen sollte.

Dieses mal handelt es sich um eine Kiefer, die ich (mit Genehmigung) aus einer Sandgrube in meiner Nähe geborgen habe. Sie saß (bzw. lag) dort in einer kleinen Felsmulde, sodass der gesamte Wurzelballen ohne große Anstrengung einfach abgehoben werden konnte. Das ganze ist jetzt relativ genau zwei Jahre her. In dieser Zeit blieb der Baum selbstverständlich unangetastet. Diese Woche habe ich die ersten, sich nun verfärbenden Nadeln vom Ausgrabezeitpunkt stellenweise entfernt. An den schwächeren Ästen, an denen sie noch halbwegs fest und grün sind bleiben sie noch dran. Mit dem Wachstum der letzten beiden Jahre bin ich eigentlich recht zufrieden. Auch der (immer noch) dünne Stamm hat mit zugelegt, reißt förmlich auf.

Die Bilder zeigen die Kiefer nach dem sammeln 2012 (grottiger Bildausschnitt, hatte kein Einzelfoto), nach dem ersten Zuwachs 2013 und im August diesen Jahres.

2012
2012
2012.jpg (52.33 KiB) 6650 mal betrachtet
2013
2013
2014
2014
Außerdem habe ich noch zwei aktuelle Detailfotos und, spaßeshalber, nen größenvergleich der ganz alten und diesjährigen Nadeln zusammengepackt.
details.jpg
Grundsätzlich ist mir bekannt, dass man gesammelte Kiefern eher noch ein Jährchen länger stehen lässt. Meine Fragen an dieser Stelle wären, wie Ihr die Vitalität des Baumes seht und wann Ihr im nächsten Jahr welche Schritte unternehmen würdet.

Viele Grüße

Benny

PS: Eigentlich ein Pflegethema, ich würde dann aber gerne mit der zukünftigen Gestaltung hier weitermachen.
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Robert S.
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Robert S. »

Hallo Benny,

der Baum sieht m.E. recht fit aus. Wenn Du noch mehr Stammverdickung möchtest, würde ich ihn noch ein paar Jährchen mästen. Ansonsten könntest Du schon mal Äste selektieren, unnötiges entfernen und auf die Rückknospung hinarbeiten.

Vieles interessantes findest Du hierzu in Hans van Meer's Artikel über die Pflege zweimaliger Kiefern.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 52&t=20288

Servus,
Robert
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Olaf_Gd
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Olaf_Gd »

Hallo Benny,
der Baum sieht gesund und Fitt aus. Die Anwachs- und Etablierungsphase ist
offensichtlich vorbei.
Du könntest jetzt mit wie auch immer gearteten Gestaltungsarbeiten beginnen.
Schhon jetzt solltest du beginnen die Nadeln zu Zupfen und die Spitzenknospen
auf jeweils zwei zu reduzieren.

Wenn du Nadeln gezupftt hast, kannst du noch einmal ein Bild einstellen auf dem man die Äste
und Zweige besser erkennen kann.

Gruss Olaf
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grüner_hesse
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von grüner_hesse »

Hallo Robert,

vielen Dank für Deine Teilnahme, den weiterführenden link und Deine persönliche Einschätzung. Ein wenig mehr Stammdurchmesser wäre sicherlich wünschenswert. Ich denke, ein bisschen mehr wird mir die Kiefer auch so noch gönnen, selbst wenn ich mich nicht aufs reine mästen beschränke. Da der dünne, bewegte Stamm eine literatenähnliche Gestaltung quasi vorgibt werde ich mich zukünftig dann lieber langsam an die gestalterische arbeit wagen.

Hallo Olaf,

auch dir herzlichen Dank für Deine Meinung. Deckungsgleich mit Robert bist Du der Meinung, dass man durchaus schon Äste selektieren könnte. Das werde ich tun. Ob ich dabei wirklich überall die letztjährigen Nadel zupfen werde weiß ich noch nicht. Teilweise, auf den Fotos schwer zu erkennen, sind die Äste noch sehr dünn, da kann mehr Grünmasse sicherlich nicht schaden.

Nochmal allgemein:
Ich selber kann aus Mangel an Vergleichsmöglichkeiten immer nur aus dem Bauch heraus einschätzen, wie es um den einzelnen Baum bestellt ist. Schön, dass ich damit halbwegs richtig gelegen habe. Danke Euch für die Wegweisung.

Viele Grüße

Benny
Joseph Conrad
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Joseph Conrad »

Deine Waldkiefer ist sehr gesund und wüchsig. Ich würde auch die Äste selektieren. Nämlich in bleibende Äste und zukünftig wegfallende Äste. Einige der für die Gestaltung unnötigen Äste kannst du gegebenenfalls als Opferäste noch ein paar Jährchen durchwachsen lassen. Keinesfalls würde ich jetzt Knospen der Hauptäste vereinzeln . Nadeln zupfen ist auch etwas für reife Waldkiefern und bei Bäumchen in der Entwicklung kontraproduktiv. Ich würde das Bäumchen im nächsten Frühjahr bei guter Düngung und Wässerung mit allen Knospen noch einmal ungehindert durchwachsen lassen. Ende Juli nächsten Jahres schneidet du dann den gesamten Jahrestriebzuwachs (eventuell belassenen Opferäste rührst du nicht an ) bis auf wenige Nadelpaare zurück. Aus dem Quirl der jetzt sichtbaren Endknospen versuchst du möglichst eine kleine horizontale Triebgabel zu erhalten. Also auf 2 Triebstummel selektieren. Die Äste deiner Kiefer sind zur Zeit recht lang und ohne stammnahe Verzweigung. Mit der obig beschriebenen Methode gelingt es dir bestimmt die Kiefer zur Bildung von weiter innen gelegenen Knospen anzuregen. Nach und nach kannst du dann eine kompakte und dicht verzweigte Krone durch Rückschnitt auf weiter innen liegende Ästchen erzielen.
Zulange Jahre darf man eine Waldkiefer nicht ungehindert wachsen lassen. Man erhält zwar dann dicke Stämme , aber die Äste verkahlen und die Verzweigung setzt viel zu weit vom Stamm an. Das kann man nicht mehr korrigieren. ( Pfropfungen und "in Schlaufen und Schlangenlinien legen" sind unschöne Methoden)

Gruß
Joseph
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grüner_hesse
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von grüner_hesse »

Hi Joseph.

Du hast mir mit Deinen detailierten Vorschlägen viele Dinge, die ich grundsätzlich über die Bearbeitung und Pflege von Kiefern schon weiß, in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht.

Lediglich bei Thema stammnahe Verzweigung möchte ich kurz einhaken. Der erste Ast besitzt bereits den ein oder anderen, auch näher am Stamm sitzenden Zweig. Insgesamt ist der Ast annähernd so wüchsig wie die Spitze, am Ansatz bald so dick ,wie der Stamm selber. Wäre es an dieser Stelle sinnvoll, den schon jetzt einzukürzen, um das Wachstum auf die innere Verzweigung zu lenken?

Insgesamt ergibt sich für mich langsam ein Plan, den ich nun verfolgen werde. Auch Dir vielen Dank. Ich werde dann zu gegebener Zeit weiter über mein Vorgehen berichten.

Viele Grüße

Benny
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Bergi
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Bergi »

hallo Gemeinde,
irgendwie ist das schon eine wirklich schwierige Materie...
Was ich nicht ganz verstehe:
Wenn ich alte Nadeln zupfe... verliere ich doch die Knospen, die sie sonst bilden könnten.
Wenn ich sie nicht zupfe, könnte ich den Ast erst mal weiterwachsen lassen und irgendwann "später", bei entsprechender Erstarkung, auf ein passendes Nadelquirl absetzen, oder??
Oder liegt mein Denkfehler darin, dass man nicht auf beliebige Nadelquirle absetzen kann?
Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
Joseph Conrad
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Joseph Conrad »

@ grüner-hesse : Diese kleinen stammnahen Verzweigungen des von dir ausgewählten ersten Astes sind sehr kostbar.Wenn sie absterben kommt da nie mehr etwas hin.
Diese musst du fördern . Wenn du ihn jetzt aber einkürzt erreicht du gar nichts, außer das er geschwächt wird. Nächstes Jahr, Ende Juli, kannst du nur die am stärksten gewachsenen Jahrestriebe ! dieses ersten Astes stark einkürzen. Das wird dann die wertvollen stammnahen Zweiglein stärken und zu besserem Wachstum anregen. Der erste Ast wird dann aber wahrscheinlich immer noch viel zu lang sein. Das ist aber nicht schlimm, da du ihn auch erst in 5 oder 10 Jahren auf endgültige Länge kappen kannst. Wenn du ihn aber direkt auf die schwachen Zweiglein einkürzt verlierst du vielleicht den ganzen Ast ! Ebenso wenig ist schlimm das er derzeit so dick wie der Stamm selbst ist.
Lass einfach einen Opferleittrieb an der Spitze wachsen. Dies wird dazu führen, das der Stamm bald wieder dicker als er sein wird. Sobald innere Ästchen schwächeln musst du Opferäste wieder entfernen. Also volle pulle Gas geben und dann in die Bremsen steigen. Das regt die Kiefer zur Verzweigung an.
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Joseph Conrad
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Joseph Conrad »

@Bergi: Bei jungen Waldkiefern Nadeln zu zupfen beraubt sie nur ihrer Wuchskraft. Die junge Kiefer in der Entwicklung braucht lange Nadeln und zwar Massen davon. Sowohl diesjährige als auch 2 und 3 jährige. Wenn du dann den diesjährigen Austrieb, und nur diesen !, zurückschneidest kannst du üppige Knopsenbildung erwarten.
Mit dem Kappen auf beliebige Nadelquirle ist das so eine Sache. (Ziel ist ja eh die Reduktion des Quirls auf eine horizontale Zweiergabel) Auf innere günstig gelegene stammnahe Ästchen darfst du nur zurückschneiden wenn diese sehr gute und starke Knospen und ausreichend viel Nadelmasse haben. Und sie müssen auch einen ausreichend starken diesjährigen Austrieb gehabt haben. Wenn nicht stirbt dir der ganze Ast, egal wie dick er ist , ab.
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grüner_hesse
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von grüner_hesse »

Hallo Joseph.

nochmals vielen Dank für Deine Erklärungen *daumen_new*

viele Grüße

Benny
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Bergi
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Bergi »

hallo Joseph,
vielen Dank auch von mir... ich muss mir da noch einiges an Theorie reintun (hab ich schon mal, aber doch noch nicht verinnerlicht...)
Gruß,
Stefan
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grüner_hesse
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von grüner_hesse »

Hallo zusammen.

Dieses Jahr sind die ersten Bearbeitungsschritte unternommen worden. Ein workshop-Wochenende mit Walter in Heidelberg bot sich zeitlich dazu an. Bis Ende Juli durfte die Kiefer nochmals voll durchtreiben.
Sommer
Sommer
Es wurde in üblicher Reihenfolge die Vorderansicht eingegrenzt, Äste selektiert, die Spitze sowie der verbliebene Jahreszuwachs eingekürzt und (über den Herbst) mit ein zwei Drähten eine ganz ganz grobe Struktur geschaffen.
Winter
Winter
Die gewünschte Rückknospung hat für meine Begriffe ganz ordentlich funktioniert.(?)
Knospen
Knospen
Die Fragestellung lautet nun, wann der richtige Zeitpunkt für einen nächsten Rückschnitt ist. Gehe ich recht in der Annahme, dass man (vorausgesetzt die inneren Knospen treiben erkennbar aus) die kräftigeren äußeren Bereiche schon früher (~mit dem Strecken der Nadeln) einkürzt, um die inneren zu stärken?

Meinungen und Ratschläge sind immer Willkommen...

viele Grüße
Benny
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Max L
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Max L »

Hallo Benny,

auf die weitere Entwicklung und Vorgehensweise bin ich sehr gespannt!

Viele Grüße, Max
Mario W.
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Registriert: 24.11.2008, 19:14
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Mario W. »

Hi Benny,
Die Kiefer erkennt man ja nicht wieder!!!!
Toll bin begeistert! *up*
Müssen mal wieder einen Termin machen!
Mit freundlichen Grüßen
Mario Werner
Joseph Conrad
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Re: Sylvestris aus der Sandgrube

Beitrag von Joseph Conrad »

Toll wie du deine Kiefer im Griff hast. Sie ist wirklich sehr gesund. Substrat und Düngung stimmen offensichtlich *daumen_new*

Zu deiner Frage : Deine Kiefer hat einige innere Adventiv Knospen gebildet. Das ist die von uns erstrebte Rückknospung *daumen_new*
Mein Ratschlag : Auf keinen Fall "die kräftigeren äußeren Bereiche schon früher ( mit dem Strecken der Nadeln) einkürzen !
Denn du kräftigst die inneren Knospen damit gar nicht. Wenn die Rückknospungs -Knospen in der Lage sind dieses Frühjahr auszutreiben werden sie dies tun. Dafür müssen sie stark genug sein. Das ist aber bereits letzten Herbst festgelegt worden.
Kürzt du die äußeren Bereiche zu früh, das heißt vor Ende Juli, schwächst du den ganzen Ast. Auch deine wichtigen , schwächeren Rückknospungs -Triebe. Also wie letztes Jahr vorgehen. Erst wenn diese inneren Triebe wirklich zu kleinen , gesunden Ästchen gereift sind, die kräftige Knospen tragen, kannst du später einmal ganz auf sie zurück schneiden.

Gruß
Joseph
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