Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Ausladender Wurzelansatz, dicker Stamm, majestätische Äste, dichteste Verzweigung, …
Ein Prachtbild des „perfekten“ Bonsai, eine gärtnerische Meisterleistung, finanziell unerschwinglich, der gefeierte Sensationsbaum jeder Ausstellung.
Diese Beschreibung (zumindest aus europäischer Sicht) trifft wohl auf nahezu jeden Baum folgendem Videos einer diesjährigen taiwanesischen/chinesischen Ausstellung zu:
(https://www.youtube.com/watch?v=xTf_UjN7GWo#t=17)
Nach dem Bestaunen weniger atemberaubend perfektionierter Bonsai umfängt mich ein tristes distanziertes Gefühl der Eintönigkeit. Die Bonsaigestalter schicken ihre besten Kämpfer in den Ring der Ausstellung. Möge der Stärkste gewinnen. Sensationelles Spiraltotholz tritt an gegen perfekt verjüngten Schlangenhauptast. Ein Schlagabtausch der Ausdrucksressourcen. Ein Krieg des Handwerks.
Nach wenigen Minuten sinniert man nur noch nüchtern analysierend dahin und vergleicht. Wer ist mehr wert? Wer ist stärker? Wer hat mehr Muskeln? Wer hat die glatteste Haut? Wer hat die schönste Schmalzlocke? …
Ein kurzer Blick aus dem Fenster auf den alten knorrigen Pfaffenhut mit hohlem Stamm und Gewichtsproblemen neben filigraner magersüchtiger Hainbuchengruppe beidesamt umringt von saisonal verwelkten Beistellern …
Da klingelt es im Oberstübchen. Ein alter Bekannter versucht mit frisch gebleachtem und völlig überspitztem Lächeln krampfhaft Symphathie zu erwecken:
„Och nee, lass mal Perfektion, meine gute Freundin Natur hält nicht viel von dir. Klingel mal bei dem da hinten mit dem Porsche, dem gepflegten Rasen und den (leicht verpilzten) Buchsbaumkugeln vor der Tür, der scheint dich zu begehren.“
Guten Rutsch!
Aber passt auf wohin Eure Ziele entgleiten...
Tom
Ein Prachtbild des „perfekten“ Bonsai, eine gärtnerische Meisterleistung, finanziell unerschwinglich, der gefeierte Sensationsbaum jeder Ausstellung.
Diese Beschreibung (zumindest aus europäischer Sicht) trifft wohl auf nahezu jeden Baum folgendem Videos einer diesjährigen taiwanesischen/chinesischen Ausstellung zu:
(https://www.youtube.com/watch?v=xTf_UjN7GWo#t=17)
Nach dem Bestaunen weniger atemberaubend perfektionierter Bonsai umfängt mich ein tristes distanziertes Gefühl der Eintönigkeit. Die Bonsaigestalter schicken ihre besten Kämpfer in den Ring der Ausstellung. Möge der Stärkste gewinnen. Sensationelles Spiraltotholz tritt an gegen perfekt verjüngten Schlangenhauptast. Ein Schlagabtausch der Ausdrucksressourcen. Ein Krieg des Handwerks.
Nach wenigen Minuten sinniert man nur noch nüchtern analysierend dahin und vergleicht. Wer ist mehr wert? Wer ist stärker? Wer hat mehr Muskeln? Wer hat die glatteste Haut? Wer hat die schönste Schmalzlocke? …
Ein kurzer Blick aus dem Fenster auf den alten knorrigen Pfaffenhut mit hohlem Stamm und Gewichtsproblemen neben filigraner magersüchtiger Hainbuchengruppe beidesamt umringt von saisonal verwelkten Beistellern …
Da klingelt es im Oberstübchen. Ein alter Bekannter versucht mit frisch gebleachtem und völlig überspitztem Lächeln krampfhaft Symphathie zu erwecken:
„Och nee, lass mal Perfektion, meine gute Freundin Natur hält nicht viel von dir. Klingel mal bei dem da hinten mit dem Porsche, dem gepflegten Rasen und den (leicht verpilzten) Buchsbaumkugeln vor der Tür, der scheint dich zu begehren.“
Guten Rutsch!
Aber passt auf wohin Eure Ziele entgleiten...
Tom
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
tja tom...
das ist eben wie bei facebook und instagram nur model-und popstarprofile begucken.
entweder man schnallt irgendwann die irrelevanz für das eigene leben oder eben nicht
und wenn es um die perfektionierung von kunst bzw. handwerk geht : sieh es als inspiration und ansporn.
das ist eben wie bei facebook und instagram nur model-und popstarprofile begucken.
entweder man schnallt irgendwann die irrelevanz für das eigene leben oder eben nicht
und wenn es um die perfektionierung von kunst bzw. handwerk geht : sieh es als inspiration und ansporn.
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Hallo Tom, danke für diesen Film. Da scheint aber etwas die Natürlichkeit verloren gegangen zu sein.
Da finde ich so manchen Baum den ich hier im Forum gesehen habe wesentlich ansprechender.
Da finde ich so manchen Baum den ich hier im Forum gesehen habe wesentlich ansprechender.
Gruß Lothar
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Stil ist richtiges Weglassen des Unwesentlichen.
- Frank Abbing
- Beiträge: 2704
- Registriert: 30.12.2012, 14:31
- Wohnort: Münsterland
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Schoka hat geschrieben:Da scheint aber etwas die Natürlichkeit verloren gegangen zu sein.
Da finde ich so manchen Baum den ich hier im Forum gesehen habe wesentlich ansprechender.
Liebe Grüße
Frank
Frank
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Was das Handwerk betrifft in mancher Hinsicht sicherlich ja, aber sollte der künstlerische Aspekt von Bonsai in Europa in den nächsten Jahrzehnten derart zugunsten von Machobäumen degenerieren, werde ich die Profis höchstpersönlich mit ihren bis dahin vor Vernachlässigung eingegangenen Literatenbäumen verdreschen!achim73 hat geschrieben:und wenn es um die perfektionierung von kunst bzw. handwerk geht : sieh es als inspiration und ansporn.
Wo sind bei den Bäumen im Video die betont Eleganten? Wo bleibt die introvertierte stille Würde? Seit wann sind Verzweigungen natürlicher Bäume so dicht, das man beim besten Willen nicht mehr hindurchblicken kann? Irgendwann ist ein ästhetisches Limit überschritten. Die Konservativen bezeichnen es dann immer noch als Klassisch, während die Realisten (und oft auch die Laien!) es mit Kitsch benennen.
Dann doch lieber so, auch wenn es beim Handwerk sicher stellenweise noch hapert bzw. den begrenzenden Faktor darstellt:
https://youtu.be/whJmoCkmPjQ?t=2m51s
Ich für meinen Teil werde es mir dieses Jahr überlegen ob ich den 31. Baum mit Stammdurchmesser über 10 cm wirklich unbedingt ausgraben muss...
Gruß, Tom
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
es gibt ja auch negative inspiration 
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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- Hergenröder J.
- Beiträge: 106
- Registriert: 03.09.2011, 21:56
- Wohnort: Lichtenfels
- Kontaktdaten:
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Ich betreibe das Hobby Bonsai seit 5 Jahren.
Meine Bonsairegel Nummer 1:
Der Baum des/der anderen ist eh meist Interessanter/Besser als mein eigener.
Seitdem ich weiß dass ich so denke nehme ich mein Hobby gelassener und kann mich an meinen nicht immer perfekten Bäumen die sich noch entwickeln erfreuen!

Meine Bonsairegel Nummer 1:
Der Baum des/der anderen ist eh meist Interessanter/Besser als mein eigener.
Seitdem ich weiß dass ich so denke nehme ich mein Hobby gelassener und kann mich an meinen nicht immer perfekten Bäumen die sich noch entwickeln erfreuen!
"Die Kleinigkeiten erzeugen Perfektion, aber Perfektion ist keine Kleinigkeit."
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Genau DAS (dieser Thread) ist für mich Kunst!
Sollte kunst nicht zum diskutieren anregen?
Geschmäcker sind verschieden, ist auch gut so.
Sollte kunst nicht zum diskutieren anregen?
Geschmäcker sind verschieden, ist auch gut so.
Gruß
László
"Wer arbeitet, macht Fehler."
Alfred Krupp
László
"Wer arbeitet, macht Fehler."
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
wenn du auf so was stehst, hier einen klassiker aus unserem archiv:
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... fel#p23473
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... fel#p23473
Gruss, Achim
"Der kürzeste Weg zum Glück ist der Weg in den Garten"
chinesische Weisheit
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Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Danke, 
Gruß
László
"Wer arbeitet, macht Fehler."
Alfred Krupp
László
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Alfred Krupp
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
https://www.youtube.com/watch?v=Fuatyg4bc84
Welcher europäische Profi hätte den thematisierten Wacholder derart umgestaltet?
Auf der Noelanders sind seit Jahren geschleckte, spektakuläre Wacholder auf dem Siegertreppchen vertreten. Auf der EBA Convention 2015 ging der EBA-Award an eine importierte sehr dickstämmige Carpinus coreana im perfekt symmetrischen „Steinpilzstil“. Auf der letzten BCD-Ausstellung ging ich kopfschüttelnd an seit ihrem Import kaum modifizierten überdicken Dreispitzahornen vorbei deren äußere Verzweigungen lediglich in Knubbeln endeten, ein paar Stunden später waren sie als Preisträger ausgeschildert...
Gut, über diese plumpen Tendenzen kann man meinetwegen lässig lachen. Aber was hat das für Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Bonsaikultur?
Profis sind zu einem gewissen Grad wirtschaftlich davon abhängig wettbewerbsfähig zu sein und regelmäßig Preise zu ergattern. Wenn man klar kalkulieren kann welche Bäume überhaupt fähig sind Preise auf nationalen und internationalen Ausstellungen zu ergattern, werden logischerweise viele dem Weg des geringsten Widerstands folgen und gezielt Bäume wie im ersten Video des Threads kaufen, bzw. seltener auch selbst entwickeln, und ausstellen. Das ist künstlerische Prostitution die zu einem verzerrten Gesamtbild der vielfältigen Stile und Ausdrucksformen der Bonsaikunst führt. Die breite Masse wird grundsätzlich instinktiv den Gewinnerstil als ästhetisch kostbarer empfinden. Introvertierte Ausdruckselemente drohen dabei auf der Strecke zu bleiben.
Wer ist Schuld daran? Die Preisrichter der Ausstellungen.
Wer sind die? I.d.R. Ranghohe (Alt-)Profis.
Ein Teufelskreis schließt sich.
Ich möchte übrigens in keinster Weise behaupten, die von mir als so „monoton und machomäßig“ beschimpften Bäume wären allesamt künstlerisch bzw. handwerklich schlecht! Natürlich sind sie auf ihre Art und Weise ausdrucksstark und oft gelingt auch die Gratwanderung zwischen unnatürlich überschminkt und naturalistisch unrasiert.
Nur wenn die Repräsentativen Ausstellungen irgendwann so enden wie in Taiwan, droht die künstlerische Formenvielfalt auszusterben.
Wie schafft man es also den Teufelskreis zu brechen?
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Na ja, genauso, wie Kobayashi es in dem Video sagt. Er hat jahrzehntelang Bonsai für den wirtschaftlichen Erfolg und die Ausstellungsprämierungen gemacht. Nun ist er alt und abgeklärt genug, um zu machen, worauf er Lust hat.
Jetzt hat er die wirtschaftliche und mentale Freiheit dafür.
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Indem man regelmässig Bäume oder Kompositionen zeigt, die einem selbst gefallen, anders sind, ganz neu und verrückt ? Und somit die Vielfalt wieder erhöht ?Tomsai 92 hat geschrieben: Wie schafft man es also den Teufelskreis zu brechen?
(und die folgenden, vielen "versteh-ich-nicht"-Kommentare tapfer ignoriert)
Das schöne ist doch, das Hobby-Bonsaianer diese Freiheit immer haben.Heike_vG hat geschrieben:Jetzt hat er die wirtschaftliche und mentale Freiheit dafür.
(aber zumeist nicht das Material dafür, um es komplett durchzuarbeiten)
Grüße, Frank
___________
Ich will nur noch hupen !
___________
Ich will nur noch hupen !
Re: Nach dem Erklimmen des Gipfels bleibt nur der Abstieg
Was ist neu? Es gibt, bzw. gab doch schon alles. Das Bonsairad lässt sich nicht mehr neu erfinden, da jeder Stil, jedes Stilelement irgendwann von irgendwem bereits angewandt wurde.abardo hat geschrieben:Indem man regelmässig Bäume oder Kompositionen zeigt, die einem selbst gefallen, anders sind, ganz neu und verrückt ? Und somit die Vielfalt wieder erhöht ?Tomsai 92 hat geschrieben: Wie schafft man es also den Teufelskreis zu brechen?
(und die folgenden, vielen "versteh-ich-nicht"-Kommentare tapfer ignoriert)
Die vielen Penjingstile unterscheiden sich untereinander oft ebenso fundamental wie die Bonsai Japans vor 100 Jahren und heute. Bäume mit ufoförmigen Pompons, Bäume deren Verzweigungen ausnahmslos in rechten Winkeln entspringen oder auch tierförmige indonesische Stammgestaltungen sind nur ein paar Beispiele.
An den äußerlichen Präsentationsformen lässt sich natürlich rumschrauben. Das täuscht aber letztendlich oft nur darüber hinweg, dass die Aussage des isolierten Baumes ohne das inszenierte Umfeld wieder dem herkömmlichen Formenkanon entspricht.
Sind wir denn wirklich so frei wie wir denken?abardo hat geschrieben:Das schöne ist doch, das Hobby-Bonsaianer diese Freiheit immer haben.Heike_vG hat geschrieben:Jetzt hat er die wirtschaftliche und mentale Freiheit dafür.
Was ist wenn die heutige Durchschnittsmeinung mal wieder die engstirnige konservative von Morgen ist?
Der Mensch sieht immer nur das was er sehen möchte. Aus unserer übersättigten Luxuskultur resultieren nunmal jede Menge Phlegmatiker, die, so wie es ihnen von den Medien beigebracht wird, bei jeder erdenklichen Gelegenheit urteilen und werten.
Als Beispiel: Man schaute sich den Galerieteil einer der ersten Bonsai-Art Zeitschriften aus den Neunzigern etwa wie folgt an → „Aha, ganz doller Schimpaaakuuu! Und hier erst! Ganz supa dolle Akamatsuuuuu!...“ Die daneben abgebildeten spärlichen Literaten, filligranen jugendlichen Laubbonsai und die Kusamonos rücken völlig in den Hintergrund. Instinktiv werten wir. Dabei hat es schon seinen Grund, dass die Bonsaibänke der japanischen Meister nicht ausschließlich mit prächtigen Trümmern bestückt sind.
Ich habe auch erst nach Jahren gemerkt was man mit der urteilenden Sichtweise alles verpasst.
Der einzige der sich uns nachhaltig in den Weg stellt sind wir selbst...
Haarsträubende Kritik bringt die Meinungsbildung in der Regel weiter als immer das gleiche zu lesen. Deshalb sei es mir bitte verziehen, wenn ich aus Hoffnung auf neue Meinungen und damit einhergehende Inspiration gerne mal den Konventionen den Mittelfinger zeige.
Schöne Grüße
Tom
