Hallo Marcus,
grau ist alle Theorie - d'rum probier es aus. In der Praxis wird es aber wiederum zur Überschneidung verschiedener Aspekte kommen. Genau das was das Leben oder auch Bonsai als so komplex macht.
Marcus V. hat geschrieben:Das mit den "Geiltrieben" war mir nicht unbekannt.
"Geiltriebe" werden aufgrund Lichtmangel produziert, ganz gleich ob die Pflanze jung oder alt, ein Steckling oder frisch auflaufender Samen ist.
Marcus V. hat geschrieben:Verstehe ich das richtig, dass wenn ich mich nicht um Lichtverhältnisse kümmere, werden es lange Triebe mit großen Internodien Abständen und die Wurzeln entwickeln sich nicht annähernd so schnell? Bedeutet das dann auch das es die zu klein geratenen Wurzeln es nicht schaffen die im Verhältnis zu groß werdenden Triebe mit den nötigen Nährstoffen zu versorgen und somit der von dir beschriebenen Überlebenskampf startet?
Das hast Du richtig verstanden. Einzig mögliche Gegenmaßnahme wäre eben für eine ausreichende Zusatzbeleuchtung zu sorgen.
Marcus V. hat geschrieben:Wenn ich nun, salopp gesagt, dem entgegenwirke und die jungen Triebe rechtzeitig einkürze steigen dann die Überlebenschancen oder verletze ich sie damit zu sehr das sie dann auf jeden Fall eingehen?
Ein Steckling ist ein "totes" Stück Holz mit gespeicherter Energie. Diese verwendet er um Knospen und daraus neues Blattwerk zu bilden. Gleichzeitig versucht er die vorhandenen Blätter, welche ja Wasser verdunsten, vor dem Vertrocknen zu bewahren. => Hier hilft ihm Dein Mini-Gewächshaus (erhöhte Luftfeuchtigkeit). Gleichzeitig kann er über vorhandenes Blattwerk sowie Knospen und Neuaustrieb durch Photosynthese Energie zur notwendigen Wurzelbildung (=> Wasseraufnahme) gewinnen. Schneidest Du nun den Neuaustrieb gleich wieder ab hat der Steckling seine Energiereserven verbraucht ohne sein Ziel der Energiegewinnung erreicht zu haben. Ich überlasse das mal Deiner Vorstellungskraft wie das wohl ausgeht.
Marcus V. hat geschrieben:Auch hast du gesgat 12 Monate in dem Behälter wäre kein Thema. Kann ich mir kaum Vorstellen oder wachsen sie dann echt so wenig das der Platz ausreicht? Hab hier im Forum den Ulmen Wettbewerb gesehen und gelesen und dabei auch die sehr lang wachsenden Triebe gesehen. Ich dachte eigentlich das meine ähnlich explodieren und ich recht schnell Platz Probleme bekommen werde.
Ich habe dies nicht aus ästhetischem Empfinden heraus sondern aus pflanzenphysiologischen Gesichtspunkten beantwortet. Angenommen Deine Stecklinge wachsen an, werden ausreichend mit Wasser und Dünger versorgt und erreichen so bis Ende Herbst 2017 eine Gesamthöhe von knapp 1 Meter? Dann ist alles super gelaufen, sie sind dann gut Bleistiftdick aber der Platz im Topf reicht immer noch. Selbst im Frühjahr 2018 lassen sie sich dann noch gut auseinanderpuzzeln und in Einzeltöpfen weiterkultivieren.
Alles halb so wild denn eben bei diesem Vereinzeln musst Du sowohl ober- als auch unterirdisch sehr stark zurückschneiden. Also auf Verjüngung schneiden und Wurzelansatz ausarbeiten.
Marcus V. hat geschrieben:Auf jeden Fall lasse ich sie weiter wachsen um zu sehen was noch so passiert. Eventuell kommt ja doch was brauchbares dabei raus. Ab wann würde es Sinn machen, aus der Sicht des Profis, die Folie ganz zu entfernen?
Du solltest m.E. die Folie zumindest so lange belassen bis sich überall Knospen gebildet haben, diese ausgetrieben sind und mindestens 2-4 neue Blätter entstanden sind. Aber dann vielleicht nicht einfach abnehmen sondern durch stärkeres Lüften erst entwöhnen, da die neuen zarten Blätter bei schlagartiger Umstellung auf trockene Zimmerluft leicht vertrocknen können und das hätte ähnliche/selbe Auswirkungen wie das Abschneiden.
Marcus V. hat geschrieben:Wie nennt man denn dann das vereinzeln der Stecklinge wenn pikieren, wie du recht hast, das vereinzeln der Sämlinge genannt wird? Gibt es dafür überhaupt ein Fachbegriff, denn ich finde nix auf anhieb im Netz.
Ich bin kein Gärtner Marcus aber die sehen das auch nicht immer so eng. Werden in ein Gefäß zusammengesteckte Stecklinge später verpflanzt in Einzelgefäße spricht man oft nur von umpflanzen doch auch
pikieren, was ja vereinzeln bedeutet, wäre wohl sicherlich nicht ganz falsch.
