Danke Euch, es freut mich, wenn Ihr die Geschichte dieses Baums mit Interesse betrachtet.
Bonsette hat geschrieben:Ich finde es bemerkenswert, dass ein so großer Baum mit so wenigen Ästen auskommt. Und die Entwicklung der Verzweigung und Schnittstellen ist auch beachtlich!
Bei vielen japanischen Gestaltungsgeschichten habe ich seit Jahren gesehen, dass bei manchen Bäumen nicht alle Äste schulbuchmäßig verteilt sind, sondern in einigen Fällen die meisten Äste ganz oben entspringen und dann so heruntergezogen und entwickelt werden, dass sie die Lücken weiter unten gut füllen und eine vollständige Krone mit Etagen gebildet werden kann. Diese Aufgabenstellung habe ich hier auch gesehen und probiert, es ähnlich zu machen. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis alles einigermaßen ausgewogen ist, aber es geht in die richtige Richtung, meine ich.
Dieser Baum ist enorm vital, wächst sehr kräftig und verdickt sich enorm. Das erleichtert die Entwicklung und das Zuwachsen der Schnittstellen natürlich sehr.
Ich bin nicht ganz sicher, was für eine Lärche es genau ist, Wolfgang Käflein hat sie ja irgendwo in einem seiner Sammelgebiete gefunden, aber es dürfte sich entweder um eine Japanische Lärche handeln, oder um eine Hybride mit der Europäischen Lärche, aber dann ist die robuste Japanerin stärker durchgeschlagen.
Bonsette hat geschrieben:Macht das Drahten, Spannen und Beschneiden im November dem Baum denn nichts aus, wenn du ihn draußen unterm Dach überwinterst, wo es doch bei dir im Norden einige Minusgrade haben kann?
Wenn wirklich heftige Minusgrade kommen und wir keinen Schnee haben, lege ich durchaus auch mal Decken über meine draußen stehenden Bäume. Aber ansonsten haben meine robusteren Bäume den Winter draußen trotz der Bearbeitung im Herbst immer gut überstanden. Die Gestaltungsmaßnahmen, die ich jetzt an diesem Baum durchgeführt habe, sind relativ kleine Korrekturen, die den Baum nicht sehr belasten. Kein Ast ist wirklich stark gebogen worden. Da hat es keine Risse in der Rinde o.ä. gegeben, was kritisch wäre.
Im Frühling drahte ich Lärchen nicht gerne, weil die Knospen meist sehr früh grün werden und dann extrem leicht beschädigt bzw. abgestreift werden.
HaJo hat geschrieben:an dieser Dokumentation kann man sehen, dass mit Können und viel Zeit auch aus augenscheinlich "schlechten" Material ein vorzeigbarer Baum werden kann. Dazu muss er allerdings sehr vital sein.
Das stimmt beides. Damals fand ich das Material gar nicht schlecht und allzu teuer war es auch nicht. 8 Jahre später habe ich jetzt andere Ansprüche und würde auch deutlich mehr Geld für einen reizvollen Rohling ausgeben. Dass mir damals diverse Leute sagten, dass die Lärche eine Gurke wäre und ich sie nicht hätte kaufen sollten, hat mich damals umso mehr angespornt, etwas daraus zu machen. Ich habe mich dann darauf gefreut, eines Tages eine Dokumentation mit richtig schaurigen Vorher-Fotos einzustellen...
Wenn die Lärche nicht so unbändig vital wäre, wäre das bisherige Ergebnis in 8 Jahren unmöglich gewesen. Zum einen hat sie diese Vitalität von sich aus mitgebracht, zum anderen hat sie natürlich auch einen günstigen, sonnigen, luftigen Standort und ausreichende Düngung und Wässerung erhalten und generell aufmerksame Pflege, rechtzeitige Schädlingsbekämpfung etc.
Sanne hat geschrieben:Mich würde interessieren, was Ralla von dem Baum heute hält.
Ehrlich gesagt: das würde mich auch brennend interessieren! Jedenfalls waren seine Bemühungen von 2008 nicht vergeblich und ich habe mir auch seine Worte zu Herzen genommen, kritischer bei der Materialauswahl zu sein.
Sanne hat geschrieben:Eine neue schöne und passende Schale wirst Du sicherlich bei einen der guten Schalentöpfer ordern können.
Das kann man sicherlich. Früher oder später werde ich etwas Schönes finden oder machen lassen. Trotzdem weine ich der bisherigen Schale etwas nach, da sie mir sehr gut gefällt.
Sanne hat geschrieben:P.S. Der kleine Schneemann ist ja allerliebst.
An solchen Spielereien habe ich manchmal einfach riesigen Spaß.
Chri hat geschrieben:warum hast du denn das Fräsloch beim linken Ast mit Draht ausgefüllt?
Um den Astansatz beim Biegen zu stabilisieren. Ich hatte Angst, er würde sonst doch brechen. Heutzutage würde ich eine andere Vorgehensweise wählen, nämlich den Astansatz auf der Oberseite direkt am Stamm einschneiden, den Ast herunterbiegen und einen kleinen Holzkeil in den Spalt treiben.
Chri hat geschrieben:Die zweite, war der linke Ast geplant so tief runter zu ziehen?
Der ist wirklich ganz schön weit runtergekommen. Zu meiner Überraschung ist er kaum wieder hochgekommen, als ich im Folgejahr den Draht und Spanndraht entfernt habe. Durch das Auffräsen ist er sehr formbar geworden und durch das starke Wachstum schnell stabil geworden. Durch die feste Bandage ist außerdem eine extra schnelle Verdickung provoziert worden. Der Ast ist so schon grenzwertig dick geworden.
Chri hat geschrieben:Kann natürlich auch sein das man den Baum nicht in natura vor Augen hat oder es täuscht das so das ganze untere Grün auf einer Ebene steht.
Das geht tatsächlich in die Richtung und das finde ich heutzutage auch nicht gerade so gewünscht. Deswegen habe ich zuletzt den unteren rechten Ast mit einem Spanndraht weiter heruntergezogen und die vorderen Zweige des linken Asts weiter hochgedrahtet.
Liebe Grüße,
Heike