Linde_von_Linn_(AG,_Schweiz),_März_2014.JPG
philanthrop – (erfreulicher Nick übrigens!) du hast erstens eine tolle Anlage, die Rindenentwicklung im unteren Bereich ist sehr schön. Du wirst dich intensiv um die Krone kümmern müssen. Da stellen sich Fragen. Auf dem ersten Bild etwa sticht der zweite Hauptast von rechts heraus – lange, gerade, langweilig. Zumindest jetzt. Optionen: Stark einkürzen (was dich um Jahre zurückwirft) oder als Träger für weitere starke Äste belassen?
Generell sehe ich die Gefahr, diese langen Äste (der dritte, vierte und fünfte von rechts sind in der gleichen Liga) einkürzen zu wollen, weil man ja «Bonsai» macht. Dann bleibt eigentlich kaum etwas übrig, du beginnst von vorne. Alternative: diese Stumpen mutig belassen und an sie anbauen, um zu einem «totally informal broom» zu kommen, einen Baum, der die existierende und bereits erwähnte Tradition der Dorflinden aufgreift, der nicht einmal versucht, ein ordentlicher Bonsai zu sein, aber dafür ein überaus interessantes Baumobjekt werden kann.
Die ebenfalls erwähnten langen Internodien würde ich für einige Jahre in Kauf nehmen. Kaum ein Baum überwallt so schön und zuverlässig wie eine Linde. Die innere Verzweigung würde ich nicht anstreben. Ich für mich würde auf eine Krone abzielen, die gut das dreifache Volumen dessen hat, was jetzt da ist.
Ferner: Nicht ohne Grund hast du den Wurzelansatz abgebildet, in dem eine Totholzstelle zu sehen ist. Die wird natürlich zerfallen, ausmorschen. Da es eine Linde ist, bringt da Holzhärter nichts, es wird zwingend abgehen. Aber ich denke, es wird sich harmonisch zum Bild einer «Tanzlinde» fügen. Wenn du diesem Begriff nachgehst, wirst du Bäume finden, die faktisch die vier Reste von Substämmen einer Linde darstellen, während der Kern ganz abgegangen ist. Das ist, was eine Linde eben kann: Sie zerfällt, morscht aus – und bleibt dennoch. Dieses Bild einzufangen, würde die Linde wie dich ehren.