Feldversuche

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
MerschelMarco
Beiträge: 1621
Registriert: 20.05.2007, 10:43

Re: Feldversuche

Beitrag von MerschelMarco »

Hallo Roy,

ganz große Klasse!
Generell denke ich, dass die Feldkultur der am größten unterbewertete Teilbereich von Bonsai ist. Da steckt so viel Potential und auch sicher noch jede Menge an Optimierungspotential drin. Wenn man sich die Entwicklungsthreads so anschaut beschäftigen sich aber die wenigsten ernsthaft damit, dabei ist das die Zukunft!

Viele Grüße,
Marco
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8150
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Feldversuche

Beitrag von Norbert_S »

Vollkommen richtig, Marco.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
RoyF.
Beiträge: 538
Registriert: 06.10.2009, 21:01
Kontaktdaten:

Re: Feldversuche

Beitrag von RoyF. »

Hallo Marco,
ich denke da genau wie du!
Du hast ja auch in einigen Threads schön dokumentiert, dass man in der Freilandaufzucht schöne Sachen machen kann *daumen_new*
Ich glaube, dass es bei der Feldaufzucht zwei verschiedene Arten gibt.
Die erste machen die, die davon leben müssen. Dabei wird die Qualität sehr gemischt sein, weil nie die Zeit da ist lange auf einzelne Pflanzen einzugehen (Pflanzenaufbau, Wundverschluss, allgemeines Potential usw.). Man kann da auch nicht drahten und es sind zu viele Pflanzen, sodass gewisse Gestaltungsziele meist per Zufall entstehen und nie ernsthaft an einzelnen Pflanzen schon mit einem Fernziel gearbeitet wird.
Der zweite Fall ist das komplette Gegenteil. Das machen Leute wie ich, die Bonsai als Hobby machen und wo Zeit nicht wirklich eine Rolle spielt. Die Zeit die ich in meine Feldpflanzen stecke ist extrem unwirtschaftlich, hat aber den großen Vorteil, dass gute Qualität kein Zufall mehr ist, was wiederum bedeutet, man braucht nicht so viele Pflanzen usw. Man kann im Freiland zum Teil mit Draht korrigieren oder Triebe an Stangen nach oben oder unten binden, um das Wachstum besser steuern zu können usw.
Zugegeben, es gibt da auch Pflanzen, die einen nicht so gelingen oder wo etwas schief geht, aber im Vergleich eher selten.
Mein Eindruck ist, dass die Feldaufzucht deswegen nicht so einen guten Ruf hat (zwecks große Wunden, schlechter Aufbau, zu dicke Äste usw.), weil die meisten Leute Feldkultur von Bonsai meist mit Fall 1 in Verbindung bringen oder nur daher kennen. Dabei sind all die schönen Importbäume aus Japan auch auf Feldern entstanden (natürlich mit sehr viel Erfahrung)!
Diese Erfahrung kann man sich autodidakt nicht so einfach aneignen, aber man kann es ja versuchen. Spaß macht es allemal und ich muss sagen, seit dem ich das mache, sind auch meine Bäume in der Schale viel vitaler geworden. Ich denke, weil man den Vergleich hat wie Pflanzen wachsen können und man sich mit Mickerwuchs zumindest in der Aufbauphase nicht mehr zufrieden gibt und eben versucht es den Pflanzen so gut wie möglich gehen zu lassen.
Aus diesem Grunde habe ich auch dieses Jahr wieder drei neue zweijährige Pflanzen ins Feld gesetzt. Das macht schon Spaß :-)
Lg Roy
Benutzeravatar
Amadeus
Beiträge: 1423
Registriert: 24.06.2004, 19:45
Wohnort: Erzgebirge
Kontaktdaten:

Re: Feldversuche

Beitrag von Amadeus »

Lieber Roy, bei dir wissen Kopf und Hand was zu tun ist - deine Dokus anzuschaun bereitet mir viel Freude.
Viele Grüße
Holger

Ein kritisches Hinterfragen der eingestellten Bäume ist ausdrücklich erwünscht.
RoyF.
Beiträge: 538
Registriert: 06.10.2009, 21:01
Kontaktdaten:

Re: Feldversuche

Beitrag von RoyF. »

Das freut mich Holger :-)
Benutzeravatar
mydear
Beiträge: 9264
Registriert: 13.09.2011, 17:47
Wohnort: Regensburg

Re: Feldversuche

Beitrag von mydear »

Hallo Roy, hallo Marco,

ich sehe auch die Vorteile der Feldkultur.
Allerdings sind meine eigenen Projekte mangels ausreichend Zeit und zu wenig Beachtung der Rohlinge schlecht ausgefallen. Innerhalb von 10 Jahren sind Ulme, Feldahorn, Zierapfel oder Zelkove stark gewachsen und über das Ziel hinausgeschossen. Es entstanden lange Stammstücke ohne Verjüngung. Starke Äste im oberen Bereich sind völlig unbrauchbar und müssen wieder entfernt werden. Die verbleibenden großen Wunden bedeuten Risiko für inverse Verjüngung oder Knubbelbildung.

Ich habe meist bei dieser Anzucht nicht erkannt , dass die Verzweigung zu hoch ansetzt, die Baumhöhe größer als geplant ausfällt oder die Äste an der falschen Stelle sitzen. Ich müsste mich ständig bücken ja auf die Erde legen um ein klares Bild des Rohlings zu bekommen. Für die Zukunft plane ich eher ein Hügelbeet anzulegen, was auch für den Rücken zuträglicher ist. Dazu kommt, dass zu große bzw. schwere Pflanzen beim Umtopfen /Ein- bzw. Ausräumen des Winterquartiers mich auch körperlich an meine Grenzen bringen. Meine Gründe mich mehr auf Shohin, Chuhin sowie interessanten Abmoosungen zu fokussieren. Ich denke Da muss jeder seine eigenen Prioritäten setzen.

Eure Feldversuch-Ergebnisse sprechen für sich *daumen_new*. Ihr habt offensichtlich das richtige Auge dafür.

Liebe Grüße, Rainer
“Fais de ta vie un rêve, et d'un rêve, une réalité“ Antoine de Saint-Exupéry
Michael 86
Beiträge: 2234
Registriert: 08.10.2016, 09:00

Re: Feldversuche

Beitrag von Michael 86 »

Hallo Leute

Nachdem ich diesen Thread gelesen habe, habe ich mich auch mal an einen Versuch gewagt.
Habe vor ein paar Jahren eine Wildhecke gepflanzt. Dabei war ein Schwarzdorn irgendwie nicht mehr richtig zu integrieren. Da die Pflanzen im Frühjahr wurzelnackt bestellt wurden, musste er irgendwo hin. Heute sehe ich den Platz als langfristig nicht optimal. Bevor er also irgendwann zu groß zum Umsetzten ist, habe ich ihn jetzt mal stark gestutzt und schau mal, was so daraus wird. Zur Not ist er immer noch kompakt genug, um umgesetzt zu werden. Seine gute Verzweigung und Blattgröße scheinen mir recht gut zu sein. Jetzt sieht er natürlich recht traurig aus und ist mir erst einmal kein Foto wert.
Grüße Michael :)
MerschelMarco
Beiträge: 1621
Registriert: 20.05.2007, 10:43

Re: Feldversuche

Beitrag von MerschelMarco »

mydear hat geschrieben:Innerhalb von 10 Jahren sind Ulme, Feldahorn, Zierapfel oder Zelkove stark gewachsen und über das Ziel hinausgeschossen. Es entstanden lange Stammstücke ohne Verjüngung. Starke Äste im oberen Bereich sind völlig unbrauchbar und müssen wieder entfernt werden. Die verbleibenden großen Wunden bedeuten Risiko für inverse Verjüngung oder Knubbelbildung.

Ich habe meist bei dieser Anzucht nicht erkannt , dass die Verzweigung zu hoch ansetzt, die Baumhöhe größer als geplant ausfällt oder die Äste an der falschen Stelle sitzen. Ich müsste mich ständig bücken ja auf die Erde legen um ein klares Bild des Rohlings zu bekommen.
Rainer, da sprichst du ein zentrales Problem an.
Man wählt ja die Feldaufzucht, um in kürzerer Zeit, über dass im Vergleich zur Schalenaufzucht immense Wachstum, schneller zum Ziel zu gelangen. Dabei kann man aber auch über das ziel hinausschießen. Und das sieht man bei der überwiegenden Mehrzahl der Pflanzen aus Feldaufzucht. Die werden frei wachsengelassen und dann gekappt. Die an der gekappten Stellen austreibenden Triebe läßt man wieder frei wachsen und dann kappt man wieder. Nach vielleicht zwei Jahren oder auch länger, schließlich wächst die Pflanze erst ab dem zweiten Jahr so richtig Vollgas, schult man das erste mal um und hat schon den Salat. Eine im Prinzip verwachsene Besenform mit schlechtem Wurzelansatz. Das bekommt man dann auch nie wieder vernünftig korrigiert. Man kann sich noch mit Abmoosen oder so rummühen, aber da gewinnt man im Vergleich zur Schalenaufzucht nichts mehr.
Die Feldaufzucht kann die Trümpfe dann voll ausspielen, wenn man einen vernünftigen Kompromiss, auch im zeitlichen Verlauf findet, d.h. am Anfang steht die Qualität des Stamm- und Wurzelaufbaus absolut vor der Geschwindigkeit.
Das heißt auf jeden Fall erst mal jähliches Arbeiten an den Wurzeln, den Stamm möglichst nahe am Stammansatz absetzen und dann einen Leittrieb auswählen, den man durchwachsen läßt. Die anderen Triebe konsequent rausschneiden, bis auf einen Nebentrieb, den man aber möglichst klein hält. Falls Adventivknospen am Stamm austreiben, diese auch stark reduzieren, einige wenige sehr stark zurückgenommen erhalten, damit kann man dann in Phase zwei die Äste aufbauen. Dieses Spiel geht man über mehrere Jahre durch, je nach gewünschter Größe des Baumes. Je größer der Baum desto länger können dann langsam auch die Umschulzyklen werden
Ist der Stammaufbau so weit gediehen, macht man das gleiche Spiel mit den Hauptästen, d.h. Terminaltrieb des Astes jeweils durchtreiben lassen und ggf. mit Draht korrigieren. Dann wieder kappen und auf einen Nebentrieb absetzen.

So funktioniert das bei mir jedenfalls ganz gut und das ist nun wirklich keine Hexerei. Jeder mit der Gestaltung und der Pflege eines Bonsai klar kommt, kann das auch mit der Feldaufzucht, behaupte ich jetzt mal so.

Grüße,
Marco
Benutzeravatar
Norbert_S
BFF-Autor
Beiträge: 8150
Registriert: 09.08.2006, 08:30

Re: Feldversuche

Beitrag von Norbert_S »

Feldaufzucht verlangt eben auch ein spezielles Wissen und Erfahrung.

Ein Wechsel Schale-Feld usw. bringt sehr gute Ergebnisse wenn etwa ein Zweijahresrhytmus eingehalten wird. Da geht nichts aus dem Ruder und in der Schalenphase kann dann in normaler Körperhaltung gearbeitet werden.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
hwolf
BFF-Autor
Beiträge: 1569
Registriert: 17.08.2015, 21:16
Wohnort: Steimbke

Re: Feldversuche

Beitrag von hwolf »

Moin,
ich möchte gern mal ein, zwei Fragen zum Thema loswerden.
Bislang habe ich gedacht, dass wir mit unserer optimierten Kulturführung, den möglichen Kontrollmechanismen und dem ständigen Eingreifen den "Turbo" für Pflanzenentwicklung im TPK gefunden haben. Nun heißt es immerwieder, dass das FEld doch noch schneller sein soll.
Doch nirgends wird über die Parameter dieser Feldaufzucht genauer gesprochen. Was für ein Substrat wird verwendet? Wie und mit was wird gedüngt? Warum wachsen die Pflanzen im Feld schneller? mehr Wurzelmasse? Aber was ist, wenn diese Wurzeln nichts taugen, wie es meistens ist, wenn ich irgendein Pflänzchen einfach in den sandigen Boden stecke?
Mich würde eine etwas genauere "Verfahrensbeschreibung" interessieren, damit man mal nachvollziehbar darüber nachdenken kann, was wo besser und welche Kulturführung für welchen Rohling geeignet ist.
Nicht zuletzt entwickeln ja viele große Profis ihre Yamadoris ausschließlich in Schalen. Und die sollten ja outputorientiert zur Sache gehen..

Fragen über Fragen, auch wenn es am Ende wieder heißt: Der Erfolg gibt den Feldbestellern recht.

Lieben Gruß
Heinrich
Benutzeravatar
Sebastian O
Freundeskreis
Beiträge: 467
Registriert: 14.06.2008, 06:49

Re: Feldversuche

Beitrag von Sebastian O »

Hallo Heinrich,

was jetzt kommt, ist größtenteils das berühmt berüchtigte gefährliche Halbwissen, aber weil mich das Thema interessiert, lass ich es vom Stapel, in der Hoffnung dass etwaige Fehlschlüsse von den Profis hier korrigiert werden können.

Also: Aus meiner Sicht ist ein TPK vor allem bei der Verbesserung des Wurzelballens , bzw. zur Bildung von Feinwurzeln hilfreich. Dass sich Bäume im Feld schneller entwickeln, liegt m.E. tatsächlich daran, dass hier mehr Platz für die Wurzeln vorhanden ist. Die Entwicklungspotentiale von Krone und Wurzeln sind direkt voneinander abhängig. Aber: Im Feld macht ein Baum tendenziell eben nicht nur Feinwurzeln, sondern greift mit dicken Wurzeln um sich, um die so erschlossenen Areale dann per Feinwurzeln "abzugrasen". Das ist für Bonsai nachteilig, weil wir die Feinwurzeln ja in unmittelbarer Stammnähe brauchen. Daher bietet sich für die Entwicklung von Rohlingen der von Norbert vorgeschlagene Schale-Feld-Zyklus an, weil man hier im Wechsel an der Entwicklung von ober- und unterirdischen Bereichen arbeiten kann. Ein TPK-Feld-Zyklus wäre vielleicht sogar noch besser. Beim Auspflanzen ins Feld kann man zur Verbesserung des Nebaris auch eine kleine Platte (aus Stein oder Keramik, was auch immer) direkt unterm Stamm anbringen, so dass zumindest im Bereich der späteren Schale keine Wurzeln direkt nach unten wachsen. Was Substrat und Düngung angeht, gelten wohl die gleichen Richtlinien wie in der Schale, wobei man sich wahrscheinlich fragen muss, wieviel Aushub man mit dem Substrat seiner Wahl ersetzen kann und muss, um alle Wurzeln im gleichen Substrat stehen zu haben. Bei der normalen "Boden-Erde" stellt sich die Frage nach deren Fähigkeit Nährstoffe, bzw. Dünger zu speichern, um ein Überdüngen zu vermeiden.

Oder?

LG

Sebastian
LG
Sebastian
MerschelMarco
Beiträge: 1621
Registriert: 20.05.2007, 10:43

Re: Feldversuche

Beitrag von MerschelMarco »

hwolf hat geschrieben:Moin,
ich möchte gern mal ein, zwei Fragen zum Thema loswerden.
Bislang habe ich gedacht, dass wir mit unserer optimierten Kulturführung, den möglichen Kontrollmechanismen und dem ständigen Eingreifen den "Turbo" für Pflanzenentwicklung im TPK gefunden haben. Nun heißt es immerwieder, dass das FEld doch noch schneller sein soll.
Doch nirgends wird über die Parameter dieser Feldaufzucht genauer gesprochen. Was für ein Substrat wird verwendet? Wie und mit was wird gedüngt? Warum wachsen die Pflanzen im Feld schneller? mehr Wurzelmasse? Aber was ist, wenn diese Wurzeln nichts taugen, wie es meistens ist, wenn ich irgendein Pflänzchen einfach in den sandigen Boden stecke?
Mich würde eine etwas genauere "Verfahrensbeschreibung" interessieren, damit man mal nachvollziehbar darüber nachdenken kann, was wo besser und welche Kulturführung für welchen Rohling geeignet ist.
Nicht zuletzt entwickeln ja viele große Profis ihre Yamadoris ausschließlich in Schalen. Und die sollten ja outputorientiert zur Sache gehen..

Fragen über Fragen, auch wenn es am Ende wieder heißt: Der Erfolg gibt den Feldbestellern recht.

Lieben Gruß
Heinrich
Heinrich, meiner Meinung nach ist und bleibt die Schale oder TPK für einen Baum immer ein Extremstandort. Der Boden im Feld puffert die Bodenbedingungen Feuchtigkeit, Temperatur, Nährstoffgehalt wesentlich besser, als das jemals ein begrenztes Behältnis mit seiner großen Oberfläche zur umgebenden Umwelt kann. Und das mögen halt die Wurzeln nicht so gerne, bzw. können ihr Potential nie voll ausschöpfen, weil die Bedingungen im Substrat im Tages- und Jahresverlauf ständig aus dem physiologischem Optimum rauslaufen.
Was die besten Bodenverhältnisse für die Feldkultur anbelangt, sehe ich das genauso wie im Gartenbau: Humoser, nährstoffreicher Boden, weder zu sandig, noch zu lehmig ist optimal.
Was die Kulturführung angeht, habe ich auf Laubbäume bezogen oben schon was geschrieben, du bist glaube ich der erste, der da konkret nachgefragt hat.
Die Meinung von Roy würde mich auch sehr interssieren.

Grüße,
Marco
RoyF.
Beiträge: 538
Registriert: 06.10.2009, 21:01
Kontaktdaten:

Re: Feldversuche

Beitrag von RoyF. »

Ich denke, dass was Marco schreibt ist schon sehr gut beschrieben. Wir können in der Schalenkultur sicher nur versuchen ein Optimum an Gesundheit der Pflanzen in den Möglichkeiten die diese bietet zu erreichen. Das Wachstum im Freiland ist gemessen an der Masse von Holz sicher um ein vielfaches Höher und nie in einem TPK zu erreichen. Muss ja auch nicht, weil die Ziele der jeweiligen Kultur, wie schon kurz angeklungen völlig verschieden sind. Ziel in der Feldaufzucht ist für mich die Stamm und Wurzelansatz und Ast-bzw Astansatzentwicklung. Da ist das starke Wachstum im Feld sicher optimal. Die Verfeinerung der Aststruktur und die Entwicklung des feinen Wurzelballens muss später in der Schale entstehen. Ich will ja mit der Feldaufzucht einen Bonsairohling haben und keinen fertigen Bonsai. Pflanzenphysiologisch ist die Schale wie schon beschrieben zwar in dem Fall ein Extremstandort, jedoch auch Bedingung um eine feine Zweigstruktur zu entwickeln und irgendwann ein Mochikomi zu erreichen. Da wäre dann das Optimum im Freiland nicht mehr zu finden. Man muss eben immer wissen, was man für ein Ziel erreichen will und dann muss man das jeweilige Mittel verwenden um dieses Ziel schnellst möglich zu erreichen. Für die Entwicklung eines dicken Stammes oder der Entwicklung einer Substammstruktur ist das Feld da sicher eine gute Wahl, aber auch hier würden mir gute Beispiele einfallen, wo absolute Traumbonsai nur in der Schale gezogen wurden. Wie mein Threadtitel ja sagt, handelt es sich um Versuche! Die wirklichen Ergebnisse wird man erst in 15-20 Jahren sehen.

Düngen braucht man im Freiland eigentlich nicht, da die Wurzeln, die dafür zuständig sind ziemlich schnell den Kronenbereich verlassen. In meinem Fall würde ich da nur die Wiese und Unkräuter düngen. Die Natur ist uns in diesem Bereich weit voraus.
Wenn man wirklich einen ganzen Acker hat, könnte man vielleicht schon düngen, aber ich denke nicht das es notwendig ist.

Ich freue mich im übrigen über den regen Informationsaustausch.

Grüße
Roy
Benutzeravatar
Anja M.
Freundeskreis
Beiträge: 5825
Registriert: 05.01.2004, 17:52
Wohnort: Hamburg NW

Re: Feldversuche

Beitrag von Anja M. »

hwolf hat geschrieben:
Nicht zuletzt entwickeln ja viele große Profis ihre Yamadoris ausschließlich in Schalen. Und die sollten ja outputorientiert zur Sache gehen..

Fragen über Fragen, auch wenn es am Ende wieder heißt: Der Erfolg gibt den Feldbestellern recht.
Einen Yamadori wird sicher jeder von uns in der Schale weiterkultivieren, der hat seine Entwicklung im Freiland ja schon hinter sich. 8)

Ich habe im Beet eine recht sandige Erde und ich kann genau sagen, welcher Bereich gut gedüngt ist und welcher nicht. Ich hab Beete bekommen, wo 'nur' Beerenobst stand und wo stickstoffsammelnde Erbsen standen. 10m weiter und durchaus ein Unterschied. Eine Lärche hat sich verdoppelt in einem Jahr, die andere mindestens verdreifacht. Ich tu da also durchaus Dünger hin.

Alle 2-3 Jahre Umschulen, dazwischen zumindest im Frühjahr umstechen und - bisher - etwas zurückschneiden. das wird aber jedes Jahre gezielter.

Die ersten 2 bis 4 Jahre wird in Kisten gezogen. Die Sämlinge gehen sonst verloren und der ein oder andere bekommt während dessen noch einen gebogenen Stamm.

So mal in Kürze.
73 Anja
RoyF.
Beiträge: 538
Registriert: 06.10.2009, 21:01
Kontaktdaten:

Re: Feldversuche

Beitrag von RoyF. »

Hier noch ein weiteres Beispiel aus meinen Feldprojekten. Eine Hainbuche. 2008 von einem Bahndamm ausgegraben. Erstes Bild 2010, zweites Bild 2018. Mal sehen, wie er sich die nächsten Jahre im Feld weiter entwickeln wird. Das Zwischenergebnis finde ich ganz zufriedenstellend.
Wie man an dem Baum sehen kann, versuche ich den Baum eher natürlich vorzugestalten. Das bedeutet, dass ich das Wachstum zum Teil auch stark bremse, weil ich nicht schnellstmöglich nur einen dicken Stamm haben will, sondern einen guten Rohling mit guter Gesamtstruktur. Mir sind die meisten Rohlinge, die man so sieht, zu "stammbetont". Stammdicke bei dem Baum ist unten etwas über 5cm.
Dateianhänge
2010
2010
2018
2018
2.jpg (97.46 KiB) 2490 mal betrachtet
Antworten