Huch,
ich bin ja nun wirklich nur noch selten hier. Sorry, aber ich bin da wohl noch eine Antwort schuldig.
Moin, erstmal.
Und wie immer, das wird nicht ganz leicht, ich versuche mich aber kurz und nicht zu umschweifig zu erklären.
@Norbert: Ich halte das relativ strikte Auseinanderhalten von Begrifflichkeiten - gerade in der Fehler- bzw. Schadursachenanalyse - als unumgänglich. Was ist feucht, nass und was ist Staunässe....
Da auch relativ feste, feinkörnige Substrate den gleichen physikalischen Gesetzen ausgesetzt sind, wie die durchlässigen, inzwischen in weiten Teilen angenommenen Substrate, mache ich hier keinen Unterschied. Der einzig relevante und variable Faktor in Bezug auf zu viel Feuchtigkeit ist
Zeit. Und damit bin ich schon bei der begrifflichen Abgrenzung zwischen feucht, nass und Staunässe.
feucht: feucht ist alles, was nicht trocken ist

.... man spürt es am Substrat, man spürt einfach, dass da Feuchtigkeit ist... Logisch?, trivial? Ja. Es bezeichnet einen zeitlich ungebundenen Zustand des Substrates (Ding, was auch immer). Wassermoleküle haften am Substrat.
nass:: nass ist mehr als feucht... und zwar soviel mehr, dass Wasseermoleküle nicht nur an den einzelnen Substratbröckchen anhaften, sondern auch in erheblichen Maße untereinander in den Räumen zwischen den Substratbröckchen - wo Luft sein sollte -, man sieht im Zweifelsfalle das Wasser; auch hier fehlt der Faktor Zeit. Achims Substrat war ganz einfach nass.
Staunässe: Staunässe ist der Zustand, nicht entweichender Nässe über einen gewissen, sich schädlich auswirkenden Zeitraum. Ahaa! Zeit.
Wenn man so will, ja, wenn man immer wieder von oben nachgießt, dann könnte man das als Staunässe bezeichnen. Würde ich aber nicht.
Begründung: Der Abfluss ist ja da, wenn man aber immer mehr nachgießt als abfließen kann, dann bildet sich natürlich ein Stau. Es liegt aber nicht an der fehlerhaft konstruierten Schale oder dem zu adhäsiven Substrat, sondern an zu großen und häufigen Wassergaben. Staunässe wird aber landläufig als "behinderter Abfluss" bezeichnet. Ist aber in Bonsaischalen mit Abzuglöchern eher nicht der Fall:
Selbst eine unvorteilhaft konzipierte Schale, in deren Ecke theoretisch Wasser stehen bliebe (Frage an Erwin, Peter und Marc, Walther etc., ob sie bewusst ein Gefälle in den Schalenboden einmessen), würde wenn überhaupt nur sehr begrenzt Wasser zurückhalten (an dieser Stelle). Ein durchlässiges Substrat + Wurzeln (und auch
ein weniger durchlässiges) würden durch Kapillarkräfte die feuchte Ecke "leersaugen" (wie ein Schwamm).
Jetzt könnte man behaupten, dass nun ein sehr undurchlässiges Substrat zur Staunässe im Stande wäre, weil ja das Wasser nur sehr langsam entweichen könne. Das stimmt. Allerdings ist der Fehler dann nicht in der Schale, sondern davor zu suchen. Sogar unter ungünstigen Voraussetzungen (schlechte Schale, dichtes Substrat) wird es nicht zu Staunässe kommen, wenn der Besitzer/Pfleger entsprechend dafür sorgt, dass genügend wenig Wasser zugegeben wird.
Naka hat mit Sand, Lehm und org. Masse gearbeitet. Das würde heute in Europa wahrscheinlich kaum noch jemand machen. Hat aber auch funktioniert.
Wortklauberei? Vielleicht.
Staunässe ist aber in meinen Augen deshalb an dieser Stelle ein Mythos, weil es den Schuldigen woanders sucht, obwohl der Fehler beim falschen Gießverhalten zu suchen ist. Die Methode "mit-dem-Gartenschlauch-und-dann-gib-ihm" funktioniert eben nur unter den entsprechenden Voraussetzungen: grobes Substrat, wenig bis keine org. Masse, Substrat erreicht nicht den Zustand nass (ausgenommen unmittelbar nach der Wassergabe für eine sehr kurze Zeit).
LG,
Holger
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -