Och, es ist ja noch viel schlimmer: Sogar Asterix muss es unter Abstruzgefahr auf einem Felsband pflücken – während dem Alpenedelweiss am wohlsten ist auf alpinen Weiden mit kalkhaltigem Boden. Man sieht – die touristische Vermarktung und Verkitschung war sehr, sehr erfolgreich. Das geht bis zum Namen. Der taucht nämlich erst auf, als im 18. Jahrhundert das Alpenidyll als Sehnsuchts-Projektionsfläche entdeckt wurde. Ich habe noch einen andern Namen als Kind gelernt, überliefert von Berner Oberländer Verwandten: «Chatzedälpli» nannten die diese Blume. Was «Katzenpfoten» bedeutet und dem antiken «leontopodium», wie es heute noch botanisch heisst, recht nahe kommt: «Löwenfüsschen». Etwas salopper nannte es eine Grosstante «Buchwehblüemli», Bauchwehblume, weil es für sie primär eine Medizinalpflanze war (und noch ist, sie wird neuerdings sogar im grossen Stil in der Retorte gezüchtet).
Ehm ja. Das nur so nebenbei. Weil ich dieser wirklich wunderschönen Blume mit ihrer wolligen Scheinblüte ihren verdienten Platz zurückgeben möchte und sie runterholen vom Alpentourismus-Podestchen. Sie soll wieder eine Blume sein dürfen, finde ich. Weshalb ich deine «Anwendung» sehr begrüsse, aber unter umgekehrten Vorzeichen.
