Salü Sanne,
Du hast da einen interessanten Suiban mit einer bemerkenswerten Farbe.
Einen korrekten topfebenen Suiban herzustellen war damals (95) noch nicht die Kernkompetenz von Peter Krebs.
Aber das macht auch ein Stückweit den Reiz und den Sammelwert eines so leicht verzogenen Suiban aus. Ein klassisches Frühwerk oder eher ein mahnendes Lehrstück? Wie auch immer, es hat einen zerbrechlichen Charme von unvollkommener Eleganz.
Die Farbe ist trotz der leichten Blässe sehr dominant und bestimmt, mit Sand gefüllt, als Rahmen die Wirkung des "Bildes".
In unserem Kulturkreis gilt die Farbe als Träger der Hoffnung und als Imagination der Sehnsucht. Sie dürfte in diesem Fall auch Weite und Unendlichkeit andeuten. Sie kann sogar die vierte Dimension, die Zeit, andeuten, aber in diesem Fall eher den Begriff des Zeitlosen. Wie das in Fernost interpretiert wird geht mir am Allerwertesten vorbei denn ich lebe, denke und fühle mitteleuropäisch.
Ich weiss, sehr viel Interpretation meinerseits für etwas Pragmatisches wie einen Suiban. Aber das macht mir u.A. auch den Spass bei Suiseki aus.
Den Stein klassiere ich als Enzan-seki (Entfernter Berg).
Dann steht er auf Bild 3 goldrichtig.
Das Bild zeigt mir dann einen flachen Bergrücken der z.B. aus dem Nebelmeer herausragen könnte. Wenn man diese Dramaturgie vermitteln will und ev. mit Beisteller oder Rollbild unterstützt, erzeugt der rechte Negativraum ein Ungleichgewicht und damit eine durchaus gewollte Spannung. Diese Spannung muss jedoch in einer Präsentation "aufgefangen" werden z.B. mit der räumlicher Positionierung des Hauptobjektes und der geschickten Arrangierung von dem angesprochenem Beisteller und/oder einem Rollbild.
Wenn ich jedoch eher einen Shimagata-Ishi (Inselstein) darstellen möchte, wäre Bild Nr. 4 angenehmer.
Damit wird der goldene Schnitt besser berücksichtigt.
Wenn ich den Suiban in der Breite, in drei Teile und in der Tiefe in zwei Teile trenne, steht der optische Schwerpunkt des Berges ca. auf der hinteren linken Schnittlinie.
Mit dieser Position verursache ich keine Spannung sondern bringe Ruhe und Stabilität ins Bild. Das haben auch Lotte und Andreas gespürt.
Das sind jedoch lediglich ganz persönliche Ansichten von mir und sind ganz bestimmt nicht allgemeingültig.
George